Das Mehrkampf-Meeting in Filderstadt-Bernhausen diente am zurückliegenden Wochenende als Nominierungswettkampf für die internationalen Nachwuchs-Meisterschaften. Erfreulich: Für die U18-EM in Rieti und die U20-WM in Eugene konnten alle Startplätze besetzt werden. Besonders stark präsentierte sich U18-Siegerin Svea Funck.
Im vergangenen Jahr begann mit dem Sieg in Filderstadt-Bernhausen (5.773 pt) die Erfolgssaison von Siebenkampf-Talent Svea Funck (TV Jahn Walsrode), die sich später in Skopje (Nordmazedonien) zur Siegerin des Europäischen Olympischen Jugendfestivals (EYOF) krönte und dort ihre Bestleistung noch einmal auf 5.794 Punkte steigerte. Am zurückliegenden Wochenende war die noch 16-Jährige erneut im Fleinsbachstadion von Bernhausen zu Gast – und lag nach dem ersten Tag mit einem Punkt gegenüber ihrer Bestleistung im Plus.
Die erste Disziplin des zweiten Tages verlief dann nicht ganz nach Wunsch für die junge Siebenkämpferin. Im Weitsprung hatten die Athletinnen durchweg mit böigem Wind zu kämpfen, der meist von vorne wehte. Im dritten Durchgang rettete Svea Funck sich noch auf 5,47 Meter – ebenso weit wie bei ihrem EYOF-Sieg, wenngleich zur Bestmarke von 5,96 Metern ein Stück fehlte. Nach dem Weitsprung übernahm zunächst Elisabeth Nawroth (TSV Gomaringen) die Führung, die mit 5,71 Metern den weitesten Satz des Tages hingelegt hatte.
Platz zwei der ewigen deutschen U18-Bestenliste
Doch im Speerwurf konnte Svea Funck mit 45,62 Metern wieder ihre Stärke ausspielen, und nach der neuen 800-Meter-Bestzeit von 2:17,64 Minuten war auch der neue Siebenkampf-Hausrekord besiegelt: 5.837 Punkte führten sie nicht nur hinter der Finnin Alisa Launonen (6.011 pt) auf Rang zwei in Europas U18, sondern auch auf Rang zwei der ewigen deutschen U18-Bestenliste. Lediglich Emma Kaul (USC Mainz; 5.946 pt) liegt noch vor ihr.
Svea Funck löste damit natürlich auch das Ticket für die U18-EM in Rieti (Italien; 16. bis 19. Juli), ebenso wie die zweitplatzierte Elisabeth Nawroth (5.533 pt), die bereits im Mai mit 5.562 Punkten die Norm von 5.300 Punkten abgehakt hatte und den Richtwert in Bernhausen ein zweites Mal übertraf. Dritte wurde die Britin Dionne Maguinness (5.438 pt).
Magnus Vieth stärkster U18-Zehnkämpfer
In der männlichen U18 blieb es bis zum Schluss spannend. Einzig Magnus Vieth (Hannover 96) hatte sich vor den 1.500 Metern unter anderem mit dem starken Diskuswurf (46,27 m) ein Polster verschafft, dahinter trennten nur sieben Punkte Vincent Armstroff (SV Halle) und Micah Schade (LG Emstal Dörpen). Und auch die starken Läufer Patrick Hüsken (LG Brillux Münster) und Allen Cole (TSV Bayer 04 Leverkusen) wollten über 1.500 Meter noch einen Vorstoß wagen.
Letztendlich änderte sich aber an der Reihenfolge der Top Drei nichts: Magnus Vieth sicherte sich mit 7.196 Punkten den Sieg, Vincent Armstroff wurde mit 7.123 Punkten Zweiter, die beiden schnappten sich die U18-EM-Tickets. Als schnellster 1.500-Meter-Läufer (4:41,81 min) hätte Allen Cole (7.073 pt) fast noch Micah Schade überholt, der jedoch mit 7.080 Punkten Rang drei ins Ziel brachte. Nur zwei Punkte hinter Allen Cole folgte Patrick Hüsken, der mit 4:44,17 Minuten ebenfalls schnell unterwegs war. Auch der sechstplatzierte Elias Henne (TSV Gräfelfing) knackte mit 6.887 Punkten noch die U18-EM-Norm (6.800 pt).
