Das DLV-Team hat am Freitag bei den Europameisterschaften von Birmingham mit drei weiteren Medaillen geglänzt. Owen Ansah krönte sich gar zum ersten deutschen Europameister über 200 Meter seit 44 Jahren, auch Emil Agyekum und Shanice Craft feierten mit ihren Silbermedaillen historische Erfolge. Für Partystimmung sorgten im Alexander Stadium Italiens Hochspringer Gianmarco Tamberi und die 800-Meter-Läuferinnen. Die Schweizerin Audrey Werro setzte sich in einem Dreikampf durch, der sicher noch lange in Erinnerung bleiben wird.
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Er wollte den deutschen Sprint bei den Europameisterschaften in Birmingham (Großbritannien) wieder auf die internationale Landkarte bringen. Das ist Owen Ansah (Hamburger SV) eindrucksvoll gelungen: Am Dienstag hatte er noch die Bronzemedaille über 100 Meter gefeiert, am Freitag lieferte er mit dem Gewinn des Europameistertitels über 200 Meter sein Meisterstück! In 19,95 Sekunden ließ der 25-Jährige der Konkurrenz auf der Zielgeraden keine Chance. Einen neuen deutschen Rekord machte nur der zu starke Rückenwind zunichte. Es war ein Erfolg, auf den deutsche Sprinter mehr als vier Jahrzehnte warten mussten: Seit EM-Gold und EM-Bronze von Olaf Prenzler und Frank Emmelmann (beide DDR) im Jahr 1982 stand in diesem Wettbewerb kein Deutscher mehr auf dem EM-Podest. Mehr dazu lesen Sie hier.
Eingeläutet hatte die Fortsetzung der deutschen Medaillensammlung am Freitag der Deutsche Rekordhalter über 400 Meter Hürden Emil Agyekum (SCC Berlin). Nur einen musste der 27-Jährige im Finale ziehen lassen: Weltrekordler Karsten Warholm. Mit neuem Meisterschaftsrekord von 46,63 Sekunden gewann der Norweger bereits seinen vierten EM-Titel in Folge. Nach den fünf deutschen Medaillen des Vorabends glänzte das Rennen von Emil Agyekum silbern. In 47,87 Sekunden rannte er bereits die fünfte Zeit der Saison unter 48 Sekunden, der zweite Platz war ungefährdet. Bronze ging in 48,26 Sekunden an den Türken Ismail Nezir. Mit diesem Platz hatte auch Owe Fischer-Breiholz (Königsteiner LV) geliebäugelt. Selbstkritisch erkannte er nach seinem Rennen aber zu viele kleine Fehler, sodass er bei seiner EM-Premiere in 48,56 Sekunden mit Rang fünf vorliebnehmen musste. Mehr lesen Sie hier.
Während Owen Ansah und Emil Agykum auf der Sprintbahn glänzten, setzte Shanice Craft (SV Halle) ihre phänomenale EM-Bilanz im Diskusring fort: Im dritten Versuch segelte die Ein-Kilo-Scheibe bis auf 65,72 Meter, damit war ihre vierte EM-Medaille perfekt. 2014, 2016 und 2018 hatte die 33-Jährige jeweils Bronze gewonnen, acht Jahre nach ihrer bisher letzten internationalen Medaille gab es dieses Mal sogar Silber! Nur Jorinde van Klinken (Niederlande; 67,67 m), schon EM-Zweite im Kugelstoßen, war noch besser. Die zweite deutsche Werferin im Feld Kristin Pudenz (OSC Potsdam) wurde mit 63,27 Metern Fünfte. Mehr lesen Sie hier.
Showdown mit Werro, Hodgkinson und Tamberi
Die Zuschauer im erstmals ausverkauften Alexander Stadium erlebten am Freitag einen packenden Leichtathletik-Abend, an dem besonders der letzte Wettbewerb das Heimpublikum von den Sitzen riss: Das 800-Meter-Finale der Frauen mit der Weltjahresbesten Audrey Werro (Schweiz), Lokalmatadorin und Olympiasiegerin Keely Hodgkinson und der Hallen-Weltrekordlerin über 400 Meter Femke Bol (Niederlande) hielt das, was es versprochen hatte.
Audrey Werro gab nach ihrem Sturz im Halbfinale die beste Antwort darauf, wie fit sie wieder an der Startlinie stehen konnte: Die Schweizerin schlug an der Spitze ein Höllentempo an und ließ bis zur Zielgeraden niemanden mehr vorbei. Mit neuem Meisterschaftsrekord von 1:54,81 Minuten krönte sie sich erstmals zur Europameisterin. Trotz der ohrenbetäubenden Anfeuerungsrufe ihrer Landsleute mühte sich Keely Hodgkinson (1:55,01 min) auf der Zielgeraden vergeblich, noch an Audrey Werro vorbeizuziehen. Femke Bol wurde mit Einstellung ihres Landesrekords (1:55,54 min) Dritte.
