| Berlin-Marathon

Schnellstes Teilnehmerfeld bei den Frauen

Am Sonntag findet der traditionelle Berlin-Marathon statt. Dabei gibt es bei den Frauen das schnellste Teilnehmerfeld der Veranstaltungsgeschichte. Für die deutschen Frauen geht es um das Olympia-Ticket. Die Männer-Vorschau folgt am Freitag.
Jörg Wenig

Es ist 22 Jahre her, als die Japanerin Naoko Takahashi in Berlin als erste Frau die damalige Traum-Barriere von 2:20 Stunden durchbrach. Fast 20 Jahre lang waren zuvor die besten Läuferinnen der Welt an dieser Schallmauer gescheitert. Als Naoko Takahashi 2001 auf der Tauentzienstraße ins Ziel lief, schauten in Japan über 50 Millionen Menschen im Fernsehen zu. Wenn am Sonntag der 49. BMW Berlin-Marathon gestartet wird, stehen gleich sieben Läuferinnen auf der Startliste, die bereits unter 2:20:00 Stunden gelaufen sind. Das zeigt die enorme Entwicklung, die der Marathon in der Spitze gemacht hat. Allerdings gilt es auch zu berücksichtigen, dass die neue Carbon-Laufschuh-Generation sich deutlich leistungsfördernd auswirkt und dadurch Rekorde und auch Bestzeiten purzeln.

Es ist das schnellste Frauen-Elitefeld der Veranstaltungsgeschichte, das am Sonntag durch Berlin laufen wird. Die Titelverteidigerin und Streckenrekordlerin Tigist Assefa führt das Feld an. Die Äthiopierin stürmte vor einem Jahr am Brandenburger Tor zu einer sensationellen Zeit von 2:15:37 Stunden. Sie wurde damals zur drittschnellsten Läuferin aller Zeiten. Auch das deutsche Elite-Feld ist in der Breite der Spitze so stark wie nie zuvor: Deborah Schöneborn (SCC Berlin / Marathon Team) ist mit ihrer persönlichen Bestzeit von 2:25:52 Stunden die schnellste von fünf Läuferinnen, die sich Hoffnungen machen, die Qualifikation für die Olympischen Spiele zu schaffen.

„Der Streckenrekord der Frauen ist mit 2:15:37 Stunden eine absolute Top-Zeit. Aber angesichts dieser starken Besetzung haben wir die Hoffnung, dass die Marke unterboten wird“, sagte Race-Direktor Mark Milde, der schon 2001 das Elite-Rennen mit Naoko Takahashi auf die Beine gestellt hatte.

Tigist Assefa sorgte 2022 für einen neuen Streckenrekord

Tigist Assefa sorgte im vergangenen Jahr für die größte Überraschung in Berlin: Sie steigerte sich gleich um über 18 Minuten und unterbot mit 2:15:37 Stunden den Streckenrekord um über zweieinhalb Minuten. „Ich freue mich, dass ich wieder in Berlin laufen kann. Das Rennen im vergangenen Jahr war unerwartet gut für mich. Ich denke, ich kann am Sonntag noch schneller laufen, eine Steigerung wäre ein Erfolg“, sagte Tigist Assefa. Auf die Frage, ob bei einer weiteren Verbesserung der Kursbestzeit auch der dann nicht mehr so weit entfernte Weltrekord von 2:14:04 Stunden ins Visier kommen könnte, antwortete die 29-Jährige zurückhaltend: „Es kann Vieles passieren, so dass ich noch nicht sagen kann, wie die Halbmarathon-Durchgangszeit aussehen könnte. Ich möchte mich verbessern, aber ich denke nicht an den Weltrekord.“

Aber auch eine Kenianerin könnte versuchen, ein extrem schnelles Tempo mitzulaufen: Sheila Chepkirui geht mit einer Bestzeit von 2:17:29 Stunden ins Rennen. „Mein Ziel ist es, meine Bestzeit zu unterbieten. Ich kann mir vorstellen, die erste Hälfte am Sonntag in rund 68:00 Minuten zu laufen“, sagte die 32-jährige Sheila Chepkirui. Für beide Läuferinnen geht es in Berlin auch um die mögliche Olympia-Qualifikation. Aufgrund der enormen nationalen Konkurrenz in Äthiopien und Kenia sind außergewöhnlich starke Zeiten nötig, um einen der drei Startplätze zu sichern.

Mit den Äthiopierinnen Tigist Abayechew (Bestzeit: 2:18:03 h) und Workenesh Edesa (2:18:51 h) kommen zwei weitere Weltklasseläuferinnen mit persönlichen Rekorden von unter 2:19:00 Stunden zurück nach Berlin. Vor einem Jahr belegten sie hier mit jenen Bestzeiten die Ränge drei und vier. Zusammen mit Tigist Assefa liefen die Äthiopierinnen 2022 in Berlin einen inoffiziellen Team-Weltrekord (6:52:31 h).

Zu beachten sein werden auch zwei andere Läuferinnen: Hitomi Niiya geht mit einer Bestzeit von 2:19:24 Stunden ins Rennen und könnte versuchen, den japanischen Rekord anzugreifen. Diesen hat 2005 die Olympiasiegerin Mizuki Noguchi als Siegerin des Berlin-Marathons mit 2:19:12 Stunden aufgestellt. Mit der Äthiopierin Senbere Teferi (PB: 2:24:11 h) startet eine 5-Kilometer-Weltrekordlerin (14:29 h).

Deborah Schöneborn führt  das deutsche Frauen-Feld an

Deborah Schöneborn führt mit ihrer in Sevilla im Winter gelaufenen Bestzeit von 2:25:52 Stunden das deutsche Frauen-Feld in ihrer Heimatstadt an. Domenika Mayer (LG Telis Finanz Regensburg/2:26:50 h), Rabea Schöneborn (Marathon Team Berlin/2:27:03 h), Kristina Hendel (LG Braunschweig/2:27:29 h) und Laura Hottenrott (Grün-Weiß Kassel/2:28:02 h) sind die anderen deutschen Athletinnen, die Olympia als großes Ziel haben.

Zum ersten Mal werden die Zwillinge Deborah und Rabea Schöneborn (Marathon Team Berlin) beide den BMW Berlin-Marathon laufen. „Wir gehen gesund und fit an die Startlinie – das ist schon mal ein wichtiger Schritt“, sagte Deborah Schöneborn, die abgesehen von einer Rolle als Tempomacherin noch nie den Marathon in ihrer Heimatstadt gelaufen ist.

Voraussichtlich schlagen die Schöneborn-Zwillinge am Wochenende aber ein unterschiedliches Tempo ein. „Ich will so schnell laufen, wie es geht, und plane mit einer Halbmarathon-Durchgangszeit von 72:30. Das ist etwas risikoreicher, aber eine 2:26:00-Zeit würde mir am Ende nicht helfen“, erklärte „Debbie“ Schöneborn im Hinblick auf den Kampf um die maximal drei Olympia-Tickets. Sie ist eine von zwei deutschen Läuferinnen, die die Norm von 2:26:50 Stunden bereits unterboten haben (2:25:52 h). „Für mich geht es am Sonntag zunächst darum, die Olympia-Norm zu unterbieten“, sagte Rabea Schöneborn, die aufgrund einer Fersenverletzung im Frühjahr keinen Marathon laufen konnte. Für sie wird es das erste Rennen über die 42,195 Kilometer seit den Europameisterschaften in München 2022 sein.

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