| Sindelfingen

Titelkampf im Gelände: Die Entscheidungen der Cross-DM 2020 im Überblick

Von der U18 bis zu den Aktiven, von 4,4 bis 9,9 Kilometer: In Sindelfingen werden am Samstag die Deutschen Meister 2020 im Crosslauf ermittelt. Wir berichten von Wettbewerb zu Wettbewerb. Die Läufer messen sich auf einem Kurs, der durch das Badezentrum von Sindelfingen führt.
Pamela Lechner / Ewald Walker

Zu den Video-Clips der Cross-DM 2020

Mittelstrecke Männer | 4,4 km

Simon Boch mit starkem Solo

Ein Freibad als Lauf-Arena – eine ungewöhnliche Kulisse für Deutsche Cross-Meisterschaften. Die Läufer hatten mit einem matschigen Kurs vorbei an Liegewiesen, Becken und Sprungturm zu kämpfen, der viel Kraft kostete. Im Vorjahr war Simon Boch (LG Telis Finanz Regensburg) auf der Cross-Mittelstrecke in Ingolstadt noch als Vierter am DM-Podest vorbeigeschrammt, dieses Jahr schnappte er sich den Titel. Der Regensburger setzte sich von Beginn an an die Spitze und lief das Rennen mit einem überzeugenden Solo in 14:03 Minuten nach Hause. "Das war eine superharte Strecke. Mit Laufen hat das wenig zu tun, ich bin froh, bald wieder auf der Bahn zu laufen", kommentierte DM-Dritte über 10.000 Meter im Ziel, übersäht mit Matsch-Flecken. Der 25-Jährige ist nach seiner Halbmarathon-Bestzeit (62:13 min) von Barcelona (Spanien) weiter stark in Form. Wegen seines Heuschnupfens lief er erstmals mit einem Nasen-Pflaster, um besser atmen zu können.

Auf Rang zwei kam zwei Sekunden dahinter Johannes Motschmann (SCC Berlin) an, der sich nach einem fünfjährigen USA-Aufenthalt der Berliner Gruppe von Dieter Hogen angeschlossen hat und nächste Woche mit den Hahner-Zwillingen ins Trainingslager nach Äthiopien fliegt. "Silber war für mich keine Überraschung", meinte Motschmann, der sogar um den Sieg mitlaufen wollte. In der vierten Runde hatte er Druck gemacht, lief näher an Boch heran, der jedoch wiederum das Tempo steigern und seinen Konkurrenten bis zum Ende des Rennens auf Distanz halten konnte.

Den dritten Rang erlief sich in 14:08 Minuten erneut Konstantin Wedel (LG Telis Finanz Regensburg). "Eine Medaille war das Ziel, jetzt habe ich wie im Vorjahr Bronze geschafft", sagte der 26-Jährige. Er war im Laufe des Rennens an Timo Benitz (LG farbtex Nordschwarzwald; 14:20 min) vorbeigezogen. Der Deutsche Hallenmeister über 1.500 Meter lag lange auf dem Bronzerang, musste aber auch Karsten Meier (LG Braunschweig; 14:14 min) noch vorbeilassen und wurde schließlich Fünfter. Die Mannschaftswertung gewann die LG Telis Finanz Regensburg.

Zum Video des Rennens | Zum Video-Interview mit Simon Boch

Langstrecke Männer | 9,9 km

Samuel Fitwi Sibhatu leichtfüßig durch den Matsch, vierte Medaille für Boch

Eine Demonstration seiner ganzen Lauf-Klasse bot Samuel Fitwi Sibhatu (LG Vulkaneifel) über die knapp 10 Kilometer lange Langstrecke. Leichtfüßig passierte der Cross-EM-Sechste das matschige Geläuf ohne große Schwierigkeiten und gewann in 32:34 Minuten. "Das Rennen heute hat sehr viel Spaß gemacht, ich habe hier eine gute Stimmung erlebt und viel Anfeuerung bekommen", sagte der 23-Jährige. "Mein Traum in diesem Jahr sind die Olympischen Spiele in Tokio."

