| Interview

Hillen von Maltzahn: „Ich hatte noch nie so ein erfolgreiches Jahr“

© Lutwin Jungmann
Erst im Alter von 48 Jahren hat Hillen von Maltzahn mit der Leichtathletik begonnen, Antreiber waren ihre vier sportlichen Söhne. National und international hat die W75-Athletin vom TSV Burgdorf schon unzählige Titel gesammelt. 2025 war ihr bisher erfolgreichstes Jahr. Das brachte ihr bei der Wahl zur „Masters-Leichtathletin des Jahres“ den dritten Rang ein. Einen Einblick in ihre sportliche sowie private Geschichte gibt sie im Interview. Und sie verrät auch, was sie zu einem Hallen-Wettkampf nach Estland verschlägt.
Marc Gogol

Hillen von Maltzahn, herzlichen Glückwunsch zu Platz drei bei der Wahl zur „Masters-Leichtathletin des Jahres“. Was sagen Sie zu der Auszeichnung?

Hillen von Maltzahn:
Die kam für mich völlig überraschend. Ich hatte allerdings auch noch nie so ein erfolgreiches Jahr mit zehn nationalen und zehn internationalen Goldmedaillen. Ich habe ja von 2010 bis 2022 sozusagen null Wettkämpfe bestritten und habe erst bei der WM 2022 in Tampere wieder angefangen. Da habe ich innerhalb weniger Stunden die 400 Meter und die 2.000 Meter Hindernis gewonnen.

Und nach Ihrem erfolgreichen Jahr 2025 mit vier Hallen-WM-Titeln und sechsmal Gold bei der späten EM auf Madeira gönnen Sie sich keine Pause. Wir erwischen Sie gerade kurz vor der Abreise zum nächsten internationalen Event?

Hillen von Maltzahn:
Also, ich habe tatsächlich nach Madeira drei Wochen nichts getan. Danach war ich drei Wochen in Schweden, bin also völlig untrainiert für meine drei Starts über 60 Meter, im Weitsprung und im Dreisprung beim ersten Event der EMA League in Tartu in Estland. Das ist die Geburtsstadt meines Vaters. Darum auch die Reise dorthin. Ich bin jetzt einmal auf unserer Bahn gewesen und habe gemerkt, dass es noch geht. Ich bewege mich sowieso gern, im Winter schippe ich gern Schnee, im Sommer bin ich im Garten tätig.

Blicken wir noch einmal zurück auf Ihr erstes Jahr in der Altersklasse W75. Bei der WM 2024 in Göteborg konnten Sie gesundheitsbedingt nicht starten, was war da passiert?

Hillen von Maltzahn:
Ich war scharf darauf, in meinem ersten Jahr in der W75 dort zu starten. Außerdem wollte ich alte Sportkollegen aus den USA wiedersehen. Aber bei mir hatten sich gefährliche Bakterien im Rachenraum eingenistet. Hätten die Ärzte das später entdeckt und behandelt, hätte ich es wohl nicht überlebt. Ich glaube, dass es auch damit zusammenhängt, wenn man allgemein fit ist, dass man solche Operationen gut übersteht. Die US-Kollegen und auch Sportler aus Kanada konnte ich dann bei der Hallen-WM im März 2025 in Gainesville größtenteils treffen.

Wenn Sie so vielseitig erfolgreich sind, wäre ein Mehrkampf nicht auch einmal etwas für Sie? Zumal sich bei der Wahl vor Ihnen ja ausgerechnet zwei Mehrkämpferinnen platziert haben ...

Hillen von Maltzahn:
... tatsächlich habe ich Ende der 90er-Jahre mit dem Mehrkampf angefangen. Ich habe auch zwei Zehnkämpfe bestritten.

Sie haben früher ja auch Stabhochsprung gemacht. Warum haben Sie aufgehört?

Hillen von Maltzahn:
Mir fehlt jetzt der Trainer in Burgdorf. Damals bei den Mehrkämpfen hatte mich mein Trainer, ein ehemaliger Olympia-Zehnkämpfer, beim Stabhochsprung gesehen und gesagt: „Warum bist Du nicht 30 Jahre jünger? Stabhochsprung ist Deine Disziplin!“.

Apropos früher – Sie haben ja auch lange Zeit in den USA gelebt und trainiert.

Hillen von Maltzahn:
Von November 2000 bis Sommer 2016 war ich in den USA, zunächst in Washington D.C., dann sind wir nach Upstate, New York, gezogen. Ich bin aber international immer für Deutschland gestartet. Ich habe in den örtlichen Vereinen trainiert, dort musste ich keine Gebühren zahlen. Drüben war ich aber fast nur im Laufbereich aktiv. Die haben mir da vieles gezeigt. 2009 hatte ich die WM in Lahti in Finnland vor mir. Dann wurde kurzfristig der Trainer der Universitätsmannschaft gefeuert, bei dem ich auch trainieren durfte. Dann musste ich mich selbst coachen, mit Filmaufnahmen meines Mannes.

Und Sie haben in den USA auch Ihren jetzigen Mann kennengelernt?

Hillen von Maltzahn:
Beim Kirchen-Café der deutschen Gemeinde. Wir mochten denselben Kuchen. Das war 2002, zwei Jahre später haben wir in Las Vegas geheiratet. Er ist bei der EM auf Madeira auch den Cross mitgelaufen, aber ohne größere Ambitionen. Er sagt immer, er würde mich nie einholen, ich könnte ihm immer weglaufen.

Über Ihren Start in Estland haben wir schon gesprochen. Was hält 2026 aller Wahrscheinlichkeit noch sportlich für Sie bereit?

Hillen von Maltzahn:
Nach Düsseldorf zur Hallen-DM fahre ich auf jeden Fall, da wohnt mein Sohn. Die Hallen-EM in Torun habe ich auch geplant, genauso wie den Länderkampf Interlands im August in Halberstadt. Da muss man sich aber ja erst für die Mannschaft qualifizieren. Ob ich bei der WM in Daegu dabei bin, weiß ich noch nicht. Wir haben zu der Zeit die Veranstaltung „75 Jahre Leichtathletik in Burgdorf“ sowie ein Vettern- und Cousinen-Treffen. Ich habe eine recht große Familie.

Mehr:
Die „Leichtathleten des Jahres“ 2025

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