Nach vier Jahren kehren die Deutschen Jugend-Hallenmeisterschaften in den Sindelfinger Glaspalast zurück. Los geht die Titeljagd am Freitagabend mit dem Kugelstoßen und den Staffel-Entscheidungen. Gemeldet sind zahlreiche Titelverteidiger, U20-EM-Medaillengewinnerinnen und Deutschlands „Jugend-Leichtathlet des Jahres“.
Es ist vier Jahre her, dass die Deutschen Jugend-Hallenmeisterschaften zuletzt im Sindelfinger Glaspalast ausgetragen wurden. Damals triumphierten im Kugelstoßen Nina Ndubuisi (SG Schorndorf), die ihren Hausrekord mittlerweile auf die Weltklasse-Weite von 18,91 Metern gesteigert hat, und Steven Richter (LV 90 Erzgebirge). Der zweimalige WM-Teilnehmer im Diskuswurf wird am kommenden Wochenende nach Sindelfingen zurückkehren. Denn parallel zur Jugend-Hallen-DM werden im benachbarten Floschenstadion die Deutschen Winterwurf-Meisterschaften ausgetragen, für die der 22-Jährige gemeldet ist (Vorschau folgt am Donnerstag).
Die Disziplin, in der Steven Richter vor vier Jahren den Titel abräumte, wird am Freitagabend die diesjährige Jugend-Hallen-DM einläuten. Um 18:00 Uhr beginnt die Entscheidung im Kugelstoßen der männlichen Jugend U20, um 19:45 Uhr steigen ihre Disziplinkolleginnen in den Ring. Favorisiert sind in den Kugelstoß-Wettbewerben die Titelverteidigerin und U20-EM-Vierte Emily Scherf (SC Neubrandenburg) sowie der U20-EM-Sechste Simon Kunkel (USC Mainz).
Außerdem werden am Freitag vier Staffel-Titel vergeben: Die U20-Athletinnen und -Athleten rennen über 4x200 Meter um Gold, die Männer und Frauen kämpfen um die Titel über 3x1.000 beziehungsweise 3x800 Meter. Die Titelverteidigerinnen von Cologne Athletics sowie die Titelverteidiger von der LG Region Karlsruhe sind auch diesmal am Start.
Andor Rik Schumann doppelt gemeldet
Die weiteren Entscheidungen fallen am Samstag und Sonntag. Gleich doppelt taucht in der Meldeliste der Name eines Athleten auf, der in den vergangenen Wochen regelmäßig für Schlagzeilen gesorgt hat: Andor Rik Schumann (RACE Erfurt). Deutschlands „Jugend-Leichtathlet des Jahres“ hat sowohl für die 400 als auch für die 800 Meter gemeldet – und ist über beide Strecken der deutsche Jahresbeste. Ein Doppelstart wäre allerdings ambitioniert, denn immerhin finden die Vorläufe über 400 und 800 Meter am Samstag innerhalb von einer und die Finals am Sonntag innerhalb von einer halben Stunde statt.
In der weiblichen U20 endet über 800 Meter das Titel-Abonnement der amtierenden „Jugend-Leichtathletin des Jahres“. Vor vier Jahren in Sindelfingen hatte Jana Becker noch ganz knapp gegen Jolanda Kallabis (FT 1844 Freiburg) – mittlerweile WM-Teilnehmerin über 1.500 Meter – das Nachsehen. Danach ließ die Athletin des Königsteiner LV drei U20-Titel unter dem Hallendach folgen, ehe sie sich mit einem EM-Titel aus der U20-Altersklasse verabschiedete. Um ihre Nachfolge bewerben sich als Top Zwei des Jahres zwei Trainingskolleginnen von Andor Rik Schumann: die Deutsche U18-Meisterin Helena Guttke (SB 2:07,68 min) und die EYOF-Zweite Cäcilia Weimann (SB 2:08,65 min).
Lera Miller: Hattrick und Double?
Den dritten Titel in Folge schnappen könnte sich Lera Miller (VfL Löningen) über 1.500 Meter. Die 18-Jährige führt die deutsche Jahresbestenliste mit 4:20,22 Minuten und damit fast sieben Sekunden Vorsprung auf Pauline Kleesiek (LAV Kassel) an. Beide sind auch für die 3.000 Meter gemeldet. Auf dieser Strecke wartet in Person von Titelverteidigerin Julia Ehrle (LG farbtex Nordschwarzwald), die in diesem Jahr noch kein 3.000-Meter-Rennen bestritten hat, und der Deutschen U18-Meisterin im Crosslauf Gloria Herold (RACE Erfurt) starke Konkurrenz.
In der männlichen U20 geht über 1.500 Meter Piet Hoyer (Königsteiner LV; 3:46,85 min), über 3.000 Meter Levin Saveur (LG Stadtwerke München; 8:18,18 min) als Jahresschnellster ins Rennen. Beide haben bei der U20-EM schon internationale Erfahrung gesammelt.
