| Interview

Frederik Ruppert: „Ich fühle mich bereit für den EM-Titel“

Hindernisläufer Frederik Ruppert jubelt mit erhobenen Armen © Diamond League AG
Erst der Europarekord über 3.000 Meter Hindernis (7:57,80 min) am zurückliegenden Sonntag bei der Diamond League in Rabat (Marokko). Und nur drei Tage später bei den Paavo Nurmi Games in Turku (Finnland) mit 12:57,61 Minuten auch eine Fabelzeit über 5.000 Meter: Frederik Ruppert (LAV Stadtwerke Tübingen) hat einen Lauf. Warum ihm die Diamond-League-Rennen in Rabat besonders gut liegen? Was die deutschen Läufer momentan so stark macht? Und welche Rennen er in diesem Sommer noch geplant hat? All das hat er uns im Interview verraten.
Svenja Sapper

Frederik Ruppert, mittlerweile sind Glückwünsche gleich doppelt angebracht – zum einen zum Europarekord über 3.000 Meter Hindernis, zum anderen zur neuen Bestzeit über 5.000 Meter, gleichbedeutend mit Platz vier der Weltjahresbestenliste sowie der ewigen deutschen Bestenliste …

Frederik Ruppert:
Vielen Dank! Europarekordler, das hört sich sehr gut an, damit kann ich arbeiten (lacht).

Im vergangenen Jahr sind Sie beim Diamond-League-Meeting in Rabat völlig überraschend deutschen Rekord (8:01,49 min) gelaufen, jetzt waren Sie noch einmal knapp vier Sekunden schneller. Sie haben schon unmittelbar nach dem Rennen durchblicken lassen, dass diese Leistung für Sie nicht ganz so überraschend kam wie im Vorjahr. Wodurch ist dieser Eindruck entstanden?

Frederik Ruppert:
Die letzten Trainingseinheiten waren fantastisch. Wir haben sehr viel ähnlich gemacht wie vor dem letzten Jahr. Und ich habe gesehen, dass da nochmal ein Sprung stattgefunden hat. Daher war ich mir ziemlich sicher, dass ich noch schneller laufen kann als letztes Jahr. Ich wusste nur nicht, ob ich das direkt beim ersten Rennen zeigen kann. Dass ich noch mal nahezu vier Sekunden schneller laufen kann, hätte ich allerdings nicht gedacht. Das war in der Deutlichkeit für mich doch überraschend.

Sie sind jetzt der erste Europäer, der über 3.000 Meter Hindernis die acht Minuten unterboten hat – sicher ein ganz besonderer Meilenstein …

Frederik Ruppert:
Auf jeden Fall. Eine Sieben vor dem Komma – das war ein Traum, den ich eigentlich immer für unerreichbar hielt. Letztes Jahr bin ich dem Ganzen sehr nahe gekommen, das zur Realität werden zu lassen. Und dann habe ich das visualisiert und hatte diese Sieben vor dem Komma als großes Ziel vor Augen. Das jetzt geschafft zu haben, ist mega.

Ihre Taktik beim Rennen in Rabat gestaltete sich etwas anders als im Vorjahr, obwohl Sie in beiden Rennen Zweiter hinter Lokalmatador und Olympiasieger Soufiane El Bakkali Zweiter wurden. Damals haben Sie beide sich frühzeitig vom Feld abgesetzt. Diesmal haben Sie mit einer schnellen Schlussrunde noch einige Kontrahenten eingesammelt. Hatten Sie diese Taktik bewusst gewählt?

Frederik Ruppert:
Nein, gar nicht. Eigentlich wollte ich direkt vorne die ganze Zeit mitgehen und einfach dranbleiben, egal was passiert. Aber es war so schnell am Anfang, die hatten das Licht so schnell eingestellt in der ersten Runde. Das fühlte sich für mich einfach nicht richtig an. Und dann habe ich gedacht, ich muss mich ein bisschen zurückhalten. Ich bin kurz ein bisschen nervös geworden, weil ich nicht wusste, dass das in der ersten Runde so schnell eingestellt ist. Aber ich habe dann zum Glück die Ruhe bewahrt und konnte mich dann wieder ranarbeiten. Das war dann schon eine Parallele zum letzten Jahr.

Wie haben Sie dann die letzte Runde erlebt?

Frederik Ruppert:
Wie im Rausch. Ich hatte wirklich ein Déjà-vu. Und ich habe echt noch gedacht, ich kann vielleicht sogar das Rennen gewinnen. Soufiane El Bakkali hat auf den letzten 150 immer noch mal so eine „zweite Luft“. Die habe ich dann nicht mehr ganz erreichen können. Ich glaube aber, dass ich trotzdem die schnellste Schlussrunde hatte.

Sie haben die beiden schnellsten Hindernis-Zeiten Ihrer Karriere beide in Rabat erreicht – das Stadion scheint Ihnen zu liegen …

Frederik Ruppert:
Zum einen finde ich das Klima dort sehr angenehm. Es ist relativ kühl, die Sonne ist schon untergegangen um die Zeit, wo wir einmal starten. Und es geht ein laues Lüftchen. Das ist von den Bedingungen her, finde ich perfekt. Und dann ist es auch immer so, dass das Rennen auf El Bakkali ausgerichtet ist und dementsprechend schnell gepact wird, weil er World Lead laufen möchte. Daher bietet es sich einfach an, wenn man schnell rennen will, dorthin zu gehen.

