| Sindelfingen

Jugend-Hallen-DM am Samstag: Sprint-Drama, Stabhochsprung-Battle und Favoritensiege

© Dirk Gantenberg
Am Samstag fallen bei der Jugend-Hallen-DM in Sindelfingen vier Entscheidungen in der männlichen Jugend. Hier lesen Sie von Disziplin zu Disziplin, wer sich im Kampf um die Titel durchsetzt.
Sandra Arm

LIVESTREAM  Live-Ergebnisse

60 Meter

Alvin Mawumba überrascht im Sprint-Drama mit dem Titel

Der deutsche Jahresbeste Louis Schuster (SG Motor Gohlis-Nord Leipzig) untermauerte im Vorlauf wie Halbfinale eindrucksvoll seine Titelambitionen – im Halbfinale sogar mit einer neuen Bestzeit von 6,72 Sekunden. Im Finale erlebte der Leipziger dann einen bitteren Moment, er musste das Rennen verletzungsbedingt abbrechen. Er fasste sich im Zielbereich an den rechten Beuger. Stattdessen stürmte Alvin Mawumba (TV Wattenscheid 01) in neuer Bestzeit von 6,79 Sekunden als Erster über die Ziellinie. Er hatte im Vorlauf und Halbfinale schon sein Potenzial auch für eine Medaille mit Bestzeiten angedeutet. Es war ein enges Finish, denn auf den weiteren Plätzen folgten knapp hinter dem Sieger Lennox Schmidt (SCC Berlin; 6,80 sec) und Raphael Geißner (VfB Stuttgart 1893; 6,81 sec).

„Ich habe mit dem Titel überhaupt nicht gerechnet“, sagte Alvin Mawumba. „Die letzten zwei Wochen im Training habe ich mich sehr gut gefühlt. Es gab Trainingsbestleistungen, so dass ich damit gerechnet habe, dass es heute schnell sein wird. Ich bin gestartet, und es gab Bestleistung über Bestleistung. So kennt man mich: Wenn es drauf ankommt, dann liefere ich ab. Das ist mein Motto. Es wäre bestimmt mit Louis Schuster ein spannendes Battle gewesen, schade mit seiner Verletzung. Auf diesem Wege gute Besserung an ihn. Schon ab dem Vorlauf, als ich eine 6,87 Sekunden fast gejoggt bin, da habe ich mir schon gedacht, das Rennen muss mit einer Medaille beendet werden. Das habe ich endlich geschafft. Das ist auch mein erster deutscher Hallentitel.“
 


60 Meter Hürden

Marc Leonard Hildebrand setzt sich durch

Den stärksten Eindruck im Hürdensprint hinterließ der Jahresbeste Marc Leonard Hildebrand (Dresdner SC 1898), der als Vorlaufschnellster im Halbfinale richtig aufdrehte und mit neuer persönlicher Bestleistung von 7,71 Sekunden ins Finale stürmte. Dort war es vor allem der Wille zum Sieg, der ihn über die Hürden trug. Es war kein schöner Lauf, aber einer, der ihn zum Titelgewinn in 7,77 Sekunden führte. Als Titelverteidiger war Arne Döring (LAC Erdgas Chemnitz) in die Konkurrenz gestartet, reichte aber in den einzelnen Läufen nicht an die Zeiten des Dresdners heran. Er kam im Finale als Zweiter in 7,86 Sekunden ins Ziel – auf die Tausendstel gleichauf mit seinem Vereinskollegen Luca Koch. 

„Es war echt ein sehr hässlicher Finallauf“, befand der neue Deutsche U20-Meister. „Ich habe ihn irgendwie durchbekommen. Gerade nach dem Halbfinale mit der Superzeit war es schwierig, die Nerven zu behalten. Eigentlich hat jetzt nur der Kopf entschieden. Das hat er glücklicherweise auch getan. Ich habe im ganzen Winter auf diesen Titel hingearbeitet. Ich kann es derzeit noch nicht wirklich realisieren, es ist noch gar nicht angekommen. Ich bin unfassbar glücklich. Gerade nach der Verletzung im Sommer [Knochenmarködem im Kahnbein im Fuß; Anm. d. Red.]. Das hat sich so weit gezogen, dass ich im Sommer nicht laufen konnte. Ich habe jeden Tag extrem hart dafür gearbeitet und bin extrem froh, dass sich die ganze harte Arbeit jetzt wieder ausgezahlt hat.“
 


Stabhochsprung

Packender Krimi zwischen Ben Duwenbeck und Nikolas Tietze

Einen hochkarätigen Wettkampf lieferten die Stabhochspringer ab. Nach mehr als zweieinhalb Stunden stand der neue U20-Hallenmeister fest. Entscheiden sollte sich der Zweikampf zwischen EYOF-Starter Nikolas Tietze (SV Halle) und Ben Duwenbeck (LG Olympia Dortmund), die zu neuen Höhenflügen ansetzten und den Zuschauern eine packende Flugshow boten. Eingestiegen war der Dortmunder – bis dato viertbester deutscher U20-Stabhochspringer – bei 4,55 Metern. Er meisterte Höhe um Höhe bis einschließlich 4,90 Meter ohne Problemen. Erst bei 5,00 Metern leistete er sich zwei Fehlversuche, ehe ihn der dritte Versuch die Erlösung brachte.

