| Rückblick

Der große Disziplin-Check 2014 - Hochsprung Frauen

Das Leichtathletik-Jahr 2014 ist fast Geschichte. Hinter den Topathleten liegen die EM in Zürich (Schweiz), die Team-EM in Braunschweig und die Hallen-WM in Sopot (Polen). Der Nachwuchs hat bei der U20-WM in Eugene (USA) und den Olympischen Jugendspielen in Nanjing (China) internationale Erfahrungen gesammelt. Zeit zurückzublicken – und die deutschen Leistungen in den einzelnen Disziplingruppen genauer unter die Lupe zu nehmen. Heute: der Hochsprung der Frauen.
Silke Morrissey

2014 im Rückblick

Die großen deutschen Hoffnungen ruhten in der vergangenen Saison auf Marie-Laurence Jungfleisch. Favoritin bei den nationalen Meisterschaften, einzige DLV-Kandidatin für internationale Höhepunkte, einzige deutsche Springerin mit Potenzial für 1,95 Meter und höher – die 24 Jahre alte Tübingerin wurde auch aufgrund der Schwangerschaft der Deutschen Rekordhalterin Ariane Friedrich (LG Eintracht Frankfurt) im Jahr 2014 zur Alleinunterhalterin. Und sie meisterte diese Herausforderung mit Bravour.

In der Halle schraubte Marie-Laurence Jungfleisch ihre Bestleistung auf 1,97 Meter. Der deutsche Hallentitel war nur Formsache. Und bei der Hallen-WM schaffte sie es mit einem 1,95-Meter-Sprung in der Qualifikation bis ins Finale und in die Top Acht der Welt. Der Höhepunkt jedoch sollte im Freien folgen: Bei den Europameisterschaften in Zürich (Schweiz) war die Deutsche Meisterin topfit und belegte mit neuer Freiluft-Bestleistung von 1,97 Meter Rang fünf.

Mit deutlichem Abstand von zehn Zentimetern folgte 2014 die nächste deutsche Athletin: Alexandra Plaza. Die junge Kölnerin konnte in ihrem ersten Jahr in der Aktiven-Klasse wieder an ihre Höhenflüge aus 2012 anknüpfen, als sie mit 1,88 Meter Vierte der U20-WM geworden war. Der Lohn: DM-Silber bei den „Großen“.

Leider beginnt bereits hinter ihr die lange Liste der Athletinnen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht zu Höchstform auflaufen konnten. 1,91-Meter-Springerin Nadja Kampschulte (TV Wattenscheid 01) kämpfte mit den Folgen einer Stoffwechsel-Krankheit, die ihr Leben als Leistungssportlerin erschwert. Imke Onnen (LG Hannover), Deutsche U20-Vize-Meisterin des Vorjahres, kam nach einem Ermüdungsbruch spät in Form, wurde aber mit 1,80 Meter und Rang fünf bei der DM für ihr Durchhaltevermögen belohnt.

Im Nachwuchsbereich liefen die U18-Athletinnen den U20-Hochspringerinnen den Rang ab. In den Top Ten der U20 finden sich sieben Mädchen der Jahrgänge 1997 und jünger. Die Beste von ihnen, 1,83-Meter-Springerin Selina Schulenburg (TSV Altenholz), durfte zu den Olympischen Jugendspielen nach Nanjing (China) und wurde dort Sechste. Leonie Reuter (TV Rheinzabern) und Sophie Frank (HmM Arnstadt) sammelten bei der U20-WM internationale Erfahrungen.

Unsere Top Drei

<link https: www.leichtathletik.de nationalmannschaft athletenportraet athlet detail marie-laurence-jungfleisch zum athletenporträt von marie-laurence>Marie-Laurence Jungfleisch
LAV Stadtwerke Tübingen, 24 Jahre
SB: 1,97 m | PB: 1,97 m (2014)
DM: 1. Platz
EM: 5. Platz
DLV-Jahresbestenliste: 1.
Europäische Bestenliste: 9.
Welt-Jahresbestenlisten: 10.

<link https: www.leichtathletik.de nationalmannschaft athletenportraet athlet detail alexandra-plaza zum athletenporträt von alexandra>Alexandra Plaza
LT DSHS  Köln, 20 Jahre
SB: 1,87 m | PB: 1,88 m (2012)
DM: 2. Platz
EM: -
DLV-Jahresbestenliste: 2.
Europäische Bestenliste: 48.
Welt-Jahresbestenlisten: 68.

<link https: www.leichtathletik.de nationalmannschaft athletenportraet athlet detail nadja-kampschulte zum athletenporträt von nadja>Nadja Kampschulte
TV Wattenscheid 01, 22 Jahre
SB: 1,84 m | PB: 1,88 m (2011) / Halle: 1,91 m (2013)
DM: -
EM: -
DLV-Jahresbestenliste: 5.
Europäische Bestenliste: 79.
Welt-Jahresbestenlisten: 125.

