Nach 29 Jahren ist der Deutsche 10.000-Meter-Rekord von Dieter Baumann Geschichte. Am Samstagabend (Ortszeit) schraubte Mohamed Abdilaahi die Rekordmarke beim Laufmeeting "The Ten" in San Juan Capistrano in neue Sphären. Mit 26:56,58 Minuten blieb der Kölner als erster Deutscher auf der Langstrecke unter 27 Minuten. Frederik Ruppert überzeugte beim Debüt ebenfalls.
Während in Deutschland der Sonntagmorgen anbrach, wurde in den USA ein Deutscher Rekord ausgelöscht, der mit 29 Jahren älter war als der Athlet, der ihn brach. In 26:56,58 Minuten war Mohamed Abdilaahi (Cologne Athletics) beim Läufermeeting "The Ten" in San Juan Capistrano fast 25 Sekunden schneller als Dieter Baumann (27:21,53 min) bei seinem Rekordlauf am 5. April 1997 in Barakaldo (Spanien). Damit bereitete sich der Kölner zugleich ein verspätetes Geschenk zu seinem 27. Geburtstag, den er am 24. März gefeiert hatte.
Bereits auf dem ersten Kilometer übernahm Mohamed Abdilaahi gemeinsam mit Ky Robinson (Australien), Gulveer Singh (Indien), Ahmed Muhumed (USA) und zwei Pacemakern das Kommando und riss eine Lücke zu den Verfolgern. Die Führungsgruppe lief gleichmäßige Rundenzeiten knapp unter 65 Sekunden. Der erste Tempomacher stieg bei 3.000 Metern aus, der zweite begleitete die Gruppe bis zur Halbzeit. Kurz vor der 6.000-Meter-Marke konnte Gulveer Singh nicht mehr mithalten. Zwei Runden später musste auch Ahmed Muhumed abreißen lassen. So machten Abdilaahi und Robinson den Sieg unter sich aus.
Nur zehn Sekunden fehlen zum Europarekord
Nach einigen Führungswechseln hatte schließlich der Kölner das bessere Ende für sich. Mit seinem neuen Deutschen Rekord* reihte er sich zugleich auf Platz fünf der ewigen europäischen Bestenliste ein, fast genau zehn Sekunden fehlten zum 15 Jahre alten Europarekord von Mo Farah (Großbritannien; 26:46,57 min). Für den neuen Deutschen Rekordler war es das erste 10.000-Meter-Rennen auf der Bahn seit vier Jahren: 2022 war er in Stanford (USA) 28:13,83 Minuten gelaufen. Jedoch hatte er in diesem Januar mit 27:22 Minuten auf den Straßen von Valencia (Spanien) bereits angedeutet, dass noch viel mehr möglich ist.
Auch Robinson war schneller denn je: Der Hallen-WM-Dritte von 2025 über 3.000 Meter knackte in 26:57,07 Minuten erstmals die 27-Minuten-Schallmauer. Dritter wurde mit einem starken Finish der Niederländer Mike Foppen (27:20,52 min), der ebenso wie Woody Kincaid (USA; 27:20,84 min) noch Ahmed Muhumed (27:22,93 min) abfangen konnte.
Frederik Ruppert feiert starkes Debüt
Nur wenige Sekunden später kam als Achter Frederik Ruppert (LAV Stadtwerke Tübingen) ins Ziel. Der Deutsche Hindernis-Rekordler hielt sich bei seinem 10.000-Meter-Debüt in der von seinem Vereinskameraden Maximilian Thorwirth gepacten ersten Verfolgergruppe auf und konnte auf den letzten Runden noch zu Muhumed Ahmed und Gulveer Singh aufschließen, die nur knapp vor ihm über die Ziellinie liefen. Der Tübinger verfehlte mit 27:24,53 Minuten die alte Baumann-Bestmarke nur um drei Sekunden. Der dritte deutsche Teilnehmer Aaron Bienenfeld (Düsseldorf Athletics) war nach 28:11,23 Minuten im Ziel.
Nach dem Rennen wechselte Maximilian Thorwirth von der Rolle des Tempomachers in die des Interviewers und holte den neuen Deutschen Rekordler vor die Kamera. "Ich bin megahappy und einfach dankbar, dass es so gut funktioniert hat", ließ Mohamed Abdilaahi seinen Teamkollegen wissen. "Valencia lief ja sehr gut und ich bin nicht der beste Straßenläufer. Wenn ich auf der Straße gut laufe, bin ich auf der Bahn noch viel, viel stärker. Ich komme jetzt langsam in meine Prime. Mega, dass ich gewinnen konnte und dass Freddy auch so gut gelaufen ist!"
Im Rennen der Frauen hatte Lisa Merkel (LAV Stadtwerke Tübingen) Grund zur Freude. Für die 23-Jährige wurden als Viertplatzierte 31:32,25 Minuten gestoppt. Damit lief sie nicht nur neue Bestzeit (bisher: 31:46,53 min) und schob sich in die Top Ten der ewigen deutschen Bestenliste, sondern erfüllte auch die EM-Norm. Für eine Teilnahme an den Titelkämpfen in Birmingham (Großbritannien; 10. bis 16. August) sind 32:00,00 Minuten gefordert. Den Sieg holte sich Shelby Houlihan (30:50,10 min) vor Jessica McClain (31:15,49 min) und Allie Buchalski (alle USA; 31:29,06 min).
Die kompletten Resultate finden Sie in unserer Ergebnisrubrik.
*Rekord vorbehaltlich Ratifizierung