Zwölf Titel wurden bei den Deutschen U23-Meisterschaften am Sonntag im Lohrheidestadion in Bochum-Wattenscheid noch vergeben. Für die stärkste Leistung sorgte U23-Europameister Owe Fischer Breiholz mit 48,20 Sekunden. Auch die Hürdensprinterinnen erzielten starke Zeiten.
| FRAUEN U23 |
Titelverteidigung geglückt: Rosina Schneider kam im Finale über 100 Meter Hürden schnell aus den Blöcken, lag immer knapp vor der starken Lia Flotow (1. LAV Rostock) und ließ sich den Titel nicht nehmen. Mit 12,85 Sekunden war die aktuell schnellste deutsche Hürdensprinterin (12,77 sec) gleich 19 Hundertstel flotter als bei ihrem Titelgewinn vergangenes Jahr in Ulm. Nur bei ihrer Bestzeit vor zwei Wochen in Dessau war sie schneller unterwegs. „Die Stimmung war schon echt cool. Jetzt freue ich mich auf die DM in drei Wochen, wenn das Stadion voll ist“, jubelte die alte und neue Deutsche U23-Meisterin.
In ihrem Sog stürmte Lia Flotow zu Silber und mit 12,92 Sekunden zu einer neuen Bestzeit. Damit blieb die Rostockerin erstmals unter der EM-Bestätigungsnorm von 12,95 Sekunden und steigerte ihre Bestzeit um fünf Hundertstel. „Rosina hat mich super gezogen. Jetzt wird bis zur DM noch ordentlich trainiert. Ich freue mich auf die Deutschen Meisterschaften“, sagte Lia Flotow. Bronze ging mit 13,38 Sekunden an Daryl Ndasi (Munich Athletics).
Anouk Krause-Jentsch nicht zu stoppen
Schon nach fünf Hürden hatte Anouk Krause-Jentsch (SCC Berlin) über 400 Meter Hürden einen kleinen Vorsprung herausgelaufen. Das wurde im Vergleich der Hürdenüberquerungen deutlich. Diesen Vorsprung ließ sich die 20-Jährige nicht nehmen. Im Gegenteil: Die Berlinerin vergrößerte ihren Vorsprung weiter und lief nach Rang vier im Vorjahr diesmal in 57,26 Sekunden zu Gold. „Die Saison war wirklich lang, das spüre ich. Aber in drei Wochen bei der DM soll es hier noch einmal schneller werden“, sagte Anouk Krause-Jentsch. Live Grete Büchner (Dresdner SC) hielt lange Anschluss und belohnte sie mit Silber und neuer Bestzeit von 58,06 Sekunden. Als Dritte (59,13 sec) machte Nadine Reetz die zweite Medaille für den SCC Berlin klar.
Lokalmatadorin Jolina Ernst (TV Wattenscheid) spielte ihre starke Beschleunigung im 200-Meter-Finale aus und erarbeitete sich auf der ersten Streckenhälfte einen kleinen Vorsprung. Doch je mehr das Ziel in Reichweite kam, desto besser kam Judith Bilepo Mokobe (USC Mainz) in Schwung. Mit 22,99 Sekunden fing die U20-Europameisterin ihre Konkurrentin noch ab. „Ich wusste, dass Jolina extrem stark vorn ist. Aber ich konnte auf der Zielgeraden gut gegenhalten“, sagte die Mainzerin. Jolina Ernst lief mit neuer Bestzeit von 23,11 Sekunden auf Rang zwei. Nach Silber über 100 Meter am Samstag war es ihre zweite Silbermedaille der U23-DM. Der dritte Platz auf dem DM-Podest ging an Celine Böer (LG Region Karlsruhe), die Bronze mit einer neuen Bestzeit von 23,41 Sekunden veredelte.
Start-Ziel-Sieg für Hannah Odendahl
Hannah Odendahl (SC Krefeld) wollte sich über 800 Meter auf keine Spielereien einlassen. Die in diesem Jahr auf 2:01,97 Minuten verbesserte 20-Jährige zog das Feld schnell auseinander, vergrößerte den Vorsprung und lief in 2:03,64 Minuten als Solistin souverän zu Gold. Nur zweimal war die Krefelderin in ihrer Karriere schneller. Maja Schorr (SV Go Saar 05) konnte noch am längsten den Anschluss halten und lief in 2:05,94 Minuten auf Rang zwei. Vorjahressiegerin Karolina Mia Haas (LG Olympia Dortmund) gewann diesmal mit 2:07,47 Minuten Bronze.
