Es geht Schlag auf Schlag: Von Freitag bis Sonntag geht die zweite von drei Deutschen Meisterschaften im Lohrheidestadion von Bochum-Wattenscheid über die Bühne. Den Titelkämpfen kommt erneut eine besondere Bedeutung zu: Während die U16-Talente ihr Debüt auf großer Bühne geben, werden in der U20 die U20-WM-Starterinnen und -Starter ermittelt.
Am vergangenen Wochenende war das Lohrheidestadion in Bochum-Wattenscheid Schauplatz der Deutschen U18- und U23-Meisterschaften. Von Freitag bis Sonntag geht der Titelkampf weiter – diesmal in den Altersklassen U16 und U20. Während die U16-Talente erstmals Meisterschaftsluft schnuppern dürfen (Vorschau folgt am Donnerstag), geht es für die Besten in der U20 um mehr als „nur“ um nationale Meriten. Denn die beiden in Wattenscheid bestplatzierten Athlet:innen, die im Vorfeld oder bei der U20-DM die geforderte Norm erbringen, werden vorrangig für die U20-WM in Eugene (USA; 5. bis 9. August) nominiert.
Besonders viel Spannung versprechen daher die Entscheidungen, in denen bereits jetzt mehr als zwei Athlet:innen die Norm abgehakt haben. Das ist unter anderem im Diskuswurf der weiblichen U20, der am Freitagabend ausgetragen wird, der Fall. Mit Favour Adesokan vom TV Wattenscheid 01, die in diesem Jahr schon 57,22 Meter geworfen hat, ist eine Lokalmatadorin in der Poleposition. Doch auch U18-Europameisterin Nadjela Wepiwé (Frankfurt Athletics), Chiara Wildner (SC Potsdam) und Anna-Maria Weber (VfB Stuttgart) können mit erfüllter Norm auf ein U20-WM-Ticket hoffen.
Die Stuttgarterin hat in ihrer eigentlichen Paradedisziplin Kugelstoßen, in der sie bei der DM Titelverteidigerin ist, eine weitere Chance – aber auch in diesem Wettbewerb starke Konkurrenz. Favorisiert ist die Deutsche Jugend-Hallenmeisterin und Nummer fünf der Welt, Emily Scherf (SC Neubrandenburg), doch auch die weiteren Normerfüllerinnen Johanna Guggemoos (LG Stadtwerke München) und Antonia Heberle (TV Rottenburg) werden zu beachten sein, wenn es am Samstag um die Medaillen geht.
Neuauflage des Hammerwurf-Duells
Zu einem Highlight der U20-DM könnte der Hammerwurf der weiblichen U20 werden: Das Duell Nova Kienast (Berlin Athletics) gegen Clara Hegemann (LG Stadtwerke München) geht in die nächste Runde! Vor zwei Jahren standen beide beim U18-EM-Sieg der Münchnerin gemeinsam auf dem internationalen Podest, im vergangenen Jahr holte sich Nova Kienast den U20-EM-Titel.
In der aktuellen Saison lag der Vorteil wieder bei Clara Hegemann, die sich mit ihrem Deutschen U20-Rekord (69,81 m) auf Platz zwei der Welt eingereiht hat. Neben Nova Kienast, die bislang bei 64,87 Metern steht, hat auch Maria Gröper (LV 90 Erzgebirge) die Norm abgehakt und könnte bei einem Patzer der Favoritinnen zur Stelle sein.
Sieben Sprinterinnen kämpfen um zwei WM-Tickets
Mehr Normerfüllerinnen als Startplätze gibt es auch in den Sprint-Disziplinen. Ganze zehn Athletinnen blieben über 100 Meter schon unterhalb der Norm von 11,75 Sekunden, sieben von ihnen starten in Wattenscheid über diese Distanz. Die beste Ausgangslage haben sich die beiden Athletinnen geschaffen, die sich bei der Jugend-Hallen-DM um den 60-Meter-Titel duellierten: Emma Goretzka (LAC Berlin; PB 11,33 sec) und Lena Anochili (Hamburger SV; PB 11,39 sec). Beide gehören auch zu den Normerfüllerinnen über 200 Meter, für die sie ebenfalls gemeldet sind.
„Aus vier mach zwei“ heißt es auch über 100 Meter Hürden. Klare Favoritin ist auf dem Papier Daryl Ndasi (Munich Athletics), die am zurückliegenden Wochenende bereits Dritte der U23-DM wurde. Unter dem Hallendach hatte hingegen Amalia Pannach (Dresdner SC 1898) die Nase vorn. Eindeutige Sieg-Anwärterinnen gibt es auch auf der Stadionrunde mit und ohne Hürden in Person von Rebekka Feirle (LG Östl. Bodenseekreis) und der U20-EM-Zweiten mit der 4x400-Meter-Staffel Luna Fischer (VfL Eintracht Hannover).
