Erst vor knapp zwei Jahren startete Andor Rik Schumann mit dem regelmäßigen Leichtathletik-Training. Sein Talent zeigte sich schnell und mündete 2025 beim EYOF-Sieg über 800 Meter und der Wahl zum „Jugend-Leichtathleten des Jahres“. In den kommenden Jahren will der 17-Jährige die nächsten Leistungsschritte machen.
Scheinwerferlicht, Abendgarderobe und jede Menge Promis: Für einen 17-Jährigen kann eine solch ungewohnte Umgebung schon mal zu schweißnassen Händen und generellem Unbehagen führen. Nicht so für Andor Rik Schumann (LC Top Team Thüringen). Der Erfurter 800-Meter-Läufer meisterte auch den Auftritt bei der Gala „Sportler des Jahres“ 2025 im herrschaftlichen Kurhaus von Baden-Baden souverän. Dass es am 21. Dezember nicht „nur“ beim roten Teppich blieb, sondern er sogar als „Newcomer 2025“ auf der Bühne geehrt wurde, erfuhr er erst wenige Minuten vor der Auszeichnung. „Ich war total überrascht, dass ich gewonnen habe. Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet“, sagt Andor Rik Schumann.
Dass der Thüringer plötzlich kein Unbekannter im deutschen Sport mehr ist und auch zu „Deutschlands Jugend-Leichtathlet“ 2025 gewählt wurde, ist Resultat eines rasanten sportlichen Aufstiegs. Rückblick: 2023 taucht Andor Rik Schumann erstmals bei Leichtathletik-Wettkämpfen auf und wird im Sommer überraschend Deutscher U16-Meister über 800 Meter mit seiner damaligen Bestzeit von 2:00,77 Minuten. Ein Jahr später steigert er sich auf 1:52,73 Minuten und wird Zweiter der U18-DM. Im vergangenen Jahr verbessert sich Andor Rik Schumann auf 1:48,82 Minuten und gewinnt mit dieser Zeit das European Youth Olympic Festival in Skopje (Nordmazedonien) – den internationalen Saisonhöhepunkt der europäischen U18-Athleten 2025.
Ein Schulwechsel als Startschuss
Die Initialzündung für den Erfolg war ein Schulwechsel. 2023 zog Andor Rik Schumann mit seiner Mutter von Großengottern nach Erfurt und wechselte aufs dortige Sportgymnasium. „Ich bin vorher mit meinem Vater ab und an bei Volksläufen gestartet, aber eigentlich habe ich nur Fußball gespielt“, blickt der Thüringer zurück. Da sein fußballerisches Talent für die Aufnahme an der Sportschule nicht ausreichte, versuchte sich der Andor Rik Schumann in der Leichtathletik: „Meine Eltern haben natürlich schon zuvor gesagt, dass ich es mit der Leichtathletik probieren sollte. Gedrängt haben sie mich aber nie.“
Offensichtlich haben sie ihrem Sohn aber reichlich Talent in die Wiege gelegt: Vater Nils Schumann – 800-Meter-Olympiasieger von Sydney 2000 und damit Deutschlands bis heute letzter Lauf-Olympiasieger – und Korinna Schumann (geb. Fink) – 400-Meter-Läuferin mit Staffel-Starts bei Welt- und Europameisterschaften – begleiteten ihren Sohn zusammen mit ihren neuen Partnern zu „Sportler des Jahres“. „Wir funktionieren super als Patchwork-Familie. Ich war auch nicht zum ersten Mal in Baden-Baden. Vor zwei Jahren habe ich schon einmal meinen Vater begleitet“, sagt der Youngster.
Viele Talente in einer Trainingsgruppe
Mittlerweile trainiert Andor Rik Schumann in Erfurt bei seinem Vater und Enrico Aßmus in einer großen Trainingsgruppe mit unter anderem der EYOF-Zweiten Cäcilia Weimann, Leni Hanselmann, U18-Crossmeisterin Gloria Herold, Ben Burkhardt und Hindernisspezialist Robin Müller. Aktuell absolviert der 17-Jährige in der Vorbereitungsphase etwa 70 Wochenkilometer. „Die Schule ist so geregelt, dass ich auch vor dem Unterricht trainieren kann“, erzählt der Erfurter.
Wie das Wintertraining angeschlagen hat, wird sich schon in den kommenden Wochen zeigen. Am kommenden Wochenende plant Andor Rik Schumann mit einem 400-Meter-Start bei den Thüringer Hallenmeisterschaften. Die „Stadionrunde“ gehört ohnehin zum festen Repertoire des Erfurters. 2025 schnappte er sich neben dem 800-Meter-Titel außerdem 400-Meter-Silber bei der U18-DM mit 48,46 Sekunden. Seine Bestzeit steht bei 48,14 Sekunden. Eine starke Zubringerleistung in seinem Alter für die 800 Meter.
Ziel: Finale der U20-WM
2026 soll der nächste Leistungsschritt für den 17-Jährigen folgen. Natürlich ist ihm klar, dass potenzieller Steigerungsraten nun kleiner ausfallen werden. Innerhalb von 24 Monaten verbesserte sich der Schüler über 800 Meter gleich um zwölf Sekunden – was umgerechnet knapp 80 Meter ausmacht. „Ich nehme mir keine bestimmte Zeit vor für diese Saison. Ich würde allerdings gern bei der U20-WM in Eugene ins Finale kommen. Dafür muss man wahrscheinlich ein Niveau von mindestens 1:47 Minuten mitbringen“, blickt Andor Rik Schumann voraus. Damit könnte er seinem Vater nacheifern. Der lief 1996 bei der U20-WM in Sydney, wo er vier Jahre später Olympiasieger wurde, auf Rang fünf.
Eine ordentliche finanzielle Unterstützung auf dem Weg nach Eugene und zu weiteren sportlichen Zielen erhielt Andor Rik Schumann jedenfalls schon in Baden-Baden. Die Auszeichnung „Newcomer des Jahres“ ist von der „Glücksspirale“ mit 20.000 Euro dotiert. Die eine Hälfte davon ging an seinen alten Verein Erfurter LAC, für den der Schüler bis Ende 2025 startete. Die andere Hälfte kann der Mittelstreckler für die Weiterentwicklung seiner Karriere verwenden. Zwar ist diese bereits auf der Überholspur angekommen, doch eine weitere Beschleunigung ist nicht auszuschließen.
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