Für ungewohnte Bilder sorgte Gianmarco Tamberi (Italien): Auch er stürmte über die Ziellinie und jubelte über die Goldmedaille. Allerdings hatte sich der Hochspringer diese vorher an der Matte erkämpft, und zwar mit einem Sprung über 2,32 Meter. Eine Leistung, die dem Olympiasieger von 2021 angesichts einer schwierigen Saison mit Verletzungsproblemen nicht unbedingt zuzutrauen gewesen war. Doch einmal mehr schaffte es der 34-Jährige, für seinen bereits vierten EM-Titel alle Kräfte zu bündeln. Und einmal mehr hatte er sich mit einem Zielsprint mit italienischer Flagge um den Hals etwas Besonderes für den Jubel ausgedacht. Falk Wendrich (LAZ Soest) gelang nach einem vielversprechenden Sprung über 2,18 Meter kein gültiger Versuch mehr, er wurde Zehnter. Mehr dazu lesen Sie hier.
Zweite Goldmedaille für Nadia Battocletti
In der Entscheidung über 10.000 Meter der Frauen begleitete eine zentrale Frage die Läuferinnen über die 25 Runden: Wie kann es gelingen, die große Favoritin Nadia Battocletti (Italien) in die Schranken zu weisen? Die Antwort war deutlich: gar nicht. Die Olympia-Zweite lief wachsam. War dabei, als sich eine Vierergruppe vom Feld absetzte. Und als auf der letzten Runde ein Trio um die Medaillen kämpfte, machte sie 250 Meter vor dem Ziel ernst: Innerhalb von 50 Metern sprintete die 26-Jährige zehn Meter Vorsprung heraus, auf den letzten 200 Metern weitere 20. Nach 31:41,17 Minuten war das Double-Double perfekt: 2024 hatte sie bei der EM in Rom (Italien) beide Langstrecken dominiert, in Birmingham hatte sie am Dienstag ihren 5.000-Meter-Titel verteidigt. Silber und Bronze gingen an Maureen Koster (Niederlande; 31:45,76 min) und Jana von Lent (Belgien; 31:47,81 min).
Ein gutes Rennen machte bei ihren zweiten Europameisterschaften auch die Tübingerin Lisa Merkel. Erst als nach 7.000 Metern vorne die Favoritinnen das Feld sprengten, musste sie abreißen lassen und drehte fortan mit der Verfolgergruppe ihre Runden. In 32:09,07 Minuten lief sie ebenso wie vor zwei Jahren in Rom auf Platz neun und konnte damit einen Haken hinter ihr Ziel setzen: eine Top-Ten-Platzierung. Für die zweite Deutsche Eva Dieterich (LAV Stadtwerke Tübingen) wurden die 25 Runden zur Qual, schon früh verlor sie den Anschluss ans Feld, in 33:32,38 Minuten kam sie als 22. ins Ziel. Mehr lesen Sie hier.
Sophie Weißenberg vergießt Freudentränen
Der erste Tag im Siebenkampf war für die deutschen Athletinnen mit Höhen und Tiefen verbunden. Rundum zufrieden konnte Sophie Weißenberg (TSV Bayer 04 Leverkusen) nach vier Disziplinen das Stadion verlassen, einige Male flossen angesichts der guten Leistungen zwei Jahre nach ihrem Achillessehnenriss Freudentränen. Zwei der Highlights: eine Hürden-Bestzeit von 13,19 Sekunden und der erste Hochsprung über 1,80 Meter seit drei Jahren. Mit 3.911 Punkten liegt sie auf Rang vier. Die Spitze ist eng beisammen, es führt die Polin Adrianna Sulek-Schubert (3.968 pt) vor Sofie Dokter (Niederlande; 3.944 pt) und der Siegerin der Commonwealth Games Kate O'Connor (Irland; 3.926 pt).
Auch Vanessa Grimm (Königsteiner LV) konnte an ihrem ersten Tag gute Leistungen zeigen. Besonders mit 14,94 Metern im Kugelstoßen machte sie im Gesamtklassement einen Satz nach vorne: 3.700 Punkte bedeuten zur Halbzeit Rang zwölf. Mit einem Schreckmoment startet dagegen der Siebenkampf der WM-Fünften Sandrina Sprengel (VfB Stuttgart), die an der zweiten Hürde hängenblieb und dort ebenso wertvolle Punkte verlor wie nach nur 1,71 Metern im Hochsprung. Die 22-Jährige übernachtet mit 3.603 Punkten auf Platz 19. Mehr lesen Sie hier.
Wie die DLV-Athletinnen und -Athleten am Freitag in den Vorrunden abgeschnitten haben, lesen Sie hier...