| EM 2014

Carolin Schäfer starke Vierte im Siebenkampf

Carolin Schäfer war am Freitag beim Auftritt der deutschen Siebenkämpferinnen bei der EM in Zürich (Schweiz) als Vierte die beste DLV-Athletin. Den Titel verteidigte die Französin Antoinette Nana Djimou.
Christian Fuchs

Am Ende stand im legendären Letzigrund-Stadion, das mit den Europameisterschaften auch den Mehrkämpfern offen stand, das insgesamt beste Ergebnis von drei deutschen EM-Siebenkämpferinnen seit 1990 zu Buche. Alle drei Athletinnen unter den ersten Acht, das hatte es bei den kontinentalen Titelkämpfen seither nicht mehr gegeben. Zu einer Medaille reichte es nicht ganz.

Bei Carolin Schäfer lief am zweiten Tag der Speerwurf nicht nach Wunsch. Vorher hatte sie im Weitsprung mit 6,30 Metern noch die dritte Bestleistung abgeliefert, mit 44,19 Metern ließ sie dann aber in der sechsten Disziplin einige schmerzliche Punkte liegen. Auf den 800 Metern schlug sie aber mit einer neuen Bestzeit von 2:17,39 Minuten zurück. So ging für die erst 22-Jährige mit 6.395 Zählern, ebenfalls einer neuen Bestleistung, ein glänzender Platz vier in die Statistiken ein.

Lilli Schwarzkopf (LG Hannover) lieferte in ihrer Comeback-Saison beim Saisonhöhepunkt mit 6.332 Punkten als Fünfte einen stabilen Siebenkampf ab. Die Defizite im Sprint waren nach ihrem Achillessehnenriss noch offensichtlich, aber ansonsten gab die Olympia-Zweite über weite Strecken eine gute Figur ab. Nur auf den abschließenden 800 Metern fehlten am Ende noch die alles entscheidenden Reserven.

Claudia Rath zeigt Teamgeist

Claudia Rath hatte nach dem ersten Tag noch sehr mit sich gehadert, mit einer neuen Bestleistung im Speerwurf (43,45 m) zeigte sie aber noch einmal Kampfgeist.

Auf den abschließenden 800 Metern, die zu ihren stärksten Disziplinen zählen, stellte sich die WM-Vierte dann als eine Art persönliche Tempomacherin in den Dienst ihrer Vereinskollegin Carolin Schäfer, um sie selbstlos bei der Jagd nach einer Medaille zu unterstützen. In der Gesamtwertung kam sie auf den achten Platz (6.225 Punkte).

Antoinette Nana Djimou wieder die Stärkste

Im Kampf um Gold wurde Hallen-Weltmeisterin Nadine Broersen (Niederlande) ihrer Favoritenrolle nicht gerecht. In Abstinenz ihrer Teamkollegin Dafne Schippers, die sich in Zürich auf den Sprint konzentrierte, und der verletzten Britin Katarina Johnson-Thompson bahnte sich Titelverteidigerin Antoinette Nana Djimou (Frankreich) mit 6.551 Punkten wieder den Weg nach ganz oben auf das Podest.

Nadine Broersen musste sich mit Silber (6.498) begnügen. Nafissatou Thiam (Belgien; 6.423) sicherte sich Bronze.

STIMMEN ZUM WETTKAMPF:

Carolin Schäfer (LG Eintracht Frankfurt)

Es war ein geiler 800 Meter-Lauf. Keine 2:20er Zeit mehr. Ich konnte endlich auch auf den 800 Metern meine Stärke zeigen, was sonst nur im Training funktioniert hatte. Ich kann diesen vierten Platz noch überhaupt nicht in Worte fassen. Ich bin so dankbar und so glücklich dafür, dass ich überhaupt hier teilnehmen durfte. Dass es ein vierter Platz geworden ist, habe ich echt Claudia über die 800 Meter zu verdanken. Sie musste einen Platz für mich opfern. Sie hat aber sofort gesagt: Wir kämpfen zusammen um die Medaille für dich. Großes Kompliment, das ist eine Wahnsinnsgeste. Dafür bin ich unendlich dankbar. Ich bin da einfach so happy drüber, noch eine persönliche Bestleistung erreicht zu haben, obwohl ich den Speer so versemmelt habe. Da bin ich eigentlich so sicher. Es sind aber soviele verschiedene Dinge im Mehrkampf. Irgendwas muss falsch laufen, glaube ich. Sonst würde man nicht die Reserven noch sehen und weiterarbeiten. Ich bin superfroh mit der Punktzahl. Ich weiß aber, es geht noch viel mehr.

Lilli Schwarzkopf (LG Hannover)

Die Kräfte lassen noch nicht mehr zu. Ich muss akzeptieren, dass ich noch nicht bei 100 Prozent bin. Das wäre jetzt auch zuviel erwartet. Ich habe mein Bestes gegeben. Ich muss akzeptieren, dass es so ist wie es ist. Ich bin froh, dass ich heil durchgekommen bin, dass mir nichts wehtut. Es fühlt sich wieder gut an. Es wäre natürlich noch ein bisschen Luft nach oben gewesen. Ich bin zwiegeteilt. Einerseits bin ich schon froh, dass ich einen wahnsinnig großen Schritt gemacht habe. Die letzten zwei Jahre haben schon sehr viel Kraft gekostet. Diese Kraft fehlt mir. Die Wettkampfreize haben gefehlt. Man muss dieses Niveau wieder Jahr für Jahr aufbauen. Andererseits ist der fünfte Platz absolut akzeptabel. Die Bedingungen waren nicht so einfach. Ich habe das Bestmögliche gegeben. Ich muss jetzt erst einmal die ganze Saison sacken lassen und dann für mich Schlüsse ziehen, wie es weitergeht.

Claudia Rath (LG Eintracht Frankfurt)

Mein Fazit fällt immer noch so wie gestern aus. Es lief nicht so, wie ich es gerne gehabt hätte. Aber eigentlich hat es der Speerwurf fast wieder wettgemacht. Der Speer war traumhaft. Beim Rest wird im nächsten Jahr neu angegriffen. Es war auch so, dass ich (über 800 Meter) für Carolin Tempo machen wollte. Eigentlich sollten wir bei einer 2:15 oder 2:16 landen. Es war aber kein einfacher Lauf. Es ist mir dann auch noch schwer gefallen. Aber es hat für Carolin halbwegs geklappt. Bei ihr steht jetzt eine Eins in der Mitte und keine Zwei mehr. So hat es doch gereicht. Ich habe jetzt Saisonpause. Darauf freue ich mich auch riesig. Ich hoffe, dass ich danach den Spaß am Training wiedergefunden habe. Ich liebe den Siebenkampf und ich lebe dafür. Die Lockerheit für die nächsten Wettkämpfe kucke ich mir ein bisschen bei Caro ab. Ich war ein bisschen zu verbissen dieses Jahr. Ich wollte zuviel. Ich muss noch ein bisschen fröhlicher im Wettkampf sein und alles mit Spaß nehmen.

 

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