Die Leichtathletik-Community und die Fachjury haben Sprinter Roland Gröger zum „Masters-Leichtathleten des Jahres“ gewählt. Der M60-Athlet von TopFit Berlin erlebte sein sportlich bisher erfolgreichstes Jahr. In unserem Interview erläutert der Grundschullehrer, warum das teilweise auch Zufall war, warum Staffeln für ihn immer ein besonderes Erlebnis sind und was das Leichtathletik-Jahr 2026 nach einer Verletzung für ihn bereithalten könnte.
Roland Gröger, inwieweit hat Sie zunächst die Nominierung und letztlich auch die Wahl zum „Masters-Leichtathleten des Jahres“ überrascht?
Roland Gröger:
Ich habe schon gehofft, nominiert zu werden. Das letzte Jahr war für mich die bisher erfolgreichste Saison. Es war eine Premiere, denn noch nie hatte ich sowohl im Winter als auch im Sommer alle drei Sprinttitel international geholt. 2016 war ich schon einmal Masters-Leichtathlet des Jahres, da war ich hauptsächlich im Sommer erfolgreich. Es freut mich jetzt ganz besonders, gewonnen zu haben, denn die Top Fünf sind alles außergewöhnliche Athleten. Bezüglich des Wahlmodus möchte ich ein Kompliment aussprechen. Dass eine Fachjury die letzte Entscheidung getroffen hat, bedeutet mir sehr viel.
Ihr bisher erfolgreichstes Jahr ging ja schon gut los, mit zwei internationalen Hallen-Rekorden in den Staffeln ...
Roland Gröger:
Es ging ja schon früher los. In Göteborg 2024 bei der WM draußen waren wir über 4x400 Meter M60-Weltrekord gelaufen. Ende des Jahres habe ich die anderen erfolgreichen Athleten angefragt, ob wir gemeinsam den M60-Hallen-Weltrekord angreifen wollen. In Dortmund sind wir dann Anfang Februar den Rekord über 4x 400 Meter gelaufen [Anm. d. Redaktion: Roland Gröger, Oliver Kurtz, Ted Spitzer, Peter Oberließen; 3:52:20 min], die M55er sind im gleichen Wettkampf mit uns mitgelaufen und hatten uns unterstützt. An dem Wochenende hatten wir uns dann für den kommenden Sonnabend an gleicher Stelle verabredet, um den M55-Europarekord über 4x200 Meter zu verbessern [Anm. d. Redaktion: Roland Gröger,Bernd Lachmann, Kolja Ewert, Mario Buetcher; 1:39,22 min].
Und dann kam die Hallen-WM in den USA mit dem ersten Triple und dem Weltrekord über 400 Meter.
Roland Gröger:
Ja, das überraschendste Gold war das im Kurzsprint über 60 Meter. Über 200 Meter gab es eine sehr knifflige Situation. Da war ich etwas im Glück, weil ich wegen eines Fehlstarts schon die Gelbe Karte hatte. In diesem Jahr habe ich nämlich meinen Start auf Hochstart umgestellt. Über 400 Meter war der Weltrekord schon auch das eigentliche Ziel für Florida gewesen. Weil es nur Vorlauf und Finale gab, musste ich schon im Vorlauf etwas zeigen. Auch wenn ich den Rekord da noch knapp verpasst hatte, wusste ich, dass ich für das Finale und die Bestmarke in guter Form war.
So ein Triple dann im Sommer zu wiederholen, das ließ sich aber nicht planen, oder?
Roland Gröger:
Eigentlich wollte ich Madeira gar nicht machen und auch mal etwas kürzer treten. Aber dann hatte mich ein guter Freund angerufen und mir erzählt, der Termin der EM sei verschoben und jetzt drei Tage vor seinem Geburtstag. Er wollte unbedingt nochmal mit mir zusammen international starten, dann haben wir gesagt, wir fahren da hin. Der Titel mit der 4x100-Meter-Staffel in der M60 in einer überragenden Zeit [Anm. d. Redaktion: 48,35 sec] war das i-Tüpfelchen der Meisterschaft. Die Staffeln sind für mich ja immer das Salz in der Suppe. Wir hatten tolle Wechsel, alle sind besser als ihre Einzelzeiten gelaufen, die Freude, das gemeinsam erreicht zu haben, war überragend.
Aber Sie haben eine Verletzung davongetragen ...
Roland Gröger:
Ich habe mir nach der EM viel Zeit genommen. Ich hatte nach meiner Rückkehr nach Hause noch eineinhalb Wochen Ferien und danach beruflich noch viel zu tun, so ging die Pause noch bis in den Dezember hinein. Ich arbeite mit einem guten Physiotherapeuten zusammen und hoffe, die Verletzung wird mich 2026 nicht weiter behindern.
Was bringt das gerade angefangene Jahr 2026?
Roland Gröger:
National ist das jetzt schon mein drittes Jahr in der M60. Die Hallen-EM in Toruń habe ich fest auf dem Zettel, weil die Meisterschaften dort immer so gut organisiert sind. Das sollte man mitnehmen. Für die WM in Daegu habe ich mich noch nicht festgelegt, weil wir dort keinen Familienurlaub machen könnten. 2017 war ich schon einmal da, das mit der Zeitumstellung ist keine so einfache Sache. Ein Highlight soll aber der Länderkampf Anfang August, die „Interlands“ in Halberstadt werden. Da möchte ich mich gut vorbereiten und noch mehr für das Team tun als letztes Jahr.
Das lässt sich dann auch alles beruflich und privat bei Ihnen miteinander vereinbaren?
Roland Gröger:
Ich bin Lehrer an einer Grundschule in Berlin-Kreuzberg. Das ist sozusagen mein Traumberuf, den ich ausüber darf. Mit jungen Menschen zu arbeiten. Das A und O ist aber, gesund zu bleiben. Seit ich mit meinem verstorbenen Trainer Daniele Biffi zusammengearbeitet habe, ist das so das Credo für mich: „Bleib gesund, dann kommen die Leistungen von ganz alleine.“ Meiner Familie bin ich dafür dankbar, dass sie mir für mein zeitaufwändiges Hobby den Rücken freihält.
Das Foto zeigt Roland Gröger (Mi.) nach seinem Triumph über 60 Meter bei der Hallen-WM, eingerahmt von Aaron Thipgen (li.) und John Campbell (beide USA).
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