Am Samstag fallen bei der Jugend-Hallen-DM in Sindelfingen vier Entscheidungen in der weiblichen Jugend. Hier lesen Sie von Disziplin zu Disziplin, wer sich im Kampf um die Titel durchsetzt.
60 Meter
Lena Anochili im Tausendstel-Finish vor Emma Goretzka
In den Vorrunden hatten Lena Anochili (Hamburger SV) und Emma Goretzka (LAC Berlin), auf dem Papier die deutsche Nummer eins und zwei, sich gemäß ihrer Favoritenrolle stark präsentiert. Nach zwei "Fernduellen" wurde das Aufeinandertreffen im Finale mit Spannung erwartet. Und das Rennen hielt, was es versprach: Beide kamen gut aus den Blöcken und lösten sich von der Konkurrenz. Und als beide über die Ziellinie rauschten, war mit dem bloßen Auge nicht auszumachen, wer das Rennen gemacht hatte.
Einige Sekunden darauf legte Lena Anochili einen Luftsprung hin. In 7,27 Sekunden hatte sie sich den Titel gesichert – gerade einmal zwei Tausendstelsekunden vor Emma Goretzka. Beide verbuchten damit auch eine neue Bestzeit. Der Hausrekord von Lena Anochili hatte zuvor bei 7,30, der von Emma Goretzka bei 7,31 Sekunden gestanden. Über Bronze freute sich wie im Vorjahr Hannah Kaczmarek (SC Magdeburg; 7,39 sec).
"Dieser Sieg bedeutet mir richtig, richtig viel. Vor allem, nachdem die letzte Freiluftsaison nicht gut für mich lief, bin ich überwältigt, auch von der Zeit", gestand Lena Anochili. "Ich habe Emma neben mir gesehen und wusste schon, dass das richtig knapp zwischen uns ist. Ein tolles Duell auf jeden Fall." Für Emma Goretzka glänzte die Silbermedaille trotz des knappen Rückstandes golden. "Ich bin super dankbar. Egal, wie das heute ausgegangen wäre, ich wäre auf jeden Fall super dankbar gewesen. Ich habe so viel gelernt diese Saison: neue Trainingsmethoden, neuer Ehrgeiz, neues Mindset. Und am wichtigsten ist sowieso, dass wir, egal wie es ausgeht, am Ende tolle Freundinnen füreinander sind." Die nächsten Duelle folgen schon bald: am Sonntag über die 200 Meter und in der kommenden Woche bei der Hallen-DM in Dortmund.
60 Meter Hürden
Amalia Pannach macht Dresdner Glück perfekt
Wenige Minuten nachdem Marc Leonard Hildebrand für den Dresdner SC Gold über 60 Meter Hürden gewonnen hatte, zog am Samstagabend eine Vereinskollegin nach. Amalia Pannach, im Vorjahr Halbfinalistin der U20-EM, hatte bereits als Halbfinal-Schnellste mit neuer Bestzeit von 8,27 Sekunden ein Ausrufezeichen gesetzt. Im Finale legte sie dann noch einmal eine Schippe drauf und stürmte in 8,22 Sekunden wie entfesselt zu Gold. Silber holte sich dahinter, ebenfalls in Bestzeit, die Deutsche U18-Meisterin des Vorjahres Daryl Ndasi (Munich Athletics; 8,29 sec). Die Jahresbeste Shira Kurzawa (LAC Erdgas Chemnitz) wurde in 8,36 Sekunden Dritte.
Zu den ersten Gratulanten der frischgebackenen Deutschen U20-Meisterin zählte der Deutsche U20-Meister Marc Leonard Hildebrand. Die beiden trainieren gemeinsam in der Gruppe von Thomas Burger. "Wir haben viele Starts gegeneinander gemacht", erzählte Amalia Pannach später. Die Siegerin konnte ihren Triumph kaum fassen. "Das ist unvorstellbar, zumal ich in der Vorbereitung noch Fußprobleme hatte", staunte sie. "Jetzt habe ich mir selbst bewiesen, dass man einfach selbstbewusst sein und an sich selbst und das Training glauben muss." Selbstvertrauen gab der 18-Jährigen, die sich zwischen den drei Läufen noch mit Podcasts und Musik von der Aufregung abgelenkt hatte, vor allem der starke Halbfinal-Auftritt: "Ich wusste, heute lasse ich keine mehr vorbei."
