Svea Funck (TV Jahn Walsrode) hat in der vergangenen Woche bei der U18-EM in Rieti (Italien) einen Siebenkampf wie aus dem Bilderbuch hingelegt. Mit fünf Einzelbestleistungen, vier davon an ihrem 17. Geburtstag, schraubte sie die Deutsche U18-Bestleistung auf 6.065 Punkte und gewann in einem hochklassigen Wettkampf die Silbermedaille. Wir haben ihre Reaktion in der Mixed Zone eingefangen.
Svea Funck, herzlichen Glückwunsch zur Silbermedaille bei der U18-EM. 6.065 Punkte – wie hört sich das für dich an?
Svea Funck:
Ich kann es einfach nicht glauben. 6.000 – diese Zahl habe ich mir seit Jahren aufgeschrieben. Es war immer mein Ziel, dass ich das mal schaffe. Und dass es bei einer EM, quasi an meinem Geburtstag passiert und ich damit auch noch eine Silbermedaille gewinne, das übertrifft alle meine Träume. Schöner hätte man die Geschichte nicht schreiben können. Das ist auch Deutscher Rekord, oder?
Richtig, du hast die Deutsche U18-Bestleistung von Emma Kaul gleich um 119 Punkte gesteigert und somit als erste deutsche Athletin in einem U18-Siebenkampf die 6.000-Punkte-Marke geknackt. Demnach hast du vor den 800 Metern gar nicht gerechnet, welche Punktzahl herausspringen könnte?
Svea Funck:
Tatsächlich nicht. Ich konzentriere mich immer nur auf mich selbst und denke von Disziplin zu Disziplin. Die Trainer haben natürlich gerechnet. Aber ich war so im Tunnel, dass ich das gar nicht richtig mitbekommen habe.
Diese Strategie ist bestens aufgegangen: In sieben Disziplinen hast du fünf Einzelbestleistungen aufgestellt und die Leistungen aus deinem bisher besten Siebenkampf in Bernhausen in allen sieben Disziplinen übertroffen. Vier Bestleistungen hast du am ersten Tag, deinem 17. Geburtstag, aufgestellt ...
Svea Funck:
Ich habe immer noch nicht begriffen, wie gut dieser erste Tag war. Es sind wirklich alle Geburtstagswünsche in Erfüllung gegangen. Aber heute lief es auch richtig gut. Vor allem natürlich über 800 Meter mit der Bestleistung. Speerwerfen war auch im Soll, ich war nur zwei Meter unter meiner Bestleistung. Und Weitsprung lief eigentlich auch gut. Viel weiter bin ich innerhalb eines Siebenkampfes noch nicht gesprungen. Und es ist Mehrkampf, da ist es auch nicht normal, dass alles perfekt läuft.
Du hast dir über die zwei Tage ein spannendes Duell mit der Finnin Alisa Launonen geliefert, die mit 6.154 Punkten Gold gewonnen hat. Auch wenn du dich im Wettkampf primär auf dich konzentriert hast – war die Motivation mit solch einer starken Kontrahentin noch einmal größer?
Svea Funck:
Ja, auf jeden Fall. Ich glaube, man hat auch gesehen, dass das meinen Leistungen noch einmal einen Push gegeben hat. Ich gratuliere ihr, sie hat verdient gewonnen, sie war einfach richtig gut drauf heute.
Du gehörst zu den ganz wenigen Athletinnen und Athleten im deutschen Team, für die es bereits die zweite internationale Meisterschaft war: Vergangenes Jahr hast du beim EYOF Gold gewonnen. Wie konntest du in Rieti von dieser Erfahrung profitieren?
Svea Funck:
Man hat natürlich schon Erfahrung damit, einen Wettkampf in einem anderen Land zu bestreiten. Aber ich denke trotzdem, dass das hier bei einer richtigen Europameisterschaft noch mal ein anderes Level ist und man hier wieder viel lernen konnte. Ich fühle mich auch immer noch sehr unerfahren. Daher bin ich sehr dankbar, dass ich dieses Jahr noch mal die Chance hatte, eine internationale Meisterschaft mitzumachen. Beides waren tolle Wettkämpfe.
Man kann eigentlich jetzt schon feststellen: Du bist eine echte Meisterschaftsperformerin. Bei beiden internationalen Meisterschaften hast du eine neue Bestleistung aufgestellt und es aufs Podium geschafft. Wie schaffst du es, schon mit 17 Jahren mental so stark zu sein, über sieben Disziplinen konzentriert zu bleiben und Höchstleistungen abzurufen?