Am Mittwoch standen Sie bei den Paavo Nurmi Games wieder auf der Bahn – und sind in 12:57,61 Minuten über 5.000 Meter die nächste Weltklasse-Zeit gelaufen. Haben Sie erwartet, dass so kurz nach dem Rennen in Rabat schon wieder die nächste Topzeit drin ist?

Frederik Ruppert:
Dass ich die Zeit in den Beinen habe, wusste ich. Ich hätte aber erwartet, dass mich der Reisestress ein bisschen mehr mitnimmt. Ich bin am Montag direkt nach dem Rennen aus Rabat nach Hause gereist. Das waren ungefähr zwölf Stunden Reise. Ich habe dann zu Hause geschlafen und bin am nächsten Morgen weitergeflogen von Düsseldorf nach Turku. Und da habe ich schon gedacht, das könnte mir vielleicht das Rennen versauen, ich habe auch echt überlegt, ob ich es tun soll. Aber ich habe dann sehr früh im Rennen gemerkt, dass es mir sehr gut geht und mich das eigentlich kaum beeinflusst hat. Flo [Bremm] und ich haben uns vor dem Rennen nicht abgesprochen, sondern nur gesagt, wir hängen uns rein, rollen mal mit und gucken uns das an.

Florian Bremm hat das Rennen in Turku in 12:56,80 Minuten vor Ihnen gewonnen, mit Mohamed Abdilaahi ist noch ein dritter deutscher Langstreckler unter 13 Minuten geblieben. Auch über die Hindernisse haben Sie sehr starke Konkurrenz im eigenen Land. Was macht die deutschen Läufer gerade so stark?

Frederik Ruppert:
Ich glaube, es hat ein großes Umdenken im Training stattgefunden. Die Leute haben verstanden, dass man sich nicht mehr was beweisen muss im Training, sondern dass man einfach konstant laufen muss und eine gute Belastungssteuerung haben muss. Und ich glaube, das ist der Grund dafür, dass alle so einen Schritt gemacht haben, weil alle eben gut durch den Winter kommen und kontinuierlich weiter trainieren. Dann findet auf kurz oder lang einfach eine Entwicklung statt. Und natürlich pushen wir uns alle gegenseitig sehr. Das war letztes Jahr schon so und tut unserer Sportart einfach nur gut.

Das erste Aufeinandertreffen mit Ihrer Hindernis-Konkurrenz um den EM-Dritten Karl Bebendorf und den WM-Finalisten Niklas Buchholz steht in diesem Jahr noch aus.

Frederik Ruppert:
Genau, und darauf freue ich mich schon sehr. Ich weiß, dass ich meine Rennen ein bisschen anders gestalten muss, als ich es im vergangenen Jahr getan habe. Und vor allem Karl, aber auch Niklas, sind mit die stärksten Hindernisläufer, die wir in Europa haben. Mich mit ihnen zu messen ist extrem wichtig und auch ein Fingerzeig für die Europameisterschaften.

Apropos Europameisterschaften: Sie haben die Norm für die EM in Birmingham bereits auf drei Strecken abgehakt: über die Hindernisse, über 5.000 Meter und bereits Ende März auch über 10.000 Meter. Können Sie sich einen Doppelstart in Birmingham vorstellen?

Frederik Ruppert:
Wir haben das noch nicht besprochen, aber ich würde es von meiner Seite aus eigentlich ausschließen. Ich möchte mich schon auf die Hindernisse fokussieren. Mein großer Wunsch ist die Goldmedaille bei der EM. Ich bin Europarekordler, da muss das schon das klare Ziel sein. Natürlich ist dadurch auch etwas Druck da. Aber ich bin im letzten Jahr schon in die Rolle reingewachsen und fühle mich bereit dazu.

Welche Rennen haben Sie vor der EM noch geplant?

Frederik Ruppert:
Als Nächstes laufe ich am 21. Juni in Hengelo die 1.500 Meter. Dann ist eine Woche später noch ein Hindernisrennen bei der Diamond League in Paris geplant. Und dann stehen bald auch schon die Deutschen Meisterschaften und die Europameisterschaften an. Darauf liegt natürlich der Fokus, deshalb haben wir erst mal noch nicht weiter geplant.

Europas ewige Top Ten über die Hindernisse

7:57,80 min | Frederik Ruppert (LAV Stadtwerke Tübingen) | 31. Mai 2026 | Rabat (MAR)
8:00,09 min | Mahiedine Mekhissi-Benabbad (Frankreich) | 6. Juli 2013 | Paris (FRA)
8:01,18 min | Bouabdellah Tahri (Frankreich) | 18. August 2009 | Berlin
8:04,95 min | Simon Vroemen (Niederlande) | 26. August 2005 | Brüssel (BEL)
8:05,23 min | Djilali Bedrani (Frankreich) | 4. Oktober 2019 | Doha (QAT)
8:05,69 min | Fernando Carro (Spanien) | 12. Juli 2019 | Monaco
8:05,75 min | Mustafa Mohamed (Schweden) | 28. Juli 2007 | Heusden-Zolder (BEL) 
8:07,44 min | Luis Miguel Martín (Spanien) | 30. August 2002 | Brüssel
8:07,62 min | Joseph Mahmoud (Frankreich) | 24. August 1984 | Brüssel
8:07,96 min | Mark Rowland (Großbritannien) | 30. September 1988 | Seoul (KOR)

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