Hinter dem späteren Sieger hatte sich eine Fünfer-Gruppe, unter anderem mit Mittelstrecken-Sieger Simon Boch und dessen Vereinskollege Maximilian Zeus (beide LG Telis Finanz Regensburg) formiert. Die beiden konnten sich am Ende im Spurt um die Medaillen gegen Jannik Seelhöfer (SC Melle 03; 4. Platz) und Kilian Schreiner (ASC 1990 Breidenbach; 5. Platz) durchsetzen. Boch (33:39 min) gewann mit Silber seine zweite Einzel-Medaille, Bronze holte Zeus (33:44 min). Auch die Team-Wertung ging an die Regensburger.

"Ich bin am Ende des Tages mit Gold und Silber sehr zufrieden", sagte Simon Boch. "Samuel war einfach unschlagbar, er war eine Klasse besser als wir." Und sein Team-Kollege Maximilian Zeus freute sich ebenso über seinen DM-Erfolg in einer weiteren Disziplin: "Bronze ist für mich sensationell, nachdem ich 2017 und 2018 zwar schon die Berglauf-DM gewonnen habe, bin ich über Rang drei im Cross total happy."

Zum Video des Rennens | Zum Video-Interview mit Samuel Fitwi Sibhatu
 

Männliche U23 | 7,7 km

Markus Görger: Sindelfingen statt Marrakesch

Im Rennen der männlichen U23 siegte der crosserfahrene Markus Görger (LG Region Karlsruhe) mit einem Solo-Lauf in 26:01 Minuten. Eigentlich sollte der 22-Jährige an diesem Tag bei den Studenten-Cross-Weltmeisterschaften in Marrakesch an den Start gehen, aber die Veranstaltung war aufgrund des Coronavirus von der Regierung Marokkos abgesagt worden und der Athlet disponierte um, mit Erfolg.

"Der tiefe Boden ist mir heute eigentlich entgegengekommen, ein schnelles Rennen wäre nicht so gut für mich gewesen, nachdem ich in den vergangenen acht Wochen wegen meiner Achillessehnen-Probleme fast nur alternativ trainieren konnte", erzählte Markus Görger. "Es hat sehr viel Spaß gemacht hier in Sindelfingen zu laufen, eine kurze Runde und viel Anfeuerung von den Zuschauern."

Der zweitplatzierte Nick Jäger (TSV Penzberg; 27:02 min) war mit rund einer Minute Rückstand im Kampf um Gold chancenlos. "Markus war viel zu stark für uns. Und hat schon in der zweiten Runde die Entscheidung herbeigeführt. Ich bin zufrieden, nach Bronze 2019, habe ich jetzt Silber in der U23 gewonnen", sagte der Vize. Die diesjährige Bronzemedaille holte sich nach 27:23 Minuten Dustin Uhlig (TSG 1845 Heilbronn).

Zum Video des Rennens | Zum Video-Interview mit Markus Görger
 

Frauen und weibliche U23 | 5,5 km

Domenika Mayer jubelt mit 29 über ersten DM-Titel

Über den Sieg im Frauen-Rennen jubelte Domenika Mayer (21:24 min). Für die Läuferin der LG Telis Finanz Regensburg war es im Alter von 29 Jahren der erste deutsche Meistertitel und das ein Jahr nachdem sie zum zweiten Mal Mutter geworden war. Außenrum, statt mittendurch – lautete ihre Devise bei dem matschigen Kurs. Das sollte sich auszahlen. "Cross ist einfach mein Ding. Einfach laufen lassen, damit bin ich bestens durchgekommen", meinte die Gewinnerin, die mit den Gegebenheiten gut zurechtkam.

