| Diamond League Zürich

Große Leichtathletik-Party mit deutschem Doppelschlag durch Ruppert und Weber

Julian Weber jubelt mit weit ausgebreiteten Armen © Gladys Chai von der Laage
Der angekündigte Regen blieb aus, dafür regnete es Top-Leistungen: Die Stars der Leichtathletik präsentierten sich am Donnerstag beim Diamond-League-Finale in Zürich in Top-Form. Zu den glücklichen Diamanten-Gewinnern zählten auch zwei deutsche Athleten: Frederik Ruppert gelang ein historischer Sieg über die Hindernisse, Julian Weber übertraf seine eigene Weltjahresbestleistung gleich zweimal.
Svenja Sapper

Noch nie in der 15-jährigen Geschichte der Diamond League hatte ein Europäer den Gesamtsieg über 3.000 Meter Hindernis eingefahren. Das änderte sich am Donnerstagabend! Denn Frederik Ruppert (LAV Stadtwerke Tübingen) erlebte nach seinem deutschen Rekord in Rabat (Marokko) Ende Mai seine zweite Sternstunde in der Diamond League. Der 28-Jährige hielt sich zunächst zurück, blieb aber stets in Schlagdistanz. "Ich wollte nicht der Erste hinter den Pacemakern sein", erläuterte er anschließend seine Taktik. "Das ist dann nämlich derjenige, der sich zerreißt, wenn die Tempomacher rausgehen." 

So war es der Kenianer Edmund Serem, der als Führender in den letzten Kilometer ging. Doch 600 Meter vor dem Ziel folgte die Attacke von Frederik Ruppert. Serem hielt dagegen und setzte nach dem letzten Wassergraben zum Konter an. Doch der Tübinger hatte sich Kräfte aufgespart. "Ich war mir auf den letzten 200 Metern sicher, dass ich das Ding gewinne." In 8:09,02 Minuten rannte er die zweitbeste Zeit seiner Karriere. "Diamond-League-Gesamtsieger, das hört sich fantastisch an!", freute sich der Deutsche Rekordler, der vor Edmund Serem (8:09,96 min) und Salaheddine Ben Yazide (Marokko; 8:14,10 min) gewann. 

Julian Weber haut zwei 91er raus

Kaum hatte der erste deutsche Diamond-League-Sieger des Abends die Mixed Zone verlassen, wurde es laut im Stadion. Den Jubel ausgelöst hatte ein weiterer DLV-Athlet: Julian Weber (USC Mainz). Gleich im ersten Durchgang steigerte der Europameister von 2022 seine eigene Weltjahresbestleistung von 91,06 auf 91,37 Meter. Und in Runde zwei legte er noch eine Schippe drauf: 91,51 Meter. So bescherte sich der zurzeit weltbeste Speerwerfer ein vorgezogenes Geschenk zu seinem 31. Geburtstag am Freitag. 

"Ich wusste, dass ich in guter Form bin", sagte der Sieger. "Aber ich hätte nicht gedacht, dass es heute so gut laufen würde. Die Technik hat gestimmt, das Timing. Es war ein überragender Wettkampf. Was hätte ich mir mehr wünschen können?" Das Podium komplettierten mit Respektabstand Weltmeister Neeraj Chopra (Indien; 85,01 m) und Keshorn Walcott (Trinidad & Tobago; 84,95 m). Zuletzt hatte es 2021 zwei deutsche Gesamtsiege in der Diamond League gegeben, damals gelang Johannes Vetter (LG Offenburg) und Christin Hussong (LAZ Zweibrücken) ein Speerwurf-Doppelschlag. 

Malaika Mihambo fehlt nur ein Zentimeter zum Sieg

Für die dritte deutsche Top-Drei-Platzierung sorgte Weitsprung-Ass Malaika Mihambo (LG Kurpfalz). Die Olympiasiegerin von 2021 bot gleich im ersten Durchgang starke 6,81 Meter an. Das blieb die Führungsweite, bis Hallen-Europameisterin Larissa Iapichino (Italien) in Runde drei auf 6,93 Meter flog. Und dann packte Malaika Mihambo wieder einmal ihren berühmten letzten Versuch aus: Sie traf das Brett gut und sprang dicht heran an die gelbe Linie. Mit 6,92 Metern rückte sie der jungen Italienerin ganz dicht auf die Pelle, diese durfte jedoch über den Diamanten jubeln. Dritte wurde Hilary Kpatcha (Frankreich; 6,75 m). 

