Für das Highlight am zweiten Tag der Hallen-WM hat Simon Ehammer gesorgt. Der Schweizer knackte den 14 Jahre alten Weltrekord im Hallen-Siebenkampf. Im Stabhochsprung boten Armand Duplantis und Emmanouil Karalis die erwartete Flugshow. Und auch die Gastgeber hatten Grund zur Freude.
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Der "König der Athleten" bei der Hallen-WM in Torun (Polen) heißt Simon Ehammer. Schon zum Start in den zweiten Wettkampf-Tag feierte der Schweizer über 60 Meter Hürden einen "Weltrekord im Rahmen eines Hallen-Siebenkampfes". Mit 7,52 Sekunden über 60 Meter Hürden war er acht Hundertstel schneller als Ashton Eaton (USA), der bisher die Siebenkampf-Weltbestleistung im Hürdensprint innegehabt hatte. Es sollte jedoch nicht die einzige Rekordmarke bleiben, die Ehammer dem zweimaligen Olympiasieger am Samstag abnahm.
Denn nach einem fabelhaften Stabhochsprung mit 5,30 Metern rückte auch der 14 Jahre alte Weltrekord im Hallen-Siebenkampf, mit 6.645 Punkten ebenfalls gehalten von Eaton, in Reichweite. Mit neuer 1.000-Meter-Bestzeit von 2:41,04 Minuten machte Ehammer den neuen Weltrekord perfekt: 6.670 Punkte gilt es fortan zu schlagen. Der 26-Jährige holte sich den WM-Titel zurück, den er bereits 2024 errungen hatte. Er siegte mit 333 Punkten Vorsprung auf den US-Amerikaner Heath Baldwin, Bronze ging wie bei der WM im Freien an Kyle Garland (USA; 6.245 pt). Manuel Eitel (SSV Ulm 1846) wurde nach einem Siebenkampf mit Höhen und Tiefen Neunter (5.818 pt).
"Ich wollte unbedingt den Europarekord verbessern, aber es war schwer vorstellbar, dass auch der Weltrekord in Reichweite sein würde", sagte der überglückliche Simon Ehammer. "Ich kann gar nicht zählen, wie oft ich Ashton Eaton bei seinen Wettkämpfen zugeschaut habe. Ich habe viel von ihm gelernt und jetzt habe ich seinen Weltrekord gebrochen. Wir haben bereits telefoniert. Es ist unglaublich!"
Karalis fordert Duplantis
Zur erwarteten Flugshow geriet der Stabhochsprung. Acht Athleten waren noch im Wettbewerb, als die Latte auf 6,00 Meter gelegt wurde. Drei von ihnen überquerten diese Höhe: Weltrekordler Armand Duplantis (Schweden), Herausforderer Emmanouil Karalis (Griechenland) und der WM-Dritte Kurtis Marschall (Australien). Karalis meisterte auch noch 6,05 Meter, während Marschall ausschied. "Mondo" Duplantis nahm 6,10 und 6,15 Meter im ersten Versuch, während Karalis aufgrund eines Fehlversuchs bei 6,00 Metern beide Höhen ausließ.
Bei 6,20 Metern setzte dann Duplantis aus, während Karalis wieder zum Stab griff – und nur hauchdünn an der Höhe scheiterte, die nur der Weltrekordler bislang je überquert hat. Seine beiden weiteren Versuche sparte er sich für 6,25 Meter auf, diese Höhe konnte er aber nicht mehr überwinden. Im Gegensatz zu seinem Dauerrivalen, der damit seinen eigenen Meisterschaftsrekord aus dem Jahr 2022 – damals Weltrekord – um fünf Zentimeter nach oben schraubte. Auf einen Angriff auf seinen Weltrekord von 6,31 Metern verzichtete Duplantis und fiel seinem langjährigen Weggefährten und Kontrahenten Karalis freundschaftlich in die Arme.
Zur Sprintkönigin krönte sich Zaynab Dosso. In 7,00 Sekunden schnappte sich die Italienerin, 2024 mit Bronze und 2025 mit Silber dekoriert, 60-Meter-Gold vor den zeitgleichen Jacious Sears (USA) und 100-Meter-Olympiasiegerin Julien Alfred (St. Lucia; beide 7,03 sec). Bemerkenswert war die Dichte an Top-Leistungen: Erstmals blieben sieben Athletinnen in einem Rennen unter 7,10 Sekunden, Siebte wurde die Britin Dina Asher-Smith (7,07 sec). Die Deutsche Hallenmeisterin Philina Schwartz (Berlin Athletics) belegte mit guten Leistungen im Vor- und Zwischenlauf bei ihrer WM-Premiere Rang 16.
