| EM 2026

Birmingham Tag 4 | Berauschender Abend mit fünf DLV-Medaillen

© Stefan Mayer
Medaillenregen für das DLV-Team an Tag 4 der Europameisterschaften in Birmingham! Nachdem es über 3.000 Meter Hindernis Gold und Bronze für Gesa Krause und Olivia Gürth gab, durften auch die Zehnkämpfer einen Doppel-Erfolg feiern: Gold für Leo Neugebauer, Silber für Niklas Kaul. Gekrönt wurde der Abend schließlich mit der Bronzemedaille von Henrik Janssen im Diskuswerfen.
Jane Sichting

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Der Doppelsieg der deutschen Zehnkämpfer ist perfekt. In einem an Spannung nicht zu überbietenden Finale schnappte sich Leo Neugebauer (VfB Stuttgart) mit letzter Kraft EM-Gold. Mit 8.611 Punkten hatte er nach den 1.500 Metern 38 Punkte Vorsprung auf München-Europameister Niklas Kaul (USC Mainz). Youngster Amadeus Gräber kam mit 8.162 Punkten auf einen starken achten Platz.

Wie viele Körner ihn die zwei Tage im sonnig-heißen Alexander Stadium von Birmingham gekostet hatten, wurde bei Neugebauer vor allem auf der Zielgeraden der 1.500 Meter deutlich. Mit letzter Kraft taumelte der Weltmeister dem erlösenden Zielstrich entgegen, bevor er diesen im Sturz passen konnte und völlig erschöpft am Boden lag. Umso größer die Freude dann beim Blick auf die Anzeigetafel, die ihn an oberster Stelle führte: Nach dem WM- gab es nun auch den EM-Titel. Bronze sicherte sich bei seinem Comeback 8.900-Punkte-Zehnkämpfer Sander Skotheim (Norwegen; 8.433 pt). Mehr lesen Sie hier.

Gesa Krause und Olivia Gürth feiern Medaillen-Doppelpack

EM-Revanche gegen Finot geglückt: Gesa Krause (Silvesterlauf Trier; 9:12,69 min) sicherte sich am Donnerstagabend zehn Jahre nach ihrem ersten EM-Titel Goldmedaille Nummer drei über 3.000 Meter Hindernis. Das ist vor ihr keiner Athletin bei Europameisterschaften gelungen.

Auch die weiteren deutschen Läuferinnen untermauerten, wie stark der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) aktuell über die Distanz aufgestellt ist: Olivia Gürth (Silvesterlauf Trier; 9:15,33 min) gewann Bronze, Lea Meyer (VfL Löningen; 9:17,07 min) schaffte es trotz eines Sturzes am letzten Wassergraben auf Platz vier. Zuvor hatte die Löningerin, EM-Zweite von 2022, von Beginn an die Führungsarbeit übernommen – belohnt wurde es aufgrund des Sturzes dieses Mal nicht. Silber ging an die Titelverteidigerin Alice Finot (9:14,24 min) aus Frankreich. Mehr lesen Sie hier.

Henrik Janssen holt Bronze, Ceh wirft ersten EM-70er

Mit gleich acht Werfern, die den Diskus in diesem Jahr schon über 70 Meter weit geworfen haben, war es in der Theorie weniger die Frage, ob es bei der EM in Birmingham zum ersten Mal einen 70-Meter-Wurf geben wird, sondern vielmehr die, wem es gelingt. Die Antwort lieferte gleich im ersten Versuch der Titelverteidiger. Mit 70,83 Metern startete der Slowene Kristjan Ceh mit Meisterschaftsrekord in das Finale. Und auch Henrik Janssen (SC Magdeburg) lieferte von Beginn an solide ab, nach 69,06 Metern zum Auftakt folgten im zweiten Versuch 69,53 Meter – Saisonbestleistung! Damit sortierte sich der 28-Jährige zunächst auf Rang drei ein. Vor ihm lag noch Weltrekordhalter Mykolas Alekna. Mehr lesen Sie hier.

Mit 22 Minuten Verspätung startete am Donnerstagabend das Dreisprung-Finale bei der EM. Ein Unfall auf der Anfahrtsstrecke hatte dafür gesorgt, dass nicht alle Athletinnen rechtzeitig im Alexander Stadium von Birmingham waren. Kira Wittmann (Hannover 96) ließ sich davon zunächst nicht beeindrucken. Gleich im ersten Versuch bestätigte die Deutsche Meisterin ihre Bestform aus der Qualifikation und setzte sich mit 14,21 Metern vorübergehend auf Rang zwei. Im dritten Versuch steigerte sich die 26-Jährige noch einmal auf 14,32 Meter und flog sechs Zentimeter über ihre alte Bestmarke – allerdings bei zu viel Rückenwind. Für die Platzierung gezählt wurde der Versuch dennoch und bedeutete am Ende Platz sechs.

