| Disziplin-Check

GEHEN MÄNNER | Jonathan Hilbert schreibt Geschichte

Deutschlands Leichtathleten sprinten, laufen, gehen, springen, werfen und stoßen wieder! Leider 2021 aufgrund der fortwährenden Corona-Pandemie oft noch ohne Zuschauer. Aber auf der Ebene des Kader- und Leistungssports schon wieder mit fast allen hochkarätigen Wettkämpfen. Und schließlich auch mit den Olympischen Spielen in Tokio, die unter ganz besonderen Bedingungen stattfanden. Wir blicken zurück und ordnen, jeweils eingeleitet durch Interviews mit den Leitenden Bundestrainerinnen und Bundestrainern der Disziplingruppen, die Leistungen ein. Heute: die Geh-Wettbewerbe der Männer.
Alexandra Dersch

INTERVIEW MIT DEM LEITENDEN BUNDESTRAINER WERNER KLEIN

Das ist passiert in 2021

Seine Leistung überstrahlt alles: Jonathan Hilbert (LG Ohra Energie) schrieb in diesem Sommer bei den Olympischen Spielen im Hitzerennen von Sapporo (Japan) Geschichte. Nach 29 Jahren holte erstmals wieder ein deutscher Geher eine Medaille bei Olympischen Spielen. Und es war nicht nur die Medaille, mit der der 26-Jährige von sich reden machte, sondern auch die Art und Weise, wie er sich diesen Traum über 50 Kilometer erfüllte. Denn noch wenige Woche vor den Olympischen Spielen gefährdete eine Schambeimentzündung seine Teilnahme massiv. Mentales Training, die Kraft der Gedanken und die Unterstützung seines Umfelds brachten ihn durch diese dunkle Phase, wie Jonathan Hilbert auch im DLV-Podcast #TrueAthletes - TrueTalk eindrucksvoll schilderte.

Bei der DM im April in Frankfurt war der Stern des WM-Teilnehmers so richtig aufgegangen. In 3:43:44 Stunden stieß der Athlet der LG Ohra Energie in die Weltklasse vor und schob sich auf Platz sechs der ewigen Deutschen Bestenliste. "Das war das Rennen, auf das ich die letzten sechs Jahre hingearbeitet habe", sagte der neue Deutsche Meister damals. Nichtsahnend, was wenige Monate später in Tokio noch auf ihn warten sollte... Das Team-Ergebnis über 50 Kilometer vervollständigten in Sapporo Carl Dohmann (SCL Heel Baden-Baden; Platz 33) und Nathaniel Seiler (TV Bühlertal; Platz 42).

Während Jonathan Hilbert seine Olympia-Premiere erlebte, waren es für Routinier Christopher Linke (SC Potsdam) bereits seine dritten Olympischen Spiele. Bei den Deutschen Meisterschaften in Frankfurt hatte der WM-Vierte von 2019 noch mit Magenproblemen zu kämpfen gehabt, in Sapporo war der 33-Jährige aber gewohnt stark. Über 20 Kilometer ging er, wie bereits 2016 in Rio (Brasilien), auf einen guten fünften Platz, der sogar nach Meinung mancher Experten Luft nach oben offenbarte.

Den nationalen Titel über 20 Kilometer holte sich in Frankfurt Linkes Trainingskollege Nils Brembach (SC Potsdam) – es war der dritte Titel für den Potsdamer, der in Sapporo über diese Distanz auf Platz 28 ging. Sechs Plätze vor ihm kam der 23-jährige Leo Köpp (LG Nord Berlin) ins Ziel, der sich insgesamt in der Saison gut entwickelt hat. Für den ehemaligen U23-Europameister Hagen Pohle (SC Potsdam) erfüllte sich der Traum von der zweiten Olympia-Teilnahme trotz aufopferungsvollem Kampf mit vielen Wettkampfkilometern nicht.

Einen großen Erfolg feierten die deutschen Geher in diesem Jahr auch bei der Team-EM in Podebrady (Tschechische Republik): Nathaniel Seiler, Karl Junghannß und Carl Dohmann holten mit der 50-Kilometer-Mannschaft die Silbermedaille. Über 20 Kilometer führte der Deutsche Meister Nils Brembach das DLV-Team zu Bronze. Ein Potenzial, das auch Vorfreude auf die kommenden Jahre weckt.

