| Interview der Woche

Nils Voigt: „Ich wollte hier unbedingt wieder gewinnen“

© Torben Flatemersch
Mit einer neuen Bestzeit ist Nils Voigt (TV Wattenscheid 01) bei den Deutschen 10-Kilometer-Meisterschaften in Uelzen mit 27:56 Minuten erstmals unter der 28-Minuten-Marke geblieben. Es war sein zweiter DM-Titel in der niedersächsischen Stadt nach 2021. Im Interview der Woche spricht der 28-Jährige über seine Motivation vor dem Rennen, die Leiden während eines Marathons und seine nächsten Ziele.
Birte Grote

Herzlichen Glückwunsch Nils Voigt, Sie haben sich am Sonntag in Uelzen nach 2021 wieder den DM-Titel über 10 Kilometer gesichert. Wie geht’s Ihnen nach dem erneuten Erfolg?

Nils Voigt:
Dankeschön, ich bin super glücklich. Es ist wunderschön, nach fünf Jahren jetzt wieder gewonnen zu haben. Das bedeutet mir wirklich viel. Die Stadt ist richtig schön und ich bin super zufrieden mit der Zeit

Wie haben Sie den Rennverlauf erlebt?

Nils Voigt:
Florian Bremm ist von Anfang an vornweg gelaufen, Hendrik Pfeiffer hat immer wieder kleine Antritte eingestreut, um uns müde zu machen. Durch meine Erfahrung wusste ich aber, dass das Rennen eigentlich erst auf den letzten drei Kilometern stattfindet.

Wie hat sich dann der letzte Rennabschnitt angefühlt?

Nils Voigt:
Die letzte Runde war sehr schnell. Ich musste ganz schön Druck machen, um mich abzusetzen. Das war ungefähr beim letzten Kilometer. Ich wusste dann auch gar nicht, wie weit die anderen hinter mir sind. Ich habe mich bis auf den letzten Meter angestrengt.

Mit welchen Erwartungen sind Sie denn ins Rennen gegangen?

Nils Voigt:
Eigentlich sollte es ein Vorbereitungslauf für den Halbmarathon in drei Wochen in Berlin sein. Aber als ich dann in Uelzen angekommen bin, habe ich mich daran erinnert, dass ich hier schon einmal gewonnen habe. Das hat etwas in mir geweckt und dann wollte ich auch wieder unbedingt gewinnen. Mit der Einstellung habe ich mich dann auch an die Startlinie gestellt.

Wie hat Ihnen die Stimmung an der Strecke gefallen?

Nils Voigt:
Super! Es war ganz, ganz toll, die lange Gerade in der Innenstadt herunterzulaufen. Wir hatten hier eine richtig schöne Kulisse. Überall war etwas los und man hat die Leute immer gehört.

Allerdings war fünfmal mit dem Wendepunkt eine scharfe Kurve zu laufen. War das ein Problem?

Nils Voigt:
Ich bin eine neue Straßenbestzeit gelaufen. Das sagt ja schon viel aus. Bestimmt kann man ein, zwei Sekunden pro Runde durch diesen Wendepunkt abziehen, aber letztendlich gibt es nie perfekte Strecken. Es ist ein Straßenlauf und da sind halt nun mal auch Kurven drin.

Sie hatten vor zwei Wochen beim 10-Kilometer-Rennen in Castellon großes Pech, als der Transponder verloren gegangen ist und die Zeit von etwas über 28 Minuten nicht gewertet werden konnte. Was ist da genau passiert?

Nils Voigt:
Ich weiß es gar nicht. Es wurde gesagt, dass mein Transponder verloren gegangen wäre, aber ich hatte meine Startnummer, an der er befestigt war, immer bei mir. Ich habe gar keine Ahnung, was da passiert ist. Es ist halt schade, dass die Zeit fehlt, vielleicht hätte ich die Zeit für eine Weltrangliste gebraucht, aber jetzt ist es halt so.

Sie haben schon den Halbmarathon in Berlin am 29. März angesprochen. Mit welchen Erwartungen gehen Sie nach dem 10-Kilometer-Sieg in das Rennen?

Nils Voigt:
Ich möchte eine neue Bestzeit laufen. Die liegt gerade noch bei 61:30 Minuten und ist mittlerweile fünf Jahre alt. Es wird jetzt also wirklich Zeit, diese zu verbessern.

Sie sind Mitte Oktober in Amsterdam noch Marathon gelaufen und haben mit 2:08:22 Stunden eine neue Bestzeit erzielt. Wie verlief im Anschluss Ihre Vorbereitung auf die Frühjahrssaison?

Nils Voigt:
Nach dem Marathon war es ziemlich zäh und schwierig, wieder reinzukommen. So ein Marathon nimmt mich bisher immer ganz schön mit. Seit Januar habe ich aber das Gefühl, dass es im Training wieder besser läuft.

Wie sehen denn Ihre weiteren sportlichen Ziele für dieses EM-Jahr aus? Geht’s auf die Bahn oder bleiben Sie auf der Straße?

Nils Voigt:
Es geht auf jeden Fall auch wieder auf die Bahn. Ich möchte gerne bei der Europameisterschaft in Birmingham starten. Die Distanz ist noch offen. Über 10.000 Meter habe ich die Norm noch nicht. Da hätte ich in Uelzen sechs Sekunden schneller laufen müssen. Aber ich bin optimistisch, dass ich das drauf habe. Und im Herbst möchte ich dann noch einen schnellen Marathon laufen.

Sie sind nun zwei Marathons gelaufen. Fühlen Sie sich schon auf der Marathon-Distanz angekommen?

Nils Voigt:
Marathon ist super hart. Das ist wirklich anders. Nachdem ich in Castellon vor zwei Wochen oder jetzt in Uelzen die 10 Kilometer gelaufen bin, kann ich ganz normal reden und bin am Nachmittag gut drauf. Nach dem Marathon hing ich die ganze Zeit nur rum und kam kaum von der Stelle. Die Beine taten so weh. Aber trotzdem ist es eine schöne Erfahrung, weil man länger Zeit hat, in dieser Schmerzzone zu sein. Dazu muss man sich dann aber auch erst einmal überwinden.

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