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Leia Braunagel – Eine neue EM-Kandidatin betritt den Ring

© Stefan Mayer
Diskuswerferin Leia Braunagel hat sich in dieser Saison schon bis auf 64,96 Meter gesteigert und damit deutlich die EM-Norm von 61,00 Metern übertroffen. Das weckt bei ihr Hoffnungen auf eine erstmalige EM-Teilnahme im Aktivenbereich – wohl wissend, dass sich das Rennen um die drei begehrten DLV-Startplätze erst bei der DM in Bochum-Wattenscheid (25./26. Juli) entscheiden wird. Die Gründe für ihre Steigerung sieht sie vor allem in ihrem Umfeld, das sie sich aktuell am Bundesstützpunkt in Frankfurt aufbaut.
Manuel Keil

Vor der Saison haben vermutlich nur wenige Leichtathletik-Fans Leia Braunagel (Eintracht Frankfurt) als aussichtsreiche Kandidatin für einen Start bei den Europameisterschaften in Birmingham (Großbritannien; 10. bis 16. August) auf dem Schirm gehabt. Das Diskuswerfen der Frauen ist traditionell eine im DLV sehr starke Disziplin, in der es regelmäßig mehr als drei Werferinnen mit erfüllter Norm für die internationalen Höhepunkte gibt. In der Vergangenheit gehörte Leia Braunagel noch nicht dazu. Vor 2026 hatte die 25-Jährige erst in einem einzigen Wettkampf die 60-Meter-Marke übertroffen, vergangenes Jahr mit 60,69 Metern in Wiesbaden.

In dieser Saison liefert sie konstant Leistungen auf hohem Niveau ab und liegt mit ihrer Steigerung um mehr als vier Meter auf 64,96 Meter aktuell auf Rang drei in der DLV-Bestenliste hinter Marike Steinacker (TSV Bayer 04 Leverkusen; 66,55 m) und Shanice Craft (SV Halle; 66,03 m). Beim Internationalen Rehlinger Pfingstsportfest wurde sie am Sonntag mit 62,05 Metern Zweite und lag fast den gesamten Wettbewerb in Führung. Ihre alte Bestmarke hat sie 2026 bereits in fünf Wettkämpfen übertroffen. „Im Training hat es sich zwar angedeutet, dass ich dieses Jahr weit werfen kann. Dass es aber jetzt schon fast 65 Meter werden, damit habe ich selbst nicht gerechnet“, ist sie ehrlich.

Saisonziel Kadernorm abgehakt – Ziel EM-Teilnahme in Reichweite

„Ziel war erstmal, die PK-Norm von 62 Metern zu werfen und dann schauen, was von der Weite her noch geht“, erläutert sie ihre vorab formulierten Saisonziele. „Die Europameisterschaften sind jetzt nochmal ein bisschen näher gerückt, aber wir haben natürlich in Deutschland eine richtig starke Diskuskonkurrenz. Da einen Startplatz zu bekommen wird hart“, schätzt sie ihre Chancen auf einen EM-Startplatz realistisch ein. Einen ersten Start im DLV-Trikot hat Leia Braunagel 2026 aber schon hinter sich. Beim Europäischen Werfer-Cup auf Zypern wurde sie im März Fünfte. 

Erste Erfolge – auch internationale – feierte sie schon im Jugendbereich, als ehemalige Handballerin in mehreren Wurfdisziplinen. So gewann sie 2015 Bronze im Kugelstoßen bei der U16-DM. Ihren ersten Titel sicherte sie sich ein Jahr später bei der Winterwurf-DM in der Altersklasse U18 mit dem Diskus. Im Sommer debütierte sie dann international bei den U18-Europameisterschaften in Tiflis (Georgien) auf Rang zwölf. 2017 wurde sie im kenianischen Nairobi U18-Vizeweltmeisterin und schaffte es im Jahr darauf zur U20-WM nach Tampere (Finnland).