In Weitsprung-Finale entschied das knappst mögliche Ergebnis über die Siegerin. Siebenkämpferin Tabea Eitel (VfB Stuttgart) hatte im vierten Versuch die Führung mit 6,36 Metern übernommen. Bis zum letzten Versuch sah sie damit wie die Siegerin aus. Doch Finja Köchling (Eintracht Frankfurt) konterte. Denn für sie wurden ebenfalls 6,36 Meter gemessen. Da die Hessin mit 6,28 zu 6,10 Meter den besseren zweiten Versuch aufwies, sicherte sie sich am Samstagnachmittag den Titel. „Es waren wirklich schwierige Bedingungen mit drehenden Winden“, sagte Finja Köchling. „In drei Wochen bei der DM springen wir beide wieder hier. Mal sehen, wie es dann ausgeht“, so Tabea Eitel. Nach Hochsprung-Gold am Samstag gewann Anna-Elisabeth Ehlers (TSV Bayer 04 Leverkusen) mit 6,27 Metern Bronze. Damit lag sie drei Zentimeter vor Laura Raquel Müller (Unterländer LG).
Lorena Frühn souveräne Speerwurfsiegerin
Lorena Frühn (LG Offenburg) machte schnell klar, dass der Sieg nur über sie gehen würde. Im ersten Versuch legte sie 52,00 Meter vor. Diese Marke sollte am Sonntagnachmittag keine andere Speerwerferin mehr übertreffen. Aber die 20-Jährige gab sich mit der Weite nicht zufrieden. Gleich zweimal verbesserte die Offenburgerin ihre Einstiegsmarke: über 53,35 auf 54,31 Meter. Damit kam sie bis auf knapp zwei Meter an ihre Bestmarke heran und gewann nach Rang vier im vergangenen Jahr diesmal Gold.
„Wenn man solide in den Wettkampf kommt, kann man anschließend auch etwas mehr riskieren. Aktuelle werfe ich noch aus kurzem Anlauf. Wenn ich mit mehr Tempo anlaufe, kann es auch noch weiter gehen“, sagte Lorena Frühn. Auch Rang zwei war eine klare Angelegenheit. Den sicherte sich Nina Reincke (SC Magdeburg) mit 51,75 Metern, Bronze ging mit Saisonbestleistung an Ronja Melzner (LG Stadtwerke München; 49,57 m).
| Männer U23 |
Owe Fischer-Breiholz (Königsteiner LV) ließ keinen Zweifel daran, dass er nicht nur den Titel über 400 Meter Hürden gewinnen wollte, auch eine schnelle Zeit sollte am Sonntagnachmittag im Lohrheidestadion her. Und der U23-Europameister lieferte. Mit 48,20 Sekunden blieb er nur 19 Hundertstel über seiner Bestzeit und lief die zweitschnellste Zeit seiner Karriere. „Auf der ersten Geraden musste man schon etwas investieren, damit es mit dem Rhythmus klappt. Hinten hat mir vielleicht ein wenig die Konkurrenz gefehlt, um noch einen Tick schneller zu laufen“, sagte Owe Fischer-Breiholz. Bis zur DM in drei Wochen plant der Hesse noch einen Meetingstart als finalen Test für den nationalen Saisonhöhepunkt. Exakt zwei Sekunden hinter dem Deutschen U23-Meister machte Lasse Schmitt (50,20 sec) den Doppelsieg für den Königsteiner LV perfekt. Bronze mit neuer Bestzeit von 52,06 Sekunden sicherte sich Tobias Peelen (TV Gladbeck).
Am Samstag hatten 100-Meter-Sieger Benedikt Wallstein (LAC Erdgas Chemnitz) und 400-Meter-Sieger Thorben Finke (SV Sigiltra Sögel) schon ganz oben auf dem Podest gestanden. Doch keiner von beiden schaffte im 200-Meter-Finale das Sprint-Double. Denn es gab einen lachenden Dritten: Max Husemann (Eintracht Hildesheim). Der Titelverteidiger kam pfeilschnell und mit einem kleinen Vorsprung aus der Kurve. Den Rückstand konnte auch 400-Meter-Spezialist Thorben Finke nicht mehr wettmachen. So jubelte Max Husemann nach 20,89 Sekunden über die erfolgreiche Titelverteidigung. Silber ging mit 21,02 Sekunden an Thorben Finke, Bronze an Benedikt Wallstein (21,38 sec). „Ich hatte vergangenen Herbst eine Lungenentzündung. Daraus ist ein Belastungsasthma entstanden. Darum bin ich in diesem Jahr sehr wenig gelaufen. Aber nächste Jahr werden wieder die 400 in Angriff genommen“, blickte Max Husemann voraus.
