Hürdensprinterin Franziska Schuster (TSV Bayer 04 Leverkusen) ist am Sonntag beim CMCM Indoor Meeting in Luxemburg so schnell wie noch nie in eine Hallensaison gestartet und blieb in 8,08 Sekunden nur knapp über ihrer Bestzeit von 8,04 Sekunden. In einem starken Feld wurde sie im Finale Vierte. Anschließend ordnete sie im Interview der Woche ihren Auftakt ein, sprach über ihre Ziele in diesem Winter und erklärte, warum sie sich im Vergleich zu den 60 Meter Hürden in der Halle eher als 100-Meter-Hürdenläuferin sieht.
Franziska Schuster, zunächst noch einmal herzlichen Glückwunsch zu Ihrem bisher schnellsten Einstieg in eine Hallensaison. Wie ordnen Sie selbst Ihren Auftakt und die Zeiten von 8,08 und 8,10 Sekunden über 60 Meter Hürden am Sonntag in Luxemburg ein?
Franziska Schuster:
Dankeschön. Mit der Leistung bin ich zufrieden, aber ich weiß selbst, dass da noch mehr Potenzial ist. Vor allem am Start war noch total der Wurm drin. Das war gar nicht wie im Training. Ich konnte es in den beiden Läufen noch nicht richtig umsetzen. Dafür arbeite ich zwischen den Hürden schon sehr gut, und das gibt mir gerade sehr viel Selbstbewusstsein. Das ist glaube ich das Wichtigste, was man von einem Saisoneinstieg will, dieses Selbstbewusstsein.
Es gab ja nicht nur starke internationale Konkurrenz. Mit Ihnen, Ihrer Vereinskollegin Marlene Meier und Rosina Schneider (TV Sulz) war ja das komplette Podium der Hallen-DM 2025 am Start. Hatten Sie darauf gehofft, direkt schnellste Deutsche zu sein?
Franziska Schuster:
Nein, überhaupt nicht. Dadurch, dass das Feld von den Meldeleistungen super eng beieinander war, hatte ich erwartet, dass fast jeder gewinnen kann. Die beiden Erstplatzierten [Anm.: Sacha Alessandrini (Frankreich, 8,00 sec) und Saara Keskitalo (Finnland, 8,02 sec)] hatte ich schon am stärksten erwartet. Mein Ziel war einfach, das Beste für mich an dem Tag herauszuholen. Es ist trotzdem schön, jetzt erst einmal die schnellste Deutsche zu sein.
Wie sehen Sie den generell im Moment die Konkurrenzsituation in Deutschland? Sie drei sind ja alle noch recht jung, und es gibt ja noch einige weitere schnelle Hürdensprinterinnen. Pusht das dann noch einmal mehr oder empfinden Sie das als Druck?
Franziska Schuster:
Ich finde das pusht eher. Man weiß, dass man nicht stehenbleiben darf, dass man weiterarbeiten muss. Am Ende wollen wir uns ja alle auch international durchsetzen. Die 8,08 Sekunden sind erstmal ein guter Einstieg. Man sieht, dass die internationale Konkurrenz schneller wird. Das wollen wir natürlich auch in Deutschland. Wenn wir alle gut drauf sind, sieht man, dass wir auf einem guten Weg sind, auch immer schneller zu werden.
Man hat ja auch den Eindruck, dass Sie sich trotz Konkurrenz sehr gut untereinander verstehen?
Franziska Schuster:
Ja, das auf jeden Fall.
Wie haben Sie sich den in diesem Winter auf die Hallensaison vorbereitet? Haben Sie in der Vorbereitung irgendwas anders gemacht als sonst, sodass die Zeiten jetzt schon so schnell sind?
Franziska Schuster:
Ich bin anders als mein Trainer gar nicht so in der Planung drin. Ich mache einfach, was er sagt. Wir haben aber schon recht früh gemerkt, dass ich recht gut drauf bin und haben das einfach mitgenommen. Es ist im Moment ein gutes Gefühl. Ich kann gar nicht einschätzen, ob wir etwas Besonderes gemacht haben. Ich trainiere einfach. Und im Dezember waren wir natürlich im Trainingslager auf Teneriffa.
Und was sind nach dem guten Einstieg Ihre Ziele für die weitere Hallensaison?
Franziska Schuster:
Ich möchte im März zur Hallen-WM und habe eine komplette Hallensaison geplant.
Die Direktnorm für die Hallen-WM ist ja nur noch sechs Hundertstelsekunden entfernt. Woran müssen Sie jetzt im Training noch arbeiten, damit die 8,02 Sekunden möglichst schnell erreicht werden?
Franziska Schuster:
Auf jedem Fall am Start, das hat man in Luxemburg gesehen. Der hat noch überhaupt nicht funktioniert. Wenn ich den wieder besser treffe wie im Training zum Teil schon, dann sieht das nochmal ganz anders aus.
Und welchen Stellenwert hat die Hallensaison generell für Sie? In der Vergangenheit haben Sie sich im Vergleich zu den 60 Metern Hürden in der Halle immer eher als 100-Meter-Hürdensprinterin gesehen.
Franziska Schuster:
Bei der Theorie bleibe ich auch immer noch. Ich bin auf jeden Fall eine stärkere 100-Meter-Hürdenläuferin. Halle ist für mich einfach Spaß. Ich mag es, die Meetings zu rennen. Es ist wichtig, dieses Wettkampfgefühl zu haben. Ich bleibe aber dabei, dass genau die fünf Hürden in der Halle meine Schwäche sind. Draußen komme ich dann ab der fünften Hürde meist erst richtig in meine Rennen rein. In der Halle will ich weiter daran arbeiten. Und wenn es nur die dritte Hürde ist, ab der ich richtig ins Rennen komme, dann bin ich schon zufrieden.
Wie sieht denn Ihre weitere Wettkampfplanung bis zu den Deutschen Hallenmeisterschaften aus, wo die Hallen-WM-Tickets final vergeben werden?
Franziska Schuster:
Diesen Samstag laufe ich beim ISTAF Indoor in Düsseldorf, in der Woche danach ist ein Start in Gent geplant. Danach käme am 8. Februar das Meeting in Karlsruhe und am 13. Februar Erfurt. Das wäre aber jede Woche ein Wettkampf, sodass wir schauen, ob wir eventuell doch noch etwas weglassen. Wenn ich zur Hallen-WM will, dann muss ich bei den Deutschen Hallenmeisterschaften in Dortmund vorn mitlaufen. Ich glaube, dass die geforderten 8,02 Sekunden von uns Mädels in Deutschland fast alle laufen können. Wir sind alle gut drauf und schauen mal, was am Ende rauskommt.
Wie und mit welchen Zielen geht es dann nach der Hallensaison weiter im Hinblick auf Ihre Lieblingsdistanz im Sommer?
Franziska Schuster:
Nach der Hallensaison geht es dann für mich in der Vorbereitung ins Trainingslager nach Südafrika. Mein Ziel für den Sommer ist ganz klar die EM in Birmingham. Aktuell konzentriere ich mich aber erst einmal auf die anstehenden Hallenwettkämpfe.