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Inspiration in Corona-Zeiten (I): Trainings-Motivation am Bildschirm

Die Resonanz war überwältigend: Für die Auszeichnung der "Besten Leichtathletik-Initiativen im Corona-Jahr 2020" gingen fast 100 Bewerbungen ein. Nachdem eine Expertenjury aus diesen die Top Sechs ausgewählt hatte, bestimmte eine Publikumswahl die Reihenfolge der Top Sechs. Doch auch zahlreiche Bewerbungen, die es nicht in die engere Auswahl geschafft haben, konnten mit kreativen und vielseitigen Ideen aufwarten. In den kommenden Wochen wollen wir daher eine Auswahl an weiteren, spannenden Initiativen vorstellen. Thematischer Fokus heute: Motivation am Bildschirm.
Nicolas Walter

Die Corona-Pandemie stellte den Leistungs- und Breitensport in Deutschland im Frühjahr 2020 vor bisher unbekannte Herausforderungen. Trainingsstätten wurden geschlossen, Trainingsgruppen mussten vorübergehend aufgelöst werden und Trainingsmaterialien standen nicht mehr zur Verfügung. Doch auch mental mussten die Sportler mit einer völlig neuen Situation umgehen: Mit der zunehmenden Absage zahlreicher Wettkämpfe gab es keine klaren Ziele und Strukturen mehr, sodass die Trainingsmotivation vieler Athleten zunehmend abnahm.

Viele Vereine, Verbände und auch Einzelkämpfer bewältigten die neuen Herausforderungen jedoch auf vielseitige und vor allem kreative Art und Weise. Das zeigen die rund 100 Bewerbungen, die für die Wahl zur "Besten Leichtathletik-Initiative im Corona-Jahr 2020" bei uns eingegangen sind. In diesem Beitrag wollen wir eine Auswahl jener Initiativen vorstellen, die es zwar nicht unter die Top-Sechs geschafft haben, deren Ideen und Engagement aber ebenso als Vorbild für andere Akteure der Leichtathletik dienen können. Thematischer Fokus heute: Motivation am Bildschirm – von verschiedenen Social Media-Challenges über ein Online-Trainingslager bis hin zu einem als Fitnesscoach agierenden Vereins-Maskottchen.

“LVN Athletics League und KiLa-Summer-Cup” (LVN)

Der Leichtathletik-Verband Nordrhein (LVN) rief über seine Social Media-Kanäle die sogenannte „Athletics League“ ins Leben. Über sieben Wochen konnte die LVN-Jugend dabei an sieben verschiedenen Challenges teilnehmen und wurde dadurch weiterhin zum Sporttreiben animiert. Die Challenges umfassten verschiedene Leichtathletik-Disziplinen, die auf kreative Art und Weise abgewandelt wurden. Stand in der ersten Woche beispielsweise „Streichholzweitwurf“ auf dem Programm, wurden in den folgenden Wochen unter anderem die Disziplinen „20 Meter Freuquenzsprint“, „Jump and Reach“ und „Schockwurf“ durchgeführt.

Die Aufgaben konnten zuhause oder im Vereinstraining absolviert werden. Die Ergebnisse mussten mit einem Video oder Foto dokumentiert werden und wurden schließlich in eine wöchentliche sowie in eine Gesamtwertung aufgenommen. Die positive Resonanz der Aktion ist an der Anzahl der Teilnehmer abzulesen: So nahmen über 500 Sportler aus 47 Vereinen teil.

Auch für die Kleinsten entstand im Juni schließlich mit dem „KiLa-Summer-Cup“ eine virtuelle Wettkampfmöglichkeit. Rund 200 Kinder aus 19 Schulen und Vereinen traten in den Challenges „Einbeinsprünge“, „Hindernissprint“, „Zielwerfen“ und „Transportlauf“ in Dreier-Teams gegeneinander an. Virtuelle Startnummern, Ergebnislisten, Urkunden und Medaillen brachten den kleinen Athleten dabei das Wettkampf-Feeling nach Hause. Die „Athletics League" im Video: Disziplin Standweitsprung.

"#bwlathome“ (Leichtathletik Baden-Württemberg)

Die Arbeitsgemeinschaft Leichtathletik Baden-Württemberg des Badischen und Württembergischen Leichtathletik-Verbandes initiierte im März 2020 in Form einer Social Media-Kampagne eine Reihe leichtathletikspezifischer Übungen für Zuhause, die online abgerufen werden konnten. Jede Woche wurden dabei drei Übungen veröffentlicht, die allein und ohne Trainingsmaterial umgesetzt werden konnten.

