7.600 Leichtathletik-Fans im Düsseldorfer PSD Bank Dome sahen am Samstagabend beim ISTAF Indoor zahlreiche Top-Resultate. Der deutsche Sieg des Abends ging aufs Konto von Kugelstoß-Olympiasiegerin Yemisi Ogunleye. Über 60 Meter überraschte Yannick Wolf als Zweiter. Nach überstandenem Infekt war Weitsprung-Olympiasiegerin Malaika Mihambo als Dritte nicht unzufrieden.
Mit einem strahlenden Lächeln im Gesicht verließ Yemisi Ogunleye (MTG Mannheim) am Samstagabend beim ISTAF Indoor in Düsseldorf den Kugelstoßring. Auf 18,78 Meter hatte die Olympiasiegerin ihr Arbeitsgerät befördert und wiederholte damit im PSD Bank Dome ihren Vorjahressieg. Nur eine Kugelstoßerin war im noch jungen Jahr weltweit unterm Hallendach besser. In einem spannenden Finale kamen Danniel Thomas-Dodd (Jamaika), die mit 19,00 Metern die Weltjahresbestenliste anführt, und Fanny Roos (Schweden; 18,52 m) nicht an die Olympiasiegerin heran. „Es war wichtig, wieder ins Wettkampfgeschehen hineinzufinden. Die Stimmung war wieder super, es macht richtig viel Spaß, hier zu starten. Ich schätze es sehr, wie nah die Zuschauer an uns Athleten dran sind. Alle sind so begeistert von der Veranstaltung und der Leichtathletik, und das spürt man als Sportler“, sagte Yemisi Ogunleye.
Fast hätte es Deutschlands „Weitsprung-Queen“ wieder getan. Im sechsten Versuch flog Weitsprung-Olympiasiegerin Malaika Mihambo (LG Kurpfalz) in Düsseldorf weit hinaus. 6,56 Meter zeigte die Anzeigetafel im ersten Wettkampf der 31-Jährigen in dieser Hallensaison. Damit verpasste die Vizeweltmeisterin ihren fünften Sieg beim sechsten Start in Düsseldorf nur um drei Zentimeter. Der ging an U23-Europameisterin Ramona Verman (Rumänien: 6,59 m), Platz zwei an die routinierte Schwedin Khaddi Sagnia, die wie Malaika Miahmbo auf 6,56 Meter kam. Auf den Rängen vier und fünf sprangen Imke Daalmann (TSV Bayer 04 Leverkusen) und Libby Buder (TSG Bergedorf) mit jeweils 6,49 Metern zur Hallenbestleistung.
Jeremiah Azu gewinnt vor Yannick Wolf
Im 60-Meter-Finale zeigte der Sprint-König seine ganze Klasse: Hallenwelt- und -europameister Jeremiah Azu zog der Konkurrenz auf und davon und lief mit Saisonbestzeit von 6,53 Sekunden nach 2023 zu seinem zweiten Sieg in Düsseldorf. In seinem Windschatten stellte Yannick Wolf (München Athletics) mit 6,60 Sekunden seine Bestzeit ein und wurde damit schnellster Deutscher. Knapp dahinter folgten Fola Olaoye (Nigeria; 6,60 sec) und der Kölner Joshua Hartmann (6,62 sec).
Auch bei den Frauen machte die Top-Favoritin das Rennen. Jonielle Smith (Jamaika) lief bei ihrem ISTAF-Debüt mit 7,15 Sekunden zum Sieg. Über Platz zwei entschied eine Hundertstel. Den sicherte sich Jolina Ernst (TV Wattenscheid) mit neuer Bestzeit von 7,30 Sekunden vor Geraldine Di Tizio Frey (Schweiz; 7,31 sec) und der Staffel-WM-Dritten Sina Mayer (LAZ Zweibrücken; 7,35 sec). „Das ist meine erste Hallensaison in Europa, und ich finde es toll. Ich hatte das Gefühl, noch eine schnellere Zeit in den Beinen zu haben“, sagte die Staffel-Weltmeisterin von 2019. „Ich bin ganz entspannt ins Rennen gegangen und hatte mir vorgenommen, ein gutes Rennen zu laufen. Aber mit einer Bestleistung hätte ich nicht gerechnet, die Atmosphäre hat mich ins Ziel getragen“, so Jolina Ernst nach ihrem schnellen Düsseldorf-Debüt.
Rosina Schneider schnellste DLV-Hürdensprinterin
„Dankeschön Düsseldorf!“, jubelte Evonne Britton am Hallenmikrofon nach ihrem Sieg über 60 Meter Hürden. Mit 7,99 Sekunden blieb sie als erste Sprinterin aus Ghana unter der Acht-Sekunden-Marke. In einem spannenden Finale hatte die 34-Jährige damit knapp die Nase vorn. Es folgten Reetta Hurske (Finnland; 8,02 sec) und Vorjahressiegerin Rosina Schneider (TV Sulz), die ihre Saisonbestzeit auf 8,06 Sekunden steigerte. Die Plätze vier und fünf gingen an das Leverkusener Duo Marlene Meier (8,11 sec) und Franziska Schuster (8,14 sec). „Die Atmosphäre heute war unglaublich! Meine Familie und Freunde waren auch da, was mich noch glücklicher gemacht hat. Ich bin sehr zufrieden mit dem dritten Platz, aber ich weiß auch, dass ich mich technisch noch verbessern kann und dass ich in den nächsten Rennen definitiv noch Luft nach oben habe“, sagte Rosina Schneider.
