| Hallen-EM Senioren

Melitta Czerwenka-Nagel: „Solch eine Zeit macht mich stolz“

Sie hat schon wieder zugeschlagen: Melitta Czerwenka-Nagel hat erneut einen neuen Weltrekord aufgestellt. Die 91-Jährige trug sich bei der Hallen-EM der Senioren nach ihrer Bestmarke über 800 Meter nun auch mit einem Rekord über 1.500 Meter in die Geschichtsbücher ein. Im Interview haben wir mit der Ausnahmeathletin über das Rennen sowie ihre Emotionen im Ziel gesprochen.
Jörg Valentin

Selbst erfahrenen Sportjournalisten gehen mittlerweile die Superlative aus, wenn es um die Beurteilung der Leistungen von Melitta Czerwenka-Nagel (LAG Saarbrücken) geht. Der 91-jährigen Saarländerin ist bei der Hallen-EM der Senioren im portugiesischen Braga nach dem Weltrekordlauf über 800 Meter nun auch mit 11:38,34 Minuten ein neuer Weltrekord über 1.500 Meter gelungen. Die Doppel-Europameisterin ist die erste Frau, die im Alter von 90+ diese Strecke in der Halle lief. Die Zeit ist sogar so gut, dass auch der aktuelle Stadionrekord im Freien pulverisiert worden wäre. Dieser wird immer noch von der Kanadierin Leonore Montgomery mit 12:34,67 Minuten gehalten.

Melitta Czerwenka-Nagel, herzlichen Glückwunsch zum neuen Weltrekord in der Halle über 1.500 Meter. Beschreiben Sie doch einmal Ihre Erwartungen vor dem Rennen und Ihre Emotionen danach.

Melitta Czerwenka-Nagel:

Nach den 800 Metern hatte ich im Vorfeld des Rennens schon Befürchtungen, dass mir die Spritzigkeit fehlen würde, aber schon nach wenigen Metern habe ich gewusst, dass es bei mir läuft. Relativ schnell habe ich dann meinen Laufrhythmus gefunden und mich in das Rennen gebissen. Dass eine solche Zeit dabei herauskommt hatte ich so nicht erwartet und macht mich stolz.

Das dürfen Sie auch, denn Sie sind die erste Frau im Alter von 90+, die die 1.500 Meter in der Halle laufend bewältigt hat. Wo andere in diesem Alter mit einem Rollator oder einem Stock unterwegs sind, laufen Sie wie ein junges Reh in der Halle einen Weltrekord nach dem anderen. Sind Sie in einen „Jungbrunnen“ gefallen?

Melitta Czerwenka-Nagel:

Nein, nein, so etwas Besonderes ist das gar nicht, Vielleicht habe ich ein paar gute Gene. Aber ich habe auch viel dafür getan. Ich habe nie geraucht, kaum Alkohol getrunken und mich immer gesund und ausgewogen ernährt. Dazu überlegtes Training und Willensstärke – das sind die Faktoren für meine Erfolge. Ich freue mich natürlich, dass ich immer noch ohne Stock Treppen rauf und runter gehen kann.

Sie haben einmal erzählt, dass Sie neben Lauftraining auch einmal wöchentlich im Kraftraum trainieren. Wie darf man sich das vorstellen?

Melitta Czerwenka-Nagel:

Ich liebe das Krafttraining. Für mich gehört ein ausgewogenes Zirkeltraining an Geräten unverzichtbar dazu. Muskelkräftigung im Alter sollte man unbedingt einplanen. Einmal in der Woche bin ich im Kraftraum am Olympiastützpunkt in Saarbrücken Stammgast. Ich glaube, dass ist ein Teil meines Erfolgs.

Nachdem nun für Sie die Wettkämpfe in Braga abgeschlossen sind. Haben Sie sich noch ein touristisches und entspannendes Programm gesteckt?

Melitta Czerwenka-Nagel:

Natürlich schaue ich mir die wunderschöne Umgebung an. Hier gibt es viel Interessantes zu sehen. Man muss auch einmal abschalten und regenerieren können. Sport und Kultur, das lässt sich hier prima in Einklang bringen.

Abschließende Frage: Ist der 1.500-Meter-Freiluftrekord Ihr nächstes Ziel?

Melitta Czerwenka-Nagel:

Ich versuche das Projekt in den kommenden Wochen anzugehen. Das brennt mir in der Tat noch in den Füßen, diese Zeit nicht nur in der Halle, sondern auch im Stadion zu unterbieten. Ein Zeitpunkt steht aber noch nicht fest.

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