| Hallen-DM Mehrkampf

Siebenkampf | Amadeus Gräber krönt sein Comeback mit Titelverteidigung

Fred Isaac Fleurisson, Amadeus Gräber und Roman Jocher Arm in Arm mit Medaillen um den Hals © Iris Hensel
Amadeus Gräber hat sich an diesem Wochenende nach mehrmonatiger Verletzungspause eindrucksvoll bei den Deutschen Hallen-Mehrkampf-Meisterschaften in Halle/Saale zurückgemeldet. Er verteidigte seinen Titel aus dem Vorjahr und stellte dabei eine neue Bestleistung auf. In der Jugend U20 holte Carl Wiegand seinen ersten Mehrkampftitel, Jan Mosig dominierte die U18-Konkurrenz.
Sandra Arm

Zur Halbzeit lag Fred Isaac Fleurisson (Eintracht Frankfurt) bei der Hallen-Mehrkampf-DM in der Männerkonkurrenz auf Goldkurs. Seine Spitzenposition verlor er am zweiten Tag an Vereinskollege Amadeus Gräber. Das Zünglein an der Waage sollte der Stabhochsprung werden. Dort überflügelte Amadeus Gräber die gesamte Konkurrenz mit starken 5,20 Metern, während Fred Issac Fleurisson dort nicht über 4,50 Meter hinauskam. Die Entscheidung sollte über die abschließenden 1.000 Meter fallen.

„Ich habe am Montag extra nochmal eine Tempolaufeinheit gemacht, weil ich wusste, dass es auf ein enges Finish hinauslaufen wird“, sagte der Deutsche Meister. „Außerdem habe ich mich vorher mit Moritz Bartko angesprochen. Ich kennen ihn noch aus Zeiten, wo er 800-Meter-Läufer war. Das hat mir unheimlich geholfen, dass er vorn weggelaufen ist.“ An seine Fersen hatte sich Amadeus Gräber geheftet, so dass er in 2:41,57 Minuten deutlich vor Fred Isaac Fleurisson (2:54,46 min) das Ziel erreichte.

Titelverteidigung schürt Vorfreude auf Zehnkampf-Sommer

Dem 21-Jährige gelang mit seiner erfolgreichen Titelverteidigung ein mehr als gelungenes Mehrkampf-Comeback – im vergangenen Sommer hatte ihn eine Schambeinentzündung ausgebremst. Außerdem steigerte er seinen Hausrekord auf 5.908 Zähler. „Es fühlt sich sehr gut an, wieder zurück zu sein im Mehrkampf. Gleichzeitig freue ich mich schon auf draußen, weil ich im Zehnkampf nochmal deutlich besser bin“, blickte Amadeus Gräber voraus. Seine Titelverteidigung hatte am Samstag mit reichlich Unzufriedenheit nach den ersten beiden Disziplinen begonnen – 60 Meter (7,01 sec) und Weitsprung (7,04 m).

„Als deutlich schnellerer Sprinter habe ich eigentlich schwach für meine Verhältnisse angefangen. Im Weitsprung setzte sich das fort. Danach hatte ich schon ein kleines Tief. Es hat viel Kraft gekostet, sich da wieder rauszuholen“, berichtete der U20-Europmameister im Zehnkampf. Es gelang ihm mit der Hilfe seiner Familie und seiner Freundin, danach ging es für ihn langsam bergauf. Der Hürdensprint (8,31 sec) sorgte für den nächsten kleinen Knick, aber er setzte alles auf die Karte Stabhochsprung, womit er goldrichtig lag.

Auf den weiteren Plätzen folgten Fred Issac Fleurisson mit 5.853 Punkten und Roman Jocher (SSV Ulm 1848), der sich auf 5.822 Punkte steigerte. Auch dank einer starken letzten Disziplin, die 1.000 Meter beendete er als Zweitschnellster in 2:40,94 Minuten. Noch ein wenig schneller war Moritz Bartko (SC Potsdam; 2:40,75 min), der mit 5.784 Punkten die Medaillenränge knapp verpasste. 

Carl Wiegand holt ersten Mehrkampf-Titel

Nach Bronze im Vorjahr durfte Carl Wiegand (Eintracht Frankfurt) nun mit 5.523 Punkten über den Titel in der männlichen U20 jubeln. „Gold fühlt sich schon geil an. Es ist sogar meine erster Titel in einem Mehrkampf. Wenngleich der Wettkampf jetzt nicht perfekt verlief“, resümierte der 19-Jährige.

