Ein Wochenende nach Maß liegt hinter Yemisi Ogunleye. Die Kugelstoß-Olympiasiegerin von der MTG Mannheim präsentierte sich beim Kugelstoß-Doppel in Nordhausen und Rochlitz in absoluter Topform. Sie ließ die internationale Konkurrenz hinter sich und feierte Siege mit 19,86 und 19,66 Metern. Auch die Norm für die Hallen-WM in Torun (Polen; 20. bis 22. März) ist damit erfüllt. Wir haben mit der 27-Jährigen über ihre sportliche „Liebe“ zu Nordhausen und ihren weiteren Saison-Fahrplan gesprochen.
Yemisi Ogunleye, Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem dritten Sieg in Folge beim „Nordhausen Indoor“. Ebenso wie zum neuen Meetingrekord (19,86 m). Was macht dieses Meeting für Sie so besonders?
Yemisi Ogunleye:
Meinen ersten Start in Nordhausen hatte ich 2024, eingestiegen war ich mit 19,57 Metern und habe das allererste Mal die zweimalige Weltmeisterin Chase Jackson geschlagen. Das hat mir in meiner Entwicklung einfach enorm viel gegeben. In dem Sinne, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Natürlich gibt es einem einfach ein super gutes Gefühl, wenn man zu diesem Wettkampf kommt. Man weiß, die Stimmung ist gut, der Fokus liegt hauptsächlich auf dem Kugelstoßen – das ist natürlich einzigartig. Deshalb liebe ich es immer wieder hier starten zu dürfen.
Das klingt fast nach einem Nordhausen-Abo. Auch nächstes Jahr wieder?
Yemisi Ogunleye:
Ja, auf jeden Fall (lacht). Bis zum nächsten Meeting ist es jetzt noch gut ein Jahr, aber klar, wenn sich die Möglichkeit ergibt, dann bin ich super gern hier und stoße hier auch total gern.
Sie begleitet durch jeden Wettkampf ein Ritual: ein Bibelvers. Welche Worte haben Sie in Nordhausen durch den Wettkampf getragen?
Yemisi Ogunleye:
Das Witzige war, als ich durch die Stadt gefahren bin, hingen an den Bushaltestellen zahlreiche Plakate mit Bibelversen. Einer, der mir ganz besonders gut gefallen hat, war „Jesus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben“. Das habe ich über mich ausgesprochen, dass ich lebendig sein möchte, und ich in dieser Freude den Wettkampf bestreiten möchte, ohne mich darauf zu konzentrieren, was morgen ist. Einfach das Geschenk des heutigen Wettkampf anzunehmen und mein Bestes zu geben. Ich will nach Jahren zurückschauen, mit der Gewissheit, ich habe jeden Wettkampf mit Freude genossen. Am Ende des Tages erinnere ich mich nicht mehr so sehr an die Weiten, sondern überwiegend wie ich den Wettkampf erlebt habe.
Die Sieger bei den Frauen und Männern des Internationalen Kugelstoß-Meetings „Nordhausen Indoor“ bekommen einen geschmiedeten Pokal. Welche Bedeutung haben Pokale generell für Sie?
Yemisi Ogunleye:
Man bekommt recht selten Pokale. Wenn ich so überlege, war es im vergangenen Jahr sogar der einzige Pokal, den ich bekommen habe. Es ist daher super schön, eine Verbindung zu der Stadt zu haben, und deshalb freue ich mich über solche Trophäen, die einen Platz auf meinem Schrank finden.
Nach Ihrem Einstieg in Düsseldorf mit 18,78 Metern, folgten in Nordhausen 19,86 und in Rochlitz 19,66 Meter. Wie viel Raum bleibt da noch für eine weitere Steigerung?
Yemisi Ogunleye:
Im Moment schaue ich gar nicht so sehr auf meine erzielten Weiten. Wir arbeiten momentan an der Technik. Da bleibe ich einfach geduldig und nehme jede Weite, die ich bekommen kann. Das Wichtigste ist jetzt, dass ich mir Zeit gebe, mich etabliere und solche Weiten einfach regelmäßiger stoße. Düsseldorf war der Einstieg, wo es darum ging, sich wieder an das Wettkampfgeschehen zu gewöhnen. Ich wusste, dass ich geduldig bleiben muss und sich die Weiten zeigen werden. Dass es die Woche drauf gleich schon so weit ging, ist natürlich toll. Darauf will ich in den kommenden Wettkämpfen weiter aufbauen.
Mit Rochlitz stand am Folgetag der nächste Spezialwettkampf für die weltbesten Kugelstoßer im Kalender. Wie bewerten Sie diese Konstellation mit diesem Weltklasse-Doppel?
Yemisi Ogunleye:
Es ist natürlich eine große Herausforderung für uns Athleten vor allem wenn man solch einen guten Wettkampf wie ich zuvor in Nordhausen hatte. Am nächsten Tag ging es wieder darum, mit Freude und Spaß in den Wettkampf zu gehen und sich zuvor so schnell wie möglich zu regenerieren. Solche Herausforderungen hat man oftmals auch bei internationalen Meisterschaften. Deshalb nehmen wir Mädels und Jungs diese Doppel-Belastung als Vorbereitung auf das, was international kommt, wo wir teilweise Qualifikation und Finale an einem Tag wie bei den diesjährigen Europameisterschaften in Birmingham [Großbritannien; 10. bis 16. August] haben werden.
Würden Sie sich solche Doppel-Veranstaltungen öfters wünschen?
Yemisi Ogunleye:
In der Trainingsphase, in der ich mich gerade befinde, eher nicht. Wir sind momentan im Training schon in hohen Belastungen unterwegs, wo eine Doppel-Belastung mit zwei Wettkämpfen an einem Wochenende eher kontraproduktiv ist. Man muss solche Wettkämpfe mit einer gehörigen Portion Vorsicht angehen, weil der Körper keine Maschine ist. Er braucht nach so einem Wettkampf mit solchen Weiten wie in Nordhausen auch eine extreme Erholung. Dementsprechend könnte ich das nicht jedes Wochenende machen.
Sie sprechen die Trainingsphase an. In wie weit gab es Veränderungen?
Yemisi Ogunleye:
Am Drehstoß kann man nie aufhören zu arbeiten. Wir haben dieses Jahr bewusst genommen, weil keine Freiluft-Weltmeisterschaften anstehen, um einfach im Training speziell im Krafttraining und der Athletik nochmal einen ausgewogenen Aufbau zu machen. Momentan befinden wir uns in dieser Phase und richten den Blick eher auf die nächsten zwei Jahre. Der Fokus liegt aktuell darauf, diese Technik im Wettkampf umzusetzen und sich im Konkurrenzkampf durchzusetzen.
Wie sieht der weitere Hallen-Fahrplan bei Ihnen aus?
Yemisi Ogunleye:
Als nächsten stehen die Deutschen Hallenmeisterschaften in Dortmund [27. Februar bis 1. März], das ISTAF Indoor in Berlin (6. März) und abschließend die Hallen-Weltmeisterschaften in Torun [Polen; 20. bis 22. März] an. Ich sage immer, wir schauen von Tag zu Tag und von Wettkampf zu Wettkampf. Wenn ich gesund bin, dann starte ich auf jeden Fall bei der Hallen-WM in Torun.
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