Schwere Schulterverletzung 2019 wirft sie lange zurück

Die gebürtige Baden-Badenerin musste in ihrer bisherigen Karriere aber auch schon einen herben Rückschlag verkraften. „Ich hatte eine schwere Schulterverletzung“, erinnert sie sich zurück. „Das war 2019, und ich war ein ganzes Jahr verletzt. Dann kam Covid. In der Zeit konnten wir leider in Mannheim nicht so gut trainieren. Dort war damals noch mein Trainingsstandort. Das hat mich insgesamt dann leider ein paar Jahre zurück gehauen, sodass mein richtiges Comeback etwas später erst kam“, schaut sie zurück.

Die Verletzung habe auch anschließend ab und an noch Probleme gemacht. Inzwischen sei alles aber wieder sehr gut aufgebaut. 2023 und 2024 verbrachte sie eineinhalb Jahre fürs Studium in den USA. „Dort habe ich auch schon gemerkt, dass wieder mehr Selbstbewusstsein dazu kommt und es wieder vorwärts geht. Seit ich wieder zurück in Deutschland bin, habe ich mir in Frankfurt langsam mein Umfeld aufgebaut, damit ich mich noch mehr auf den Sport konzentrieren kann.“

Starke Trainingsgruppe in Frankfurt

Mit dem Standortwechsel nach Frankfurt folgte für die Saison 2025 auch der Wechsel von ihrem langjährigen Verein SCL Heel Baden-Baden zu Eintracht Frankfurt. Unter der Woche arbeitet sie 30 Stunden für den Hessischen Leichtathletik-Verband (HLV) im Bereich Marketing. „Mit der Eintracht habe ich zudem einen starken Verein als Partner, der mir den Rücken stärkt, damit ich mich nebenbei voll auf den Sport konzentrieren kann“, beschreibt sie ihr neues Umfeld.

Ihr Training absolviert sie aktuell am Bundesstützpunkt in Frankfurt unter Bundestrainer Markus Münch. Zur Trainingsgruppe gehören neben ihr noch Marius Karges, Matteo Maulana, Soraya Sprenger (alle Eintracht Frankfurt) und zum Teil auch Mika Sosna (TSG Bergedorf) vom Stützpunkt in Hamburg. „Im Moment trainiere ich fünfmal die Woche. Anfangs haben wir in der Aufbauphase auch mal sieben Einheiten probiert, aber das ist mit der Arbeit dauerhaft nicht möglich.“

Sport ist „noch“ Hobby

Neben den 30 Stunden beruflicher Tätigkeit sei der Sport aktuell „noch“ Hobby. „Anders kann ich es momentan leider nicht finanzieren“, sagt sie. Sie hofft, dass es nächste Saison finanziell ein bisschen leichter wird, so dass sie dann noch mehr Zeit fürs Training hat. Derzeit startet ihr Tagesablauf morgens beim Landesverband mit der Arbeit, bevor es anschließend zum Training geht. Hinzu kommen noch Termine bei der Physiotherapie. „Danach ist man dann auch platt und will schnell ins Bett.“

Nachdem sich Leia Braunagel in der bisherigen Saison selbst überrascht hat, will sie auch die kommenden Wettkämpfe wieder so gut wie möglich abschneiden. „Ob es dann vielleicht auch noch für die EM reicht, das entscheidet sich letztlich bei den Deutschen Meisterschaften. Daher finde ich es schwierig die Chancen vorab wirklich einzuschätzen“, blickt sie voraus. Ihre nächsten Wettkämpfe sind die Landesmeisterschaften in Hessen (29. bis 31. Mai), ein Challenger Meeting in Slowenien, der Werfertag in Schönebeck (20. Juni) und die Süddeutschen Meisterschaften (21. Juni), bevor der volle Fokus auf der DM liegt. Und vielleicht folgt ja sogar das EM-Debüt im Ring bei den kontinentalen Titelkämpfen Mitte August in Birmingham?

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