In einem nervenaufreibenden Hammerwurf-Finale hat Nova Kienast am Samstag bei der U20-EM in Tampere die Goldmedaille gewonnen. Der Gold-Wurf gelang ihr im letzten Durchgang, bis dahin hatte sie auf Rang vier gelegen.
Die neue U20-Europameisterin im Hammerwurf heißt Nova Kienast! Die 18-Jährige bewies am Samstagabend in Tampere (Finnland) starke Nerven. Denn als sie zu ihrem letzten Wurf in den Ring schritt, lag die Berlinerin, die in diesem Jahr schon deutschen U20-Rekord von 68,54 Meter geworfen hat, auf dem vierten Platz. Doch in den vorherigen Durchgängen hatte sich bereits gezeigt: Da geht noch mehr!
Der erste Wurf von Nova Kienast streifte das Netz und wurde mit 62,48 Metern gemessen. Anschließend steigerte sie sich auf 64,25 und im dritten Versuch auf 65,57 Meter. Damit ging sie als Dritte in den Endkampf. Vor der 18-Jährigen hatten sich mit neuer Bestleistung von 67,38 Metern Marie Rougetet aus Frankreich sowie Lokalmatadorin Pinja Kärhä (66,07 m) eingereiht. In Runde vier verdrängte dann die Schwedin Patricia Kamga, die in der Qualifikation mehr als 69 Meter erzielt hatte, Nova Kienast mit 65,96 Metern aus den Medaillenrängen.
Und Nova Kienast? Feuerte ihr Arbeitsgerät zweimal ganz weit raus. Beide Male landete der Hammer jedoch außerhalb des Sektors. So war vor dem letzten Durchgang klar: Der muss sitzen! Der Hammer flog und landete weit hinter der 65-Meter-Linie. 67,93 Meter leuchteten auf der Anzeigetafel auf. Die Führung und zugleich der zweitbeste Wurf in der noch jungen Karriere der Hammerwerferin, die sich noch im ersten U20-Jahr befindet. Kurz musste sie noch zittern, dann stand fest: Keine der drei folgenden Werferinnen hatte mehr etwas entgegenzusetzen. Gold war besiegelt.
Clara Hegemann zufriedene Fünfte
Positiv gestimmt war auch Teamkollegin Clara Hegemann (LG Stadtwerke München). Die 18-Jährige, die sich mit neuer Bestleistung fürs Finale qualifiziert hatte, wurde mit 63,67 Metern Fünfte und erreichte damit ihr selbst gestecktes Ziel. Alle drei gültigen Würfe waren weiter als 63 Meter, damit bewies die U18-Europameisterin Konstanz.
Unglücklich verlief das Finale für die Dritte im Bunde: Johanna Marrwitz. Die Vereinskollegin von Clara Hegemann musste zwei ungültige Versuche hinnehmen, darunter auch einen weiten Wurf, der sie wohl in den Kreis der Besten katapultiert hätte, den sie aber nicht halten konnte. 59,41 Meter im dritten Durchgang brachten sie auf den unglücklichen neunten Platz.
Stimmen zum Wettbewerb
Nova Kienast (SCC Berlin):
Das ist unglaublich, ich habe es noch gar nicht realisiert. Ich war nach dem fünften Versuch gar nicht auf den Medaillenrängen. Dann wusste ich, dass ich noch eine Chance habe und sonst weg bin vom Fenster. Ich hatte mich heute im Wettkampf deutlich besser gefühlt als in der Qualifikation. Auch bin ich überraschend ruhig geblieben bis zum letzten Versuch. Vor dem Wettkampf war es für mich auch deutlich besser als gestern und ich habe versucht, mich noch einmal zu sammeln und habe mit Tabea gesprochen, unserer Sportpsychologin. Ich habe versucht, noch mal Spaß zu haben und hoffe, dass wir jetzt groß feiern können.
Clara Hegemann (LG Stadtwerke München):
Ich wollte die Top Fünf erreichen, somit ist das Ergebnis voll okay. Es war heute nicht so gut wie in der Qualifikation, wahrscheinlich war ich etwas nervöser. Meine beiden Würfe beim Einwerfen waren ungültig, deswegen hatte ich mir am Anfang schon Druck gemacht, dass ich den ersten Versuch nicht direkt ungültig mache. Der fünfte Platz macht jetzt auf jeden Fall Bock auf mehr nächstes Jahr. Jetzt werde ich noch die Teamkolleginnen und -kollegen anfeuern und so viel wie möglich mitnehmen aus Tampere.