Ein Stück von internationalen Richtwerten entfernt ist noch die Spitze in der männlichen U23. Doch die beiden jungen Potsdamer Jakob Johannes Schmidt und Johannes Frenzl sammelten bei der DM erste Erfahrungen auf der 20-Kilometer-Strecke und gehören auch noch zwei weitere Jahre der U23 an.

In der männlichen U18 zeigte sich mit Frederick Weigel (SC Potsdam) ein neues, vielversprechendes Gesicht an der Spitze. In seinem ersten 10-Kilometer-Wettkampf und nach nur einem Jahr Training bei Nachwuchs-Bundestrainerin Manja Berger holte sich der damals 15-Jährige in Frankfurt in 46:33 Minuten seinen ersten nationalen Titel.

Internationale Erfolge

  Medaille Finalplatzierung
U20-EM –  – 
U23-EM – 
Olympische Spiele 50 Kilometer: 2. Platz Jonathan Hilbert (LG Ohra Energie) 20 Kilometer: 5. Platz Christopher Linke (SC Potsdam)

Unser "Ass des Jahres"

Jonathan Hilbert (LG Ohra Energie)

Silber Olympische Spiele
Deutscher Meister 50 Kilometer

Unser "Talent des Jahres"

Frederick Weigel (SC Potsdam)

Deutscher U18-Meister 5.000 Meter auf der Bahn und 10 Kilometer auf der Straße

Die deutschen Top Zehn 2021

20 Kilometer

Zeit Name Jahrgang Verein
1:20:51 h Christopher Linke 1988 SC Potsdam
1:20:52 h Nils Brembach 1993 SC Potsdam
1:21:16 h Leo Köpp 1998 LG Nord Berlin
1:21:58 h Hagen Pohle 1992 SC Potsdam
1:24:48 h Karl Junghannß 1996 LC Top Team Thüringen
1:27:18 h Jakob Johannes Schmidt 2001 SC Potsdam
1:29:01 h Johannes Frenzl 2001 SC Potsdam
1:41:47 h Andreas Janker 1983 LG Röthenbach a.d. Pegnitz
1:57:24 h Steffen Meyer 1966 SV Breitenbrunn
2:07:02 h Wolfgang Scholz 1973 SWC Regensburg

50 Kilometer

Weite Name Jahrgang Verein
3:43:44 h Jonathan Hilbert 1995 LG Ohra Energie
3:48:44 h Nathaniel Seiler 1996 TV Bühlertal
3:48:54 h Carl Dohmann 1990 SCL Heel Baden-Baden
3:52:07 h Karl Junghannß 1996 LC Top Team Thüringen
3:54:48 h Hagen Pohle 1992 SC Potsdam

Statistik: Das sagen die Zahlen

Das deutsche Top-Niveau: 20 Kilometer Gehen

Jahr <1:21:45 h* Schnitt Top 3 Schnitt Top 5
2005 1 1:22:44 1:24:21
2006 1:23:33 1:25:18
2007 1 1:22:59 1:24:01
2008 1 1:23:06 1:23:59
2009 1 1:23:44 1:25:58
2010 1:23:11 1:24:36
2011 1 1:22:12 1:23:27
2012 2 1:21:48 1:23:05
2013 1:23:01 1:23:33
2014 3 1:21:24 1:21:57
2015 3 1:21:11 1:21:46
2016 5 1:20:05 1:21:04
2017 3 1:20:11 1:21:06
2018 3 1:21:13 1:22:06
2019 3 1:20:06 1:21:30
2020 1:27:45 1:36:01
2021 3 1:21:00 1:21:57