Denn auch die Konkurrenz war bestens in Form. Mit neuer europäischen Jahresbestleistung ging Gold an Dariya Derkach (Italien; 14,60 m),  Aleksandra Nacheva (Bulgarien; 14,40 m) und Ilona Masson (Belgien; 14,37 m) folgten auf Platz zwei und drei. Mehr lesen Sie hier.

Amy Hunt krönt sich zur Sprintkönigin

Mit gleich drei schnellen Britinnen am Start lag das Finale über 200 Meter klar in der Hand des Gastgeberlandes. Entsprechend lautstark war zu später Stunde auch die Stimmung im Alexander Stadium. Spannend machten es dabei insbesondere Amy Hunt und Dina Asher-Smith, die zum Ende der Zielgeraden gleichauf mit der Irin Rhasidat Adeleke als Spitzen-Trio vornweg sprinteten. Das bessere Stehvermögen hatte letzlich Amy Hunt, die sich in 22,19 Sekunden nach Gold über 100 Meter auch über die doppelte Distanz zur Europameisterin kürte.

Silber gewann Rhasidat Adeleke (22,28 sec) vor Dina Asher-Smith (22,29 sec), die als Jahresschnellste auf Rang drei ins Ziel kam. Für die dritte Lokalmatadorin Success Eduan wurde es Platz sechs. Die deutschen Sprinterinnen Sophia Junk (LG Rhein-Wied), Judith Bilepo Mokobe (USC Mainz) und Talea Prepens (TV Cloppenburg) standen geschlossen im Halbfinale, hatten den Sprung ins Finale allerdings verpasst.

Das Finale über 800 Meter erwies sich als klassisches Meisterschaftsrennen. In einem kontrollierten Tempo ging es im Pulk durch die erste Runde, erst eingangs der Schlusskurve zog die Geschwindigkeit dann an. An der Spitze setzte sich der Kroate Marino Bloudek etwas ab, doch allzu weit weg ließ ihn der Jahresbeste Mark English (Irland) nicht ziehen. Auch die beiden Spanier Mohamed Attaoui und David Barroso klemmten sich dahinter. Und als wäre 700 Meter lang nichts gewesen, zog Mark English auf der Zielgeraden scheinbar mühelos und mit lockerem Schritt an Bloudek vorbei. Bereits vor der Ziellinie streckte er die Arme jubelnd zur Seite: 1:45,26 Minuten wurden für ihn gestoppt, auf Rang zwei folgte Bloudek (1:45,62 min) vor Attaoui (1:45,71 min). Gefehlt hatte im Finale der dafür qualifizierte Brite Max Burgin. 

Erfolgreiche Titelverteidigung von Angelica Moser

Für den Einzug in das Finale waren 4,50 Meter gefordert – eine Höhe, die sieben Stabhochspringerinnen überqueren konnten, die verbleibenden fünf Final-Tickets gingen an Athleten, die 4,40 Meter überquerten. Und auch im Finale waren es dann sechs Athletinnen, die sich über 4,60 Meter schwangen. Bis zu einer Höhe von 4,80 Metern tadellos durch den Wettkampf marschierte Titelverteidigerin Angelica Moser (Schweiz). Erst bei 4,85 Meter leistete sie sich den ersten Fehlversuch.

Mutig agierte da die Französin Marie-Julie Bonnin, die 4,70 Meter übersprungen hatte und dann jeweils bei 4,80 und 4,85 Meter nach einem Fehlversuch pokerte und sich einen letzten Versuch für 4,85 Meter aufsparte. Auch die Finnin Wilma Heltelä nahm die verbleibenden zwei Versuche bei 4,80 Meter mit zur nächsten Höhe. Die 4,85 Meter überspringen konnte jedoch keine der drei Athletinnen mehr. So gab es Gold für Moser, die Saisonbestleistung sprang, Silber für Heltelä und Bronze für Bonnin.

Im dritten und letzten Halbfinale über 200 Meter sorgte Owen Ansah (Hamburger SV) für den stärksten deutschen Auftritt. Der EM-Dritte über 100 Meter übernahm von Beginn an die Kontrolle über das Rennen. Bereits aus der Kurve kam Owen Ansah mit deutlichem Vorsprung, auf den letzten Metern konnte er sogar etwas herausnehmen. Die Uhr stoppte bei 20,04 Sekunden. Damit blieb er nur zwei Hundertstelsekunden über dem Deutschen Rekord von Joshua Hartmann (ASV Köln) und erzielte zugleich die schnellste Zeit aller drei Halbfinals. Für den Kölner wurde es dagegen denkbar knapp. In 20,36 Sekunden fehlte ihm eine Hundertstelsekunde für den Einzug ins Finale. Das letzte Ticket sicherte sich der Italiener Filippo Dezza. Der dritte DLV-Sprinter Kameron Horton (Cologne Athletics) belegte bei seiner ersten EM in 20,58 Sekunden Rang 14. 

