| Interview

Malaika Mihambo: „Es ist noch mehr möglich“

Malaika Mihambo winkt mit Deutschlandfahne in der Hand © Jan Papenfuß
Einmal mehr untermauerte Weitspringerin Malaika Mihambo im vergangenen Jahr ihre Ausnahmestellung. Die 31-Jährige fügte WM-Silber und Hallen-EM-Bronze zu ihrer beeindruckenden Medaillensammlung hinzu. Dafür wurde sie vom Publikum und einer Fachjury zu Deutschlands „Leichtathletin des Jahres“ 2025 gekürt. Im Interview spricht die Ausnahme-Athletin über persönliche Entwicklung als Antrieb.
Alexander Dierke

Malaika Mihambo, Sie sind zum fünften Mal in Ihrer Karriere Deutschlands Leichtathletin des Jahres – und damit nun alleinige Rekordsiegerin bei den Frauen. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung nach einer erneut besonderen Saison?

Malaika Mihambo:
Es ist immer etwas sehr Schönes, weil es keineswegs selbstverständlich ist, über einen so langen Zeitraum konstant gute Wettkämpfe zu machen. Dazu gehört nicht nur die Leistung an sich, sondern auch, dass man gesund bleibt. Gleichzeitig ist mir bewusst, dass diese Auszeichnung auch das Vertrauen und die Wertschätzung derjenigen widerspiegelt, die darüber abstimmen. Gerade deshalb weiß ich diese Auszeichnung sehr zu schätzen.

Gesundheit war bei Ihnen im vergangenen Jahr abermals ein Thema. Sie sind aufgrund eines Infekts erst verspätet in die Freiluftsaison eingestiegen. Gewinnen die 2025 errungenen Erfolge dadurch zusätzlich an Bedeutung?

Malaika Mihambo:
Die Saison war insgesamt ein Auf und Ab. Wir haben im Training noch einmal viel an der Technik gearbeitet, vor allem auch am Anlauf, und unterschiedliche Dinge ausprobiert. Das braucht Zeit. Am Ende ist es dann in Tokio aufgegangen. Natürlich ist es schade, wenn man weiß, dass der weiteste Sprung ungültig war, aber nichtsdestotrotz bin ich vor allem mit der WM-Silbermedaille sehr zufrieden.

Sie haben nach den Weltmeisterschaften gesagt, Ihr dort gezeigter letzter, ungültiger Versuch sei vermutlich einer der besten Sprünge Ihres Lebens gewesen. Inwiefern hat Sie das im Nachhinein noch beschäftigt?

Malaika Mihambo:
Man hat auf den Bildern gesehen, und auch vom Gefühl her war klar, dass dieser Sprung sehr weit war. Das hat mir gezeigt, dass insgesamt noch mehr möglich ist. Das bestärkt und motiviert mich. Aber für mich geht es gar nicht so sehr um die Platzierung. Wenn ich persönlich einen herausragenden Sprung mache und damit Zweite werde, bin ich trotzdem vollkommen zufrieden. Mein Ziel ist seit Langem, zu schauen, wie weit ich mich noch entwickeln kann, was noch in mir steckt und wie ich das herauskitzeln kann – über verschiedene Trainingsmethoden, wie zum Beispiel Mentaltraining.

Diese Motivation scheint für Sie ein zentraler Antrieb zu sein, gerade auch mit Blick auf Ihre Aussage, spätestens nach 2028 Ihre Karriere zu beenden.

Malaika Mihambo:
Ja, auf jeden Fall. Da ich alle wichtigen Titel bereits mindestens einmal gewonnen habe, steht für mich inzwischen die persönliche Entwicklung im Vordergrund. Gleichzeitig ist mir der soziale Aspekt des Sports sehr wichtig. Ich möchte diese Plattform nutzen, um mich für Kinder einzusetzen und für die Leichtathletik insgesamt – nicht nur während meiner aktiven Karriere, sondern auch darüber hinaus. Mit meinem Verein ‚Malaikas Herzsprung‘ möchte ich die Projekte weiterführen und vertiefen, die mir am Herzen liegen. Mir ist dabei Kontinuität sehr wichtig.

Nach der WM haben Sie Ihre Trainingsinhalte noch einmal angepasst. Was hat sich konkret verändert?

Malaika Mihambo:
Ich habe begonnen, regelmäßig Neuroathletik in mein Training zu integrieren. Zusätzlich habe ich weitere Einheiten im Bereich Rumpfstabilität, Körperhaltung und Beweglichkeit aufgenommen. Auch das Mentaltraining ist inzwischen noch regelmäßiger Teil meines Alltags geworden.

Die Sieben-Meter-Marke haben Sie 2025 einmal mehr sowohl indoor als auch outdoor übersprungen. Welche Bedeutung spielt die Zahl „Sieben“ für Sie in puncto persönliche Entwicklung?

Malaika Mihambo:
Wer weit springen möchte, springt in der Regel auch über sieben Meter. Entscheidend ist jedoch nicht die Zahl an sich, sondern inwiefern ich es schaffe, mein volles Potenzial zu entfalten.

Welche Ziele setzen Sie sich für das Jahr 2026 unabhängig von Medaillen?

Malaika Mihambo:
Für mich geht es primär um das gerade genannte: mein Potenzial vollständig zu entfalten. Das geht oft Hand in Hand mit Erfolgen, aber der Schwerpunkt liegt für mich auf einer anderen Nuance. Der Mensch steht so stärker im Vordergrund und eben nicht nur der reine Leistungsgedanke.

Aktuell befinden Sie sich im Trainingslager auf La Palma. Wo stehen Sie vor dem Start der Hallensaison?

Malaika Mihambo:
Wir haben nicht so viel Glück mit dem Wetter, es ist ein bisschen kühl und regnet. Trotzdem sind wir alle hochmotiviert. Meine Leistungsdiagnose im Weitsprung steht noch aus, dann wird sich zeigen, wo ich gerade stehe. Aber was den Sprint angeht und meine Kraftwerte angeht, ist Ulli Knapp [Trainer; Anm. d. Red.] auf jeden Fall schon sehr zufrieden.

Wie wird Ihr Hallenprogramm aussehen?

Malaika Mihambo:
Geplant sind Starts beim ISTAF Indoor in Düsseldorf und Berlin, in Karlsruhe sowie bei den Deutschen Hallenmeisterschaften in Dortmund. Mehr steht für die Hallensaison nicht auf dem Programm. Anschließend ist auch wieder ein Schneetrainingslager vorgesehen, idealerweise mit ausreichend Schnee. Sonst wird es schwierig mit dem Langlaufen (lacht).

Mehr: 
Malaika Mihambo und Leo Neugebauer sind Deutschlands „Leichtathleten des Jahres“ 2025

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