Svea Funck:
Das kann ich gar nicht so genau beantworten. Ich versuche einfach, mir nicht so viele Gedanken zu machen. Ich will einfach nur Spaß haben, das genießen. Solche Wettkämpfe machen mir am meisten Spaß, wenn man weiß: Man muss abliefern, sonst hat man keine Chance. Es kommt nur darauf an, was man heute macht. Ich mag diese Aufregung bei großen Wettkämpfen.
Man spricht von den Mehrkämpfern immer als große Familie. Wie hast du das im Wettkampf erlebt?
Svea Funck:
Es war großartig. Wir hatten hier ein super Team mit Björn [Lippa] und Kai [Dockhorn] als Trainer. Und auch mit Elisabeth [Nawroth] hat es richtig viel Spaß gemacht. Jetzt drücke ich noch den Zehnkämpfern die Daumen!
Apropos Familie: Du kommst aus einer echten Leichtathletik-Familie. Deine Mutter war früher Hürdensprinterin, deine Geschwister sind auch in der Leichtathletik aktiv, deine Eltern sind zugleich deine Coaches …
Svea Funck:
Ganz liebe Grüße an meine Eltern! Ich bin ihnen sehr dankbar, dass sie mich so gut auf diese Meisterschaften vorbereitet haben und mich begleitet haben, seit ich mit dem Sport angefangen habe. Sie wissen, wie viel mir das bedeutet. Als ich klein war, habe ich immer diese U18- und U20-Meisterschaften geschaut. Und dass ich jetzt selber hier dabei bin, ist schon echt unglaublich.
Wie gestaltet sich das gemeinsame Training mit und bei deinen Eltern?
Svea Funck:
Hauptsächlich übernimmt mein Vater [André Funck; Anm. d. Red.] das Training, er macht da wirklich einen richtig guten Job. Meine Mutter [Annette Funck] hat als ehemalige Hürdenläuferin mit einer Bestzeit von 13,09 Sekunden natürlich vom Hürdensprint sehr viel Ahnung. Ich habe schon gehört, dass sie gestern nach meiner Hürden-Bestzeit ganz aufgeregt vor dem Livestream saß. Auch meine drei Geschwister fiebern immer mit mir mit. Mein großer Bruder [Mika Funck; Anm. d. Red.] ist in den USA auf dem College und macht dort Zehnkampf. Mein kleiner Bruder [Aaron Funck] ist auch Zehnkämpfer und Speerwerfer.
Wie bist du denn zum Siebenkampf gekommen?
Svea Funck:
Das hat sich einfach so ergeben. Man fängt ja an mit Kinderleichtathletik und irgendwann spezialisiert man sich dann. Und ich bin einfach nie zu dem Punkt gekommen, mich zu spezialisieren, weil mir einfach alles wirklich Spaß macht und mir jede Disziplin fehlen würde, wenn ich sie nicht mehr machen würde.
Hast du ein sportliches Vorbild aus dem Siebenkampf?
Svea Funck:
Ich finde Anna Hall schon richtig stark. Jedes Mal, wenn ich sie 800 Meter laufen sehe, denke ich mir, dass es eigentlich ein Witz ist, dass ich nur 2:16 laufe. Es pusht immer mehr, zu sehen, dass es keine Grenzen gibt, man kann immer noch besser werden.
Was sind jetzt deine nächsten Ziele?
Svea Funck:
Erst mal werde ich mit Familie und Freunden meinen Geburtstag nachfeiern. Mit der Silbermedaille kann dann gleich doppelt gefeiert werden. Dann geht es in den Urlaub, wir machen eine Radtour in Italien. Und dann stehen noch die Deutschen Mehrkampfmeisterschaften in Hannover, also quasi bei mir vor der Haustür an. Das ist noch mal ein Mega-Event. Ansonsten probiere ich, mich bestmöglich auf das nächste Jahr und die U20-Klasse vorzubereiten.
In der U20 wartet die Umstellung auf den Frauen-Siebenkampf auf dich, mit höheren Hürden und schwereren Wurfgeräten. Du hast auch schon Frauen-Siebenkämpfe bestritten, zum Beispiel im Mai in Edemissen [5.460 pt]. Wie blickst du der Umstellung entgegen?
Svea Funck:
Auf die höheren Hürden freue ich mich, das macht mir sehr viel Spaß. Die Umstellung auf die schwerere Kugel wird die größte Herausforderung. Insgesamt ist es einfach das nächste Level. Man vergleicht sich da schon mit den insgesamt besten Siebenkämpferinnen in Deutschland. Ich freue mich sehr auf diese Zeit und hoffe, dass in den nächsten drei bis vier Jahren noch von mir zu hören sein wird.
Mehr:
6.065 Punkte! Svea Funck feiert Siebenkampf-Silber mit DLV-U18-Bestleistung