| WADA-Konferenz

Neuer WADA-Präsident Banka will neue Ära im Anti-Doping-Kampf einläuten

Witold Banka ist bei der Welt-Anti-Doping-Konferenz in Kattowitz (Polen) einstimmig zum neuen Präsidenten der Welt-Anti-Doping-Agentur gewählt worden. Am 1. Januar tritt er die Nachfolge von Craig Reedie an. Anlässlich seiner Wahl kündigte der Pole eine neue Ära im Kampf gegen Doping-Betrug an.
dpa / svs

Die Wahl des Polen Witold Banka zum neuen Präsidenten der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) war eine Formsache, galt aber trotzdem als wichtigste Zukunftsentscheidung der Organisation. "Es ist nicht einfach, in den jetzigen Zeiten das Ruder zu übernehmen", sagte Lars Mortsiefer, Vorstand der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA). "Ich glaube, es ist gut zu sehen, dass da jemand unbedarft, jung aber mit klaren Zielen in die Kommandozentrale kommt."

Das WADA-Gründungskomitee hatte den 35 Jahre alten früheren 400-Meter-Läufer am Donnerstag auf einer Sitzung in Kattowitz einstimmig gewählt. Er wird am 1. Januar 2020 die Nachfolge von Craig Reedie antreten. Der Schotte stand seit Aufdeckung des russischen Doping-Skandals 2014 für sein Krisenmanagement, mit dem die WADA an Glaubwürdigkeit speziell bei Athleten verloren hat, in der Kritik.

Banka will nicht nur vieles besser machen als sein Vorgänger, sondern sogar eine neue Ära ("Die Zukunft des Kampfes gegen Doping beginnt heute") bei der WADA einläuten. "Die Athleten haben uns vertraut und wir dürfen sie nicht im Stich lassen", betonte er. "Wir haben eine schwierige Aufgabe vor uns." Denn laut dem ehemaligen Langsprinter steht die WADA vor dem Abgrund: "Ein Schritt vorwärts und wir werden stürzen." Er sei aber sicher, dass "die WADA eine bessere Sportwelt" schaffen könne.

Starker, unabhängiger WADA-Präsident

Mit den starken Worten hat Witold Banka, dem schon als Sportler Doping "angeekelt" habe, immense Erwartungen geweckt. Anders als seine Vorgänger, die zugleich Mitglied im Internationalen Olympischen Komitee oder der Politik nahe waren, will er den Interessenkonflikt vermeiden.

Bis zum Antritt als WADA-Chef wird er den Posten als polnischer Minister für Sport und Touristik abgeben. "Es hat den Anschein, dass er sich als unabhängiger Präsident betrachtet", meinte die NADA-Vorsitzende Andrea Gotzmann.

Banka erweckt zumindest den Eindruck, als wäre er alles andere als pflegeleicht. Travis Tygart, Chef der Anti-Doping-Agentur der USA (USADA), wäre dies mehr als recht: "Wir brauchen eine starke, unabhängige WADA, nicht einen schwachen Dienstleister, den einige in den letzten Jahren genossen haben."

Konsequent gegen Betrug vorgehen

Gemessen wird der Pole nicht allein daran, ob er wie angekündigt athletennäher sein wird oder neue Geldquellen für das WADA-Budget auftut. Seine Nagelprobe wird der Fall Russland sein. Was geschieht, wenn sich die Manipulationsvorwürfe von Doping-Daten aus dem Moskauer Labor erhärten? "Da muss er sich klar positionieren. Das erwarten alle von ihm", so Mortsiefer.

Banka ließ keinen Zweifel daran, dass er dem Anspruch gerecht werden will. Beim Nachweis der Manipulation würden "die Schritte gegenüber Russland und denen, die manipuliert haben, sehr streng und konsequent sein".

Neuer Kodex soll Krisen vermeiden

Bemerkenswert war, dass bei der Verabschiedung des scheidenden WADA-Präsidenten Reedie auf der Welt-Anti-Doping-Konferenz in Kattowitz dessen Amtszeit sogar von einem kritischen Geist wie Richard Pound sehr positiv bilanziert wurde. "Oftmals war die Kritik nicht fair. Er hätte das Handtuch werfen können, aber hat weitergekämpft", meinte der WADA-Gründungspräsident. "Am Ende seines Mandats ist die WADA eine bessere Organisation geworden."

Ungeachtet davon soll der verabschiedete Welt-Anti-Doping-Code, der am 1. Januar 2021 in Kraft tritt, dazu beitragen. "Das Regelwerk ist der Klebstoff aller Anti-Doping-Bemühungen", erklärte Mortsiefer. Der WADA-Code hat die Regeln und Sanktionen im Kampf gegen Doping harmonisiert, um den Athleten das Recht auf Chancengleichheit im Wettbewerb zu sichern. "Die Fortentwicklung ist positiv. Es ist der stärkste und robusteste WADA-Code, den wir bislang hatten", lobte Lars Mortsiefer. Und auch Banka erklärte: "Ich bin überzeugt, dass der WADA-Kodex uns eine größere Möglichkeit gibt, ernsthafte Anti-Doping-Krisen zu vermeiden."

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