| Sport und Ausbildung in Einklang

Duale Karriere | Studium, Förderungsmöglichkeiten und Fazit

Für viele Talente im Nachwuchsleistungssport stellt sich nach der Schullaufbahn die Frage, wie es künftig parallel zum Sport weitergehen soll. Ausbildung? Studium? Oder doch der direkte Berufseinstieg? Die Möglichkeiten sind heutzutage vielseitig. Umso wichtiger ist es dabei den Überblick zu bewahren. In unserer Reihe zur dualen Karriere haben wir verschiedene Optionen für Leistungssportlerinnen und -sportler vorgestellt. Heute: Studium, Förderungen und Fazit.
Nicolas Walter

Die Kombination aus Leistungssport und beruflicher Karriere erscheint auf den ersten Blick oftmals schwierig. Doch in Deutschland stehen den Athletinnen und Athleten vielseitige Möglichkeiten und Wege offen, um diese beiden Komponenten miteinander zu vereinbaren. Wie diese aussehen können, haben wir in den vergangenen Wochen in unserer Reihe „Duale Karriere | Spitzensport und Ausbildung in Einklang“ aufgezeigt.

Nachwuchssportlerin Linn Kleine (LG Olympia Dortmund), 2019 Sechste der U20-Europameisterschaften über 5.000 Meter, berichtete beispielweise in einem Erfahrungsbericht über ihren Gedankenprozess, den sie nach dem Abitur durchlief und der schließlich in der Entscheidung mündete, Psychologie zu studieren. „Die Optionen, die sich mir boten, waren vielfältig. Über mehrere Wochen tauschte ich mich mit verschiedenen Personen aus meinem engeren Umfeld aus. Mir wurde aber früh bewusst, dass ich letztendlich allein mit der Entscheidung zufrieden sein musste und kaum allen Erwartungen gerecht werden konnte“, erzählte sie.

Bei solch schwierigen Entscheidungen, die den weiteren Lebensweg eines Athleten maßgeblich beeinflussen, können sogenannte Laufbahnberater oftmals mit wichtigen Tipps helfen zu Seite stehen. „Laufbahnberater sind vom DOSB speziell fortgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Olympiastützpunkten, die sich um die Vereinbarkeit von Leistungssport und beruflicher Perspektive der Athletinnen und Athleten kümmern“, sagte Christoph Steinbach, der selbst jahrelang als Laufbahnberater tätig war, im Interview. Auch Linn Kleine nahm diese Möglichkeit wahr.

Partnerhochschulen nehmen auf Bedürfnisse der Sportler besonders Rücksicht

Unterstützung gibt es für Athleten auch durch verschiedene Partnerschaften. Viele junge Spitzensportler streben während ihrer Leistungssportkarriere ein Studium an. Um den Spagat zwischen Uni und Sport zu erleichtern, initiierte der Allgemeine Deutsche Hochschulverband im Jahr 1999 beispielsweise das Projekt "Partnerhochschule des Spitzensports".

An solchen Partnerhochschulen wird auf die Bedürfnisse der Sportler besonders Rücksicht genommen, sodass Prüfungstermine beispielsweise flexibel auf den Trainings- und Wettkampfbetrieb abgestimmt werden können. Eine Liste der Partnerhochschulen des Spitzensports finden Sie hier. Auch haben die meisten Olympiastützpunkte Kooperationen mit Partnerunternehmen, bei denen beispielsweise Praktika zur weiteren beruflichen Orientierung absolviert werden können.

Eine wichtige Rolle spielt im deutschen Spitzensportsystem zudem die Athletenförderung der Deutschen Sporthilfe. Die Sporthilfe unterstützt Athleten mit finanziellen Mitteln sowie mit Maßnahmen zur persönlichen und beruflichen Entwicklung. Grundsätzlich werden alle Bundeskaderathleten der olympischen Sportarten sowie ausgewählte Athleten nicht-olympischer Sportarten gefördert.

Malaika Mihambo und Lisa Mayer als Sportstipendiaten des Jahres ausgezeichnet

Darüber hinaus gibt es verschiedene Stipendiaten-Programme, von denen Athleten profitieren können. Eines der bekanntesten ist das “Deutsche Bank-Sport-Stipendium“, mit dem seit 2012 talentierte Athleten dabei unterstützt werden, Leistungssport besser mit einer beruflichen Karriere zu vereinbaren.

