| Mehrkampf-Meeting Ratingen

8.484 Punkte: Niklas Kaul veredelt Triumph mit Olympia-Norm

Auch wenn noch nicht alles klappen wollte: Zehnkampf-Europameister Niklas Kaul spielte seine Stärken am zweiten Tag aus und schnappte sich mit 8.484 Punkten seinen ersten Sieg beim Stadtwerke Ratingen Mehrkampf-Meeting. Hinter dem Mainzer schafften drei weitere DLV-Asse mehr als 8.000 Punkte.
Martin Neumann

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Der Siebenkampf von Disziplin zu Disziplin

SONNTAG


110 METER HÜRDEN


Jorge Urena nicht zu stoppen, DLV-Trio mit starken Zeiten

Der schnellste Hürdensprinter im Feld der Zehnkämpfer zog am Sonntagmorgen beim Stadtwerke Ratingen Mehrkampf-Meeting der Konkurrenz im zweiten und schnellsten Lauf auf und davon: Jorge Urena überquerte die zehn 106,7 Zentimeter hohen Hindernisse problemlos und war nach exakt 14,00 Sekunden im Ziel. Damit fehlten dem Spanier nur zwölf Hundertstel zur Bestleistung. Diese erzielte Felix Wolter (TSV Gräfelfing), der sich als Zweiter um sieben Hundertstelsekunden verbesserte.

Wenige Zentimeter dahinter warfen sich Adam Sebastian Helcelet (Tschechien) und Europameister Niklas Kaul (USC Mainz) ins Ziel. Mit 14,30 und 14,31 Sekunden erzielten beide Saisonbestzeiten. Der Mainzer verpasste dabei seine Bestzeit lediglich um vier Hundertstelsekunden. Ein am Sonntagmorgen etwas verschlafener Start und das deutliche Touchieren der ersten Hürde mit dem Nachziehbein verhinderten einen möglichen Hausrekord. Doch er ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und lief noch zur zweitbesten Zeit seiner Karriere.

Hinter Ex-Europameister Thomas van der Plaetsen (Belgien; 14,53 sec) belegte Publikumsliebling Nico Beckers (LAV Bayer Uerdingen/Dormagen) mit ordentlichen 14;58 Sekunden Platz sechs. Und auch Tim Nowak durfte in der sechsten Disziplin erstmals jubeln. Im ersten Lauf setzte sich der Ulmer im Duell Schulter an Schulter mit Rik Taam (Niederlande) mit 14,39 Sekunden durch. Damit steigerte er seine mittlerweile acht Jahre alte Bestzeit um sieben Hundertstelsekunden. Rik Taam folgte acht Hundertstel dahinter.

Dank seiner Top-Zeit über die Hürden baute Jorge Urena seine Führung in der Gesamtwertung aus. Nach sechs Disziplinen liegt der Spanier mit 5.267 Punkten vor Felix Wolter (5.226 pt.) und Nico Beckers (5.172 pt.). Niklas Kaul rangiert auf Platz fünf mit 5.092 Punkten. Damit hat der Mainzer 34 Punkte mehr gesammelt als bei seinem WM-Sieg 2019 in Doha. Vor vier Jahren gingen allerdings überragende 79,05 Meter im Speerwurf in die Wertung ein.
 


DISKUSWURF


Niklas Kaul übernimmt nach Diskus-Gala die Gesamtführung

Im zweiten Versuch legte Niklas Kaul den zwei Kilogramm schweren Diskus optimal in die warme Luft von Ratingen. Noch bevor die Weite von 48,57 Metern auf der Anzeigetafel erschien, reckte der Europameister seine Hände jubelnd in die Höhe. Seine erst Ende April erzielte Bestleistung verpasste der Mainzer nur um 66 Zentimeter.

Eine wahre Leistungsexplosion legte Jannis Wolff hin. Der Frankfurter schickte den Diskus im dritten Versuch auf glatte 46,00 Meter. Damit gelang ihm das Kunststück, in Ratingen bei drei Würfen drei Bestleistungen zu erzielen. Mit 41,05 Metern als Hausrekord war der Zehnkämpfe angereist. In Ratingen steigerte er sich über 41,21 und 42,35 Meter auf schlussendlich 46,00 Meter. Nach der gigantischen Steigerung, die ihm knapp 100 Punkte brachte, klatsche Jannis Wolff mit Trainern und Konkurrenten ab.