Als Jahresbester startete Nikolas Tietze, der als letzter der zwölf Athleten bei 4,80 Metern einstieg. Die nachfolgende Höhe ließ er aus, die 5,00 Meter offenbarten reichlich Potenzial für noch größeren Höhen. Beide ließen die 5,05 Meter aus, nahmen die nachfolgende Höhe von 5,10 Metern in Angriff. Diese Höhe gelang Ben Duwenbeck gleich im ersten Versuch, Nikolas Tietze benötigte drei Versuche. Die 5,15 Meter ließ er dann wieder aus, während Ben Duwenbeck diese Höhe im zweiten Versuch eindrucksvoll meisterte. Die Höhenjagd sollte für beide bei 5,20 Metern enden. Ben Duwenbeck nahm mit neuem Hausrekord von 5,15 Metern den Hallentitel mit. Zweiter wurde Nikolas Tietze – ebenfalls mit neuem Hausrekord von 5,10 Metern. Der Drittplatzierte Ben Silas Kribelbauer (LAZ Zweibrücken) stellte seine Bestmarke von 5,00 Metern ein.

Ben Duwenbeck sagte: „Der Titelgewinn fühlt sich schon richtig geil an. Ich bin letztes Jahr schon fünf Meter gesprungen und hatte danach eine schweres Jahr mit vielen Verletzungen. Jetzt bin ich wieder rechtzeitig in Form gekommen. Ich habe gewusst, es geht einiges, aber so gut, das hat mich schon überrascht. Ich wusste, dass ich gut drauf bin. Dass ich 5,15 Meter überspringe, das hätte ich nicht gedacht. Bei 5,20 Meter war dann einfach die Luft raus, aber das bewahre ich mir für den Sommer auf. Ich finde es richtig cool mit dem Jungs, wir haben eine breite Spitze. Es macht einfach richtig Spaß mit den Jungs, die Wettkämpfe zu bestreiten.“

Auch Nikolas Tietze war zufrieden: „Für die Halle ist das ein sehr gutes Ergebnis. Natürlich habe ich auf etwas mehr gehofft, das Training lief in den letzten Wochen ganz gut. Das ist die Halle, aber was zählt, ist draußen. Nach unserer Erfahrung habe ich einzelne Höhen ausgelassen, was wir wissen und bei mir funktioniert. Vielleicht kann ich nicht ganz so viele Sprünge machen, dafür sind die dann qualitativ besser. Bei 5,20 Metern hatte ich zweimal Probleme beim Anlaufen, da hat der Rhythmus noch nicht ganz gestimmt. Ich bin auch erst seit zwei Wochen bei diesem Anlauf, das ist alles noch ausbaufähig. Beim letzten Versuch hatte ich einen guten Rhythmus gehabt, aber ein bisschen zu viel gewollt und war zu dicht an der Latte gewesen.“


Dreisprung

Benedikt Maurer reicht ein gültiger Versuch zum Titel

Ein sehr guter erster Versuch gelang Benedikt Maurer (LG Stadtwerke München) in der Dreisprung-Konkurrenz. Der U18-EM-Dritte haute einen Satz auf 15,52 Meter raus. Mit dieser Leistung steigerte er seine deutsche Jahresbestleistung um sechs Zentimeter. Danach gab es nur noch ungültige Versuche. Mal passte es nicht vom Step, mal passte es nicht vom Brett. Dennoch sollte seine Weite aus dem ersten Versuch zum Titelgewinn reichen. Er siegte souverän vor Paul Klingenhof (TSV St. Peter-Ording; 14,87 m) und Joel Yamah (SCC Berlin; 14,84 m). Erneut gefordert ist Benedikt Maurer bereits am kommenden Wochenende bei den Deutschen Hallenmeisterschaften in Dortmund, wo er einen Platz in den Top Fünf anstrebt.

Benedikt Maurer sagte anschließend: „Im ersten Versuch hat der Anlauf noch gepasst bzw. ich wollte erstmal einen gültigen Versuch in die Grube bringen. Der Versuch war sehr gut am Brett. Einen oder zwei Sprünge habe ich abgebrochen, weil ich beim Step gemerkt habe, dass es nicht die Weite ist. Bei den anderen war es ein kleines Pokerspiel, sie waren hauchdünn übertreten. Wichtig war, dass wir den Anlauf nochmal stabilisiert haben, um zu wissen, wie ich reagiere und wie wir ihn einstellen müssen. Das ist uns heute im Vergleich zu meinem letzten Wettkampf ganz gut gelungen.“

LIVESTREAM  Live-Ergebnisse

Teilen
#TrueAthletes – TrueTalk

Hier finden Sie alle Folgen des Podcasts des Deutschen Leichtathletik-Verbandes!

Zum Podcast
Jetzt Downloaden
DM-Tickets