Auf den Mittel- und Langstrecken sind mit Lera Miller (VfL Löningen; 1.500 m) und Julia Ehrle (LG farbtex Nordschwarzwald; 3.000 m) zwei Athletinnen am Start, die sich längst über ihre Altersklasse hinaus einen Namen gemacht haben. Die Löningerin triumphierte am Samstag im Lohrheidestadion bereits in der U23, die Schrambergerin machte im Juni wieder einmal mit Medaillen bei der Berglauf-EM auf sich aufmerksam – wie auch Gloria Herold (Race Erfurt), U20-Europameisterin im „Uphill“, die im Lohrheidestadion ebenfalls über 3.000 Meter am Start stehen will.
Weltjahresbeste am Anlauf, starke Stabhochsprung-Felder
Von den Sprungdisziplinen sind besonders Dreisprung und Stabhochsprung gut besetzt. An der Spitze des Dreisprung-Feldes rangiert Antonia Bronnert (VfL Löningen), die mit 13,65 Metern zurzeit sogar die Nummer eins der Welt ist. Neben der Jahresbesten Lotte Gretzler (USC Mainz; 4,22 m) starten auch die fünf weiteren Normerfüllerinnen, darunter U23-Meisterin Anna Hiesinger (LAZ Ludwigsburg) und U18-Meisterin Eva Marie Weisbrodt (MTG Mannheim), die jedoch nicht bei der U20-WM, sondern bei der U18-EM antreten wird.
Bei der männlichen U20 wird es im Stabhochsprung darum gehen, wer aus dem Kreis der vier Normerfüller, die alle exakt die geforderte Höhe von 5,12 Metern gemeistert haben, sich bei den Meisterschaften am besten präsentiert. Im Hochsprung sind drei Athleten, angeführt vom Frankfurter Jacob Thomä (2,20 m), auf dem Papier eine Klasse für sich.
In den Würfen haben sich bislang vereinzelt Athleten besonders hervorgetan. Einer von ihnen trägt einen bekannten Namen: Matti Hummel (Eintracht Frankfurt). Der jüngere Bruder von Hammerwurf-Vize-Weltmeister Merlin Hummel liegt in seiner Altersklasse mit 73,24 Metern auf Platz sieben der Welt. Ebenfalls in den Top Ten weltweit befindet sich Kugelstoßer Simon Kunkel (USC Mainz; 19,75 m). Und Speerwerfer Niklas Könnemann (SC Magdeburg) hat mit 71,46 Metern in seinem ersten U20-Jahr schon einen großen Schritt nach vorn gemacht.
Jakob Kemminer wieder der Gejagte
Über 100 und 200 Meter führt voraussichtlich kein Weg an Jakob Kemminer (LAC Quelle Fürth) vorbei. Der U18-Europameister über 100 Meter nahm bereits vor zwei Jahren in Lima (Peru) an der U20-WM teil und führt in Wattenscheid über beide Sprintdistanzen die Meldeliste an. Über 100 Meter sprintete der 19-Jährige bei der Junioren-Gala in Mannheim mit 10,23 Sekunden die stärkste Zeit eines deutschen Nachwuchssprinters seit 25 Jahren. Mit 10,26 Sekunden ist ihm der ein Jahr jüngere Lennox Schmidt (SCC Berlin) jedoch auf den Fersen.
Im Hürdensprint liegt die Favoritenrolle beim Deutschen Jugend-Hallenmeiste Marc Leonard Hildebrand (Dresdner SC 1898), der mit 13,40 Sekunden stark vorgelegt hat. Die für die U20-WM geforderten 13,90 Sekunden hat auch Vorjahressieger Arne Döring (LAC Erdgas Chemnitz; 13,89 sec) unterboten. Über 400 Meter Hürden ist Nikolas Raeth (SV Union Salzgitter) mit 51,48 Sekunden ebenfalls klar favorisiert.
Über 3.000 Meter Hindernis lauert der U20-EM-Vierte Jakob Rödel (SC DHfK Leipzig) auf Platz drei der deutschen Jahresbestenliste. Der knapp 19-Jährige ist jedoch in Meisterschaftsrennen stets zu beachten. Gleich in zwei Disziplinen hat Mittelstreckler Piet Hoyer (Königsteiner LV) die U20-WM-Norm geknackt. Der 18-Jährige konzentriert sich bei der U20-DM jedoch auf die 1.500 Meter. Man darf gespannt sein, wer in den – häufig taktischen – Meisterschaftsfinals das Rennen macht.
Foto: Dreispringerin Antonia Bronnert katapultierte sich in Mannheim auf Platz eins der U20-Weltjahresbestenliste
Die Deutschen Meisterschaften U20 und U16 starten am Freitagmittag um 14:00 Uhr. Die kompletten drei Wettkampftage überträgt der Deutsche Leichtathletik-Verband im kommentierten Livestream auf YouTube. Zu den Meldelisten und Live-Ergebnissen.