| Interview

Barbara Gähling: „Über die Hürden geht noch mehr“

© Theo Kiefner
Barbara Gähling (LT DSHS Köln) stellte zu Beginn der Sommersaison 2025 gleich drei W60-Weltrekorde, im Siebenkampf, Hochsprung und über 300 Meter Hürden, innerhalb von nur vier Wochen auf. Im weiteren Verlauf des Jahres verbesserte sie die Marke über 300 Meter Hürden noch ein weiteres Mal und stellte auch eine deutsche W60-Bestleistung über 400 Meter auf. Dass ihre Leistungen über die Hürden, im Siebenkampf und im Hochsprung noch nicht das Ende der Fahnenstange sein müssen, verrät die Kölnerin im Interview.
Marc Gogol

Die Fachjury hat Sie bei der Wahl zur „Masters-Leichtathletin des Jahres“ trotz Ihres phänomenalen Weltrekords im Siebenkampf der W60 sowie Ihrer Weltbestmarken über 300 Meter Hürden und im Hochsprung auf Platz zwei gewählt. Waren Sie im ersten Moment ein wenig enttäuscht?

Barbara Gähling:
Nein, eigentlich nicht. Ich freue mich über den zweiten Platz. Das ist völlig in Ordnung. Es sind tolle Leistungen, die Tatjana Schilling vollbracht hat, von daher hat sie es auch verdient.

Der europäische Verband, die EMA, hat Sie als beste Athletin Europas in der Disziplin Mehrkampf ausgezeichnet. Wie groß war bei Ihnen die Freude diesbezüglich?

Barbara Gähling:
Eine Woche vorher hat mir die EMA diese Information geschickt. Es ist schön, dass man da anerkannt und gesehen wird. Es war für mich sehr überraschend, natürlich habe ich mich total gefreut. Im Nachgang zu der Information habe ich diesbezüglich auch noch mit Andy Dittmar gemailt.

Genau, Andy Dittmar wurde als bester Athlet der Kategorie Wurf ausgezeichnet. Dann müssen Sie jetzt ja eigentlich wie Andy Dittmar zur Hallen-EM nach Torun fahren. Zumindest, um die Ehrung in Empfang zu nehmen. Wird es in Torun für Sie denn auch sportlich?

Barbara Gähling:
Ja, die EM hatte ich bereits in Erwägung gezogen. Ich fahre für fast eine Woche nach Torun. Leider gibt es am Ende keine Staffeln mehr für mich, obwohl das immer eine tolle Sache ist. Ich fahre am Donnerstag zurück und am Karfreitag in ein Trainingslager, das ist mir dieses Mal wichtiger. Zumal das Trainingslager auch für mich mitorganisiert wird.

Nochmal zurück zu 2025. Ist das zurückliegende Jahr noch zu toppen?

Barbara Gähling:
Das hoffe ich doch für alle drei Weltbestleistungen. Obwohl ich meine Mehrkämpfe immer etwas unvorbereitet angehe. Ich mache wenig Techniktraining im Vorfeld. Manchmal stelle ich mich erst eine Woche vorher auf die Bahn oder in den Ring. Da habe ich mir vorgenommen, das mache ich jetzt mal etwas besser, ich möchte etwas mehr Mehrkampftraining absolvieren.

Im Hochsprung liegt Ihr eigener Weltrekord im Freien ja bei 1,54 Meter. Ist da eine weitere Steigerung ein realistisches Ziel für 2026?

Barbara Gähling:
Das sehe ich schon als die schwierigste Aufgabe an. 2024 bin ich ja nur 1,35 Meter gesprungen. Und die 1,54 Meter sind mir gleich im ersten Wettkampf des Jahres gelungen. Im Hochsprung gehört auch einfach etwas Glück dazu.

Sie haben die Wettkämpfe im vergangenen Jahr mit Knieproblemen bestritten. Die resultierten aus einem Unfall mit einem Autofahrer. Wie geht es Ihnen jetzt diesbezüglich?

Barbara Gähling:
Ich habe dauerhaft ein bisschen Knieschmerzen. Das behindert mich im Alltag nicht, aber es ist schon besch..., wenn eine Verletzung dauerhaft bleibt. Bis März vergangenen Jahres habe ich viel Physio dagegen gemacht, aber inzwischen habe ich auch keine Lust mehr dazu.

Können wir uns über die 300 Meter Hürden auf weitere Spitzenzeiten freuen? Oder liegt Ihr Hauptaugenmerk eher auf den anderen Disziplinen für den Mehrkampf?

Barbara Gähling:
Bei den Hürden geht noch mehr, da investiere ich sehr viel. Seit dem letzten Frühjahr bin ich auch in einer Laufgruppe, die mir für diese Disziplin viel gibt.

Dann skizzieren Sie uns doch bitte einmal Ihre Planungen für die Freiluftsaison 2026. 

Barbara Gähling:
Ich werde es wie im vergangenen Jahr machen und versuchen, zu Beginn der Saison viele Wettkämpfe zu absolvieren. So auch wieder den Mehrkampf in Limburgerhof. Und dann noch, was bei mir in der Nähe angeboten wird. Die Deutschen Freiluft-Meisterschaften liegen in der letzten Schulwoche vor den Sommerferien, da herrscht an der Schule immer totales Chaos. Aber Mönchengladbach bietet sich als Kölnerin natürlich von der Nähe her an, also werde ich dort wohl auch starten. Danach mache ich vier Wochen Urlaub, und dann ist die Saison auch zu Ende. Im Herbst ist meist dann die Luft raus. Bei den „Interlands“ bin ich in diesem Jahr leider im Urlaub, da nehme ich dann auch keine Rücksicht, wenn Ferien oder Urlaub anliegen. Das ist mir immer wichtiger.

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