Polen feiert Jakub Szymanski
Zum Highlight der polnischen Gastgeber wurde das Finale über 60 Meter Hürden. Denn Hallen-Europameister Jakub Szymanski aus Polen ist nun auch Hallen-Weltmeister. Der 23-Jährige setzte sich in 7,40 Sekunden knapp vor Enrique Llopis (Spanien; 7,42 sec) und Trey Cunningham (USA; 7,43 sec) durch. Im Halbfinale hatte Cunningham noch mit 7,35 Sekunden geglänzt.
Die zweite polnische Medaille des Tages gewann 400-Meter-Spezialistin Natalia Bukowiecka. Die Olympia-Dritte hielt im ersten von zwei Zeitfinals mit Landesrekord von 50,83 Sekunden Hallen-Europameisterin Lieke Klaver (Niederlande; 51,02 sec) in Schach. Im zweiten Zeitlauf war nur Lurdes Gloria Manuel (Tschechien; 50,76 sec) schneller. Die einstige U20-Welt- und -Europameisterin krönte sich mit erst 20 Jahren zur Hallen-Weltmeisterin.
Bei den Männern kamen die Medaillengewinner alle drei aus dem zweiten Zeitlauf. Christopher Morales Williams (Kanada) fing mit Meisterschaftsrekord von 44,76 Sekunden Hallen-Weltrekordler Khaleb McRae (USA; 45,03 sec) noch ab. Dritter wurde Jereem Richards (Trinidad & Tobago; 45,39 sec). Kuriose Randnotiz: Die Hallen-Bestzeit von Morales Williams liegt bei 44,49 Sekunden und ist damit drei Hundertstel schneller als der Weltrekord von McRae. Jedoch wurde die Marke des Kanadiers nicht als Hallen-Weltrekord anerkannt.
Josh Kerr und Nadia Battocletti triumphieren über 3.000 Meter
Über 3.000 Meter gingen ebenfalls beide Goldmedaillen nach Europa. Josh Kerr (Großbritannien; 7:35,56 min) holte sich seinen Titel von 2024 zurück. Er siegte vor Cole Hocker (USA; 7:35,70 min) und Yann Schrub (Frankreich; 7:35,71 min). Bei den Frauen bejubelte Nadia Battocletti (Italien; 8:57,64 min) ihre erste Goldmedaille auf Weltebene. Silber und Bronze wurden an Emily MacKay (USA; 8:58,12 min) und Jessica Hull (Australien; 8:58,18 min) vergeben.
Im Dreisprung war die Titelverteidigerin erfolgreich. Leyanis Perez Hernandez aus Kuba kratzte mit 14,95 Metern an der 15-Meter-Marke und stellte zugleich die Weltjahresbestleistung von Yulimar Rojas ein. Die Weltrekordlerin aus Venezuela musste sich mit 14,86 Metern und Silber begnügen, beim fünften Versuch, der wohl Gold wert gewesen wäre, übertrat sie knapp. Über Bronze und eine neue Bestleistung von 14,70 Metern durfte sich Saly Sarr (Senegal) freuen.
Kurioses Staffel-Finale
Bereits am Vormittag hatten die ersten beiden Finals des zweiten Hallen-WM-Tages stattgefunden. In der 4x400-Meter-Mixed-Staffel sorgten ein Schubser, ein Sturz und ein verlorener Schuh für einen kuriosen Ausgang der Entscheidung. Nach dem Stoß der Jamaikanerin Shana Kaye Anderson ging die amerikanische Läuferin Sara Reifenrath zu Boden und verlor ihren linken Schuh. Mit nur einem Schuh und auf Sportsocken musste sie ihren Part absolvieren.
Chancenlos reihte sich das US-Quartett – wie die ebenfalls bei dem Gerangel gestürzten Niederlande – hinter den Medaillenrängen ein. Die Staffel Jamaikas, die bei dem Durcheinander des Wechsels auch viel Zeit verlor, kam zunächst auf Rang drei ins Ziel. Sie wurde aber später disqualifiziert. Nutznießer waren Belgien als Weltmeister (3:15,60 min) und Spanien (3:16,96 min) sowie die nach der Disqualifikation von Jamaika zur Freude der Gastgeber auf Rang drei beförderten Polen (3:17,44 min).
Den Hochsprung entschied Oleh Doroshchuk (Ukraine), der bereits Hallen-Europameister ist, für sich. Mit einer fehlerfreien Serie bis einschließlich 2,30 Meter war ihm der Titel nicht zu nehmen. Höhengleich Zweiter wurde überraschend der Mexikaner Erick Portillo. Es war die erste WM-Medaille in einer vertikalen Sprungdisziplin für Mexiko. Bronze teilten sich Titelverteidiger Sanghyeok Woo (Südkorea) und Raymond Richards aus Jamaika, die beide bis 2,26 Meter die weiße Weste wahrten.