| Interview

Amanal Petros: „Ich gehe Schritt für Schritt nach vorne“

Amanal Petros hält ein Schild "Deutscher Rekord" mit seiner Zeit von 59:22 Minuten © SCC Events / Petko Beier
Amanal Petros lief beim Generali Berliner Halbmarathon am Sonntag ein weiteres exzellentes Rennen. Der 30-Jährige, der für Hannover 96 startet, wurde in dem hochklassigen Feld Dritter und verbesserte seinen eigenen Deutschen Rekord um neun Sekunden auf 59:22 Minuten. Damit ist er jetzt der viertschnellste Europäer der Geschichte über diese Distanz. Im Interview nach dem Rennen blickte der Deutsche Rekordler im Halbmarathon und Marathon zurück – und zugleich voraus auf den London-Marathon.
Jörg Wenig

Amanal Petros, herzlichen Glückwunsch zu einem weiteren großen Rennen und zu einem weiteren Deutschen Rekord. Wie fühlen Sie sich, wie war es in Berlin?

Amanal Petros:
Ich bin super zufrieden, es war eine grandiose Stimmung und die Strecke ist natürlich sehr gut. Berlin ist für mich jedes Mal wie ein Heim-Rennen. Es ist mir immer eine große Freude, nach Berlin zu kommen – ich sehe hier viele Freunde und Fans. Natürlich hatte ich mir noch mehr erhofft. Ich wollte versuchen, den Europarekord zu brechen, denn ich hatte in Kenia wirklich sehr gut trainiert.

Das sieht man Ihnen an – Sie sehen richtig fit aus …

Amanal Petros:
Ja, das hatte zur Folge, dass mir meine Brille nicht mehr richtig passte, so dass ich sie während des Rennens abnehmen musste. Ich habe offenbar so abgenommen, dass sie nun zu locker saß.

Es hätte heute alles zusammenpassen können für Sie, wenn es etwas wärmer gewesen wäre.

Amanal Petros:
Es war für mich einfach zu kalt, so dass ich leider nicht noch schneller laufen konnte. Ich habe in den letzten zwei, drei Monaten in Kenia bei ungefähr 20 Grad Celsius trainiert. Das ist dann nicht so leicht, wenn man in die Kälte kommt. Ich bin da recht empfindlich und habe Schwierigkeiten mit der Muskulatur wenn es so kalt ist wie am Sonntagmorgen.

War das auch der Grund, warum Sie nach wenigen Kilometern aus der Spitzengruppe herausgefallen sind?

Amanal Petros: 
Ja, es war zudem auch viel Wind. Dadurch fühlte sich mein Körper verspannt an. Da sehr viele Athleten vorne dabei waren, gab es auf den ersten Kilometern auch Probleme bei der Zuordnung der Pacemaker. Aufgrund der kühlen Temperaturen waren die ersten sechs Kilometer schwierig für mich. Ich habe das Tempo langsamer gehalten, damit mein Körper warm werden kann. Gut, dass ich nicht nach vorne gegangen bin – das wäre heute nicht gut gegangen –, sondern mit Hilfe meiner Tempomacher meinen eigenen Rhythmus gefunden habe, auch wenn ich dadurch einen Rückstand hatte. Ich habe in den letzten zwei Jahren gelernt, cooler zu bleiben im Rennen. Heute habe ich die Lücke langsam geschlossen und einen nach dem anderen eingeholt. Es war auf jeden Fall ein sehr spannendes Rennen.

Gibt es denn nach dem Berliner Halbmarathon Zeit für einen kurzen Abstecher nach Hause, um wenigsten den Briefkasten zu leeren?

Amanal Petros:
Nein, die Post muss warten. Ich fliege gleich am Montag aus Berlin wieder zurück nach Kenia, um mich weiter auf den London-Marathon vorzubereiten. Aber ich freue mich jetzt erst einmal auf die After-Race-Party in Berlin heute Abend.

Mit welchen Zielen gehen Sie in London an den Start?

Amanal Petros:
In London hoffe ich zunächst auf angenehmeres Wetter für mich. Das ist ja dann Ende April, da kann es nicht so kalt sein wie jetzt in Berlin. Ich möchte in London meinen Deutschen Rekord angreifen – ich gehe immer Schritt für Schritt nach vorne. Die Strecke ist allerdings nicht so schnell wie die in Berlin. Aber das Rennen ist natürlich hervorragend besetzt, sicherlich so stark wie kein anderer Marathon in diesem Jahr. Ich will auch in London versuchen, vorne mitzulaufen.

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