Das deutsche Top-Niveau: 50 Kilometer

Jahr <3:53:00 h
(WM-Norm 2017)
Schnitt Top 3 Schnitt Top 5
2005 4:31:11 4:57:15
2006 4:10:33 4:25:13
2007 4:20:27
2008 1 3:58:25 4:14:33
2009 1 4:13:46 4:38:53
2010 1 3:55:15 4:04:39
2011 1 4:13:58 4:31:28
2012 2 3:50:23 4:08:11
2013 4:24:06 4:45:13
2014 1 4:05:00
2015 2 3:59:44
2016 2 3:52:52
2017 2 3:49:12 4:07:38
2018 2 3:51:59 4:22:00
2019 3:57:03 3:58:15
2020 *Pandemiebedingt fanden nur wenige Wettkämpfe statt, daher verzichten wir auf eine Auswertung *Pandemiebedingt fanden nur wenige Wettkämpfe statt, daher verzichten wir auf eine Auswertung
2021 4 3:47:07 3:49:39

Jahresbestleistungen im internationalen Vergleich

20 Kilometer Gehen 

Jahr Deutschland Europa Diff. Welt Diff.
2005 1:20:00 (A. Höhne) 1:17:52 (Fernandez/ESP) 2:08 1:17:33 (Deakes/AUS) 2:27
2006 1:21:52 (A. Höhne) 1:18:18 (Markov/RUS) 3:34 1:18:17 (Li/CHN) 3:35
2007 1:20:32 (A. Höhne) 1:17:16 (Kanaykin/RUS) 3:16 1:17:16 (Kanaykin/RUS) 3:16
2008 1:20:19 (A. Höhne) 1:16:43 (Morozov/RUS) 3:36 1:16:43 (Morozov/RUS) 3:36
2009 1:21:30 (A. Höhne) 1:17:38 (Borchin/RUS) 3:52 1:17:38 (Borchin/RUS) 3:52
2010 1:22:18 (M. Berger) 1:18:24 (Schwazer/ITA) 3:54 1:18:24 (Schwazer/ITA) 3:54
2011 1:20:51 (C. Linke) 1:18:55 (Borchin/RUS) 1:56 1:18:30 (Wang/CHN) 2:21
2012 1:20:41 (C. Linke) 1:17:30 (Schwazer/ITA) 3:11 1:17:30 (Schwazer/ITA) 3:11
2013 1:22:36 (C. Linke) 1:18:28 (Trofimov/RUS) 4:08 1:18:28 (Trofimov/RUS) 4:08
2014 1:21:00 (C. Linke) 1:18:37 (Dmytrenko/RUS) 2:23 1:18:17 (Suzuki/JPN) 2:43
2015 1:20:37 (C. Linke) 1:17:02 (Diniz/FRA) 3:35 1:16:36 (Suzuki/JPN) 4:01
2016 1:19:19 (C. Linke) 1:19:11 (Karlström/SWE) 0:08 1:18:26 (Takahashi/JPN) 0:53
2017 1:18:59 (C. Linke) 1:18:26 (Shirobokov/ANA) 0:33 1:17:54 (Wang/CHN) 1:05
2018 1:20:40 (C. Linke) 1:17:25 (Shirobokov/ANA) 3:15 1:17:25 (Shirobokov/ANA) 3:15
2019 1:18:42 (C. Linke) 1:17:45 (Stano/ITA) 0:47 1:17:15 (Yamanishi/JPN) 1:27
2020 1:22:20 (L.Köpp) 1:19:31 (Korkmaz/TUR) 2:49 1:17:36 (Yamanishi/JPN) 4:44
2021 1:20:51 (C. Linke) 1:18:42 (Korkmaz/TUR) 2:09 1:16:54 (Wang/CHN) 3:57

