| U18-Gala

U18-Talente empfehlen sich mit Bestmarken für Tiflis

Die Wetterbedingungen waren nicht die besten. Dennoch konnten sich am Samstag bei der U18-Gala in Walldorf einige Nachwuchstalente mit neuen Bestleistungen nachhaltig für die U18-Europameisterschaften in Tiflis (Georgien; 14. bis 17. Juli) empfehlen. Viele zeigten auf und abseits der nagelneuen Bahn des Waldstadions, dass sie in guter Form für die Titelkämpfe sind.
Pamela Ruprecht

Schnelle Hürden-Rennen trotz regnerischer Bedingungen, das galt für den Beginn der U18-Gala. Einen ersten Eindruck von der internationalen Konkurrenz erhielt der Offenburger Raphael Thoma im 110-Meter-Hürden-Finale: Der Spanier Aleix Porras Cantons vom FC Barcelona preschte nach 13,43 Sekunden über die Ziellinie und auch der Belgier Tuur Bras war mit 13,49 Sekunden noch fixer unterwegs als der bisherige Jahresschnellste in Europa.

Raphael Thoma wurde als bester DLV-Athlet Fünfter und steigerte sich über die internationalen Abstände ebenfalls auf 13,74 Sekunden (+0,5 m/sec). Damit konnte er abermals die Norm für Tiflis (13,95 sec) unterbieten.

Auch die Hürdensprinterinnen trotzten dem Nieselwetter: Annika Marlies Niedermayer (TV Wattenscheid 01) verbesserte sich im Finale auf 13,62 Sekunden (+0,2 m/sec), Marshella Foreshaw (Königsteiner LV) auf 13,76 Sekunden. Die U18-EM-Norm (13,80 sec) konnten sie damit ebenso wie Miriam Sinning (LG Eintracht Frankfurt; 13,79 sec) als Dritte bestätigen.

Jule Steuer als Einzige über 17 Meter

Müde Beine und Regen waren keine Hindernisse für Jule Steuer (SC Magdeburg). Die junge Kugelstoßerin übertraf im entscheidenden Qualifikationswettkampf als Einzige des starken DLV-Quartetts die 17-Meter-Marke: 17,17 Meter im dritten Durchgang. Das war die beste Weite vor der Münchnerin Amelie Döbler (16,75 m) und der Wattenscheiderin Hanna Meinikmann (16,18 m).

Nasse Bedingungen kennt Jule Steuer aus Schapbach. Dort hatte sie mit 17,78 Metern ihre Bestweite aufgestellt, mit der sie nur zwei Zentimeter hinter der Italienerin Sydney Giampietro an Position zwei der europäischen Bestenliste steht. Die Ziele für Tiflis sind klar: „Ich will natürlich eine Medaille nach Hause mitbringen.“ Und: „18 Meter wären schon geil.“ Deshalb wird auch bis zum Wochenende voll durchtrainiert. „Pause ist nicht“, sagt die selbstbewusste Werferin, die noch dem jüngeren Jahrgang 2000 angehört.

Luca Meinke schraubt seine Bestleistung zweimal nach oben

Im Hochsprung hieß der überraschende Sieger Luca Meinke. Der Schweriner bestätigte erst mit 2,06 Metern die U18-EM-Norm – Einstellung seiner Bestleistung. Danach nahm er die nächsten beiden Höhen 2,09 und 2,11 Meter jeweils im dritten Versuch und schob sich auf Rang vier in Europa. Der Rosenheimer Lukas Mihota, mit 2,17 Metern Führender in Europa, ließ nach astreinen Versuchen bis einschließlich 2,09 Meter die 2,11 Meter aus und konnte dann bei stärker einsetzendem Regen die 2,13 Meter nicht mehr meistern.

Zur selben Zeit an der Stabhochsprung-Anlage musste Bo Kanda Lita Beahre (TSV Bayer 04 Leverkusen) den Wettkampf abbrechen, hatte zuvor aber mit überquerten 5,15 Metern seine stabile Form für Höhen jenseits der fünf Meter gezeigt. Die besten Nerven im Quali-Showdown bei den Stabhochspringerinnen – schon im Vorfeld gab es drei Normerfüllerinnen – hatte Kim-Michelle Schwenke (SV Werder Bremen): Sie überquerte in Walldorf als Einzige den Richtwert von 3,80 Metern.

