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Florian Bremm – Der 12,5-Runden-Arbeiter

Der deutsche Langstreckler Florian Bremm wärhend des Rennens. © Jan Papenfuß
Plötzlich in der Weltspitze: Mit seiner Steigerung auf 12:56,80 Minuten hat 5.000-Meter-Läufer Florian Bremm in Turku einen Leistungssprung hingelegt. „Damit habe ich mir ein Lebensziel erfüllt“, sagt 25-Jährige. Dabei war sein Weg zur „Sub 13“ kein einfacher, sondern geprägt von harter Arbeit und einer entscheidenden Weichenstellung.
Martin Neumann

Frederik Ruppert (LAV Stadtwerke Tübingen), Mohamed Abdilaahi (Cologne Athletics), Robert Farken (SG Motor Gohlis-Nord Leipzig): Gleich mehrere deutsche Bahnläufer haben in den letzten Monaten bei großen Meetings für Aufsehen gesorgt. Seit Anfang Juni hat sich Florian Bremm (Franconia Athletics) zu dieser Gruppe dazugesellt. Mit 12:56,80 Minuten blieb der 25-Jährige in Turku (Finnland) über 5.000 Meter sensationell erstmals unter der prestigeträchtigen 13-Minuten-Marke und lief als Sieger zwischenzeitlich an die Spitze der Weltjahresbestenliste. Hindernis-Europarekordler Frederik Ruppert folgte als Zweiter mit 12:57,61 Minuten.

Seine Bestzeit steigerte der Franke in Turku um fast exakt zwölfeinhalb Sekunden – und lief damit jede Runde eine Sekunde schneller als bei seinem bisherigen Hausrekord und blieb klar unter der EM-Norm von 13:08,00 Minuten. Auf diesem Niveau bedeutet die Verbesserung nichts weniger als den Eintritt in eine neue Leistungsliga. „Zwei Runden vor Schluss sind wir bei knapp unter elf Minuten durchgegangen. Ab da war eine Zeit unter 13 Minuten greifbar“, blickt Florian Bremm auf sein bisheriges Karriere-Highlight zurück. „Eine Zeit unter 13 Minuten war mein sportliches Lebensziel. Das habe ich nun erreicht.“

„Kopf ausschalten und rollen lassen“

Betrachtet man die Karriere Florian Bremms, so darf man ihn als echten 5.000-Meter-Spezialisten betrachten. Den Großteil seiner Wettkämpfe bestreitet der Polizist über die 12,5-Runden-Distanz. „Ich komme mit der Strecke besser zurecht als andere. Man muss auf den 5.000 Metern auch mal den Kopf ausschalten und es rollen lassen“, beschreibt Florian Bremm. Schaut man auf die vergangenen fünf Saisons hat sich der 25-Jährige um 45 Sekunden gesteigert. Von 13:42,03 Minuten auf 12:56,80 Minuten – oder umgerechnet auf die 5.000 Meter um fast 300 Meter.

„Ich ziehe die Stärke aus dem Training und brauche entsprechende Regenerationsphasen zwischen den 5.000-Meter-Rennen“, beschreibt Florian Bremm seinen Saisonaufbau und damit den Grund, warum er recht wenige Rennen auf Unter- oder Überdistanzen bestreitet. Das Training gestaltet er zusammen mit Hindernisläufer Niklas Buchholz (Franconia Athletics) mit Unterstützung der Trainingswissenschaftler vom IAT Leipzig hauptsächlich selbst. „Die Entwicklung der Form ist harte und akribische Arbeit. Wir verfolgen einen hochvolumigen Ansatz, so komme ich in der Vorbereitung auf etwa 170 Wochenkilometer“, verrät Florian Bremm. Nach intensiveren Einheiten wie Schwellenläufen bauen die Trainingspartner lockere Erholungstage ein, um die Regeneration nicht zu vernachlässigen.

Entscheidende Weichenstellung 2022

Florian Bremm kam im Alter von zwölf Jahren zur Leichtathletik und probierte verschiedene Disziplinen aus. Schnell stellte sich heraus, dass die Laufstrecken seine Stärke sind. Sein Hauptaugenmerk galt zunächst den Hindernisdistanzen. In seinem letzten U20-Jahr gewann er Gold bei der Jugend-DM über 2.000 Meter Hindernis und trug das deutsche Trikot bei den U20-Europameisterschaften und bei der Cross-EM. Die ganz großen Erfolge blieben in der Jugend allerdings aus, andere junge Läufer konnten ihn damals noch dank ihres Talents ausstechen.

Entscheidenden Schub bekam seine Karriere 2022. Da lief er die 5.000 Meter in 13:42,03 Minuten und sicherte sich damit anschließend einen Platz in der Sportförderung der Bayerischen Polizei. Seitdem ist er als Laufprofi unterwegs, kann seinen Tag optimal auf Training und Regeneration abstimmen und somit langfristig Leistung entwickeln.

Teil des deutschen Lauf-Booms

„Wenn man sich den Weltvergleich ansieht, schaffen es nur die absoluten Ausnahmetalente an die Weltspitze, ohne Profi zu sein. Für mich war der Sprung in die Sportfördergruppe die entscheidende Weichenstellung meiner Karriere“, erklärt Florian Bremm. Auch seine deutschen Teamkollegen wie Frederik Ruppert, Mohamed Abdilaahi, Robert Farken sowie der Dresdner Hindernisläufer Karl Bebendorf und der Deutsche Marathonrekordler Amanal Petros (Hannover 96) können unter Profibedingungen trainieren und liefern regelmäßig schnelle Zeiten ab.

Waren zuletzt die deutschen Läuferinnen wie Konstanze Klosterhalfen (TSV Bayer 04 Leverkusen), Gesa Krause (Silvesterlauf Trier), Lea Meyer (VfL Löningen) oder Hanna Klein (LAV Stadtwerke Tübingen) international erfolgreich, haben nun die deutschen Läufer nachgezogen. „Wir haben gut gearbeitet und wollen das natürlich auch bei internationalen Meisterschaften zeigen“, schaut Florian Bremm voraus.

Premiere auf der Diamond-League-Bühne

Trotz seiner Top-Zeit von Turku und aktuell Rang zwei in der europäischen Jahresbestenliste hinter Andreas Almgren (Schweden; 12:48,61 min) und vor Frederik Ruppert (12:57,61 min) und Mohamed Abdilaahi (12:57,61 min) sieht sich der Franke nicht als klarer Medaillenkandidat für die EM Mitte August in Birmingham. „Vor dem Rennen war mein Ziel ein Top-Acht-Platz, dabei bleibe ich“, so Florian Bremm.

Bevor es in Birmingham und zuvor bei der DM in Bochum-Wattenscheid um die Medaillen geht, stehen zwei große Meetings für Florian Bremm auf dem Programm. Am Sonntag das Gold-Meeting in Hengelo (Niederlande), am 28. Juni läuft er in Paris seine Diamond-League-Premiere. „Die Veranstalter von Paris haben sich bei mir gemeldet, das freut mich ungemein“, blickt er voraus. Anschließend wird im Trainingslager in St. Moritz wieder an der Form für die Saisonhöhepunkte gearbeitet. Für die nächsten schnellen 12,5 Runden.

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