Tom Stöber behält die Ruhe und spurtet zu Gold
Die Bahn war im 800-Meter-Finale gut gefüllt. Denn anstatt der üblichen acht Läufer waren gleich elf am Start. Grund für die zusätzlichen Plätze: Rempeleien und unverschuldete Stürze in den Vorläufen. Den ersten Vorstoß wagte nach 500 Metern Noah Cais (LG Wehringen). Wie im Finale über 3.000 Meter Hindernis am Freitag wählte er den langen Spurt und zog das Feld auseinander. Obwohl Titelfavorit Tom Stöber (TV Wetzlar) nicht in der besten Position war, spielte er seine Schnelligkeit aus und spurtete auf der Zielgeraden noch ganz nach vorn. „Zwischendurch habe ich gedacht, dass der Weg zu weit sein konnte. Aber dann war alles frei und ich konnte mich auf meine Schnelligkeit verlassen“, sagte der 20-Jährige, der in 1:49,52 Minuten seinen Titel erfolgreich verteidigte. Silber in Freiluft-Bestzeit (1:49,99 min) ging an Hindernis-Meister Noah Cais, Bronze an Jonas Storch (LG Stadtwerke München; 1:50,30 min), der auf den ersten 500 Metern für das Tempo gesorgt hatte.
Die Entscheidung um den Sieg fiel über 110 Meter Hürden an der letzten Hürde. Die Nummer eins der Meldeliste, Bruno Betz (LAZ Ludwigsburg), war schon an den Hürden zuvor ins Straucheln geraten. Hürde zehn konnte er dann nicht mehr meistern und stürzte. „Es ist aber alles okay. In drei Wochen geht es hier bei der DM weiter“, so Bruno Betz. Auch Timon Dethloff (Cologne Athletics) registrierte aus den Augenwinkeln, dass sein Konkurrent auf den letzten Metern nicht mehr im Rennen war. „Da war der Weg frei. Ich freue mich über die erfolgreiche Titelverteidigung und die neue Bestzeit“, jubelte der Kölner. Mit 14,09 Sekunden steigerte der 21-Jährige seinen Hausrekord um fünf Hundertstelsekunden: „Bei der DM in drei Wochen soll es dann unter 14 Sekunden werden.“ Silber ging mit 14,22 Sekunden an Lukas Kleinschrodt (LG Brillux Münster). U20-Hürdensprinter Arne Döring (LAC Erdgas Chemnitz) schnappte sich mit neuer Bestzeit von 14,49 Sekunden Bronze.
Marec Metzger setzt den Schlusspunkt der Meisterschaften
Am Ende von drei langen Wettkampftagen hatte Marec Metzger (TSV Gräfelfing) am späten Sonntagnachmittag das Lohrheidestadion für sich. Da lag die Latte bei 5,55 Metern. Doch diesmal war diese Marke (noch) zu hoch für den Stabhochspringer. Trösten durfte sich Marec Metzger mit dem Titel. Alle Höhen einschließlich 5,32 Meter nahm der Bayer im ersten Versuch, danach ließ er die neue Bestleistung von 5,55 Metern auflegen. Zu Silber sprang mit 5,22 Metern Hendrik Hohmann (LG Olympia Dortmund), Lars Urich gewann Bronze vor dem höhengleichen Jakob Legner (beide LAZ Zweibrücken).
Gleich im ersten Wurf schickte Nick Thumm (VfB Stuttgart) seinen Speer auf 78,47 Meter. Richtig zufrieden war er damit nicht. Doch es sollte der „goldene Wurf“ sein. Kein Konkurrent konnte den Stuttgarter mehr gefährden. Allerdings kam Max Dehning (LG Offenburg) dem Deutschen U23-Meister mit 77,80 Metern im letzten Versuch noch einmal recht nah. „Ich hatte zuletzt ein paar Schulterprobleme. Aber die bekomme ich so langsam in den Griff. In drei Wochen bei der DM will ich, wenn es optimal läuft, die EM-Norm von 83,00 Metern angreifen,“ sagte Nick Thumm. Bronze ging an den dritten 70-Meter-Werfer des Nachmittags, Simon Schmitt (Frankfurt Athletics), mit 73,22 Metern.