Zwischen Niklas Kaul und Jannis Wolff auf Platz fünf schoben sich die starken Werfer Rik Taam (47,29 m) und Thomas van der Plaetsen (46,80 m) mit Saisonbestleistungen sowie Tim Nowak, der mit 46,09 Metern nach dem Hürdensprint wieder eine starke Leistung hinlegte. Felix Wolter verlor hingegen etwas an Boden. Der Gräfelfinger musste sich mit einem gültigen Versuch auf 40,09 Meter begnügen.

Durch den starken Diskuswurf übernahm Niklas Kaul mit 5.933 Punkten die Gesamtführung vor Jorge Urena (5.919 pt.. Knapp dahinter folgen Rik Taam (5.909 pt.) sowie das DLV-Duo Nico Beckers (5.903 pt) und Felix Wolter (5.892 pt). Jannis Wolff (5.687 pt) und Tim Nowak (5.615 pt) belegen nach sieben Disziplinen die Plätze acht und neun.
 


STABHOCHSPRUNG


Vier Disziplinsieger mit 5,00 Metern, Rik Taam führt

Der Stabhochsprung entwickelte sich zu einem wahren Marathon. Denn gleich vier Springer meisterten 5,00 Meter. Einen ganz starken Wettbewerb zeigte dabei Tim Nowak. Der Ulmer flog extrem geschmeidig im ersten Versuch über alle Höhen einschließlich 5,00 Meter. Damit stellte der WM-Starter seine Bestleistung ein. Diese hatte er an selber Stelle 2018 und 2022 überquert. Damit setzte der 27-Jährige seinen starken zweiten Tag nahtlos fort.

Noch überraschender der Höhenflug von Jannis Wolff. Der Frankfurter schwebte ebenfalls über 5,00 Meter. Dabei war er zuvor im Freien noch nie höher als 4,70 Meter gesprungen. In der Halle konnte er allerdings bereits 5,00 Meter meistern. Die neue beachtliche Bestleistung feierte der 25-Jährige mit einer kleinen Tanzeinlage.

Ebenfalls 5,00 Meter überquerten Rik Taam und Thomas van der Plaetsen. Für den Belgier war das gleichbedeutend mit der Einstiegshöhe. Er hatte sich – ausgestattet mit einer Bestleistung von 5,45 Metern – natürlich eine weitaus größere Höhe vorgenommen. Aber die danach aufgelegten 5,20 Meter schaffte der Europameister von 2016 nicht mehr.

Ebenfalls nicht ganz nach Wunsch lief es für Niklas Kaul. Der Europameister scheiterte nach im ersten Versuch gemeisterten 4,80 Metern dreimal an 4,90 Metern. Damit musste der Mainzer die Führung im Zehnkampf wieder abgeben. Allerdings kommen nun noch zwei ganz starke Disziplinen von Niklas Kaul.

Ebenfalls über 4,80 Meter katapultierte sich Felix Wolter. Damit sprang der Gräfelfinger 20 Zentimeter höher als bei seinem ersten 8.000-Punkte-Zehnkampf vor drei Wochen in Montpellier und nimmt erneut die prestigeträchtige Marke in Angriff. Auch Jannis Wolff und Nico Beckers (4,40 m) können mit zwei guten Abschlussdisziplinen auf ihre 8.000-Punkte-Premiere hoffen.

Vor den finalen beiden Disziplinen übernahm Rik Taam mit 6.819 Punkten erstmals die Führung im Zehnkampf. Der Niederländer führt mit 20 Punkten Vorsprung auf Jorge Urena, Europameister Niklas Kaul folgt als Dritter mit 6.782 Punkten vor Felix Wolter (6.741 p.).
 


SPEERWURF


Thomas van der Plaetsen weiter als Niklas Kaul

Was beim Stabhochsprung nicht klappen wollte, gelang Thomas van der Plaetsen beim Speerwurf. Der eigentliche Stabhochsprung-Spezialist warf das 800-Gramm-Gerät weiter als jemals zuvor. Bis auf 68,94 Meter flog der Speer. Da konnte selbst Speerwurf-Ass Niklas Kaul nicht mithalten. Der Europameister haderte mit der zu kurzen Anlaufbahn und kam – an seinen Vorleistungen gemessen – „nur“ auf 67,44 Meter. Als Dritter zeigte Jorge Urena mit glatten 64,00 Metern ebenfalls eine Top-Leistung.