Nicht ganz zufrieden waren dahinter die beiden Schöneborn-Zwillinge. "Der zweite Platz ist meine beste Platzierung bei Deutschen Meisterschaften bislang", bilanzierte Deborah Schöneborn, die in 21:35 Minuten zu Silber lief. Ihre Schwester Rabea (21:50 min) war als Vierte der Frauen-Klasse vor allem motiviert, den Lauf durchzuziehen, um zum Sieg der LG Nord Berlin in der Team-Wertung beizutragen. "Auf so einer Strecke bin ich noch nie gelaufen", meinte die junge Berlinerin.

Ein gutes Rennen absolvierte Juniorin Klara Koppe (LG Brillux Münster), die als Dritte des Gesamt-Einlaufs hinter Domenika Mayer und Deborah Schöneborn ins Ziel kam und sich so zugleich den U23-Titel sicherte. Platz zwei ging hier an Johanna Flacke (LG Region Karlsruhe; 22:10 min), die mit ihren Vereinskolleginnen auch die Mannschaftswertung gewann. Dritte wurde Kerstin Schulze Kalthoff (LG Rosendahl; 22:37 min).

Zum Video des Rennens | Zum Video-Interview mit Domenika Mayer
 

Männliche U20 | 6,6 km

"Paul, Paul"-Rufe passen für Gold- und Bronzemedaillengewinner

Sechs kräftezehrende Runden hatten die Nachwuchsläufer zu absolvieren. Immer wieder hallten "Paul, Paul"-Rufe durch das Bäderzentrum, das war die Anfeuerung für Paul Specht, den Lokalmatadoren vom VfL Sindelfingen. Er hatte sich mit einer Dreier-Gruppe vom Feld abgesetzt. In der letzten Runde fiel dann die Entscheidung zugunsten eines anderen Paul: Es setzte sich in 23:14 Minuten Paul Feuerer vom LAC Passau durch, der seinen zweiten DM-Titel nach seinem U18-Hinderniserfolg bei der Jugend-DM 2018 holte.

"Das war ein geiles Rennen", sagte Paul Feuerer im Anschluss an den Wettbewerb im knöcheltiefen Matsch. "Jetzt mache ich eine Woche Pause und dann beginnt die Vorbereitung auf den Sommer." Über Silber freute sich Roman Freitag (LAC Erfurt; 23:14 min), der zwischenzeitlich die besseren Karten zu haben schien. Am Ende musste er aber die knappe Überlegenheit von Feuerer anerkennen und war damit zufrieden. "Ich bin sehr glücklich über Platz zwei", meinte der neue Vize-Meister. Bronze gab es für Paul Specht (23:18 min).

Zum Video des Rennens | Zum Video-Interview mit Paul Feuerer
 

Weibliche U20 | 4,4 km

Anneke Vortmeier siegt mit Riesen-Vorsprung

"Hart war die Strecke, aber ich bin sehr zufrieden", sagte die drittplatzierte Sonja Vernikov (LAZ Puma Rhein-Sieg; 18:24 min) nach dem Rennen  der weiblichen U20. Gemeinsam mit der späteren Vize-Meisterin Miriam Ruoff (TV Waldstraße Wiesbaden; 18:15 min) lief sie in der Verfolgergruppe. Überragend war an der Spitze Anneke Vortmeier (ASV Duisburg). Die Dritte der Jugend-Hallen-DM von Neubrandenburg über 3.000 Meter lief nach 17:22 Minuten mit fast einer Minute Vorsprung lachend als Erste über die Ziellinie. "Ich habe nicht mit so einem klaren Sieg gerechnet, die Konkurrenz war doch eigentlich sehr stark. Ich hatte mich auf einen harten Kampf vorbereitet", berichtete die glückliche U20-Gewinnerin Anneke Vortmeier. "Mein Ziel sind dieses Jahr die U20-Weltmeisterschaften in Nairobi."

