Für Nele Weßel (Königsteiner LV) verlief das Init Indoor Meeting Karlsruhe am Sonntagabend ganz nach Wunsch: Die Mittelstrecklerin erfüllte mit neuer Hallen-Bestzeit von 4:05,47 Minuten die Norm für die Hallen-WM in Torun (Polen; 20. bis 22. März). Im Interview verrät die 26-Jährige, welche Taktik ihr zum Erfolg verhalf und warum sie von internationalen Meisterschaften und Meetings nur profitieren kann.
Nele Weßel, Sie haben beim Indoor Meeting in Karlsruhe mit neuer Hallen-Bestzeit von 4:05,47 Minuten über 1.500 Meter die Norm für die Hallen-WM abgehakt – herzlichen Glückwunsch. Wie viel bedeutet es Ihnen, dass dieser Meilenstein erreicht ist?
Nele Weßel:
Ich freue mich riesig! Da ist Erleichterung, die jetzt abfällt. Richtig große Freude, jetzt den Entry Standard in der Tasche zu haben. Und dann auch noch das Rennen mit Majtie teilen zu können und sie auch noch zu einer krassen Zeit gepusht zu haben, ist richtig toll. Wir haben uns unglaublich gern und laufen schon seit der Jugend zusammen.
Haben Sie sich dementsprechend auch eine gemeinsame Taktik zurechtgelegt? Die Konkurrenz war in Karlsruhe sehr stark, viele Kontrahentinnen sind bereits unter vier Minuten geblieben. Wie sah Ihr Rennplan aus?
Nele Weßel:
Wir beide haben uns – ohne vorher miteinander gesprochen zu haben – die gleiche Taktik überlegt. Und die sah eigentlich genau so aus, wie wir dann auch gelaufen sind: Uns ans Ende des Feldes hängen und mitlaufen, so lange es geht. Das ist uns auch ganz gut gelungen. Natürlich habe ich gemerkt, dass ab „250 to go“ langsam die Tür vor mir aufgegangen ist. Aber ich habe probiert, einfach weiter draufzubleiben und zu drücken, auch wenn die Beine hintenraus doch ganz schön schwer geworden sind.
Nach dem Zieleinlauf haben Sie sofort gejubelt – waren Sie sich gleich sicher, dass die Hallen-WM-Norm von 4:06,00 Minuten gefallen ist?
Nele Weßel:
Ja. Als ich über die Ziellinie gelaufen bin, habe ich auf der Uhr gesehen, dass hinter der Vier noch eine 05 stand. Natürlich musste ich noch auf die offizielle Bestätigung warten. Umso größer war der Jubel, als ich es dann schwarz auf weiß gesehen habe. Schon eingangs der letzten Runde habe ich mal zur Uhr rübergeschielt. Und da wusste ich: Wenn ich jetzt nicht viel langsamer werde, ist die Norm drin. Der Plan war zwar, nicht direkt auf Zwischenzeiten zu achten, sondern einfach zu versuchen, dem Feld hinterherzurennen. Aber gegen Ende des Rennens guckt man doch mal auf die Uhr.
Die Hallen-WM in Torun (Polen) findet vom 20. bis 22. März statt. Für viele Athletinnen und Athleten ist der Termin im Hinblick auf den anstehenden Aufbau für die Freiluftsaison zu spät. Warum sind die Hallen-Weltmeisterschaften für Sie trotzdem ein wichtiger Termin im Kalender?
Nele Weßel:
Es ist ja ein internationaler Start für Deutschland. Und bislang ist es nicht so, dass ich mit Teilnahmen an internationalen Meisterschaften um mich werfen kann. Deshalb ist die Teilnahme an einer Hallen-WM immer noch etwas Großes und Wichtiges für mich. Und ich möchte jede Chance auf einen internationalen Start ergreifen. Ich finde, internationale Meisterschaften sind etwas komplett anderes als andere Wettkämpfe. Der Rennverlauf ist völlig anders, das Drumherum, die Routinen, die Nervosität.
Die Chance, internationale Erfahrung zu sammeln, dürfen Sie aktuell auch bei international hochkarätig besetzten Meetings nutzen. Nach dem Meeting in Ostrava am vergangenen Dienstag haben Sie in Karlsruhe bereits Ihr zweites Gold-Label-Meeting in dieser Hallensaison bestritten. Wie gefällt Ihnen die Erfahrung, sich häufiger als früher mit Konkurrenz auf internationalem Top-Niveau zu messen?
Nele Weßel:
Das ist natürlich das, worauf ich hingearbeitet habe. Vor drei Jahren habe ich mir noch in die Hose gemacht, als ich bei einem Bronze-Meeting an der Startlinie stand. Und jetzt bin ich bei Gold-Meetings dabei. Umso schöner ist es, wenn man sich in solchen Rennen dann auch gut verkaufen kann. Denn ich weiß: Bei Gold-Meetings laufen nur die Besten der Besten.
Worauf führen Sie Ihre starke Entwicklung zurück?
Nele Weßel:
Kontinuität, würde ich sagen. Ich war zwar gerade letztes Jahr immer wieder von Krankheiten und Verletzungen gebeutelt. Aber grundsätzlich macht es sich bezahlt, immer wieder nach dem gleichen Konzept trainieren zu können, das gut anschlägt. Und geduldig zu sein, an sich zu glauben, gehört auch dazu.
Wie ist Ihre Vorbereitung auf die Hallensaison verlaufen? Sie haben das Jahr bereits im Januar in Südafrika eingeläutet …
Nele Weßel:
Genau, ich war zweimal in Südafrika – im Herbst und im Januar. Auch zu Hause ist das Training gut gelaufen. Ich hatte aber auch noch einiges an der Uni zu tun.
Wie sehen jetzt die kommenden Wochen bei Ihnen aus?
Nele Weßel:
Dadurch, dass ich die Norm jetzt in der Tasche habe, können wir jetzt im Training mehr Fokus auf die WM-Vorbereitung legen. Ansonsten werde ich noch ein paar Rennen laufen, einfach um Spaß zu haben.
In der Halle steht Ihre Bestzeit nun bei 4:05,47 Minuten. Im Freien haben Sie Ihren Hausrekord bei der WM in Tokio auf 4:03,57 Minuten geschraubt. Was trauen Sie sich noch zu – ist die Vier-Minuten-Marke schon im Hinterkopf?
Nele Weßel:
Ich denke schon, dass ich das in einem guten Rennen draußen rennen kann. Hallenrennen sind natürlich nie vergleichbar mit Rennen draußen. Ich denke, wenn ich in der Halle eine 4:05 renne, ist das vergleichbar mit 4:02 draußen. Dementsprechend denke ich schon, dass ich in einem perfekten Rennen Richtung vier Minuten rennen kann.
Im vergangenen Jahr sind Sie bei der Hallen-DM nicht über Ihre Paradestrecke, sondern über 800 und 3.000 Meter angetreten und haben über 800 Meter Bronze gewonnen. Auf welcher Strecke wollen Sie diesmal bei der Hallen-DM in Dortmund an den Start gehen?
Nele Weßel:
Das weiß ich noch nicht. Ich glaube, das entscheide ich danach, wie mir ist und wie die nächsten Wochen verlaufen.
Mehr zum Indoor Meeting Karlsruhe:
Weßel, Schneider und Ansah stürmen zur WM-Norm, Stepanov zum Sieg
Alle Siegerinnen und Sieger, alle Stars: Die Stimmen aus Karlsruhe