Der Frankfurter hatte zur Halbzeit noch auf dem zweiten Platz gelegen. Am meisten haderte er dabei mit seiner Leistung im Kugelstoßen, wo er mit 11,58 Metern wertvolle Punkte verlor. „Danach war ich schon ein bisschen deprimiert, aber wir haben immer die Regel, eine halbe Minute aufregen, dann ist auch wieder gut.“ Dafür lief es im Hochsprung mit 2,01 Meter umso besser, wo er wieder Feuer fing und dachte, „es geht doch. Es ist etwas drin im Körper“. Es war der Schlüsselpunkt auch in Richtung zweiter Tag. „Ich wusste, der zweite Tag ist für mich perfekt.“

Der Sprung an die Spitze gelang ihm am Sonntag mit der schnellsten Hürdenzeit von 8,15 Sekunden. Im Stabhochsprung konnte er seinen Vorsprung auf den ersten Verfolger Ernst Bruno Eltz (SV Halle) mit einem neuen Hausrekord von 4,60 Meter ausbauen. „Stab war richtig cool und hat mir richtig Spaß gemacht“, sagte der 19-Jährige. Sein erster Sprung über 4,70 Meter sah ebenfalls schon sehr vielversprechend aus. Noch fiel die Latte nach drei Versuchen. Im abschließenden 1.000-Meter-Lauf investierte er nur noch so viel, wie er musste. „Ich kann schneller laufen. Ich kann aber nicht laufen, wenn ich nicht muss“, erklärte er. 

Lennox Giesen mit sensationeller Aufholjagd

Ernst Bruno Eltz, der zur Halbzeit geführt hatte, verlor in den letzten drei Disziplinen im Hallen-Siebenkampf immer mehr an Boden. Ganz besonders im Stabhochsprung, wo er mit 3,90 Metern nicht an die starke Konkurrenz heranreichte. Dafür startete Lennox Lewis Giesen (TSV Bayer 04 Leverkusen) eine fulminante Aufholjagd mit einem sensationellen Stabhochsprung, wo er zu neuen Höhenflügen ansetzte und sich mit einem neuen Hausrekord von 4,60 Meter auf die Medaillenplätze schob.

Sogar Silber war plötzlich in Reichweite. Dafür kämpfte er über 1.000 Meter – und das ziemlich eindrucksvoll. Er übernahm nach dem Startschuss sofort die Spitzenposition, lief das Rennen von vorn allein und belohnte sich mit einer unglaublichen Laufleistung von 2:39,74 Minuten mit der Silbermedaille. Dafür hatte er 5.258 Zähler gesammelt. Ernst Bruno Eltz kam über 1.000 Meter in 2:50,71 Minuten ins Ziel, der Lokalmatador erreichte mit 5.242 Zählern den dritten Platz. 

Jan Mosig in der U18 überragend

Er machte dort weiter, wo er am Vortag aufgehört hatte: Jan Mosig (SC Potsdam) eröffnete den zweiten Wettkampftag in der männlichen U18 mit einer Bestzeit über 60 Meter Hürden. Er steigerte sich auf 8,08 Sekunden. Im Hochsprung folgte der nächste Hausrekord von 1,77 Metern. Der Gesamtsieg war ihm vor dem abschließenden Rennen über 1.000 Meter nicht mehr zu nehmen. Die fünf Runden beendete er in neuer Bestzeit von 3:00,07 Minuten. So sammelte er insgesamt 5.281 Zähler.

„Ich habe in der Vorbereitung schon gemerkt, dass da was drin ist und ich in Topform bin. Ich glaube, das hat man auch an einigen Wettkämpfen davor schon gesehen. Ich bin dann einfach mit der Maßgabe rein: Spaß haben und angreifen“, resümierte er nach seinem Wettkampf. Der Siebenkampf hatte am Samstag mit 60-Meter-Bestzeit von 7,11 Sekunden schon vielversprechend begonnen. „Das hat mir gezeigt, ich bin gut im Wettkampf angekommen. Nach dem ersten Tag wusste ich, eine Medaille ist möglich.“ Besonders der Stabhochsprung mit 4,40 Metern und die 60 Meter Hürden erwiesen sich als Punktelieferanten. Noch Potenzial sieht er im Kugelstoßen (13,20 m) und im Hochsprung.

Seinen zweiten Platz verteidigte Magnus Vieth (Hannover 96), der in der Summe aller sieben Disziplinen 5.085 Zähler sammelte. Großen Kampfgeist zeigte Allen Cole (TSV Bayer 04 Leverkusen). Mit einem sehr beherzten Rennen über 1.000 Meter, er beendete es mit der schnellsten Zeit von 2:46,09 Minuten, durfte er abschließend wie bereits im Vorjahr über den dritten Platz jubeln. Für ihn gingen 5.019 Punkte in die Wertung ein. 

Foto: Sieger Amadeus Gräber (Mitte) zwischen Fred Isaac Fleurisson (li.) und Roman Jocher. 

Die kompletten Resultate finden Sie in unserer Ergebnisrubrik...

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