Stabhochsprung
15-jährige Eva Marie Weisbrodt springt zum Titel
Im Vorfeld der Meisterschaften hatte vor allem Eva Marie Weisbrodt (MTG Mannheim) für Furore gesorgt. Die 15-Jährige hatte beim Saison-Einstieg in ihrer Trainingshalle mit 4,20 Metern die deutsche U18-Hallenbestleistung egalisiert und war damit als Jahresbeste zur Jugend-Hallen-DM gereist. Und im Glaspalast präsentierte sich die Mannheimerin, die im Mai erst 16 Jahre alt wird, absolut souverän: 3,70 Meter, 3,90 Meter und 4,00 Meter überquerte sie jeweils im ersten Anlauf.
Kurz darauf stand sie bereits als Deutsche Jugendmeisterin fest. Denn Naya Füllers (TSV Bayer 04 Leverkusen), die als einzige weitere Athletin noch die vier Meter anging, scheiterte im dritten Versuch haarscharf, sie gewann mit 3,90 Metern Silber. Eva Marie Weisbrodt versuchte sich anschließend noch dreimal an 4,10 Metern, trotz vielversprechender Versuche konnte sie diese Höhe jedoch nicht mehr meistern. "Ich wäre heute gern noch höher gesprungen", sagte sie anschließend. "Am Ende war ich schon ein bisschen müde. Aber Deutsche U20-Meisterin hört sich für mich trotzdem sehr schön an, vor allem, weil ich ja erst im ersten U18-Jahr bin." Für den Sommer hat sie sich vorgenommen, sich konstant bei Höhen jenseits der vier Meter einzupendeln. "Und ich würde gern 4,30 Meter springen, mein Trainer sagt, das ist drin."
Bronze ging im Sindelfinger Glaspalast an Klara Härke (MTV 49 Holzminden) mit übersprungenen 3,80 Metern. Nur einen Fehlversuch mehr als die Bronzemedaillengewinnerin hatten Julia Schinke (TuS 1908 Sohren) und Mira Drißler (MTG Mannheim), die ebenfalls 3,80 Meter meisterten. Mira Drißler ist neben Eva Marie Weisbrodt ein weiteres großes Talent aus der Mannheimer Trainingsgruppe von Alexander Rupp und Kai Winnemann. Die amtierende Deutsche U16-Meisterin ist im Oktober 2010 geboren und damit sogar noch einige Monate jünger als ihre Trainingspartnerin.
Dreisprung
Berenike Roos kontert sofort
Die Führende im Dreisprung hieß ab dem ersten Durchgang Berenike Roos (TV Wattenscheid 01). Die U18-EM-Teilnehmerin von 2024 startete mit 12,37 Metern vielversprechend in den Wettkampf. Am nächsten kamen ihr im dritten Versuch Carlotta Loewenthal (LG Nord Berlin; 12,30 m) und Maja Witte (Haldensleber SC; 12,26 m). Und in Runde fünf eroberte Carlotta Loewenthal mit neuer Hallen-Bestleistung von 12,53 Metern sogar die Führung.
Berenike Roos ließ sich davon nicht verunsichern. "Mein Einstieg in den Wettkampf war schon echt gut, ich habe mich gut gefühlt. Und als Carlotta dann so weit gesprungen ist, dachte ich: 'Jetzt erst recht!'", berichtete sie anschließend. Die Wattenscheiderin flog ihrerseits auf die Hallenbestleistung von 12,57 Metern und holte sich den Spitzenrang zurück. Bei dieser Reihenfolge der Top Drei blieb es bis zum Schluss, wenngleich Emily Uzoma (SC Poppenbüttel) ebenfalls im fünften Durchgang mit 12,25 Metern dicht an die Bronze-Weite herankam.
Für die neue Deutsche U20-Meisterin war der Titel nach einem schwierigen Jahr 2025 eine besondere Freude. "Letztes Jahr war es immer schwierig, weil ich nie gut durchtrainieren konnte. Auch diesen Winter war ich viel krank. Also wollte ich eigentlich nur hierher kommen und Spaß haben." So kann sie mit viel Selbstvertrauen in die Vorbereitung für die Sommersaison starten, die im Trainingslager auf Mallorca beginnen wird. "Ich weiß, woran ich noch arbeiten muss. Der Titel ist eine schöne Motivation, das alles umzusetzen." Im besten Fall kann dann auch die Freiluft-Bestmarke von 12,63 Metern aus dem Jahr 2024 fallen.