"Ich bin sehr zufrieden mit dem Wettkampf", befand Malaika Mihambo. "Heute war das Ziel, noch mal am Anlauf zu arbeiten. Das hat sehr gut geklappt: Ich war gut an den Zwischenmarken. Die beiden ungültigen Versuche waren sehr knapp übertreten, einer nur um ein paar Millimeter. Wir haben ziemlich nah an Zürich rantrainiert, deshalb war ich heute auch nicht ganz ausgeruht." 

Mohamed Abdilaahi starker Vierter

Auch Langstreckler Mohamed Abdilaahi (Cologne Athletics) war über 3.000 Meter ganz nah dran am Treppchen: Auf der Schlussrunde saugte er sich an die Führenden heran und konnte einige Kontrahenten noch abfangen, kurz vor Schluss auch den Äthiopier Biniam Mehary. In neuer Bestzeit von 7:37,31 Minuten wurde Abdilaahi Vierter, die Plätze auf dem Podium machten Jimmy Gressier (Frankreich; 7:36,78 min), Grant Fisher (USA; 7:36,81 min) und Andreas Almgren (Schweden; 7:36,82 min) unter sich aus. 

"Hier in dem Feld Vierter zu werden, das ist schon stark. Ich habe ein bisschen zu viel Respekt gehabt und war zwischendurch nicht gut positioniert, wahrscheinlich bin ich die meisten Meter von allen in dem Rennen gelaufen", analysierte der DLV-Läufer. "Ich habe mega viel Selbstbewusstsein für Tokio getankt." Bei der WM in Japan (13. bis 21. September) möchte er erstmals auf Weltebene ein Finale erreichen.

Robert Farken mit zweitbester Karriere-Zeit

Der dritte deutsche Läufer im Bunde Robert Farken (SG Motor Gohlis-Nord Leipzig) belegte in einem hochklassigen 1.500-Meter-Feld mit 3:31,30 Minuten Rang neun, nur bei seinem deutschen Rekord in Rom (Italien) war er Anfang Juni schon schneller gerannt. Der erst 20 Jahre alte Niederländer Niels Laros gewann das Rennen mit Landesrekord von 3:29,20 Minuten. 

Gleich mit doppelter deutscher Beteiligung fand das Hindernisrennen der Frauen statt. Gesa Krause (Silvesterlauf Trier) war als Pacemakerin im Einsatz und meldete sich mit einem gelungenen Auftritt für die WM fit. Lea Meyer (VfL Löningen) erwischte diesmal kein optimales Rennen, in 9:26,08 Minuten wurde sie beim Sieg der Kenianerin Faith Cherotich (8:57,24 min) Achte. 

Star-Parade mit Meetingrekorden

Das Meeting eröffnet hatte am Spätnachmittag Diskuswerfer Henrik Janssen (SC Magdeburg). Mit 66,37 Metern erzielte er eine gute Weite, musste sich aber im "Kampf der Giganten" den fünf Rivalen geschlagen geben. Weltrekordler Mykolas Alekna (Litauen; 68,89 m) war dem restlichen Feld um Europameister Kristjan Ceh (Slowenien; 67,18 m) und Olympiasieger Roje Stona (Jamaika; 67,06 m) ein Stück voraus. "Es hat ein bisschen der Ausreißer gefehlt", fand der Deutsche Meister. "Aber ich bin auf einem guten Level, werfe zurzeit sehr konstant." Bei den Frauen siegte Olympiasiegerin Valarie Allman (USA; 69,18 m). 

In den weiteren Disziplinen setzten sich zumeist die Favoriten durch. Über 400 Meter Hürden triumphierten Weltrekordler Karsten Warholm (46,70 sec) und Europarekordlerin Femke Bol (52,18 sec) jeweils mit Meetingrekorden. Im Vorprogramm war auch die Deutsche Meisterin Eileen Demes (TV 1861 Neu-Isenburg) über die Hürden im Einsatz gewesen, sie wurde in 55,11 Sekunden Dritte. "Ich komme aus einem Trainingsblock, das habe ich schon ein bisschen gemerkt. Dafür war's okay", erklärte sie. "Aber ich wollte unbedingt noch einen Test absolvieren und die Stimmung war mega." 

Auch über 400 Meter flach gab es einen Meetingrekord zu bejubeln: Salwa Eid Naser aus Bahrain zauberte 48,70 Sekunden auf die Bahn. Über 110 Meter Hürden egalisierte der US-Amerikaner Cordell Tinch in 12,92 Sekunden den bisherigen Rekord. Besonders laut wurde es im Stadion aber nach dem 800-Meter-Rennen: Denn die Schweizerin Audrey Werro steigerte ihren erst vier Tage alten Landesrekord noch einmal auf 1:55,91 Minuten und holte sich den Diamond-League-Sieg. 

Die kompletten Resultate finden Sie in unserer Ergebnisrubrik...

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