| Interview

Owen Ansah: „Es soll noch schneller werden“

© Theo Kiefner
Vor knapp zwei Jahren schrieb Owen Ansah (Hamburger SV) bei den Deutschen Meisterschaften in Braunschweig deutsche Sportgeschichte. Als erster Deutscher lief er die 100 Meter in unter 10 Sekunden. Bei der Sparkassen-Gala am Samstag in Regensburg war er nochmals schneller unterwegs und verbesserte seinen eigenen Rekord um eine Hundertstelsekunde auf 9,98 Sekunden und ist damit aktuell der schnellste Sprinter Europas. Nach seinem Rekordlauf sprach der 25-Jährige über mögliche Reserven, die Sommervorbereitung und seine pushende Trainingsgruppe.
Sandra Arm

Owen Ansah, herzlichen Glückwunsch zum neuen Deutschen 100-Meter-Rekord. Haben Sie gespürt, dass 9,98 Sekunden in Regensburg möglich sind?

Owen Ansah:
Wir trainieren für solche Zeiten und solche Rennen. Dass es mir in meinem zweiten Saisonrennen gelungen ist, überrascht mich. Ich habe mir gewünscht, dass solch ein Rennen mit dieser Zeit erst in den nächsten Wochen folgt. Dass es jetzt schon so gekommen ist, darüber freue ich mich sehr.

Regensburg hat einmal mehr bewiesen, dass schnelle Rekordzeiten möglich sind. Im vergangenen Jahr lief Ihr Trainingspartner Lucas Ansah-Peprah 10,00 Sekunden, jetzt haben Sie mit einem neuen Deutschen Rekord von 9,98 Sekunden nachgelegt. Wie hört sich das an?

Owen Ansah:
Es ist unfassbar – eine super Zeit. Ich dachte, dass die 9,99 Sekunden eine super Zeit sind. Eine Zeit von 9,98 Sekunden hört sich nochmal ein bisschen besser an. Ich bin unheimlich glücklich, dass ich das schaffen konnte.

Sie sind die 9,99 Sekunden vor knapp zwei Jahren bei den Deutschen Meisterschaften in Braunschweig gelaufen. Jetzt die 9,98 Sekunden in Regensburg. Inwieweit ist ein Unterschied zu spüren?

Owen Ansah:
Das Einzige, was sich unterscheidet, ist die Farbe der Bahn (lacht). In Braunschweig war sie blau, in Regensburg rot. Ansonsten würde ich keinen großen Unterschied ausmachen.

Vom Gefühl her, war in dem Finale vielleicht sogar noch mehr möglich oder waren die 9,98 Sekunden bereits ausgereizt?

Owen Ansah:
Für mich hat sich das Rennen super angefühlt. Mein Trainer Sebastian Bayer wird da mit Sicherheit noch etwas finden. Ich mag es, mit ihm zusammenzuarbeiten, weil er immer wieder Fehler findet, an denen man arbeiten kann, um noch schneller zu werden.

Im Vergleich Vorlauf (10,16 sec) zum Finale (9,98 sec): Worin lag – mal abgesehen von der Zeit – der größte Unterschied?

Owen Ansah:
In der Konkurrenz, die mir im Vorlauf ein bisschen gefehlt hat. Es ist ein Vorlauf, ganz klar. Im Finale ist es immer so, dass die schnellsten acht Sprinter auf der Bahn stehen. Diese starke Konkurrenz habe ich gut ausgenutzt.

Bereits Anfang Juni mit solch einer Rekordzeit aufzuwarten, lässt definitiv aufhorchen. Wie sah Ihre Vorbereitung auf die Sommersaison aus?

Owen Ansah:
Das war, glaube ich, meine erste Vorbereitung, die verletzungsfrei lief. Das macht mich umso glücklicher, dass ich dann so reagiere auf das Training.

Gab es dennoch Veränderungen im Training oder sind Sie Ihrer Linie treu geblieben?

Owen Ansah:
Es ist alles gleich geblieben. Wir wussten, dass wir auf einem guten Weg sind. Das haben wir mit dem Rennen ins Regensburg bewiesen. Es ist einfach super, wie es gerade läuft.

Zum Saisonauftakt standen bereits 10,09 Sekunden aus Mannheim in der Bestenliste. Da hat das gute Gefühl aus der Vorbereitung nicht getrogen ...

Owen Ansah:
... ich habe mich unfassbar gefreut, dass ich mit solch einer Zeit einsteigen konnte. Dass es in meinem zweiten Saisonrennen noch schneller geworden ist, ist unfassbar. Mein Ziel ist es, dass es im weiteren Saisonverlauf noch ein bisschen schneller wird.

Nach Ihrem schnellem Auftakt lief es beim „Golden Oval“ in Dresden vor einer Woche mit einem Fehlstart weniger optimal. Wie sind Sie damit umgegangen?

Owen Ansah:
Das ist ein neues Rennen in Regensburg gewesen. Ich habe das Rennen in Dresden abgehakt, ich habe den Fehlstart schon wieder vergessen. Mich beschäftigt das gar nicht mehr. Ich meine, im Training passiert das auch mal, dass ich früher rauslaufe, bevor geklatscht wird. Deswegen ist es normal.

Wie sehr pusht auf dem Weg zu schnellen Zeiten Ihre starke Mannheimer Trainingsgruppe?

Owen Ansah:
Unfassbar – wir pushen uns so krass im Training. Manchmal ist es schon ein bisschen gruselig, da muss uns Sebastian Bayer schon ein wenig bremsen, weil ich es nicht einsehen kann, warum ein Weitspringer wie Simon Batz so schnell bei Tempoläufen ist. Das ist auch ein Grund, weshalb am Ende solche Zeiten rauskommen.

Nach dem Rekordrennen in Regensburg: Wie sieht Ihr weiterer Saisonfahrplan aus?

Owen Ansah:
Ich starte nächstes Wochenende wieder in Mannheim – auf unserem Hometrack – über 100 und 200 Meter. Da soll es wiederum ordentlich schnell werden. Es folgt dann ein Trainingsblock. Die Deutschen Meisterschaften in Bochum-Wattenscheid sind dann Ende Juli der nächste große Wettkampf, bevor Mitte August die Europameisterschaften in Birmingham anstehen.

Mehr:
9,98 Sekunden! Owen Ansah sprintet Deutschen 100-Meter-Rekord

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