Unter den Zuschauern oder Trainern der Cross-DM in Sindelfingen waren auch einige Lauf-Legenden früherer Jahre: Brigitte Kraus, 63-fache Deutsche Meisterin und WM-Silbermedaillengewinnerin über 3.000 Meter 1983, der zweimalige Olympia-Teilnehmer Willi Maier, Detlef Uhlemann, der 1977 selbst Bronze bei Cross-Weltmeisterschaften gewonnen hatte und Günter Zahn, der an vier Cross-WMs teilnahm und 1972 in München als Fackelträger das olympische Feuer im Olympiastadion entzündete.

Zum Video des Rennens | Zum Video-Interview mit Anneke Vortmeier
.

Männliche U18 | 4,4 km

Anas Belfqih und Kurt Lauer auf dem Weg zur U18-EM

Ein starkes Quartett lief in einem schnellen Rennen vorne weg, am Schluss wurde es nochmal sehr spannend. Denn Kurt Lauer vom LAZ Ludwigsburg lief mächtig an den führenden Anas Belfqih (TV Waldstraße Wiesbaden) heran. Der Wiesbadener brachte jedoch seinen Vorsprung ins Ziel und wurde in 15:39 Minuten Deutscher U18-Meister im Cross. "Ich wollte in die Top Drei kommen und bin deshalb zufrieden", sagte der Sieger. "Ich habe aufgrund des lauten Publikums schon gemerkt, dass die Verfolger immer näher gekommen sind, aber es hat noch gereicht. Mein Ziel ist diesen Sommer die U18-EM in Rieti, wo ich die 3.000 Meter laufen will."

Nicht überrascht von seinem zweiten Platz zeigte sich Silbermedaillengewinner Kurt Lauer. "Die ersten Drei waren mein Ziel", sagte der Deutsche U16-Meister von 2018 über 3.000 Meter. Das Lauf-Talent peilt ebenfalls eine Teilnahme bei den U18-Europameisterschaften an, aber über die Hindernisstrecke. Auf den Bronzeplatz kam Leander Ihle (LAZ Puma Rhein-Sieg; 15:45 min) vor dem viertplatzierten Silas Zahlten (LG Brillux Münster; 15:49 min).

Zum Video des Rennens | Zum Video-Interview mit Anas Belfqih
 

Weibliche U18 | 4,4 km

Triathletin Jule Behrens gewinnt überlegen

In diesem Rennen über die 4,4 Kilometer sahen die Zuschauer mit Jule Behrens (ASC Darmstadt) ein großes Lauf-Talent. Nach gut einer Runde forcierte sie das Tempo enorm und setzte sich mit einigen Schritten deutlich vom Feld ab. Die Führung gab sie nicht mehr her und lief in 17:35 Minuten souverän zum Sieg. Eigentlich ist die junge Sportlerin Triathletin und zählt dort auch zum Nationalkader. "Ich wollte ein taktisches Rennen laufen, habe aber dann gemerkt, dass ich dem Feld einfach weglaufen kann. Ich bin deshalb über den Ausgang nicht überrascht", berichtete die Darmstädterin. "Ob ich später beim Triathlon oder beim Laufen lande, wird sich erst in den nächsten zwei, drei Jahren entscheiden."

Im Ziel war der Nachwuchs vom anstrengenden Kurs gezeichnet. Die Silbermedaille erkämpfte sich durch den Matsch mit fast 20 Sekunden Rückstand auf die Gewinnerin Johanna Pulte (SG Wenden; 17:53 min), über Bronze durfte sich Rebecca Bierbrauer (Silvesterlauf Trier; 17:55 min) freuen.

Zum Video des Rennens | Zum Video-Interview mit Jule Behrens
 

Zu den Video-Clips der Cross-DM 2020

Teilen
#TrueAthletes – TrueTalk

Hier finden Sie alle Folgen des Podcasts des Deutschen Leichtathletik-Verbandes!

Zum Podcast
Jetzt Downloaden
DM-Tickets 2024