| „Masters-Leichtathletin des Jahres“

Tatjana Schilling: „Unendlich dankbar für meine sportlichen Erfolge“

Tatjana Schilling posiert im Nationaltrikot mit Deutschlandfahne. © Kai Peters
Zwei Siebenkampf-Weltrekordlerinnen standen bei der Wahl zur „Masters-Leichtathletin des Jahres“ unter den Top drei. Nach dem Votum der Fachjury machte Tatjana Schilling vom TSV 1850/09 Korbach vor Barbara Gähling (LT DSHS Köln) das Rennen. Tatjana Schilling verbesserte im zurückliegenden Jahr die Weltbestmarke von Barbara Gähling in der Altersklasse W55, die Kölnerin holte sich den Rekord in der W60. Im Interview lässt Tatjana Schilling leichtathletik.de noch einmal an ihrem sportlichen Highlight 2025 teilhaben und lädt ein zu einer kleinen Jubiläumsfeier.
Marc Gogol

Tatjana Schilling, Sie waren vor zehn Jahren schon einmal „Masters-Leichtathletin des Jahres“ in Deutschland und das damals auch gemeinsam mit Ihrem jetzigen männlichen Pendant, Roland Gröger. Was waren damals, 2016, Ihre Erfolge?

Tatjana Schilling:
Das war eine unglaubliche Geschichte. Bei der DM 2015 in Zittau war ich für sieben Disziplinen gemeldet, und in der ersten, den 80 Meter Hürden, habe ich mich schwer am Knie verletzt. Das war kurz vor der Weltmeisterschaft in Lyon. Der behandelnde Arzt Dr. Stoll, Sportklinik Hellersen, hat mich dann gefragt, wann die nächste WM sei. Ich habe gesagt: „In einem Jahr in Australien.“ Und er hat gesagt: „Da werden Sie teilnehmen!“ Nach rund einem Jahr Reha bin ich dann in Perth 2016 Weltmeisterin im Kugelstoßen, Weitsprung und Hochsprung geworden. Als Europas Masters-Leichtathletin des Jahres wurde ich dann zur Ehrung sogar nach Lausanne eingeladen.

Und welche Highlights gab es in Ihrer Karriere in den Jahren bis heute noch?

Tatjana Schilling:
Nach der Knieverletzung bin ich von der 400-Meter-Hürdenstrecke zu den 400 Meter flach gewechselt und dort kontinuierlich besser geworden, als Asthmatikerin keine Selbstverständlichkeit. Neben den WM-Titeln und Weltrekorden im Siebenkampf waren die 400-Meter-Erfolge auch immer ein Highlight.

Blicken wir noch einmal zurück auf Ihren Weltrekord im Siebenkampf am 11. und 12. Oktober bei der EM auf Madeira: Irgendwie schon geplant, aber dann doch überraschend hinten raus?

Tatjana Schilling:
Während ich in Pescara meinen Weltrekord in der W50 auch nach außen hin noch angekündigt hatte, habe ich mich dieses Mal zurückgenommen, weil mich Verletzungen bei der Hallen-DM und auch im Training immer wieder zurückgeworfen haben. Die Rekordmarke war daher während des Wettkampfes nicht mehr ganz so präsent. Auch wegen des heftigen Gegenwindes im Stadion, der gute Zeiten nicht zuließ. Ich kannte ja Barbaras Leistungen, und so war nach dem ersten Tag eigentlich schon ein Haken dran. Dann kam aber ein guter Versuch im Weitsprung, und auch der erste Versuch im Speerwurf war gleich gültig, so dass ich wieder Hoffnung schöpfte. Nach PB im dritten war klar: Jetzt muss ich rennen. Ich habe die uns zustehende Pause eingefordert und bin in mich gegangen, habe lange bewusst geatmet, mich fokussiert und das abgeliefert, was ich mir vorgenommen hatte. Das war mega.

Woher nehmen Sie diese mentale Stärke? Sie sind die 800 Meter allein vorneweg gegen die Uhr gelaufen ...

Tatjana Schilling:
Ich glaube, dass mich die vielen Rückschläge und Verletzungen im privaten sowie im sportlichen Bereich gestärkt haben. Ich habe sehr großen Spaß an der Leichtathletik, an dem, was ich mache. Ich glaube, dass ich aus jedem Training einen Zentimeter größer rauskomme, als ich reingegangen bin, mit dem Spaß im Vordergrund. Wir können ja nur leistungsfähig sein, wenn wir ausgeglichen, glücklich und gesund sind. Dabei spielt auch die Erholung eine entscheidende Rolle. Und da schließt sich der Kreis, Erholung ist der Schlüssel für mentale Stärke.

Bleiben Sie denn voraussichtlich auch in den kommenden Jahren beim Siebenkampf? Auch international?

Tatjana Schilling:
Ich glaube schon, dass der Siebenkampf meine Disziplin ist. Gerade, weil mentale Stärke dort noch mehr gefragt ist. Aber auch über die 400 Meter werde ich weiterhin antreten.

Sie haben sich vor einigen Jahren selbstständig gemacht. Berichten Sie bitte ein wenig über diesen wichtigen Schritt in Ihrem Leben.

Tatjana Schilling:
Ich bin sehr, sehr dankbar, dass ich den Mut gehabt habe, den Weg in die Selbstständigkeit einzuschlagen [Anm. der Redaktion: „TS Life Coaching“ – Personal Trainerin, Ernährungs- und Mentalcoach]. Das ist mein Traum, den ich jetzt lebe. Ich bin für meine sportlichen Erfolge unendlich dankbar, und meine Mission ist es jetzt, meine Kunden in ihre Kraft zu bringen, mit ihnen gemeinsam mehr Lebensqualität zu entwickeln und sie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen. Es ist schön, meine Erfahrungen und gelebten Emotionen weitergeben zu können.

Was wartet an neuen sportlichen Erfahrungen 2026 auf Sie?

Tatjana Schilling:
Ich arbeite auf die Hallen-DM Masters in Düsseldorf hin und trainiere hier hauptsächlich für die 400 Meter und würde gerne meine eigene deutsche Bestleistung nochmal verbessern. Ein Hotel für die Hallen-EM in Toruń ist gebucht, allerdings ist es noch nicht sicher, ob ich hinfahren werde. Desweiteren ist die Freiluft-WM in Daegu [Südkorea; Anm. d. Red.] das nächste Ziel und in Planung, vorausgesetzt, ich bleibe gesund!

Mehr zu Tatjana Schillings Erfolgen: 
Masters-EM Madeira | Tatjana Schilling holt sich den nächsten Siebenkampf-Weltrekord

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