| Budapest

47,58 Sekunden: Emil Agyekum kratzt am Deutschen Rekord

© Jan Papenfuß
Immer dichter rückt Emil Agyekum an den Deutschen Rekord über 400 Meter Hürden heran. Am Dienstag in Budapest steigerte er seine Bestzeit als Sieger auf 47,58 Sekunden. Nur noch eine Zehntelsekunde fehlt dem WM-Sechsten zur Marke von Leichtathletik-Legende Harald Schmid. Auch Vizeweltmeister Merlin Hummel lieferte einen starken Hammerwurf-Wettkampf ab. Weitspringer Simon Batz hakte die EM-Norm ab, während für Stabhochsprung-Überflieger Armand Duplantis erst der Weltrekord zu hoch war.
Martin Neumann

Zehn Meter vor dem Ziel lag Emil Agyekum (SCC Berlin) beim Istvan-Gyulai-Memorial am Dienstagnachmittag in Budapest über 400 Meter noch auf Rang vier. Doch mit den letzten langen Schritten gelang es dem Berliner, sich bis zum Zielstrich noch ganz nach vorn zu schieben. Mit 47,58 Sekunden lief Emil Agyekum nicht nur Meetingrekord, sondern kam bis auf eine Zehntelsekunde an den Deutschen Uralt-Rekord von Harald Schmid, der 1982 als Europameister und 1987 als WM-Dritter jeweils 47,48 Sekunden lief, heran. Für den 27-Jährigen war es bereits die vierte Zeit seiner Karriere unter 48 Sekunden. Seinen Hausrekord steigerte er um 14 Hundertstelsekunden.

Dem WM-Sechsten gelingt es in seinen Rennen zuletzt immer besser, seinen Rhythmus bis zur Zielgerade zu halten und auf den letzten Metern nach Hürde zehn noch die letzten Kräfte zu mobilisieren. In einem Hundertstel-Finish folgten beim Gold-Label-Meeting Trevor Bassitt (47,59 sec), Caleb Dean (beide USA; 47,62 sec) und Matheus Lima (Brasilien; 47,74 sec) auf den weiteren Plätzen. Damit steht bei den Deutschen Meisterschaften am 25. und 26. Juli in ein hochklassiges Duell auf dem Programm. Denn auch sein Trainingspartner Owe Fischer-Breiholz (Königsteiner LV) lief bei seinem Sieg bei der U23-DM vor zehn Tagen 48,20 Sekunden.

Merlin Hummel mit zweitbester Weite seiner Karriere

Fünf Hammerwerfer über 80 Meter, vier von ihnen sogar über 81 Meter: Die Hammerwurf-Konkurrenz in Budapest hatte es in sich. Und mittendrin in der Weltklasse: Merlin Hummel (Eintracht Frankfurt). Der Vizeweltmeister erwischte im dritten Durchgang einen starken Versuch und befördert das 7,26-Kilo-Gerät auf 81,74 Meter. Nur einmal hat er weiter geworfen – bei der WM 2025 in Tokio mit 82,77 Metern. Im vierten Versuch kratzte er mit 79,99 Metern noch einmal an der 80-Meter-Marke.

Wie bei der WM vergangenes Jahr war nur einer besser als der Frankfurter: Ethan Katzberg. Der Weltmeister und Olympiasieger aus Kanada warf gleich dreimal über 82 Meter. Sein weitester Versuch landete erst nach 83,64 Metern. Für den 24-Jährigen war es der viertbeste Wettkampf seiner Karriere. Hinter Merlin Hummel ging Rang drei an Lokalmatador Bence Halasz (Ungarn; 81,65 m). Damit gab es in Budapest das identische Podium wie bei der WM 2025. Auf den Plätzen vier und fünf folgten Mykhaylo Kokhan (Ukraine; 81,48 m) und Yann Chaussinad (Frankreich; 80,13 m).

Simon Batz stellt mit EM-Norm Bestleistung ein

Auch der dritte deutsche Starter in Budapest zeigte eine starke Vorstellung. Mit 8,12 Metern stellte Weitspringer Simon Batz (MTG Mannheim) seine Bestleistung ein und flog erstmals in diesem Sommer über die EM-Norm von 8,05 Metern. Bis zum vierten Durchgang hatte der Mannheimer mit Anvar Anvarov (Usbekistan) und Olympiasieger Miltiadis Tentoglou (Griechenland) mit dieser Weite exakt gleichauf gelegen. Doch dann steigerte sich der Miltiadis Tentoglou in den finalen drei Versuchen dreimal bis auf 8,31 Meter und sicherte sich den Sieg. Dank des besseren zweiten Versuchs (8,09 m) landete Anvar Anvarov auf Platz zwei.

Im Stabhochsprung waren bei 6,00 Metern noch fünf Springer dabei. Zwei von ihnen meisterten die Marke: Weltrekordler Armand Duplantis (Schweden) und Kurtis Marschall (Australien). Während der Olympiasieger auch 6,07 Meter überflog, musste der Australier bei dieser Höhe passen. Im Anschluss ließ Armand Duplantis 6,32 Meter auflegen – und damit Weltrekord. Im zweiten Versuch schien der Schwede die neue Bestmarke schon überwunden zu haben. Doch die Latte fiel doch noch.

US-Sprinter dominieren

Auf der Laufbahn blieben zwei Sprinterinnen über 200 Meter unter 22 Sekunden. Gabrielle Thomas (USA) setzte sich mit 21,83 Sekunden knapp gegen ihre Landsfrau Kayla White (21,92 sec) durch. Über 1.500 Meter machte sich auf der Zielgeraden noch ein halbes Dutzend Läufer Hoffnung auf den Sieg – und blieb unter 3:32 Minuten. Mit einer Hundertstel Vorsprung setzte sich Phanuel Koech mit 3:31:09 Minuten vor seinem Landsmann Danson Kiplangat (beide Kenia) durch.

Auch im Hürdensprint wurden Weltklassezeiten erzielt. Bei den Männern dominierte Neu-Weltrekordler Ja’Kobe Tharp die 110 Meter Hürden mit 12,85 Sekunden. Dahinter machten Jamal Britt (13,01 sec) und Cordell Tinch (13,06 sec) den US-Sweep perfekt. Da standen die US-Hürdensprinterinnen in nichts nach. Masai Russell (12,33 sec) führte einen US-Dreifachsieg vor Rayniah Jones (12,47 sec) und Alaysha Johnson (12,49 sec) an. Kugelstoßsieger Leonardo Fabbri (Italien) übertraf im finalen Sieg mit 22,04 Metern die 22-Meter-Marke. Eleanor Patterson (Australien) entschied den Hochsprung mit 2,00 Metern für sich.

Die Resultate finden Sie in unserer Ergebnisrubrik...

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