Mit einem ausgeprägten Aberglauben sollte beim Erfurt Indoor am Freitag niemand starten. Denn die 13. Meeting-Ausgabe geht ausgerechnet am Freitag den 13. über die Bühne. Dann wird die Hartwig-Gauder-Halle wieder zum Leichtathletiktempel mit Lichtershow und hochgradig besetzten Sprint- sowie Mittelstreckenfeldern – und für manche Starterinnen und Starter vielleicht sogar zum Glückstag.
Einen Vorgeschmack auf die Deutschen Hallen-Meisterschaften in Dortmund (27.02. bis 01.03.) erleben die Zuschauer am Freitag beim 13. Erfurt Indoor über 60 Meter Hürden der Frauen. Dabei sind es erneut die Deutsche Hallenmeisterin und Hallen-EM-Sechste Marlene Meier (TSV Bayer 04 Leverkusen), die Hallen-DM-Siegerin von 2024 Rosina Schneider (TV Sulz) und Franziska Schuster (TSV Bayer 04 Leverkusen), die um den Sieg laufen und zugleich die Norm für die Hallen-WM in fünf Wochen im Blick haben.
Rosina Schneider hat mit einer Punktlandung auf die geforderten 8,02 Sekunden am vergangenen Wochenende in Karlsruhe bereits einen Haken dahinter gemacht, Marlene Meier und Franziska Schuster fehlen noch wenige Hundertstelsekunden. Gefordert wird das Trio von der schnellen U23-Athletin und DM-Dritten über 100 Meter Hürden Lia Flotow (1. LAV Rostock) sowie Amira Never (LAC Erdgas Chemnitz). Nachdem diese in Karlsruhe aufgrund eines Fehlstarts nicht mit ins Geschehen eingreifen durfte, will sie in Erfurt neu angreifen und um die vordersten Plätze mitmischen.
Hallen-DM-Generalprobe über 60 Meter
Schnell, schneller, am schnellsten – dies könnte das Motto über 60 Meter der Männer und Frauen sein. Angeführt von Kevin Kranz (Sprintteam Wetzlar), der mit 6,59 Sekunden bereits die Hallen-WM-Norm in der Tasche hat, sitzen auch Robin Ganter (MTG Mannheim; PB 6,56 sec), Heiko Gussmann (Sprintteam Wetzlar; PB 6,57 sec), der Deutsche Vizemeister über 100 Meter Deniz Almas (TV Wattenscheid 01; PB 6,60 sec) sowie Marvin Schulte (ASV Köln; PB 6,62 sec) im Startblock.
Bei den Frauen nimmt die WM-Dritte mit der 4x100-Meter-Staffel Rebekka Haase (Sprintteam Wetzlar; PB 7,14 sec) Angriff auf die Hallen-WM-Norm (7,20 sec). Gleichermaßen wie ihre Staffelkolleginnen Sophia Junk (LG Rhein-Wied; PB 7,20 sec) und Sina Mayer (LAZ Zweibrücken; PB 7,30 sec) sowie die deutsche Jahresschnellste Philina Schwartz (Berlin Athletics; PB 7,18 sec). Für deren Vereinskameradin Lisa Marie Kwayie wird das Rennen in Erfurt der Saisoneinstieg.
Die WM-Norm im Visier
Der Deutsche Meister von 2024 und 2025 Jean Paul Bredau (VfL Wolfsburg) verzichtet nur zwei Tage nach dem Meeting in Belgrad (Serbien) auf einen Start in Erfurt. So rücken Lionel Spitz (Schweiz; PB 46,14 sec), Kajetan Duszyński (Polen; PB 46,24 sec) und Matteo Raimondi (Italien; PB 46,42 sec) in den Fokus. Mit Blick auf die Hallen-DM sind die Rennen von Tyrel Prenz (SC Potsdam), Fabian Dammermann und Florian Kroll (beide LG Osnabrück) sowie Lukas Krappe (SCC Berlin) zu beachten,
Bei den Frauen mischt sich mit Paris Peoples eine schnelle US-Amerikanerin unter die deutsche 400-Meter-Elite. So nimmt Skadi Schier (SCC Berlin) erstmals in diesem Winter die zwei Hallenrunden in Angriff. Sie wird gefordert von Corinna Schwab (LAC Erdgas Chemnitz) sowie Annkathrin Hoven (TSV Bayer 04 Leverkusen).