Die Übungen standen jeweils unter einem disziplinspezifischen Thema (Sprung, Lauf, Wurf und Sprint) und wurden von verschiedenen Repräsentanten der Verbände vorgestellt: Geschäftsstellen-Mitarbeitern, Top-Athleten aus Baden-Württemberg sowie Landes- und Verbandstrainern. Für alle Übungen gab es zudem Varianten, sodass sie für alle Leistungsklassen abgewandelt werden konnten. Die Übungstipps stießen dabei auf reges Interesse: Im Schnitt wurden sie mehr als 83.000 Mal pro Woche angesehen.

Später führte BW Leichtathletik auch einen Wettkampfblock, die sogenannten „#bwlathome-Challenges“, ein. Und auch für die Challenges galt: Sie sollten zuhause, allein und mit haushaltsüblichem Material umsetzbar sein. Die Teilnahme war per Einreichen eines Videos möglich. Am Ende jeder Woche gab es Challenge-Sieger der einzelnen Kategorien (Sprung, Lauf, Wurf und Sprint), die auf den Social Media-Kanälen der Verbände bekannt gegeben wurden. Außerdem erhielten die Altersklassen-Sieger eine von beiden Präsidenten (BLV und WLV) unterzeichnete Urkunde. "#bwlathome" im Video.

"Digitalisierung der gesamten Jugendarbeit“ (Troisdorfer LG)

Der Jugendausschuss der Troisdorfer LG stellte in der Corona-Pandemie mehrere Facetten seiner Jugendarbeit auf Online-Varianten um und bewies damit Flexibilität. Um den Kontakt zu den rund 300 Kindern und Jugendlichen des Vereins aufrechtzuerhalten, wurde beispielsweise die sogenannte „Home Edition“ ins Leben gerufen. Bei dieser veröffentlichte der Ausschuss auf seinen Social Media-Kanälen verschiedene kreative Videos und unterhielt damit seine Athleten. Beispielsvideo zur „Home Edition".

Zu Beginn des zweiten Lockdowns Ende 2020 führte der Verein schließlich ein wöchentlich stattfindendes, altersklassenübergreifendes Online-Training ein. Auch die für Ende November 2020 geplante Jugendgala wurde kurzerhand digital durchgeführt und in "DIGITALA 2020" umbenannt.

"NSF Camp Virtual“ (Neuköllner Sportfreunde)

Da das Oster-Trainingslager der Neuköllner Sportfreunde aufgrund der Corona-Pandemie entfallen musste, wurde für die knapp 50 Athleten das virtuelle Trainingslager „Camp Virtual“ durchgeführt. Die Idee dahinter: Allein trainieren und trotzdem am Ende eines Tages ein gemeinsames Erlebnis feiern.

Die U14- bis U18-Trainer des Vereins stellten eine Woche lang täglich drei Trainingsprogramme online zur Verfügung. Diese deckten die Disziplinen Sprint, Sprung und Lauf ab. Die Athleten trainierten selbstständig an ihren Wohnorten und schickten am Ende eines jeden Tages Videos vom Training ein. Pro Tag kamen so über 100 Videoschnipsel zusammen, die Trainer Thomas Franzke schließlich täglich zu ein bis zwei Minuten langen Filmen zusammenschnitt. Diese Zusammenschnitte wurden in der vereinsinternen WhatApp-Gruppe sowie auf Instagram veröffentlicht. Durch diese Videos wurde trotz der schwierigen Situation auf bemerkenswerte Art und Weise die Gemeinschaft gefördert. Zum Video der Neuköllner Sportfreunde.

"Unser Vereinsmaskottchen als Fitnesscoach“ (TSV Berkheim)

Zum 125-jährigen Bestehen des TSV Berkheim hatte der Verein für 2020 extra ein Vereins-Maskottchen mit dem Namen Korni entwerfen lassen. Pandemiebedingt konnte Korni allerdings an keinen Veranstaltungen und Aktionen vor Ort teilnehmen, sodass er kurzerhand als virtueller Fitnesscoach agierte. In kurzen Filmen zeigte er den Kindern der Leichtathletik-Abteilung Übungen zur Koordination und Kräftigung und motivierte sie so zum Training. Die Videos wurden auf der Vereinshomepage, auf Facebook sowie auf Instagram veröffentlicht. Bis zur Trainings-Wiederaufnahme im Mai entstanden so mehr als 15 Videos.

Weitere spannende Initiativen:

Ein weiteres erwähnenswertes Projekt reichte die DSG Wien ein, die mit ihrem " Stay at home workout" Kinder und Jugendliche zum Sporttreiben motivierte. Zum Beispielvideo.

Mehr Inspiration in Corona-Zeiten:

Die Motivation des Laufens
Offizielle Wettkämpfe – Best Practice
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