| Interview

Smilla Kolbe: "Alles ist neu und unglaublich aufregend für mich"

© Theo Kiefner
Als College-Studentin in den USA bereits sehr frühzeitig in die Saison gestartet, hat Smilla Kolbe im Mai mit einer Zeit von 1:59,02 Minuten über 800 Meter für Aufsehen gesorgt. Seither bereitet die 23-Jährige der deutschen Leichtathletik viel Freude und belohnte sich am Sonntag bei den Deutschen Meisterschaften in Dresden mit Gold über die zwei Stadionrunden. Im Interview verrät das Energiebündel, was sie antreibt.
Jane Sichting

Smilla Kolbe, herzlichen Glückwunsch zu Gold über 800 Meter.

Smilla Kolbe:
Dankeschön.

Unmittelbar nach dem Zieleinlauf haben Sie nahtlos zur Ehrenrunde angesetzt und sind einfach weitergejoggt. Ihre Energie scheint endlos zu sein – waren Sie noch nicht ausgepowert?

Smilla Kolbe:
Ich hatte so viel Adrenalin. Ich hatte endlich mal meine Familie und alle mit hier – das kommt nicht so oft vor, weil ich sonst in Amerika laufe. Ich wollte den Moment einfach mit ihnen teilen. Ich bin so ein Familienmensch, und deswegen musste ich direkt zu ihnen rüber laufen.

Ihre Familie, zu der auch Ihre Zwillingsschwester gehört, und Ihre Fans waren nicht die einzigen, die gut Stimmung gemacht haben. Wie haben Sie die Atmosphäre in Dresden wahrgenommen und wie gefällt Ihnen das Stadion? Sie haben inzwischen auch international einige Stadien erlebt und sicherlich einen guten Vergleich.

Smilla Kolbe:
Ich habe tatsächlich schon viele Rennen gemacht, aber noch nie vor so einem lauten und voll besetzten Stadion. Das war mega.

Als Jahresschnellste zählten Sie im Vorfeld der DM zu den Favoritinnen. Dennoch war Ihre Saison als College-Studentin in den USA bereits sehr lang und allein die letzten Wochen sehr kräftezehrend. Wie sind Sie diese Herausforderung angegangen und worauf hatten Sie zu Beginn der Saison Ihren Fokus gelegt?

Smilla Kolbe:
Wenn du in Amerika bist, dann ist der Fokus schon auf den US-College-Meisterschaften. Der Saisonhöhepunkt war im Juni. Danach war die Devise, dass wir gucken, was in Deutschland noch geht. Nach dieser langen Saison den deutschen Meisterschaftstitel gewonnen zu haben, hat es jetzt einfach gekrönt. Ich habe unglaublichen Respekt vor allen anderen Läuferinnen wie Majtie [Kolberg; Anm. d. Red.]. Das sind so tolle und hart arbeitende Frauen. Das ist unglaublich schön, mit ihnen zusammen auf der Bahn zu stehen.

Sie hatten in diesem Jahr schon einige Einsätze im Nationaltrikot – etwa bei der Team-EM oder den FISU World University Games. Auch die Chancen für eine Teilnahme bei der WM in Tokio stehen gut. Wie ist es für Sie, für das Team Deutschland auf der Bahn zu stehen?

Smilla Kolbe:
Früher war das mein absoluter Traum. Das ist jetzt alles neu für mich und unglaublich aufregend diese Saison. In internationalen Feldern habe ich noch viel zu lernen, aber es ist super, jetzt damit anzufangen. Das freut mich riesig und ich bin stolz darauf.

Anders als manch andere Talente zählten Sie in der Jugend nicht zu den absoluten Überfliegern. Hätten Sie damit gerechnet, dass Sie in den USA solch eine starke Leistungsentwicklung nehmen würden?

Smilla Kolbe:
Ich wollte nach dem Abitur einfach etwas erleben und war, wie Sie es angesprochen haben, auch noch nicht so gut. Ich bin in den USA total aufgegangen und mir geht es da total gut. Mein Fokus war nie, dass ich nur wegen des Sports dahingehe. Es ist einfach eine coole Kombination. Dass es jetzt so gut geklappt hat, hätte ich mir nicht erdenken können. Ich bin super happy und alles läuft sehr gut – das spiegelt sich natürlich auf der Bahn wider.

Wie sieht dort Ihr Alltag aus?

Smilla Kolbe:
Ich bin an einer relativ kleinen Uni und habe zwar keine Trainingspartner auf meinem Niveau, aber wir sind ein super lustiges und spaßiges Team. Wir haben viel Sonne und ich habe mit Jeff Pigg einen wirklich sehr tollen Trainer. Ich habe da jeden Tag sehr viel Spaß, gehe aber natürlich auch zur Uni.

Als eine der Aufsteigerinnen des Jahres haben wir Sie bisher immer als strahlende Frohnatur erleben dürfen. Sind Sie schon immer so ein positiver Mensch, oder haben Sie diese Ausstrahlung mit dem „American Lifestyle“ entwickelt?

Smilla Kolbe:
Ich würde sagen, dass ich schon immer so war. Das ist meine Persönlichkeit, und ich kann diese in den USA und mit dem Spaß, den ich dort habe, einfach rauslassen.

Jetzt strahlen Sie nicht nur selbst, sondern auch Ihre Spikes. Diese haben Sie vor dem Wettkampf mit Glitzersteinchen beklebt – was hat es damit auf sich?

Smilla Kolbe:
Ja! Ich liebe Glitzer, Pink, Gold und alles, was strahlt.

Dann passt die heutige Medaillenfarbe umso besser zu Ihnen. Wie kam es denn, dass Sie sich für die 800 Meter entschieden haben? Als ehemalige Siebenkämpferin in der Jugend liegt es nicht unbedingt nahe, dass eine Spezialisierung auf die Mitteldistanz erfolgt.

Smilla Kolbe:
Ich habe immer alle Disziplinen gern gemacht. Dann habe ich mir das Kreuzband und den Menikus gerissen und es war erst einmal nur Laufen angesagt. Ich glaube, dort war auch schon immer das meiste Talent da, das war klar. Ich mag einfach die Challenge. Irgendwie ist es einfach dazu gekommen, dass ich jetzt die 800 Meter laufe.

Vieles wird auf den 800 Metern auch im Kopf entschieden. Profitieren Sie in dieser Hinsicht von Ihrem Psychologie-Studium, oder haben Sie einen Mentalcoach an der Seite?

Smilla Kolbe:
Wir haben tatsächlich einen Mental-Coach, aber mit ihm habe ich bisher noch nicht so viel gemacht. Ich lerne aber extrem viel in meinem Studium und wende das natürlich auch bei mir selbst an. Ich glaube, dass die Arbeit am Mindset und am Selbstbewusstsein einen riesigen Unterschied macht. Ein Supportsystem zu haben, das an einen glaubt, ändert sehr viel. Das habe ich erleben dürfen und das ist voll schön.

Wie geht es jetzt für Sie bis zur WM in Tokio noch weiter?

Smilla Kolbe:
Nächste Woche gehe ich wieder in die USA, weil mein Semester dann wieder losgeht. Dort bereite ich mich auf Tokio vor und hoffe, dass ich dann noch mal in einer guten Form bin. Bis dahin habe ich noch ein bisschen mehr Zeit. Das ist ganz gut.

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