Apropos Top-Leistung: Die gelang auch Jannis Wolff. Der Frankfurter steigerte seine Speerwurf-Bestleistung auf 63,10 Meter. Damit kann der 25-Jährige mit einer schnellen 1.500-Meter-Zeit nicht nur erstmals mehr als 8.000 Punkte ins Visier nehmen, sondern sogar 8.100 Punkte in Angriff nehmen. Auch Felix Wolter steigerte seinen Hausrekord mit 56,93 Metern um mehr als drei Meter. Damit sind für den Bayern sogar 8.200 Punkte möglich.

Um die 8.000-Punkte-Marke kämpft auch noch Tim Nowak, der auf 59,22 Metern kam. Weniger rund lief es für Nico Beckers. In seiner Problemdisziplin kam er nicht über 47,38 Meter hinaus. In der Gesamtwertung übernahm Niklas Kaul wieder die Führung mit 7.632 Punkten knapp vor Jorge Urena (7.597 pt) und Thomas van der Plaetsen (7.589 pt).

Da Niklas Kaul der schnellste 1.500-Meter-Läufer im Feld ist und mit einem Vorsprung ins Rennen geht, scheint ihm der erste Sieg in Ratingen nicht mehr zu nehmen. Um allerdings bereits die Olympia-Norm für Paris von 8.460 Punkten abzuhaken, muss er extrem schnelle 4:17,60 Minuten laufen.
 


1.500 METER


Niklas Kaul holt mit Meetingrekord den Gesamtsieg

Auf den ersten 950 Metern des Rennens schaute sich Niklas Kaul das Geschehen noch aus dem Feld heraus an. Dann schaltete der Europameister unter den Augen von Ex-Weltrekordler Jürgen Hingsen und den weiteren 3.900 Zuschauern im Ratinger Stadion einen Gang nach oben und stürmte an die Spitze. Diese Führung ließ sich der Mainzer nicht mehr nehmen und baute sie bis zum Ziel noch einmal deutlich aus. Mit 4:14,19 Minuten siegte er mit neuem Meetingrekord vor Tim Nowak (4:18,22 min) und Max Attwell (Australien; 4:18,92 min).

Damit machte Niklas Kaul natürlich auch seinen ersten Gesamtsieg in Ratingen klar. Mit 8.484 Punkten übertraf er gleichzeitig die Olympia-Norm für die Sommerspiele 2024 in Paris um 24 Zähler. Hinter dem 25-Jährigen schnappten sich Jorge Urena (8.381 pt) und Rik Taam (8.326 pt) vor Thomas van der Plaetsen (8.233 pt) die weiteren Podestplätze.

Auch die weiteren deutschen Zehnkampf-Asse sorgten für Highlights. So finishte Felix Wolter seinen zweiten 8.000-Punkte-Zehnkampf innerhalb von nur drei Wochen. Seine Bestleistung aus Montpellier verpasste der Gräfelfinger mit 8.118 Punkten nur um 52 Zähler. Dank eines ganz starken zweiten Tages sicherte sich Tim Nowak mit 8.075 Punkten noch Rang sechs. Als Siebter feierte Jannis Wolff mit 8.033 Punkten seine 8.000-Punkte-Premiere. Die Punktzahl für Premieren-Sieger Niklas Kaul ist gleichbedeutend mit der zehntbesten Zehnkampf-Leistung in der langen Geschichte des Stadtwerke Ratingen Mehrkampf-Meetings. Den Meetingrekord hält Ex-Weltrekordler Roman Sebrle (Tschechien) seit 2002 mit 8.701 Punkten.

