U20-DM-Titel über 3.000 Meter in der Halle und 10 Kilometer auf der Straße. Dazu eine neue deutsche U20-Bestleistung im Halbmarathon. Hinter dem 18-jährigen Benjamin Klonowski liegen (fast) perfekte Monate. Denn bei der Langstrecken-DM vergangenen Samstag in Celle musste er sich mit Platz zwei begnügen. Trotz der Niederlage hat der Berliner hohe Ziele für 2026 und dabei bereits den Blick auf die Olympischen Spiele 2032 gerichtet.
Es sind nicht immer die souveränen Erfolge, die der Entwicklung junger Sportler einen Push geben. Vielmehr beeinflussen auch Niederlagen die Karrieren positiv. So musste sich auch Langstrecken-Talent Benjamin Klonowski (TuS Lichterfelde) am vergangenen Samstag bei der U20-DM in Celle über 5.000 Meter etwas überraschend geschlagen geben. Mit einem entsprechend unerfreuten Gesicht verließ der 18-Jährige nach den zwölfeinhalb Runden bei sommerlichen Temperaturen die rote Laufbahn.
Mit 14:38,17 Minuten musste sich der Berliner im Spurt knapp dem 17-jährigen Maximilian Rath (LG Stadtwerke München; 14:36,86 min) geschlagen geben. „Meine Beine waren einfach nicht frisch, und Maxi war besser und bringt eine größere Grundschnelligkeit mit als ich. Wir haben uns schon bei der U20-Hallen-DM über 3.000 Meter ein enges Rennen geliefert“, zollt Benjamin Klonowski seinem Konkurrenten Anerkennung.
Zwei U20-DM-Titel in diesem Frühjahr
Während die Unterdistanzen für den Abiturienten noch ausbaufähig sind, kann er auf den langen Distanzen auf seine große Stärke bauen: die Ausdauer. Nach dem U20-Hallen-DM-Titel über 3.000 Meter in 8:40,24 Minuten in einem taktischen Rennen ließ er Anfang März in Uelzen U20-DM-Gold über 10 Kilometer (29:55 min) folgen. Auf der Straße setzte er sich deutlich in seiner Altersklasse durch.
Noch beeindruckender war sein „Heimspiel“ Ende März beim Halbmarathon in Berlin. Mit 64:47 Minuten steigerte Benjamin Klonowski die mehr als zwei Jahrzehnte alte U20-Bestleistung von Stefan Koch (TV Wattenscheid 01) – damals noch ohne Karbonschuhe erzielt – gleich um 1:20 Minuten. „Ich habe mich richtig gut gefühlt auf der ersten Streckenhälfte. Hart wurde es, als ich eine Lücke zur Gruppe davor von knapp 100 Metern über mehrere Kilometer zugelaufen habe. Mit einer Zeit von unter 65 Minuten hatte ich aber nicht gerechnet, angepeilt waren etwa 66 Minuten“, verrät der Berliner.
Traum vom olympischen Marathon
Man kann sagen: Je länger die Strecke, desto besser für Benjamin Klonowski. Darum hat der Berliner auch ein großes sportliches Ziel vor Augen: „Ich glaube für mich ist eine Olympia-Qualifikation im Marathon am ehesten möglich. Dieses Ziel habe ich mir für 2032 gesetzt. Aber es wird natürlich ein weiter Weg“, schaut der Berliner bereits sechs Jahre voraus. Die ersten wichtigen Schritte Richtung Brisbane hat er mit seinen starken Straßenzeiten in diesem Frühjahr bereits zurückgelegt.
Bevor die 42,195 Kilometer anstehen, werden die Distanzen in den kommenden Wochen kürzer. Denn für Benjamin Klonowski ist die U20-WM Anfang August in Eugene (USA) der Saisonhöhepunkt. 14:08,00 Minuten sind dafür gefragt. Seine Bestzeit von 14:22,49 Minuten – aufgestellt als Achter der U20-EM 2025 in Tampere – muss er also um knapp 15 Sekunden steigern um im „Leichtathletik-Mekka“ der USA dabei zu sein. „Die Norm möchte ich Ende Mai bei der Langen Laufnacht in Karlsruhe angreifen“, so der Berliner.
Über Zinnowitz nach Eugene
Aktuell stehen neben dem Training für den 18-Jährigen die Abiturprüfungen auf dem Programm. Die schriftlichen Prüfungen sind bereits erledigt, es folgen noch eine mündliche Prüfung und eine Präsentation. Sind die geschafft, folgt der Feinschliff für die Sommersaison in einem Trainingslager in Zinnowitz. Zu seiner Trainingsgruppe beim Berliner Landestrainer Tim Jurich zählt unter anderem Jannis Grunwald (SC Berlin). Auch er ist mit einer 3.000-Meter-Bestzeit von 8:20,97 Minuten ein Anwärter auf den Eugene-Start. „Er ist wirklich stark, nur konnte er das bisher in wichtigen Rennen noch nicht zeigen“, sagt Benjamin Klonowski.
Der Deutsche U20-Meister über 10 Kilometer hat die Zeit nach dem Abitur und nach einer möglichen U20-WM bereits geplant. „Ich will mich zunächst auf den Sport konzentrieren und parallel ein Studium aufnehmen“, sagt der Lichterfelder. Denn er weiß genau: Will er sich den ganz großen Traum vom Olympia-Start im Marathon erfüllen, sind in den kommenden Jahren viele Trainingskilometer nötig. Und ganz gewiss wird dabei auch der eine oder andere Rückschlag zu verkraften sein, von dem man stärker zurückkehren kann.
Fotos: Eingangs der letzten Runde lag Benjamin Klonowski in Celle noch in Führung. Im Ziel musste sich der Berliner knapp Maximilian Rath (Mitte) geschlagen geben.