Eine Weltklassezeit legte Enrique Llopis über 60 Meter Hürden hin. Der Olympia-Vierte aus Spanien stürmte im Finale mit 7,50 Sekunden zum Sieg. Seinen eigenen Landesrekord verpasste er nur um zwei Hundertstelsekunden. Den „spanischen Doppelpack“ machte Asier Martinez in Düsseldorf perfekt. Der Europameister von 2022 folgte in 7,59 Sekunden. Als bester deutscher Hürdensprinter sprintete Tim Eikermann mit 8,00 Sekunden auf Rang sechs. Im Vorlauf war der Leverkusener mit 7,91 Sekunden schneller unterwegs. Stefan Volzer (beide TSV Bayer 04 Leverkusen) stürzte nach einer Berührung im Vorlauf.
Enrique Llopis kratzt am spanischen Rekord
„Für Januar ist diese Zeit ausgezeichnet. Ich liebe dieses Meeting, es ist fantastisch. Ich bin hier schon einmal gelaufen und hoffe, wiederkommen zu können. Bis zum Ende der Hallensaison möchte ich einen neuen Landesrekord erzielen“, erzählte Triumphator Enrique Llopis. Auch Tim Eikermann war nicht unzufrieden. „Das Rennen hat riesigen Spaß gemacht. Ich habe seit zweieinhalb Wochen mit Fuß- und Wadenproblemen zu kämpfen. Leider haben sie sich vor dem Finale stärker bemerkbar gemacht, als ich gehofft hatte. Aber die Veranstaltung ist großartig! Es hat mir viel Spaß gemacht, hier im Finale dabei zu sein.“
Die Stabhochspringer faszinierten einmal mehr die Fans in Düsseldorf mit ihrem athletischen wie technischen Fähigkeiten. Bester Höhenjäger war Menno Vloon. Der Niederländer katapultierte sich zu pushenden Techno-Beats über 5,80 Meter. Da konnte auch der zweimalige Weltmeister Sam Kendricks (USA) nicht folgen. Ihm blieb mit 5,70 Metern Rang zwei. Die Lokalmatadoren Torben Blech (TSV Bayer 04 Leverkusen; 5,55 m) und Bo Kanda Lita Baehre (Düsseldorf Athletics; 5,45 m) landeten auf den Plätzen vier und sieben.
Torben Blech kann gute Form nicht nutzen
„Leider fehlte mir am Ende des heutigen Wettkampfs die Kraft. Es war ein sehr, sehr langer Tag. Ich habe mich beim Einspringen sehr gut gefühlt, wahrscheinlich besser als je zuvor. Ich hatte auch ein gutes Gefühl beim Springen, aber leider habe ich gegen Ende ein wenig meinen Rhythmus verloren. Das ist einfach ärgerlich. Und Höhen um 5,65 Meter verzeihen keine Fehler“, ordnete Torben Blech seinen Wettkampf ein, bei dem er nur denkbar knapp an 5,65 Metern scheiterte.
Im Para-Sprint über 60 Meter der Klasse T62/64 (unterschenkelamputierte Athleten) zündete der Brite Jonnie Peacock auf der zweiten Streckenhälfte den Turbo. Der Paralympicssieger von 2012 und 2016 zog kurz vor dem Ziel des 60-Meter-Rennens am amtierenden Parlympics-Champion Sherman Guity-Guity (Costa Rica) vorbei und jubelte nach 7,15 Sekunden über seinen ersten Sieg beim ISTAF Indoor. Sherman Guity-Guity folgte acht Hundertstel dahinter. Rang drei sicherte sich 400-Meter-Spezialist Johannes Floors (TSV Bayer 04 Leverkusen) mit 7,40 Sekunden.
Jonnie Peacock meldet sich zurück
„Das war mein erstes Rennen auf professionellem Niveau seit fünf Jahren. Die Stimmung war super und ich dankbar, dass mich das ISTAF eingeladen hat. Die Veranstalter leisten Großartiges für den Para-Sport. Es wäre toll, wenn ich im Sommer beim ISTA im Olympiastadion laufen könnte“, jubelte Jonnie Peacock nach seinem Sprint-Coup.
Unter die 7.600 Zuschauer im PSD Bank Dome mischte sich auch NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU). Der Landesvater ehrte nicht nur die besten NRW-Jugendleichtathleten 2025, sondern warb auch für die Olympia-Bewerbung „KölnRheinRuhr“ für die Jahre 2036, 2040 oder 2044. Wie begeisterungsfähig die Sport-Fans in Nordrhein-Westfalen sind, bewiesen die Zuschauer am Samstagabend.
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