Stabhochspringer Jonathan Hummel hat am Samstag bei der U18-EM in Rieti die Goldmedaille gewonnen. Der 16-Jährige veredelte seinen Triumph mit einer neuen Bestmarke von 5,15 Metern. Mehrmals musste er im Wettkampf Nervenstärke beweisen.
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Das Stabhochsprung-Finale bei der U18-EM in Rieti (Italien) zog sich am Samstag lange hin: Schon bei den unteren Höhen hatten einige Athleten Probleme. Entsprechend lang musste Jonathan Hummel (LG Leinfelden-Echterdingen) auf seinen ersten Versuch bei 5,00 Metern warten. 4,70 und 4,85 Meter hatte er als Einziger im ersten Anlauf gemeistert und lag damit in Führung. Bei 5,00 Metern musste er dann zunächst zwei Kontrahenten vorbeilassen. Denn sowohl der Franzose Axel Faye, der damit seine PB einstellte, als auch der tschechische Jahresbeste Lukáš Kratochvíl waren im ersten Versuch erfolgreich.
Im zweiten Anlauf zog dann auch Jonathan Hummel nach, ebenso wie der Italiener Gabriele Belardi. Somit kämpften bei 5,10 Metern noch vier Athleten um drei Medaillen. Doch während sich der Tscheche und der Italiener aus dem Wettkampf verabschiedeten, überquerten sowohl Axel Faye als auch Jonathan Hummel die Höhe im dritten Versuch und teilten sich damit Rang eins. Dann wurden 5,15 Meter aufgelegt.
Das war dann doch eine Höhe zu viel für den Franzosen, der mit einer Bestmarke von 5,00 Metern in den Wettkampf gegangen war. Aber nicht für Jonathan Hummel! Er flog im zweiten Anlauf über die Latte und steigerte damit seine Bestleistung um fünf, die europäische Jahresbestleistung um vier Zentimeter.
Mit mentaler Stärke zum Titel
Für den Schützling der mehrmaligen Deutschen Stabhochsprung-Meisterin Anjuli Knäsche (VfB Stuttgart) wurde mit dem Triumph in Rieti ein Traum wahr. Lange hatte er auf diesen Wettkampf hingefiebert und immer wieder von einem möglichen Sieg geträumt – wenngleich seine letzten Wettkämpfe nicht nach Wunsch verlaufen waren. Doch der 16-Jährige verriet nach dem Wettkampf in der Mixed Zone seine größte Stärke: Unter Druck abliefern und über sich hinauswachsen. Das ist es, was wahre Champions ausmacht – und ein solcher ist Jonathan Hummel seit Samstag.
Zu den Athleten, die früh im Wettkampf Probleme hatten, gehörte leider auch Fynn Linus Fahrland. Nach einer makellosen Qualifikation scheiterte er dreimal an seiner Einstiegshöhe von 4,70 Metern. Seine Versuche zeigten, dass die Höhe auch diesmal machbar gewesen wäre. Doch der Abstand passte nicht und so fiel die Latte auch beim dritten Mal.
Stimme zum Wettbewerb:
Jonathan Hummel (LG Leinfelden-Echterdingen)
Wenn ich ehrlich bin: Als ich gesehen habe, dass der Franzose im ersten Versuch bei 5,15 Metern durchgelaufen ist, war mir klar, dass er das nicht mehr schaffen wird. Er war ja auch schon 15 Zentimeter über PB. Also wusste ich: Wenn ich drüberspringe, dann habe ich's! Ich muss sagen, dass die letzten vier, fünf Wochen seit meiner letzten PB nicht gut waren. Ich bin keine fünf Meter gesprungen und dachte schon, das war's jetzt für diese Saison. Mein Anlauf hat überhaupt nicht mehr gepasst. Ich habe mir seit gestern immer nur vorgestellt, wie ich richtig anlaufe. Und jetzt hat es funktioniert. Ich habe mir diesen Tag locker 60-mal vorgestellt, vor mir gesehen, wie ich gewinne. Und ich habe gezittert! Ich kann noch gar nicht begreifen, dass es jetzt wirklich passiert ist. Die Zeit vor dem Wettkampf ist immer die schlimmste. Wenn du am Abend zuvor nicht schlafen kannst und am Morgen nichts essen. Aber im Wettkampf funktioniert es einfach. Dann, wenn der Druck hoch ist, performe ich am besten. Das war schon immer so.