Maria Schnemilich: Weitsprung bringt die Wende
Im Siebenkampf der U20 hatten sich die favorisierten Elenor Servatius (TSV Bayer 04 Leverkusen) und Maria Schnemilich (1. LAV Rostock) am ersten Tag etwas schwergetan. Der Weitsprung brachte dann vor allem für Maria Schnemilich die Wende: Sie flog bis auf 6,10 Meter. Auch Elenor Servatius kratzte mit 5,97 Metern an der Sechs-Meter-Marke. Mit 44,88 Metern (Servatius) beziehungsweise 43,21 Metern (Schnemilich) im Speerwurf konnte sich das Duo schließlich von der Konkurrenz absetzen, während die Halbzeitführende Hannah Schwind (Post-Sportverein Trier) mit 30,10 Metern Federn lassen musste.
Über 800 Meter versuchte die nunmehr Drittplatzierte alles, um ihre Kontrahentinnen noch abzufangen. Mit 2:18,26 Minuten holte sie sich den Disziplinsieg und knackte mit 5.426 Punkten auch die Norm für die U20-WM in Eugene (USA; 5. bis 9. August). Doch Maria Schnemilich und Elenor Servatius zeigten ebenfalls gute 800-Meter-Leistungen und konnten die Attacke abwehren. Mit neuer Bestleistung von 5.592 Punkten siegte die Rostockerin vor der Leverkusenerin, die ihren Hausrekord um vier Zähler auf 5.525 Punkte steigerte, beide haben damit selbstredend auch den Weg nach Eugene eingeschlagen.
"Ich glaube, es ist der Traum eines jeden Athleten, einmal in Hayward Field antreten zu können", freute sich Maria Schnemilich auf ihr WM-Debüt. "Der erste Tag war sehr durchwachsen, es gab keine Disziplin, mit der ich wirklich zufrieden war. Nach dem ersten Tag war es schwierig, die Motivation aufrechtzuerhalten, aber die 6,10 Meter haben mir ganz viel Energie geschickt, um dann noch mal alles zu geben. Ich bin sehr froh, dass ich am Ende doch zeigen konnte, dass ich eigentlich in super Form bin." Zuletzt hat sie auch ihre Abiturprüfungen hinter sich gebracht und kann sich nun bis zur U20-WM ganz auf den Sport fokussieren.
U20-Athleten trotz Favoriten-Ausfällen stark
In der männlichen U20 konnten zwei der Favoriten nicht in den Kampf um die U20-WM-Tickets eingreifen. Der U20-EM-Siebte Paul Günther (SV Halle) musste schon vor dem Start die Segel streichen, der Deutsche Jugend-Hallenmeister Carl Wiegand (Eintracht Frankfurt) verabschiedete sich nach dem Weitsprung verletzungsbedingt. So waren es andere Athleten, die im Fleinsbachstadion auftrumpften. Gleich vier von ihnen übertrafen die U20-WM-Norm von 7.200 Punkten.
Besonders stark präsentierte sich Daniel Johannes von der Heyden (LG Rhein-Wied), der schon am ersten Tag mit 10,74 Sekunden den Grundstein für sein starkes Resultat legte. Vor allem in den Wurfdisziplinen ließ er mit 16,37 Metern im Kugelstoßen, 44,65 Metern im Diskuswurf und 57,51 Metern im Speerwurf starke Leistungen folgen. Seine stolze Gesamt-Punktzahl: 7.614 Zähler und momentan Rang drei der Welt in der U20.
Auf Platz zwei reihte sich mit 7.425 Punkten der mit 61,77 Metern beste Speerwerfer der Konkurrenz, Alexander Adler (ASC Darmstadt), ein, knapp dahinter folgte der Leverkusener Yannick Kraus (7.407 pt), der mit 4,50 Metern den Stabhochsprung gewonnen hatte. Als Vierter überbot auch David Kleinschrodt (LG Steinlach-Zollern; 7.349 pt) den Eugene-Richtwert.
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