Milo Skupin-Alfa und Keshia Kwadwo werden Favoritenrolle gerecht

Er zierte das Veranstaltungsplakat der U18-Gala, das in der ganzen Stadt aushing. Das Sprint-Talent aus Baden Milo Skupin-Alfa ließ in den 100-Meter-Läufen auch nichts anbrennen. Nach 10,72 Sekunden im Vorlauf gewann er im Finale mit 10,70 Sekunden. „Ich bin zufrieden, dass ich nach meiner Oberschenkelverletzung wieder laufen kann“, berichtete der Offenburger, fünf Wochen musste er pausieren.

Dass es bei den Bedingungen nicht so schnell wurde, war absehbar. Hart umkämpf waren die Plätze zwei und drei: Der Berliner Yacouba Pfälzner verfehlte in 10,81 Sekunden um eine Hundertstel die Tiflis-Norm, die der Drittplatzierte in Walldorf, der Leipziger Marvin Schulte (10,82 sec), in dieser Saison schon unterbieten konnte.

Bei den Mädels machte bei Regen Keshia Kwadwo ihren Startplatz mit 11,73 Sekunden für Tiflis klar. Ihr Ziel, vorne weg zu laufen, gelang der Wattenscheiderin. Kein Wunder, sie ist derzeit Europas Schnellste (11,48 sec). Die nächste Woche bis Tiflis soll das Training lockerer gestaltet und noch an der Starttechnik gearbeitet werden. „Eine Medaille wäre schon schön“, sagte die Deutsche U18-Meisterin mit Blick auf die Reise nach Georgien.

Corinna Schwab setzt auf die 200 Meter

In den Würfen siegte mit dem Speer Fabian Strehlau (LAZ Mönchengladbach; 69,73 m) mit erneuter Überbietung der Norm (69,50 m). Nach Platz zwei mit der Kugel war Amelie Döbler (LG Stadtwerke München) im Diskuswurf beste Athletin mit 48,45 Metern und bestätigter U18-EM-Norm (45,50 m) vor Leia Braunagel (47,64 m). Ihre männlichen Disziplinkollegen belegten das Podium wie folgt: Jan Vasco Bringmann (LC Cottbus; 58,11 m) vor Tim Ader (SC Neubrandeburg; 57,33 m) und Jakob Arbeit (SV Preußen Berlin; 55,79 m).

Bei Sonnenschein laufen durften die Sprinterinnen über 200 Meter. Stark unterwegs war Corinna Schwab (TV 1861 Amberg): im Alleingang 23,79 Sekunden, nur knapp über ihrer Bestmarke. Auf dieser Strecke wird sie auch in Tiflis antreten, obwohl sie perspektivisch das meiste Potenzial über 400 Meter Hürden sieht. Bei drei Läufen in drei Tagen sei die Verletzungsgefahr jedoch derzeit zu groß, erklärte die Deutsche U16-Meisterin von 2014, die auch die Norm über 400 Meter flach erfüllt hatte. „Bei der U18-EM will ich ins Finale und dann schauen was geht.“

Die nächste schnelle 200-Meter-Zeit bot in der männlichen U18 Frieder Scheuschner. Der Dresdner untermauerte mit 21,34 Sekunden mit etwas zu viel Rückenwind (+2,4 m/sec) seine gute Ausgangsposition für die U18-EM. Er steht mit seiner Bestmarke (21,29 sec) unter den Top Zwei Europas. 

Antonia Kohl packt 6,23 Meter aus

Spannend wurde es zum Abschluss im Weitsprung. Im Vorfeld der U18-Gala hatten sechs Athletinnen die Norm für die U18-EM von sechs Metern glatt angeboten. Drei gelang das in Walldorf wieder. Am besten in Szene setzen konnte sich, als es drauf ankam, Antonia Kohl (SV Halle).

In der fünften Runde flog sie – allerdings mit zu viel Rückenwind (+3,8 m/sec), regulär 6,10 Meter – auf 6,23 Meter. Das ist die gleiche Weite, die im Saisonverlauf Lea-Jasmin Riecke (Mitteldeutscher SC) vorgelegt hatte. Diese wurde im Waldstadion mit 6,11 Metern Zweite und dürfte sich ebenfalls nachhaltig für die internationale Meisterschaft empfohlen haben. Dritte wurde Merle Homeier (LG Weserbergland; 6,07 m).

Über 400 Meter Hürden war wie schon über die 110 Meter wieder der Spanier Aleix Porras Cantons mit 51,95 Sekunden nicht zu schlagen. Dahinter konnten Emil Agyekum (SV Preußen Berlin; 52,11 sec) und Tom Schröder (SG Osterholzer LA; 52,40 sec) ihre Bestzeiten knapp verbessern und sich nochmals für Tiflis anbieten. Der Nachwuchs ist also in Form für die U18-Europameisterschaften.

Die kompletten Resultate finden Sie <link>in der Ergebnisrubrik…

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