Unsere Hoffnungsträgerin

<link https: www.leichtathletik.de nationalmannschaft athletenportraet athlet detail selina-schulenburg zum athletenporträt von selina>Selina Schulenburg
TSV Altenholz, 16 Jahre
SB: 1,83 m (2014) | PB: 1,83 m (2014)

Die Kleinste war 2014 die Größte! Bei einer Körpergröße von 1,66 Meter überquerte die 16 Jahre alte Selina Schulenburg beachtliche 1,83 Meter und war damit 2014 die beste Nachwuchs-Athletin Deutschlands.

Der Pechvogel

Nele Hollmann
TV Wattenscheid 01, 22 Jahre
SB: - | PB: 1,87 m (2013)

Zwar wollte sie sich 2014 ohnehin auf ihr Studium konzentrieren, aber so hatte sich Nele Hollmann ihre Auszeit vom Leistungssport sicher nicht vorgestellt: Im Frühjahr zog sich die Fünfte der U23-EM bei lockerem Training einen Achillessehnen-Riss zu. Kaum ging es wieder bergauf, riss die Sehne im September ein zweites Mal.

<link https: www.leichtathletik.de nationalmannschaft athletenportraet athlet detail patrick-karl zum athletenporträt von patrick>

2015 im Ausblick

Marie-Laurence Jungfleisch ist in der Weltspitze angekommen – und kann sich dort im kommenden Jahr festsetzen. Knüpft sie an die Leistungen von 2014 an, ist sie gesetzt für die Hallen-EM in Prag (Tschechische Republik) und für die WM in Peking (China). Auch die magische Zwei-Meter-Marke ist in Reichweite, das haben viele ihrer Sprünge in der abgelaufenen Saison gezeigt. Ein perfekter Zeitpunkt wäre die WM. Damit sollte dann sogar mehr drin sein als das Minimal-Ziel Finale.

Ariane Friedrich arbeitet seit der Geburt von Töchterchen Amy fleißig an ihrem Comeback und hat Rio 2016 als großes Ziel angegeben. Verläuft das Training gut und kann sie zudem die Achillessehnen-Probleme hinter sich lassen, ist sie bereits für Peking eine Kandidatin. Sie wäre nicht die erste Hochspringerin, die als Mutter erfolgreich zu Höhenflügen ansetzt.

In der U23-Altersklasse wollen Alexandra Plaza  und Imke Onnen sich für einen Start bei den Europameisterschaften in Tallinn (Estland) empfehlen. Die 1,90-Meter-Marke soll der nächste Schritt in ihrer Entwicklung sein. Besonders umkämpft sein werden die Tickets zu den U20-Europameisterschaften in Eskilstuna (Schweden) mit mehr als fünf Kandidatinnen. Auch für die U18-WM in Cali (Kolumbien) stehen die Chancen gut, dass der DLV beide Startplätze besetzen kann – hier peilen unter anderen Selina Schulenburg und Leonie Reuter den nächsten Start im Nationaltrikot an.

Das sagt die Bundestrainerin

Frau Kurschilgen, wie fällt Ihre Bilanz für das EM-Jahr 2014 aus?

Brigitte Kurschilgen:

Im Hochsprung der Frauen sieht es in der Spitze freundlicher aus als bei den Männern. Marie-Laurence Jungfleisch hat tolle Leistungen und bei der EM einen phantastischen Sprung über 1,97 Meter gezeigt. Auch in Eberstadt wurde einmal mehr ihr Potenzial für zwei Meter deutlich.

Hinter ihr ist das Bild allerdings nicht so rosig wie im Männerbereich, aufgrund von Verletzungen, Krankheiten und dem Ausfall von Ariane Friedrich. Sie arbeitet sehr ambitioniert an ihrer Rückkehr. Was sie macht, klingt gut, und das Baby lässt ihr ausreichend Schlaf, was für eine Leistungssportlerin ja sehr wichtig ist.

Erfreulich war, dass sich Alexandra Plaza wieder im Bereich ihrer Bestleistung stabilisieren konnte. Für Nadja Kampschulte war die Saison ein Auf und Ab, mit einem Muskelfaserriss und gesundheitlichen Problemen. Mittlerweile ist sie aber wieder belastbar und recht gut drauf.

Was oder wer war für Sie das ganz persönliche Highlight der vergangenen Monate?

Brigitte Kurschilgen:

Eindeutig der Wettkampf von Marie-Laurence Jungfleisch bei den Europameisterschaften in Zürich!

Mit welchen Aufgaben und Zielen gehen Sie in die kommende Saison?

Brigitte Kurschilgen:

Mit Marie-Laurence Jungfleisch haben wir eine Athletin, für die das WM-Finale das große Ziel sein muss. Dahinter haben wir im Kader einen gravierenden Wechsel. Ich gehe davon aus, dass man für einen WM-Start Mitte 90 springen muss. Für Alexandra Plaza und Imke Onnen ist da die U23-EM das realistischere Ziel.