50 Kilometer

Jahr Deutschland Europa Diff. Welt Diff.
2005 4:12:40 (F. Werner) 3:38:08 (Kirdyapkin/RUS) 34:32 3:36:20 (Han/CHN) 36:20
2006 3:56:37 (A. Höhne) 3:38:08 (Nishegorodov/RUS) 18:29 3:38:08 (Nishegorodov/RUS) 18:29
2007 3:54:24 (M. Berger) 3:36:04 (Schwazer/ITA) 18:20 3:36:04 (Schwazer/ITA) 18:20
2008 3:49:03 (A. Höhne) 3:34:14 (Nishegorodov/RUS) 14:49 3:34:14 (Nishegorodov/RUS) 14:49
2009 3:43:19 (A. Höhne) 3:38:35 (Kirdyapkin/RUS) 4:44 3:38:35 (Kirdyapkin/RUS) 4:44
2010 3:49:29 (A. Höhne) 3:40:37 (Diniz/FRA) 8:52 3:40:37 (Diniz/FRA) 8:52
2011 3:52:56 (C. Linke) 3:38:46 (Bakulin/RUS) 14:10 3:38:46 (Bakulin/RUS) 14:10
2012 3:44:26 (A. Höhne) 3:35:59 (Kirdyapkin/RUS) 8:27 3:35:59 (Kirdyapkin/RUS) 8:27
2013 3:57:58 (C. Dohmann) 3:37:56 (Heffernan/IRL) 20:02 3:37:56 (Heffernan/IRL) 20:02
2014 3:51:27 (C. Dohmann) 3:32:33 (Diniz/FRA) 18:54 3:32:33 (Diniz/FRA) 18:54
2015 3:50:12 (C. Dohmann) 3:34:38 (Toth/SVK) 15:34 3:34:38 (Toth/SVK) 15:34
2016 3:47:54 (C. Dohmann) 3:37:48 (Diniz/FRA) 10:09 3:37:48 (Diniz/FRA) 10:09
2017 3:45:21 (C. Dohmann) 3:33:12 (Diniz/FRA) 12:09 3:33:12 (Diniz/FRA) 12:09
2018 3:50:27 (C. Dohmann) 3:42:20 (Bakulin/ANA) 8:07 3:42:20 (Bakulin/ANA) 8:07
2019 3:55:01 (K. Junghannß) 3:37:42 (Diniz/FRA) 17:18 3:36:45 (Kawano/JPN) 18:16
2020 3:57:34 (N. Seiler) 3:41:15 (Toth/SVK) 16:19 3:41:15 (Toth/SVK) 16:19
2021 3:43:44 (J. Hilbert) 3:43:44 (J. Hilbert) / 3:38:42 (Maruo/JPN) 5:02

Das fällt auf:

  • Über 20 Kilometer war das Niveau hoch, kommt aber nicht ganz an das Top-Ergebnis der Olympia-Saison 2016 heran.
  • Auffällig stark sind auf dieser Strecke die Europäer. Den Olympiasieg holte sich der Italiener Massimo Stano. Christopher Linke war als Fünftplatzierter der drittbeste Europäer in Sapporo.
  • Bester Europäer über das ganze Jahr gesehen war erneut der Türke Salih Korkmaz, der seinen Landesrekord verbesserte. Bei den Olympischen Spielen kam er jedoch nicht ins Ziel.
  • Christopher Linke behauptet in dieser Saison seine Position als Top Eins in Deutschland. Zum zehnten Mal belegt der Potsdamer Platz eins der Bestenliste. Doch die Konkurrenz rückt auf: Nils Brembach war nur eine Sekunde langsamer im Saisonvergleich als der Olympia-Fünfte.
  • Jonathan Hilbert ist nicht nur in Deutschland die Nummer eins – auch im europäischen Vergleich war von den Zeiten her gesehen kein Athlet schneller als der Olympia-Zweite.
  • In Sapporo selber war es aber ein Pole, der schneller war als Jonathan Hilbert. David Tuwala kam 36 Sekunden vor dem Deutschen ins Ziel.
  • Die DM in Frankfurt war für viele der erste Wettkampf nach der WM in Doha (Katar) 2019, brachte aber viele gute Ergebnisse. Allen voran auch hier Jonathan Hilbert, der sich mit seiner Siegerzeit über 50 Kilometer auf Platz sechs der Ewigen Deutschen Bestenliste schob.
  • Der Nachwuchs hat angesichts der starken Leistungen bei den Aktiven noch Nachholbedarf. Hier schaffte kein Athlet die Norm für die internationalen Wettkämpfe.

Die Disziplin-Analysen im Überblick:

Sprint Frauen
Sprint Männer
Langsprint Frauen
Langsprint Männer
Hürdensprint Frauen
Hürdensprint Männer
Langhürden Frauen
Langhürden Männer
Mittelstrecke Frauen
Langstrecke Frauen
Langstrecke Männer
Hindernis Frauen
Hindernis Männer
Gehen Frauen

* als Referenzwert dient die WM-Norm des Jahres 2017

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