Stimmen zum Wettbewerb

Niklas Kaul (USC Mainz):
Der zweite Tag war etwas durchwachsen. Bei den Hürden und im Diskuswurf hat es gut angefangen. Beim Stabhochsprung hatte ich einen technischen Blackout, der Speerwurf war dann einfach katastrophal. Das hat gar nicht geklappt. Wir haben zuletzt die Technik etwas umgestellt, um mehr Rotation in den Oberkörper zu bekommen. Das hat aber gar nicht geklappt, was das Ergebnis von zwölf Meter unter Bestleistung zeigt. Vor den 1.500 Metern war ich auch ziemlich kaputt. Da habe ich gemerkt, dass ich kein Meeting-Mehrkämpfer bin. Ich brauche die Pausen wie bei den Meisterschaften, wo es vormittags drei Disziplinen und abends zwei Disziplinen gibt. Doch im Rennen habe ich mich dann irgendwann gut gefühlt und bin nach vorn gegangen. Nun werde ich erst einmal eine halbe Woche die Beine hochlegen. Danach beginnt die Vorbereitung auf die WM in Budapest.

Felix Wolter (TSV Gräfelfing)
Es war noch ein bisschen mehr drin. Diskuswurf war nicht optimal, auch der Stabhochsprung nicht. Dafür lief es im Speerwurf besser. Bei den 1.500 Metern wollte ich dann die 8.200 Punkte angreifen, aber die Beuger waren absolut dicht. Dann ging es nicht mehr. Die Fans haben uns hier in Ratingen richtig toll gepusht. Es hat mega Spaß gemacht, auch wenn ich das nicht immer nach außen zeige. Bis Ende August bin ich noch in Deutschland, da werde ich noch ein paar Wettkämpfe bestreiten. Den nächsten wahrscheinlich in drei Wochen bei den Deutschen Meisterschaften in Kassel, dann bin ich wieder erholt. Dort will ich die acht Meter springen. Dass es möglich ist, habe ich ja gestern in Ratingen schon angedeutet.

Tim Nowak (SSV Ulm 1846)
Das war mit Abstand der beste zweite Tag meiner Karriere. Und das nach diesem ersten Tag. Nach 3.900 Punkten zur Halbzeit kann man eigentlich nach Hause fahren. Ich hatte einen absoluten Kontrollverlust im Kugelstoßen und im Weitsprung. Dazu der Wind über 100 Meter. Das stürzt mich aktuell in ein Loch, aus dem ich nicht so einfach rauskomme. Das Kugelstoßen war der absolute Tiefpunkt meines ganzen Jahres, nicht nur sportlich. Da brechen dann krasse Zweifel über mich herein. Ich habe mich aber körperlich gut gefühlt. Darum habe ich weitergemacht, das hat sich gelohnt. Weil ich wusste, dass ich was draufhabe. Mit diesem „Galgenhumor“ hatte ich die nötige Lockerheit, speziell bei Disziplinen wie Diskuswurf und Stabhochsprung. Da schaue ich nicht auf die Punkte. Nach dem Motto: nächster Sprung, nächster Wurf. Nichtsdestotrotz muss ich nach diesem Wettkampf ernsthaft mit mir ins Gespräch gehen.

Jannis Wolff (Eintracht Frankfurt)
Es war ein guter zweiter Tag. Diskus, Stab und Speer haben super geklappt, sogar noch besser als erwartet. Dafür war mehr bei den Hürden möglich. Auch bei den 1.500 Metern, wo dann irgendwann die Luft raus war. Der Weg zu den 8.000 Punkten war wirklich lang, aber ich habe keinen Druck. Ich bin mitten im Master-Studium in Psychologie und Neurowissenschaften. Im Anschluss kann ich promovieren. Darum habe ich dort eine sehr gute Basis gelegt. Mir war lange klar, dass es erst nach einigen Jahren bei den Männern mit einer solchen Punktzahl klappen kann, denn in der Jugend war ich nie das große Talent. Ohne das geniale Publikum in Ratingen wären die 8.000 Punkte für mich nicht möglich gewesen, zumal die Vorbereitung nicht gut lief. Nun hat sich aber die harte Arbeit ausgezahlt.

 

SAMSTAG


100 METER


Sven Jansons mit 10,65 Sekunden der Schnellste, Niklas Kaul im Wind-Pech

Die Zehnkämpfer weihten über 100 Meter die neue blaue Bahn beim Stadtwerke Ratingen Mehrkampf-Meeting ein. Nach zwei zurückgeschossenen Starts erwischte Sven Jansons im zweiten Rennen den besten Einstand in den Zehnkampf. Der 21 Jahre alte Niederländer setzte sich mit einem starken Finish durch und steigerte mit 10,65 Sekunden seine erst eine Woche alte Bestzeit bei leichtem Gegenwind (-0,3 m/sec) um acht Hundertstelsekunden.