Zahlen und Fakten

Die Jahresbesten

1,97 m - Marie Laurence Jungfleisch (LAV Stadtwerke Tübingen)
1,87 m - Alexandra Plaza (LT DSHS Köln)
1,85 m - Lilli Schwarzkopf (LG Hannover)
1,84 m - Carolin Schäfer (LG Eintracht Frankfurt)
1,84 m - Nadja Kampschulte (TV Wattenscheid 01)
1,84 m - Katarina Mögenburg (NOR) (TSV Bayer 04 Leverkusen)
1,83 m - Melanie Bauschke (LAC Olympia 88 Berlin)
1,83 m - Selina Schulenburg (TSV Altenholz)
1,82 m - Leonie Reuter (TV Rheinzabern)
1,82 m - Melanie Melfort (FRA) (TSG Weinheim)
1,82 m - Sophie Frank (HmM Arnstadt)

Internationale Endkampf-Platzierungen 2014

Hallen-WM: Marie-Laurence Jungfleisch (8. Platz; 1,90 m)
EM: Marie-Laurence Jungfleisch (5. Platz; 1,97 m)
U20-WM: keine
Olympische Jugendspiele: Selina Schulenburg (6. Platz, 1,79 m)

Entwicklung des Spitzenniveaus

 

JahrAthleten >= 2,30 MeterSchnitt Top Ten
2005 keine 1,86
2006 keine 1,87
2007 keine 1,86
2008 Ariane Friedrich (2,03) 1,89
2009 Ariane Friedrich (2,06) 1,9
2010 Ariane Friedrich (2,02) 1,87
2011 keine 1,86
2012 Marie-Laurence Jungfleisch (1,95) 1,87
2013 Marie-Laurence Jungfleisch (1,95) 1,86
2014 Marie-Laurence Jungfleisch (1,97 m) 1,85*

*nur deutsche Athletinnen

Entwicklung Jahresbestleistungen

JahrDeutschlandEuropaDiff.WeltDiff.
2005 1,90 (D. Rath; A. Friedrich; B. Kähler) 2,03 (Bergqvist/SWE) 0,13 2,03 (Bergqvist/SWE) 0,13
2006 1,91 (M. Skotnik; J. Hartmann; A. Friedrich) 2,06 (Bergqvist/SWE) 0,15 2,06 (Bergqvist/SWE) 0,15
2007 1,94 (A. Friedrich) 2,07 (Vlasic/CRO) 0,13 2,07 (Vlasic/CRO) 0,13
2008 2,03 (A. Friedrich) 2,06 (Vlasic/CRO) 0,03 2,06 (Vlasic/CRO) 0,03
2009 2,06 (A. Friedrich) 2,08 (Vlasic/CRO) 0,02 2,08 (Vlasic/CRO) 0,02
2010 2,02 (A. Friedrich) 2,05 (Vlasic/CRO) 0,03 2,05 (Vlasic/CRO; Howard Lowe/USA) 0,03
2011 1,93 (M.-L. Jungfleisch) 2,07 (Chicherova/RUS) 0,14 2,07 (Chicherova/RUS) 0,14
2012 1,95 (M.-L. Jungfleisch) 2,05 (Chicherova/RUS) 0,1 2,05 (Chicherova/RUS) 0,1
2013 1,95 (M.-L. Jungfleisch) 2,03 (Shkolina/RUS) 0,09 2,04 (Barrett/USA) 0,09
2014 1,97 (M.-L. Jungfleisch) 2,01 (Chicherova/RUS; Beitia/ESP) 0,04 2,01 (Chicherova/RUS; Beitia/ESP) 0,04

Das fällt auf

  • Das Niveau an der Weltspitze ist seit 2011 rückläufig. Für Platz eins der Welt reichte 2014 ein Satz über 2,01 Meter – in diesem Jahrtausend der Tiefstwert.
  • Dass man auch im Alter von 35 Jahren noch vorne mitmischen kann, bewies die Spanierin Ruth Beitia (2,01 m).
  • Marie-Laurence Jungfleisch hat den Abstand zu den besten Athletinnen der Welt auf vier Zentimeter verkürzt.
  • In den deutschen Top Ten befinden sich zwei Siebenkämpferinnen (Lilli Schwarzkopf und Carolin Schäfer), eine Weitspringerin (Melanie Bauschke) sowie zwei Athletinnen mit ausländischem Pass, die für einen deutschen Verein starten (Katarina Mögenburg und Melanie Melfort).
  • Der deutsche Top-Ten-Schnitt ist mit 1,85 Meter so tief wie noch nie seit der Jahrtausend-Wende.

    Video-Clips

    <link video:9797>Marie-Laurence Jungfleisch floppt über 1,92 Meter
    <link video:9426>Marie-Laurence Jungfleisch nicht zu schlagen
    <link video:9980>Alexandra Plaza springt zum Sieg
    <link video:10814>Anne Peters verblüfft sich selbst
    <link video:10811>Selina Schulenburg mit weißer Weste
    <link video:10192>Sophie Frank jubelt über 1,82 Meter

    Die weiteren Disziplin-Checks 2014 im Überblick

    <link news:37751>Hochsprung Männer
    <link news:37638>Gehen Männer und Frauen
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