Louis Schuster und Lena Anochili sind die Gejagten
Deutschlands Nummer eins über 60 und 200 Meter ist Louis Schuster (SG Motor Gohlis-Nord Leipzig). Mit 6,74 Sekunden über 60 Meter ist er der Konkurrenz, in der U18-Europameister Jakob Kemminer (LAC Quelle Fürth) verletzungsbedingt fehlen wird, deutlich voraus. Auch auf der längeren Sprintdistanz hat er mit 21,35 Sekunden schon stark vorgelegt.
Im Sprint der weiblichen U20 heißt die Gejagte Lena Anochili (Hamburger SV). Sie hat bislang 7,30 und 23,80 Sekunden angeboten, auf der kürzeren Sprintstrecke ist ihr allerdings Emma Goretzka (LAC Berlin) mit 7,31 Sekunden auf den Fersen. Über 400 Meter muss sich Titelverteidigerin Luna Fischer (VfL Eintracht Hannover; SB 55,48 sec) des Angriffs von Eni Kuske (TSV Zirndorf; SB 55,06 sec) erwehren.
Auch die Hürdensprints versprechen Spannung: In der männlichen Jugend ist Titelverteidiger Arne Döring (LAC Erdgas Chemnitz; 7,82 sec) diesmal erster Herausforderer des Jahresbesten Marc Leonard Hildebrand (Dresdner SC 1898; 7,76 sec). In der weiblichen Jugend ist auf dem Papier mit Shira Kurzawa (SB 8,20 sec) ebenfalls eine Chemnitzerin vorn zu erwarten. Doch die erst 16-jährige Delisha Benelisa Domingos (TuS Lichterfelde) ist der 18-Jährigen mit 8,27 Sekunden (deutsche U18-Bestleistung über die hohen Hürden) dicht auf die Pelle gerückt.
U18-Talente auf Augenhöhe mit der Konkurrenz
Im Hochsprung der männlichen sowie im Stabhochsprung der weiblichen Jugend haben sich die U18-Talente in den Fokus geschoben. Mit 2,07 Metern ist der noch nicht ganz 17 Jahre alte Hochspringer Jan Ungeheuer (Turnklub Grevenbroich) in der besten Ausgangsposition, unter anderem Titelverteidiger Johannes Böcher (USC Mainz; 2,06 m) und der U20-EM-Finalist Keon Schmidt-Gothan (2,04 m) befinden sich in Lauerstellung.
Erst 15 Jahre alt ist Stabhochspringerin Eva Marie Weisbrodt (MTG Mannheim), die Ende Januar auf ihrer Heim-Anlage mit 4,20 Metern die deutsche U18-Bestleistung egalisiert hat. In der männlichen Jugend teilen sich EYOF-Starter Nikolas Tietze (SV Halle), der Deutsche U18-Meister Jonathan Hummel (LG Leinfelden-Echterdingen) und der weitere Fünf-Meter-Springer Ben Silas Kribelbauer (LAZ Zweibrücken), die nur wenige Zentimeter trennen, die Favoritenrolle im Stabhochsprung. Diese hat im Hochsprung der weiblichen Jugend mit Sina Stoll (TB Tailfingen; 1,83 m) eine Württembergerin inne.
Im Weitsprung zählt die frisch gekürte Deutsche Jugendmeisterin im Hallen-Fünfkampf Maria Schnemilich (1. LAV Rostock) zu den Medaillen-Anwärterinnen. Sie flog vergangenes Wochenende bei der Hallen-Mehrkampf-DM auf 6,09 Meter und zog damit mit ihrer Vereinskollegin Kimberly Opitz als deutsche Jahresbeste gleich. In der männlichen Jugend bringt Julian Karsten (VfL Wolfsburg) mit 7,54 Metern die stärkste Vorleistung mit.
Über Sindelfingen nach Rieti und Eugene
Im Dreisprung nimmt der U18-EM-Dritte Benedikt Maurer (LG Stadtwerke München) mit seiner Bestleistung von 15,46 Metern Kurs auf die Titelverteidigung. In der weiblichen Jugend führen mit Johanna Ide (TV Jahn Rheine; 12,50 m) und Maja Witte (Haldensleber Sportclub; 12,41 m) zwei neue Gesichter die Meldeliste an.
Für die Newcomerinnen ist die Jugend-Hallen-DM ebenso wie für die etablierten Kräfte ein wichtiger Gradmesser in Richtung Freiluftsaison, wenn bei den Deutschen Jugendmeisterschaften in Bochum-Wattenscheid die Startplätze für die internationalen Nachwuchsmeisterschaften vergeben werden: die U18-EM in Rieti (Italien; 16. bis 19. Juli) und die U20-WM in Eugene (USA; 5. bis 9. August).
Die Jugend-Hallen-DM wird an allen drei Wettkampftagen im Livestream auf leichtathletik.de und YouTube übertragen. Es kommentieren Chantal Buschung und Linn Kleine.
Foto: Mittelstrecklerin Lera Miller könnte in Sindelfingen ihren dritten 1.500-Meter-Titel in Folge gewinnen.