Tadellos: Christina Honsel springt ins Finale

Nach einer bisher schwierigen Saison und trotz fehlender Wettkampfroutine aufgrund von Fußproblemen zeigte sich Hochspringerin Christina Honsel (TSV Wattenscheid 01) in der Qualifikation bestens in Form und nahm jede der aufgelegten Höhen direkt im ersten Versuch – einschließlich der für das Finale geforderten 1,91 Meter. Insgesamt 15 Athletinnen schafften es über diese Höhe, unter ihnen auch die Favoritinnen um Weltrekordlerin Yaroslava Mahuchikh (Ukraine), Maria Żodzik aus Polen sowie die junge Serbin Angelina Topic. Für die beiden Nachwuchsspringerinnen Anna-Elisabeth Ehlers (TSV Bayer 04 Leverkusen) und Dorothea Gantert (SpVg Laatzen) war am Donnerstagvormittag nach übersprungenen 1,84 Meter Schluss. Damit kamen sie nicht ins Finale. 

Nichts riskieren und sicher ins Finale einziehen – so lautete die Devise der drei deutschen Hindernisläufer in den Vorläufen am Donnerstagvormittag. Und wenngleich es mit einer gelben Karte für WM-Finalist Niklas Buchholz (Franconia Athletics) ein kleines Kuriosum gab – er hatte seiner Trainerin unmittelbar vor dem Start noch etwas Eis gereiht, das er zur Kühlung genutzt hatte –, lief im Rennen alles nach Plan. Gemeinsam mit Europarekordler Frederik Ruppert (LAV Stadtwerke Tübingen) in einem Lauf, gab es auf Position drei und fünf die ersten beiden Tickets für das Finale. Frederik Ruppert lief 8:35,46 Minuten, für Niklas Buchholz wurden 8:35,90 Minuten gestoppt.

Im zweiten Lauf war dann der Deutsche Meister Karl Bebendorf (Dresdner SC) an der Reihe, der sich stets in der Nähe der Gruppenspitze aufhielt und das Rennen in 8:35,26 Minuten souverän zu Ende und gleichermaßen ins Finale lief. Die schnellste Vorlaufzeit legte der Spanier Daniel Arce (8:34,47 min) als Sieger des zweiten Vorlaufs hin.

Julian Weber unterstreicht Favoritenrolle

Mit einer persönlichen Bestleistung von 1:57,80 Minuten im Vorlauf ging es für Smilla Kolbe (Eintracht Frankfurt) ins Halbfinale über 800 Meter. Inmitten eines starken Feldes um die Olympiasiegerin Keely Hodgkinson (Großbritannien) und Femke Broeders-Bol (Niedelrande) hängte sich die 24-Jährige mutig an die Fersen der Favoritinnen. Erst auf der Zielgeraden wurde sie noch von drei Läuferinnen abgefangen – als Sechste ihres Laufes verpasste sie mit 1:58,21 Minuten das Finale um nur zwei Hundertstelsekunden. Nach einem Sturz in der letzten Kurve vor der Zielgeraden mit einem „qR“ nachträglich ins Finale gesetzt wurde Mitfavoritin Audrey Werro (Schweiz). 

Für Julian Weber (USC Mainz) und Nick Thumm (VfB Stuttgart) lief die Qualifikation im Speerwurf hervorragend. Während der Europameister von 2022 und EM-Zweitplatzierte von 2024 seine Wettkampftasche nach nur einem Versuch auf 84,02 Meter – die Tagesbestweite – mit erfüllter Qualifikationsweite von 82,00 Metern wieder packen konnte, veredelte Thum seinen dritten Versuch zu einer neuen Bestmarke. Mit 83,42 Metern war er zweitbester Werfer der Qualifikation. Neben den beiden Deutschen holte sich nur der Pole Dawid Wegner mit 82,40 Metern ein großes Q. Thomas Röhler (LC Jena) musste sich bei seinem internationalen Comeback nach vier Jahren mit 78,67 Metern als 14. vorzeitig verabschieden. 

Als schnellste deutsche Langsprinterin hat sich Johanna Martin (1. LAV Rostock) in dieser Saison über 400 Meter konstant bei Zeiten unter 51,50 Sekunden eingependelt und ihren Hausrekord sogar auf starke 50,57 Sekunden geschraubt. Das neue Niveau untermauerte die erst 20-Jährige in ihrem EM-Halbfinale, in dem sie mit 51,34 Sekunden die viertbeste Zeit ihrer Karriere lief. Zwar sollte dies auf Rang 15 nicht für das Finale reichen, dennoch gab sich die Abiturientin zufrieden. An der Spitze zu überzeugen wussten die Favoritinnen um Hallen-Europameisterin Lieke Klaver (Niederlande; 49,71 sec), Henriette Jaeger (Norwegen; 49,80 sec) sowie die Titelverteidigerin Natalia Bukowiecka (Polen; 49,67 sec). Insgesamt blieben fünf Sprinterinnen unter 50 Sekunden.

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