Angriff auf den Meetingrekord über 800 Meter
Auf einen gelungenen Saisoneinstieg zurückblicken kann Majtie Kolberg (LG Kreis Ahrweiler). Im Sog von Nele Weßel (Königsteiner LV) lief sie am vergangenen Sonntag in Karlsruhe zu einer neuen Bestzeit über 1.500 Meter (4:06,06 min) sowie auf Rang sechs der ewigen deutschen Hallenbestenliste. In Erfurt greift sie nun über 800 Meter an, ihre Spezialstrecke. Herausgefordert wird sie von starken internationalen Läuferinnen wie Emma Moore (Irland), Veera Mattila (Finnland) und der Tschechin Pavla Štoudková. Aus dem eigenen Lager geht das Duell mit 1.500-Meter-Spezialistin Nele Weßel diesmal über die kürzere Distanz in die nächste Runde. Für die richtige Pace sorgt unter anderem Mona Mayer (Munich Athletics), die als Tempomacherin auf den ersten Runden aktiv sein wird.
Ein international stark einzuschätzender Top-Läufer steht über 800 Meter der Männer im Fokus. Ausgestattet mit unter anderem einem Diamond-League-Sieg in Paris, EM-Silber 2024 sowie Platz fünf bei den Olympischen Spielen 2024 und der WM 2025 sind die Erwartungen Mohamed Attaoui hoch. Erst vergangenes Wochenende steigerte der Spanier den 1.000-Meter-Europarekord auf 2:14,52 Minuten. In dieser Form wackelt der Meetingrekord (1:45,39 min) von Marc Reuther gewaltig.
Während der Pole Jakub Chmielarz auf dem Weg zum Rekord für Tempo sorgen soll, gilt es für Hindenisspezialist Karl Bebendorf (Dresdner SC 1898), der in Karlsruhe mit einer Bestzeit über 1.500 Meter (3:38,15 min) in die Saison eingestiegen ist, und Malik Skupin-Alfa (LG Offenburg), der sich am Sonntag über 800 Meter (1:45,95 min) auf Platz vier der ewigen deutschen Hallenbestenliste schob, nicht den Anschluss zu verlieren. Als Lokalmatador geht "Deutschlands Jugend-Leichtathlet 2025" Andor Rik Schumann (Top Team Thüringen) erstmals in diesem Winter in einem schnellen 800-Meter-Rennen an den Start. Dass der 17-Jährige in guter Form ist, bewies er jedenfalls vor drei Wochen mit seiner neuen 400-Meter-Bestzeit von 47,56 Sekunden.
Torben Blech auf Höhenjagd
Stolze 25 Jahre ist der Meetingrekord im Stabhochsprung schon alt. 2001 war es Danny Ecker, der in Erfurt 5,85 Meter übersprungen ist. Um diesen anzugreifen, dafür müsste sich der Deutsche Meister Torben Blech (TSV Bayer 04 Leverkusen) selbst übertreffen – seine Bestleistung steht bei 5,86 Metern. In dieser Saison schwang er sich schon über 5,70 Meter und führt damit die Meldeliste an. Zugleich ist dies eine Höhe, die bisher noch kein anderer Teilnehmer aufzuweisen hat.
Über 1.500 Meter ist es ist keine Geringere als Konstanze Klosterhalfen, die 2016 in Erfurt zum Meetingrekord (4:09,79 sec) stürmte. Gemessen an den Bestzeiten der diesjährigen Starterinnen könnte dieser durchaus wackeln. Vor allem Vera Bertemes-Hoffmann (Luxemburg; 4:08,73 min) hat das Potenzial, Konstanze Klosterhalfen aus der Rekordliste zu verdrängen.
Für Vera Coutellier (Cologne Athletics) geht es darum, sich in Front zu halten und um das Podium mitzulaufen. Tests auf der Unterdistanz absolvieren Hindernis-Spezialistin Adia Budde (LAV Stadtwerke Tübingen) und Langstrecklerin Vanessa Mikitenko (Silvesterlauf Trier). Bei den Männern am stärksten einzuschätzen sind über 1.500 Meter Marvin Heinrich (Eintracht Frankfurt; PB 3:39,71 min) und der Belgier John Heymans (PB 3:41,01 min). Die doppelte Distanz absolvieren unter anderem Robin Müller (LG Ohra Energie) und Christoph Schrick (Königsteiner LV). Insgesamt sind für die 13 Disziplinen 250 Athleten und Athletinnen aus 30 Nationen gemeldet. Das Meeting gibt's am Freitag ab 17:45 Uhr im Livestream.
Hinweis: Dieser Text wurde nach Anpassung der Startlisten aktualisiert.