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Malaika Mihambo – Mit Rückenwind Richtung erster WM-Medaille

Malaika Mihambo bleibt die Dominatorin der Weitsprung-Szene: Beim Diamond League-Finale in Brüssel feierte sie mit 7,03 Metern ihren neunten Saisonsieg beim neunten Start. Die Europameisterin bewies eindrucksvoll, dass der WM-Titel am 6. Oktober nur über sie geht. Ihr Ziel: So wie in Brüssel auch in Doha den Takt vorgeben.
Martin Neumann

Während goldenes Konfetti auf die 16 Diamond League-Gesamtsieger hinabfiel, stemmte Malaika Mihambo den von einem großen Diamanten gekrönten Pokal in die Höhe, schaute in den Brüsseler Nachthimmel und lächelte zufrieden. Mit dem Triumph am Freitagabend in der Premiumklasse der Leichtathleten hat die Weitsprung-Europameisterin einen weiteren Prestigeerfolg eingefahren und endgültig klargestellt, dass sie nach neun Siegen bei neun Starts in diesem Sommer die Top-Favoritin auf WM-Gold in zweieinhalb Wochen in Doha ist.

Dabei hatte die 25-Jährige in Brüssel lediglich „Kurzarbeit“ verrichtet. Nach drei Sprüngen auf 6,97, 6,99 und 7,03 Meter verzichtete die Olympia-Vierte bei frischen 18 Grad auf weitere Versuche und schaute sich stattdessen zusammen mit Trainer Ralf Weber die Sprünge der Konkurrentinnen an. Die konnten – wie bisher stets in dieser Saison – Malaika Mihambo nicht gefährden. Die siebenfache Weltmeisterin Brittney Reese (USA) – viermal im Freien, dreimal in der Halle – kam ihr mit 6,85 Metern noch am nächsten. Die amtierende Hallen-Weltmeisterin Ivana Spanovic musste schon vor dem „Memorial van Damme“ in Brüssel die Segel streichen. Die Serbin hatte sich beim ISTAF an der Achillessehne verletzt und musste die Saison beenden.

6,99-Meter-Sprung trotz verschenkter 23 Zentimeter

Entspannt zurücklehnen konnte sich die Deutsche Meisterin in Brüssel trotzdem nicht. „Das Warten, was die anderen machen, war nicht besonders angenehm. Ich war in den Durchgängen vier bis sechs als Zuschauerin aufgeregter als in den ersten drei Versuchen“, sagte Malaika Mihambo. Mit dem Verzicht auf drei Versuche wollte die Studentin wie schon beim ISTAF die WM-Qualifikation mit ebenfalls nur drei Versuchen simulieren. Das gelang perfekt. Denn die Europameisterin ist in einer solch' überragenden Form, dass auch bei Sprüngen „ohne Brett“ die sieben Meter möglich sind. So sprang Malaika Mihambo im zweiten Versuch 23 Zentimeter vor dem Brett ab. Der Versuch war also effektiv 7,22 Meter weit. Deutlicher kann man seine Ausnahmeform nicht unter Beweis stellen.

Keine andere Weitspringerin in der Welt kann auf eine vergleichbare Konstanz bauen wie die Deutsche Meisterin. Mit Brittney Reese (USA; 7,00 m) und Ese Bruma (Nigeria; 7,05 m) haben nur zwei andere Athletinnen in diesem Jahr die Sieben-Meter-Marke übertroffen, jeweils einmal. Malaika Mihambo gelang das in fünf Wettkämpfen mit der Weltjahresbestleistung von 7,16 Metern bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin als i-Tüpfelchen. Mittlerweile steht ihr Durchschnitt der zehn besten Wettkämpfe bei beachtlichen 7,02 Metern.

In Doha die Konkurrenz unter Druck setzen

Obwohl die Favoritenrolle in Doha klar bei Malaika Mihambo liegt, ist für sie der WM-Titel keine „Pflicht“. „Um tiefzustapeln: Ich war bei einer globalen Meisterschaft noch nie besser als Platz vier. Von daher ist alles, was besser ist, schon super. Aber klar: Die Saison ist ein Ansporn, und man möchte nach einer solchen Saison beim wichtigsten Wettkampf natürlich genauso gut sein“, sagte die Europameisterin nach ihrem letzten Wettkampf vor der WM-Qualifikation am 5. Oktober. Ihre Dominanz hat der 25-Jährigen in jedem Fall eine gehörige Portion Selbstvertrauen verliehen: „Ich bin zuversichtlich für die WM. Ich möchte in Doha aktiv sein und nicht in die Lage kommen, reagieren zu müssen.“

Mit dem Diamond League-Gesamtsieg in Brüssel feierte Malaika Mihambo unter den Augen von DLV-Präsident Jürgen Kessing ein kleines Jubiläum für die deutschen Leichtathleten. Es war der zehnte für die DLV-Athleten seit 2011 und der erste für einen Vertreter aus dem Lager der Horizontalspringer.

Folgt „Goldfinger“ auf „Diamonds Are Forever“?

Dass es neben der begehrten Trophäe für Malaika Mihambo noch ein Preisgeld von 50.000 US-Dollar (ca. 45.300 Euro) gab, war für sie eher Nebensache. „Die emotionalen Faktoren sind für mich wichtiger als das Geld. Das heißt: Die Siegesserie sollte nicht abreißen und ich wollte sieben Meter springen. Das treibt mich an. Aber natürlich ist das Geld ein Boost für die Reisekasse, auch wenn als Backpacker das Reisen nicht so teuer ist. Ich habe da trotz des Jackpots keinen Anreiz, irgendetwas zu verändern“, sagte die Seriensiegerin, die zuletzt im Frühjahr Indien als Rucksack-Touristin bereiste.

Ihre Ehrenrunde im Brüsseler König-Baudouin-Stadion durfte Malaika Mihambo wie die 15 weiteren Diamond League-Gesamtsieger in einer edlen Karosse zurücklegen. Nur Zehntausende Smartphone-Displays erhellten das Stadion, während eine stimmgewaltige Sängerin mit der James Bond-Hymne „Diamonds Are Forever“ für Gänsehaut sorgte. Vielleicht spielt nach dem Weitsprung-Finale am 6. Oktober in Doha mit „Goldfinger“ ein anderer Bond-Song von Shirley Bassey eine Hauptrolle für Malaika Mihambo? Ein Fingerzeig Richtung WM-Gold war die (bisher) perfekte Saison für das deutsche Weitsprung-Ass in jedem Fall.

Mehr:

<link news:71721>Jackpot – Malaika Mihambo siegt mit 7,03 Metern
<link news:71724>DLV-Stimmen vom Diamond League-Finale in Brüssel

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