Athleten, die besonders herausragende Leistungen in Sport und Studium erbringen, können von einer Fachjury gar zum Sportstipendiat oder zur Sportstipendiatin des Jahres gewählt werden, was weitere finanzielle Vorteile mit sich bringt. Weitsprung-Weltmeisterin Malaika Mihambo (LG Kurpfalz) erhielt diese Auszeichnung 2014, Sprinterin Lisa Mayer (Sprintteam Wetzlar) 2016.

Johannes Vetter: „Was wir bei der Bundeswehr geboten bekommen, ist genial“

Ein Grundpfeiler für duale Karrieren im Sport ist die Bundeswehr. Ein großer Vorteil dabei ist, dass sich die Athleten nach einer vierwöchigen Grundausbildung voll und ganz auf ihre sportlichen Ziele fokussieren können. Für die weitere Laufbahnausbildung müssen lediglich insgesamt vier Lehrgänge absolviert werden.

„Was wir bei der Bundeswehr geboten bekommen, ist genial. Es gibt für mich persönlich keine bessere Leistungssportförderung. Der Arbeitgeber Bundeswehr ist sehr flexibel und bietet die optimalen Bedingungen, um dem Sport voll und ganz nachgehen zu können“, berichtete Johannes Vetter (LG Offenburg), Deutscher Meister im Speerwurf.

Bundespolizei und Polizeien der Länder bilden aus

Neben der Bundeswehr gibt es weitere wichtige Institutionen, die eine Vereinbarkeit von beruflichen Zielen und Leistungssportkarriere ermöglichen. Die Bundespolizei bildet beispielsweise ein wichtiges Standbein, auf das Athleten wie Dreisprung-Vize-Europameisterin Kristin Gierisch (TSV Bayer 04 Leverkusen) und Diskus-Olympiasieger Christoph Harting (SCC Berlin) setzen. „Die Ausbildung bei der Polizei ist für uns Leistungssportler ein Unikum in Deutschland“, sagte beispielweise Harting.

Eine weitere Möglichkeit ist die Spitzensportförderung bei den Polizeien der Länder, die ähnlich zum Modell der Bundespolizei aufgebaut ist. In Bayern durchläuft die Deutsche Hallenmeisterin über 60 Meter, Amelie-Sophie Lederer (LG Stadtwerke München), solch eine Ausbildung und ist davon begeistert: „Man baut sich ein Standbein für die Zeit nach der sportlichen Karriere auf und hat dennoch in der aktiven Zeit die Möglichkeit und die Freiheiten, den Sport professionell ausüben zu können“, erzählte sie.

Dietmar Chounard: „Die Voraussetzungen sind herausragend gut“

Dass die Wege der deutschen Athleten nach der aktiven Sportkarriere oftmals in die verschiedensten Richtungen verlaufen, zeigte ein Blick auf die Berufe ehemaliger Athleten. Björn Otto, Deutscher Rekordhalter im Stabhochsprung, arbeitet mittlerweile beispielsweise als Pilot, Linda Stahl, Olympia-Dritte 2012 im Speerwurf, ist als Urologin tätig.

Die Möglichkeiten, die deutsche Leichtathletinnen und Leichtathleten im Hinblick auf ihre berufliche Karriere parallel zum Leistungssport einschlagen können, sind mannigfaltig. Dietmar Chounard, Chef-Bundestrainer U20/U23 und beim DLV zuständig für duale Karrieren, bilanziert: „Die Voraussetzungen in Deutschland sind herausragend gut. Sowohl was die Infrastruktur, die Bundesleistungszentren, die beruflichen Möglichkeiten als auch die Laufbahnberater angeht. Es ist alles für ein leistungssportlich hochambitioniertes Umfeld vorhanden.“

Duale Karriere | Sport und Ausbildung in Einklang
Übersichtstext zur Themenreihe "Duale Karriere"
Linn Kleine: „Mein Fokus liegt voll und ganz auf meinen sportlichen Zielen“
Mit der Laufbahnberatung begleitend zum Erfolg
Die Ausbildung bei der Bundespolizei als "Unikum" für Leistungssportler
Pilot, Ärztin, Chef im Fitnessstudio: Die vielfältigen Berufe der Leichtathleten
Mit der Polizei auf Verbrecherjagd
Mit der Bundeswehr im Rücken zum sportlichen und beruflichen Erfolg

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