In seinem Sog blieben sechs weitere Zehnkämpfer unter der Elf-Sekunden-Marke. Angeführt wurde das enge Feld von Felix Wolter (TSV Gräfelfing), der mit 10,72 Sekunden bis auf zwölf Hundertstel an seine Bestzeit heranlief. Knapp dahinter folgten Rik Taam (Niederlande; 10,73 sec) und Jorge Urena (Spanien; 10,78 sec) sowie das DLV-Duo Jannis Wolff (Eintracht Frankfurt; 10,87 sec) und Nico Beckers (LAV Bayer Uerdingen/Dormagen; 10,90 sec).

Die Starter im ersten Rennen hatten hingegen großes Pech mit dem Wind. Sie mussten gegen satte 1,7 Meter pro Sekunde Gegenwind anlaufen. Damit waren schnelle Zeiten wie auch persönliche Bestmarken natürlich außer Reichweite. Den Sieg sicherte sich mit 11,13 Sekunden der Niederländer Jeff Tesselaar knapp vor Jacob Thelander (Schweden; 11,14 sec). Europameister Niklas Kaul (USC Mainz) startete als Fünfter mit 11,50 Sekunden in seinen ersten Zahnkampf nach seinem Gold-Coup von München. Tim Nowak (SSV Ulm 1846) folgte drei Hundertstel und zwei Plätze dahinter.
 


WEITSPRUNG


Felix Wolter in Fluglaune, Niklas Kaul kratzt an Bestleistung

Gleich im ersten Weitsprung-Versuch sorgte Felix Wolter für lauten Jubel bei den Fans auf der voll besetzten Haupttribüne des Ratinger Stadions. Der 25-Jährige landete erst wieder nach 7,69 Metern. Diese Weite konnte kein anderer Zehnkämpfer in der zweiten Disziplin mehr übertreffen. Aber der 25-Jährige wollte mehr. Doch leider trat der in den USA studierende Bayer die verbleibenden zwei Versuche ganz knapp über. Bei seiner starken Steigerung auf 8.170 Punkte vor drei Wochen in Montpellier (Frankreich) war der Zehnkämpfer sogar 7,91 Meter weit gesprungen.

Der zweitbeste Weitspringer des Tages packte schon nach einem Sprung die Sachen: Thomas van der Plaetsen (Belgien) jubelte über 7,61 Meter und konzentrierte sich danach auf das anstehende Kugelstoßen. Der Europameister von 2016 will in Ratingen nach zwei schwierigen Jahren an alte Stärke anschließen. In ganz neuen Leistungsbereichen ist weiter Sven Jansons unterwegs. Der Niederländer legte nach seiner 100-Meter-Bestzeit und dem Disziplinsieg mit 10,65 Sekunden im Weitsprung mit 7,53 Metern die nächste Top-Leistung nach. Allerdings wehte für eine neue Bestleistung der Wind mit 2,7 Metern pro Sekunde etwas zu stark von hinten.

Ganz dicht dran an seinem Hausrekord war Niklas Kaul. Nach dem zweiten Versuch jubelte der Europameister über 7,34 Meter. Nur bei den Olympischen Spielen 2021 in Tokio war der 25-Jährige mit 7,36 Metern etwas weiter gesprungen. Damit war der Weltmeister von Doha sechstbester Weitspringer in Ratingen. Mit 7,29 Metern und neuer Bestleistung bzw. 7,16 Metern sortierten sich Jannis Wolff und Nico Beckers auf den Plätzen neun und zehn ein. Mit glatten 7,00 Metern belegte Tim Nowak Rang 12.

In der Gesamtwertung übernahm Felix Wolter nach dem Weitsprung mit 1.906 Punkten die Führung in der Gesamtwertung vor den beiden Niederländern Sven Jansons (1.882 pt) und Rik Taam (1.815 pt). Niklas Kaul kommt auf 1.649 Zähler und belegt Platz zehn in der Zwischenwertung. Jannis Wolff rangiert zwischenzeitlich sogar auf Rang fünf (1.773 pt
 


KUGELSTOSSEN


Nico Beckers gewinnt seine Spezial-Disziplin, Niklas Kaul solide

Die beiden besten Kugelstoßer unter den Zehnkämpfern ließen ihr 7,26 Kilogramm schweres Arbeitsgerät mehrmals problemlos über die 15-Meter-Marke segeln. Am Ende jubelten beide. Meeting-Rekordler Nico Beckers mit 15,86 Metern über den Disziplinsieg, Adam Sebastian Helcelet (Tschechien) über die neue Bestleistung von 15,63 Metern.

