| Glasgow 2024

Yemisi Ogunleye gewinnt mit dem ersten 20-Meter-Stoß Hallen-WM-Silber

© Torben Flatemersch
Yemisi Ogunleye hat am Freitag in Glasgow das Tor in die absolute Weltspitze aufgestoßen: Mit 20,19 Metern gleich im ersten Versuch schockte sie bei der Hallen-WM die Konkurrenz. Nur eine Athletin konnte sie noch um wenige Zentimeter übertreffen.
Silke Bernhart

In sich ruhend. Absolut fokussiert und konzentriert. Und dann elegant wie kaum eine Zweite, mit einer Explosion beim Ausstoß, die das Publikum in Staunen versetzte: Yemisi Ogunleye (MTG Mannheim) wuchtete ihre Vier-Kilo-Kugel am Freitag bei der Hallen-WM in Glasgow (Großbritannien) gleich im ersten Versuch in Regionen, in denen nur die absolute Weltspitze stößt – nämlich deutlich über die 20-Meter-Marke.

Angereist mit einer Hallen-Bestleistung von 19,57 Metern, mit der sie im Januar schon ihre bisher besten Stöße im Freien getoppt hatte, war Yemisi Ogunleye mit diesem Stoß auf einmal mittendrin im Kampf um den Sieg. Denn die Konkurrenz mit drei 20-Meter-Stoßerinnen an der Spitze mühte sich an dieser Marke lange vergeblich ab, während der Deutschen Hallenmeisterin in Runde drei mit 19,71 Metern ein weiterer Versuch jenseits ihrer vorherigen Bestleistung gelang.

Dann kam Vize-Weltmeisterin Sarah Mitton (Kanada). Und stieß im vierten Versuch genau einen Zentimeter weiter als Yemisi Ogunleye. Als sie schon als Siegerin feststand, konnte sie sich noch einmal auf 20,22 Metern steigern und ihren ersten großen Titel feiern. Für die zweimalige Freiluft-Weltmeisterin Chase Jackson (USA) gab's dieses Mal für 19,67 Meter Bronze.

In den Fußstapfen von Christina Schwanitz

Yemisi Ogunleye tritt mit ihrem Erfolg von Glasgow in große Fußstapfen, nämlich als Hallen-Vize-Weltmeisterin die Nachfolge von Christina Schwanitz an. Diese hatte 2014 in Sopot (Polen) mit 19,94 Metern Hallen-WM-Silber geholt und war auch die letzte Deutsche, die mit der Vier-Kilo-Kugel über 20 Meter stoßen konnte – zuletzt im Jahr 2016.

Während die neue deutsche Hallen-Vize-Weltmeisterin erstmals in ihrer Karriere mit der Deutschland-Fahne für die Fotograf:innen posierte, stand ihre Mitstreiterin Alina Kenzel (VfB Stuttgart) schon im Zuschauerraum und hatte sich dort zu den Trainern Wilko Schaa und Artur Hoppe gesellt. Sie hatte mit 17,80 Metern als Elfte den Sprung in die Top Acht und damit drei weitere Versuche verpasst. Für den Einzug in den Endkampf hätten 18,69 Meter hergemusst, exakt die Bestweite der 26-Jährigen, die sich in diesem Winter nach langer Krankheit gerade erst wieder in diese Regionen nach vorne gekämpft hat.

Stimmen zum Wettbewerb

Yemisi Ogunleye (MTG Mannheim):
"Das ist so surreal, was hier gerade passiert ist. Wir reden nicht nur von 19, wir reden hier von 20 Metern! Puh. Ich bin heute Morgen aufgestanden mit dem Bibelvers: Sei mutig und sei stark! Mit dieser Zuversicht bin ich in den Wettkampf gegangen und habe gesagt: Heute darfst du nicht zögern, heute geht es um alles. Ich glaube, das hat mir geholfen, im ersten Versuch so eine Weite rauszuhauen. Aber dass es 20 Meter geworden sind, das ist einfach crazy. Ich bin fassungslos! Ich habe gar nicht den Einschlag von der Kugel gesehen. Als er [der Kampfrichter] dahin gelaufen ist, dachte ich: Das ist jetzt nicht wirklich passiert. Aus Budapest habe ich ein bisschen gelernt, nicht gleich die ganze Freude rauszuschütten, sondern die Kraft bei sich mir behalten. Ich hatte noch mal einen guten Versuch, hintenraus ist dann ein bisschen die Puste ausgegangen. Ich wusste, ich trete heute gegen die weltbesten Athletinnen an. Zu wissen, dass ich eine davon bin, macht mich unglaublich froh und glücklich. Den Zentimetern zu Gold trauere ich gar nicht hinterher. Ich bin unglaublich dankbar, hier mit der Silbermedaille rauszugehen."

Alina Kenzel (VfB Stuttgart):
"Ich war ein bisschen nervös, die Nominierung war recht kurzfristig für mich. Natürlich freue ich mich hier zu sein und das miterleben zu dürfen. Aber wenn man schon hier ist, will man auch zeigen, was man kann. Daher bin ich jetzt wirklich ziemlich enttäuscht. Und brauche erstmal einen Tag, um auch das Positive zu sehen. Die 20 Meter von Yemi sind wahnsinn, das ist die Spitze der Weltklasse. Wir sind gute Freunde, auch abseits vom Sport, so eine Leistung motiviert auf jeden Fall, aber ich bin zurzeit auf einem anderen Niveau."

Hallen-WM 2024 Glasgow

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