| Interview

Sophie Weißenberg: „So viel Spaß hatte ich noch nie“

© Jan Papenfuß
Knapp zwei Jahre nach ihrer schweren Achillessehnenverletzung ist Sophie Weißenberg (TSV Bayer 04 Leverkusen) wieder zurück im Siebenkampf-Geschäft – und wie! Beim Mehrkampf-Meeting in Götzis (Österreich) gelang der 28-Jährigen am zurückliegenden Wochenende ein Comeback mit Bestleistung (6.449 pt). Wir haben anschließend mit ihr über die Höhen und Tiefen des Wettkampfes gesprochen und einen Blick zurück und voraus geworfen.
Svenja Sapper

Sophie Weißenberg, herzlichen Glückwunsch zum Comeback und Platz vier beim Hypomeeting Götzis! Eigentlich hat Ihr Comeback ja schon am Samstag optimal begonnen, mit neuer Bestzeit [13,40 sec; Anm. d. Red.] über 100 Meter Hürden …

Sophie Weißenberg:
Vielen Dank! Ja, nach den Hürden war ich kurz emotional, das hatte ich gar nicht so erwartet. Ich habe die Zeit gesehen und habe mich 'wieder zurück' gefühlt.

Es war Ihr erster Siebenkampf nach langer Verletzungspause und Ihnen sind drei Einzel-Bestleistungen sowie eine neue Gesamt-Bestmarke von 6.449 Punkten gelungen. Hätten Sie sich das vorher erträumen können?

Sophie Weißenberg:
Nein! Das war schon perfekt, muss ich sagen. Der Weitsprung war mega, da habe ich mich sehr über den ersten Versuch gefreut. Im Speerwurf habe ich mir ein bisschen mehr erhofft, aber da war ich schon sehr, sehr müde und es war das erste Mal seit langer Zeit, dass ich in einem Wettkampf Speer geworfen habe. Die Bestzeit über 800 Meter ist, glaube ich, mein persönliches Highlight. Auf diese PB musste ich sieben Jahre warten. Dass ich das jetzt geschafft habe, freut mich sehr.

Nach dem Speerwurf war klar: Mit einem guten 800-Meter-Rennen sind nicht nur eine starke Platzierung und ein erfolgreiches Comeback drin, sondern auch eine neue Gesamt-Bestmarke [bisher: 6.438 pt]. Wie haben Sie die letzten Minuten vor dem 800-Meter-Start erlebt?

Sophie Weißenberg:
Es war schlimm wie immer (lacht). Ich war extrem nervös, weil ich seit Ewigkeiten keine 800 Meter mehr gelaufen war. Ich wusste nicht, was auf mich zukommt. Aber es hat sich ja gelohnt! Ich wusste, wie schnell ich für die Bestleistung laufen muss, habe aber trotzdem versucht, ganz entspannt reinzugehen. Einen kompletten Siebenkampf zu machen, ist etwas, worauf man schwer hintrainieren kann. Deswegen war ich umso glücklicher, dass es eine PB geworden ist ...

… und das im ersten Siebenkampf nach Ihrer schweren Achillessehnenverletzung! Sicher ist da auch noch Luft nach oben, oder?

Sophie Weißenberg:
Genau. Ich bleibe dabei: Es gibt ein paar Baustellen, die ich noch habe. Physisch bin ich gerade sehr gut drauf, an der Technik müssen wir noch feilen. Das ist aber auch normal, mir fehlt noch die Wettkampfroutine. Jetzt bin ich aber erst mal happy mit der neuen Bestleistung und drei Einzel-PBs.

Ihren letzten kompletten Siebenkampf haben Sie im September 2023 in Talence beendet, das ist mehr als zweieinhalb Jahre her. Wie sehr konnten Sie es genießen, nun wieder zwei Tage mit der Mehrkampf-Familie zu verbringen?

Sophie Weißenberg:
Sehr! Ich glaube, so viel Spaß hatte ich noch nie. Es ist superschön, wieder da zu sein. Für mich hat sich in der letzten Zeit sehr viel geändert und ich glaube, was mir am meisten geholfen hat, war es, einfach wieder Spaß zu haben. Spaß am Wettkampf, Spaß am Training, Spaß mit meinem Umfeld.

Dazu zählt auch Ihr Freund, der niederländische Zehnkämpfer Sven Roosen, der in Götzis Rang fünf belegt hat. Konnten Sie sich zwischen den Disziplinen auch gegenseitig motivieren?

Sophie Weißenberg:
Ja, eigentlich nach jeder Disziplin. Wir wussten schon immer, was beim anderen gerade passiert. Es war schon ungewohnt, dass wir beide parallel im Wettkampf waren, damit müssen wir lernen umzugehen. Aber es war schön, dass wir gemeinsam hier waren. Er hat auch eine gute Leistung gezeigt und so fahren wir beide glücklich nach Hause.

Seit einigen Monaten verbindet Sie noch mehr mit den Niederlanden …

Sophie Weißenberg:
Ja, ich trainiere seit Januar in einer Trainingsgruppe in den Niederlanden. Unser Trainer ist Steven Nuytinck und meine Trainingskolleginnen sind Emma [Oosterwegel] und Sofie [Dokter]. Wir sind hier Zweite, Dritte und Vierte geworden, alle mit neuen Bestleistungen, das war natürlich ein toller Erfolg für die ganze Trainingsgruppe.

Worauf lag in der Vorbereitung auf den Siebenkampf der Fokus, welche Trainingsschwerpunkte haben Sie gesetzt?

Sophie Weißenberg:
Das ist schwierig zu beantworten, weil ich erst seit Januar in der Gruppe bin und wir uns natürlich erst mal aufeinander einstellen mussten. Wir haben in den vergangenen Monaten vor allem im Kraftraum gearbeitet und an der allgemeinen Fitness.

Das hat sich ja im ersten Siebenkampf schon bezahlt gemacht – und die EM-Norm haben Sie auch gleich abgehakt. Wie sieht nun Ihr Fahrplan in Richtung Birmingham aus, steht das schon fest?

Sophie Weißenberg:
Da gibt es noch keine konkreten Pläne, ich muss jetzt erst mal mit meinem Coach besprechen, wie es weitergeht. Wir haben gesagt, erst mal Götzis und dort gut durchkommen. Dann sehen wir weiter.

Mehr: 
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