Dahinter kam Niklas Kaul in seinem ersten Zehnkampf des Jahres auf 14,66 Meter und damit bis auf knapp einen halben Meter an seine Bestleistung heran. An Boden in der Gesamtwertung verloren hingegen Ex-Europameister Thomas van der Plaetsen mit 14,08 Metern und der WM-Starter Tim Nowak mit 13,70 Metern.

In der Gruppe der etwas schwächeren Kugelstoßer überzeugte Jannis Wolff mit 13,85 Metern und der besten Weite. Als Fünfter der B-Gruppe kam Felix Wolter auf 12,99 Meter. Damit stieß der Gräfelfinger 24 Zentimeter weiter als in seinem besten Zehnkampf.

Nach dem Kugelstoßen ist die Spitzengruppe eng zusammengerückt. Die besten fünf Zehnkämpfer trennen nur 26 Punkte. Die Spitze sicherte sich nach soliden 13,63 Metern mit der Kugel wieder Sven Jansons mit 2.588 Punkten. Dahinter folgen Nico Beckers, Rik Taam (beide 2.578 pt), Felix Wolter (2.573 pt), Jorge Urena (2.562 pt) sowie Jannis Wolff (2.492 pt). Europameister Niklas Kaul hat sich mit 2.418 Zählern nach drei Disziplinen auf Platz neun nach vorn gearbeitet. Allerdings konnte der Führende nach dem Kugelstoßen den Wettkampf nicht mehr fortsetzen. Sven Jansons machten Adduktorenprobleme zu schaffen.
 


HOCHSPRUNG


Trio um Niklas Kaul meistert 2,04 Meter

Bei stetig steigenden Temperaturen im Ratinger Stadion mussten die Athleten mit ihren Kräften haushalten. So verzichtete Niklas Kaul am sommerlich-heißen Nachmittag nach gemeisterten 2,04 Metern auf weitere Versuche. Eine starke Leistung für den Europameister. Schließlich war der Mainzer weder bei seinem EM-Triumph in München noch beim WM-Sieg 2019 in Doha höher gesprungen. Auch in der Gesamtwertung machte der 25-Jährige damit einen Sprung nach vorn.

Den Disziplinsieg teilte sich Niklas Kaul mit dem Belgier Thomas van der Plaetsen und dem Spanier Jorge Urena. Das Duo meisterte ebenfalls 2,04 Meter. Ohne Zwei-Meter-Sprung blieb Tim Nowak. Der Ulmer musste sich in einer seiner starken Disziplinen mit 1,98 Metern begnügen. Damit verlor er weiter an Boden im Hinblick auf eine gute Punktzahl.

Auch auf der zweiten Anlage mit den vermeintlich schwächeren Springern wurden Höhen jenseits der Zwei-Meter-Marke aufgelegt. Und gleich beim ersten Versuch sprang Daniel Bertschler (Österreich) über 2,01 Meter. Da wollte sich Nico Beckers nicht lange bitte lassen und zog wenige Augenblicke später nach. Erst die 2,04 Meter waren für beide dann doch zu hoch. Dabei riss der Dormagener den dritten Versuch nur ganz kanpp.

Damit bestätigte Nico Beckers in der Gesamtwertung nach dem Ausscheiden von Sven Jansons (Niederlande) mit 3.391 Punkten Platz zwei. Elf Punkte rangiert der Dormagener hinter dem führenden Spanier Jorge Urena. Hinter Felix Wolter (3.358 pt) und Ex-Europameister Thomas van der Plaetsen (3.281 pt) hat sich der amtierende Europameister Niklas Kaul mit 3.258 Zählern mittlerweile auf Platz fünf der Gesamtwertung nach vorn gearbeitet. Und seine ganz starken Disziplinen folgen ja erst am zweiten Zehnkampf-Tag.
 


400 METER


Rik Taam vorn, Felix Wolter und Niklas Kaul überzeugen

Nach vier Disziplinen, die den eigenen Ansprüchen nicht genügten, nahm Rik Taam die finalen 400 Meter des ersten Zehnkampf-Tages in Angriff. Auf der Zielgeraden überholte der Niederländer noch den lange Zeit führenden Felix Wolter und stürmte mit 47,18 Sekunden in neuer Bestzeit zum Sieg. Den Triumph feierte er mit einem langen Jubelschrei. Knapp dahinter folgte Felix Wolter mit starken 47,59 Sekunden.

Dem Top-Speed an der Spitze konnte Niklas Kaul nicht ganz folgen. Doch der Europameister legte mit 48,21 Sekunden ein weiteres starkes Ergebnis hin. Nur 34 Hundertstelsekunden fehlten ihm zur Bestzeit. Damit belegte der 25-Jährige Rang vier in der Endabrechnung der vier Zeitläufe. Rang drei sicherte sich Max Attwell. Der Australier entschied das dritte Rennen in 48,08 Sekunden für sich.

Jorge Urena lief mit 48,39 Sekunden hinter Max Attwell Saisonbestleistung. Der Spanier sammelte am ersten Tag insgesamt 4.292 Punkte und damit fünf Zähler mehr als Felix Wolter. Nico Beckers, der mit 48,60 Sekunden seine 400-Meter-Bestzeit exakt einstellte, folgt mit 4.271 Punkten auf Rang drei.

Niklas Kaul liegt mit 4.157 Zählern als Fünfter in einer optimalen Ausgangsposition für Tag zwei. Nach fünf Disziplinen hat er nur sieben Zähler weniger auf dem Konto als bei seinem phänomenalen WM-Triumph 2019 in Doha, als er sich mit 8.691 Punkten sensationell den WM-Titel schnappte. Damit ist er morgen klarer Anwärter auf seinen ersten Sieg in Ratingen. Gleichzeitig könnte er die Olympia-Norm für 2024 in Paris von 8.460 Punkten bereits abhaken.

Nach seinem ersten 8.000er vor drei Wochen in Montpellier ist Felix Wolter erneut auf Kurs deutlich über dieser Marke. Auch Jorge Urena, Thomas van der Plaetsen und Rik Taam sind in diesem Bereich bei Halbzeit unterwegs. Das DLV-Trio Nico Beckers, Jannis Wolff und Tim Nowak braucht hingegen einen exzellenten zweiten Tag für einen 8.000-Punkte-Zehnkampf.
 

Stimmen zum Wettbewerb

Niklas Kaul (USC Mainz):
Ich hatte heute richtig viel Spaß. Das hatte ich sonst noch nie bei meinem ersten Zehnkampf der Saison. Es fehlt zwar noch ein wenig das Gefühl für die Disziplinen, doch dafür waren die Leistungen ziemlich gut. Abgesehen von den 100 Metern bei Gegenwind. Beim Hochsprung habe ich nach 2,04 Metern aufgehört, um kein Risiko einzugehen. Die 400 Meter haben gut geklappt. Da haben sich die Starts über 200 Meter im Vorfeld gelohnt. Viele Einzeldisziplinen des zweiten Tags habe ich ja auch bereits in den vergangenen Wochen getestet. Zur WM reisen wir mit einem starken Team. Dass mit Leo Neugebauer nach seinem deutschen Rekord nun ein nationaler Konkurrent dabei ist, ist gut für die Disziplin. Das ist ja einfach das Tolle an unserem Sport.

Felix Wolter (TSV Gräfelfing):
Der Zehnkampf vor drei Wochen in Montpellier steckt mir noch ein wenig in den Knochen. Ich bin noch nicht wieder ganz spritzig. Trotzdem glaube ich, dass es morgen wieder Richtung 8.200 Punkte gehen kann. Zwar liege ich einige Zähler hinter meinem Zwischenergebnis aus Montpellier, doch da haben am zweiten Tag Stabhochsprung und Speerwurf nicht geklappt. Ärgerlich war der minimal übertretene zweite Versuch im Weitsprung. Der war wohl zwischen 7,95 und 8,00 Meter weit. Hauptsächlich trainiere ich in den USA an der Universität von Pittsburgh. Dort arbeite ich an meiner Informatik-Promotion.

 

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